Wie verpackt man ein Musical-Ticket?

Wie in den vergangenen zwei Jahren auch plante ich, meiner Freundin zum Geburtstag ein Ticket für einen Musical-Besuch zu schenken. Nach „Phantom der Oper“ vor zwei Jahren und „Hinter dem Horizont“ im vergangenen Jahr war nun „Mary Poppins“ in Hamburg angesagt. Der Film, den sie auch erst vor kurzem erstmalig gesehen hatte, hatte ihr sehr gut gefallen, da fiel mir die Wahl nicht sonderlich schwer.

Aber wie verpackt man ein Musical-Ticket? Beim „Phantom“ hatte ich selbst eine Karte dazu gestaltet. Ob und was ich im vergangenen Jahr gemacht habe, weiß ich schon gar nicht mehr, aber ich hatte die Idee, eine Art Modell von der Plakattafel zu bauen, mit blinkenden LEDs einmal rundherum. Ich hatte schon angefangen, dafür rote SMD-LEDs an Leitlackdrähte zu löten, ein sehr nerviges, langwieriges Verfahren. Irgendwie habe ich das dann nicht mehr verwirklicht. Stattdessen gab es zum Valentinstag dann ein aus Sperrholz ausgesägtes Herz mit blinkenden LEDs rundherum, das sollte dann zu einer Art Prototyp für das Projekt dieses Jahres werden.

Irgendwann entwickelte sich dann in meiner Rübe folgendes Konzept: Zu bauen wäre ein kleines Kästchen mit einer Schublade drin. In die Schublade sollte das Ticket hineinkommen, auf das Kästchen drauf die Plakattafel. Würde man die Schublade öffnen, sollten die LEDs an der Plakattafel zu blinken beginnen. Und im Idealfall sollte das Kästchen dann auch noch einen Song aus dem Musical abspielen, beides ausgelöst durch Magneten an der Schublade und Reed-Kontakte an der Box. Das war also erst mal der grobe Plan.

Prototyping: 50 verschiedenfarbige LEDs als Lauflicht auf einem Breadboard.

Prototyping: 50 verschiedenfarbige LEDs als Lauflicht auf einem Breadboard.

Ich begann, die mittlerweile schon ein paarmal gelötete Schaltung mit einem Timer NE555 und einem Dezimalzähler [Typ einfügen] erstmal wieder auf einem Breadboard zusammenzustöpseln. Dazu kamen dann pro Zählerausgang ein Schalttransistor, um den Strom mehrerer LEDs nicht auf dem Zähler-IC zu haben, sondern jeweils auf der CE-Strecke eines Transistors. Naja, alles schon mal gemacht, beim Valentins-Herz, da allerdings nur mit 5 Kanälen, der sechste hat dann den Zähler resettet. Ich war zuerst nicht sicher, wieviele LEDs ich einbauen würde. 50, 60, oder gar 80? Mein Prototyp hatte erstmal bis zu 60, am Ende wurden es aber doch nur 50, so dass bei 10 Kanälen immer fünf Stück gleichzeitig leuchteten.

Die fertige Zählerplatine mit LED-Treibern

Die fertige Zählerplatine mit LED-Treibern.

Die „richtige“ Platine baute ich dann wie immer auf einem Lochraster-Board. Platinen selbst ätzen und bohren hat zwar was, aber irgendwie ist es wegen der aggressiven Chemikalien irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes „ätzend“ – nix für mich Grobmotoriker. Ich würde im besten Falle Löcher in meinen Esstisch und Teppich brennen und im schlimmsten mir selbst schwere Verletzungen zufügen. Das lasse ich doch mal lieber.

Bzgl. des Sounds hatte ich schon mal etwas mit so einem kleinen Sampler-Board gemacht, welches ich einer aufwändigen Postkarte, die ich mal bekommen hatte, entnommen habe. Das Ding konnte auf Tastendruck etwa 10 Sekunden Botschaft aufnehmen und über eine andere Taste wieder abspielen. Das Ding habe ich in eine Art Kleinbus eingebaut, mit einem Tonschnipsel aus Frank Sinatras „New York, New York“.

Die kleine Platine mit dem roten USB-Stick ist ein rudimentärer MP3-Player. Der USB-Stick ist das Teuerste daran...

Die kleine Platine mit dem roten USB-Stick ist ein rudimentärer MP3-Player. Der USB-Stick ist das Teuerste daran…

Also war es naheliegend, im Netz erst mal so ein Ding zu suchen und zu bestellen, was ich auch tat. Aber nachdem ich ein bisschen gesucht hatte, wusste ich, dass mit ein wenig Budget viel mehr möglich wäre. Bei Conrad-Elektronik fand ich einen Player um die 20 Euro, der MP3-Dateien von einer Speicherkarte abspielen konnte, mit Anschlüssen für 10 Tasten, über die dann 10 verschiedene Dateien abspielbar wären. Hm… Türklinkel mit 10 Kingelknöpfen, und der Besucher kann aus 10 Songs entscheiden, womit er oder sie klingeln möchte… Lustige Idee eigentlich.

Am Ende bestellte ich eine Platine für ein Bruchteil von 20 Euro. Diese hat einen eingebauten, kleinen Mono-Verstärker, an den man einen 0,5 W-Lautsprecher anklemmen kann, alternativ hat man einen Stereo-Ausgang über 3,5 mm Klinke, man kann MP3-Dateien von USB-Stick oder Micro-SD abspielen, und die Stromversorgung über einen Micro-USB-Stecker oder Lötkontakte herstellen. Ansonsten hat das Ding vier Tasten, Play/Pause, Track vor, Track zurück, und Track repeat. Das Ding bootet in ca. 5 Sekunden und spielt dann die letzte Track, die man sich anhörte, von Anfang an ab. Echt nicht übel für wenige Taler… Mittlerweile habe ich davon noch zwei für spätere Projekte bestellt. Außerdem kaufte ich beim Bürowarenladen meines Vertrauens ein 4er-Pack billige 8GB-USB-Sticks als Speichermedium für den Player, einer wurde in diesem Projekt verbaut.

Nun, die Elektronik stand also bereit. Nun wurde es also Zeit, das „eigentliche“ Teil zu bauen. Ich begann mit der Plakattafel, dem Billboard (intern auch als „Baugruppe A“ bezeichnet). Zuerst musste ich mir die Grafik im Internet besorgen, in einer möglichst hohen Auflösung. Dann galt es, das Bild zu bearbeiten. Auf dem Originalbild befindet sich Mary Poppins innerhalb des Bildes, teilweise hinter dem „M“ vom Mary Poppins-Schriftzug. Das war mir zu langweilig, ich wollte, dass Mary Poppins mit ihrem Schirm „aus dem Bild herausfliegt“ – und das dann auch mit Blinke-LEDs umgeben. Also musste ich die erst einmal aus dem Bild raus retouchieren, die Dame selbst auch etwas zusammenflicken, wo das „M“ gewesen war, und dann platzierte ich Miss Chef-Nanny so, dass sie aus dem Rechteck des Bildes herausragte. Naja, zuerst wollte ich sie auf ein Stück Sperrholz kleben, mit der Lausäge aussägen, und das dann auf ein Poppins-freies Bild drauf kleben. Damit wollte ich einen dreidimensionalen Effekt erzielen. Das sah aber nicht gut aus, also druckte ich doch das ganze Bild inkl. Nanny Poppins aus, klebte es auf ein passend ausgesägtes Sperrholz mit Rand für die LEDs, und fertig. Den Rand lackierte ich dann weiß.

MP3-Player, dessen Stromversorgung, Lautsprecher, Lautstärke und angelötete Steuertaster in der endgültigen Anordnung auf dem Boden der Schublade.

MP3-Player, dessen Stromversorgung, Lautsprecher, Lautstärke und angelötete Steuertaster in der endgültigen Anordnung auf dem Boden der Schublade.

Dann begannen die Arbeiten an der Schublade, oder auch „Baugruppe B“. Zunächst einmal musste ich mir sinnvolle Dimensionen überlegen, das Ganze sollte natürlich groß genug werden, dass der MP3-Player mitsamt Lautsprecher, USB-Stick und Stromversorgung hinein passte, aber auch nicht so monströs groß, dass es kaum zu transportieren wäre und viel Platz wegnähme. Apropos Stromversorgung, testweise hatte ich das Ding über eine Powerbank mit Saft versorgt und auch überlegt, eine solche zu verbauen, am Ende habe ich mich aber doch für ein Batteriepack mit drei AA-Zellen (4,5 V) entschieden. Die Dimensionen habe ich mir dann mit Ausprobieren erschlossen. Ich entschied mich, die Schublade mit einer Zwischenwand in Platz für den MP3-Player und Platz für das Ticket zu unterteilen, und in die Zwischenwand dann noch die Bedienelemente für den MP3-Player einzubauen. Außerdem entschied ich mich schließlich, dass der Kasten mit der Reklametafel obendrauf und die Schublade jeweils autark sein sollten, mit jeweils einer eigenen Stromversorgung und ohne Kabel, die beides miteinander verbanden. So könnte man dann die Schublade komplett herausnehmen und den MP3-Player ohne den Rest der Anordnung betreiben.

Ich sägte also eine Sperrholz-Grundplatte aus und leimte 8 mm-Kantholzer als Rahmen an den Rand. Dann leimte ich weitere Kantholz-Stückchen, nach oben zeigend, für die Seitenwände der Schublade auf den Rahmen. Leider wurde eins davon krumm und schief, weil ich die Ausrichtung nicht mit einem 90-Grad-Winkel kontrollierte. Hätte ich mal machen sollen… Die Seitenwände sägte ich, wie die Grundplatte, mit der Laubsäge aus, was auch alles andere als gerade wurde, danach wurden sie weiß lackiert. Den kleinen Griff der Schublade gestaltete ich aus einem Stückchen Rundholz und einer hölzernen Halbkugel aus dem Bastelgeschäft meines Vertrauens. Das Ding malte ich dann rot an, in Anlehnung an Mary Poppins‘ Mantel, dann klebte ich es an die Vorderwand der Schublade.

Neben einem Lautsprecher, den ich schon eigens, wie andere Bauteile auch, im Elektronikladen meines Vertrauens, gekauft hatte, besaß ich noch zwei nicht-aktive, kleine Lautsprecher für Walkmen. Die Dinger hatte ich vor so 30 Jahren, als Jugendlicher, in einem anderen Elektronikladen meines Vertrauens, namentlich „Elektronik 70“ in HH-Harburg gekauft. Ich überlegte, die in die Seitenwände der Schublade zu verbauen. Allerdings gab es nur einen verstärkten Mono-Ausgang am MP3-Player. Ein Verstärker für den 3,5 mm Klinkenausgang musste her. Ich baute einen Prototyp mit meinen Standard-Schalttransistoren auf dem Breadboard nach einem Schaltplan aus einem Elektronik-Baukasten aus den 80er. Das hatte früher gut für andere Anwendungen funktioniert – doch meine Schaltung bekam nur eine geringe Verstärkung in. Entweder war sie fehlerhaft, oder es lag daran, dass mein Elektronik-Baukasten einen anderen Transistortyp verwendete. Im Elektronik-Laden meines Vertrauens lagen aber Kemo-Bausätze für OP-basierte Monoverstärker heruntergesetzt auf dem Grabbeltisch, drei Euro Stück. Wie praktisch, ich nahm zwei Stück mit und freute mich auf das Zusammenlöten.

Dann allerdings passierte was Dummes und Michi-typisches: Auf dem Nachhauseweg fuhr ich gewohnheitsmäßig auf den Parkplatz meines Supermarktes, wo ich feststellte, dass ich gar nichts einzukaufen hatte. Aber ich könnte ja eben das Ingress-Portal hacken. Und das nächste auch gleich. Und dann nachhause fahren und löten. Zuhause stellte ich dann fest: Meine Fahrradtasche fehlte! Ich würde sie wohl am Supermarktparkplatz schon mal abgemacht und dann aufgrund der Ingress-Ablenkung vergessen haben. Also schnell zurück, ich war bestimmt höchstens zehn Minuten weg gewesen. Genauso weg wie meine Fahrradtasche! Leider. Ich fragte im Markt nach, aber sie war nicht abgegeben worden. Hatte ich sie überhaupt hier vergessen, oder vielleicht in der Firma? Also los, die sechs km zu Firma, feststellen, dass hier die Tasche auch nicht war, völlig frustriert wieder zurück. Diebe! Übeltäter! Miese Menschheit!

So dachte ich. Bis ich am nächsten Tag eine Textnachricht im Firmen-Chat von unserer Auszubildenden vorfand, ein Herr hätte meine Fahrradtasche auf dem Parkplatz gefunden, mit einem Brief drin, auf dem mein Name und der Name meines Arbeitgebers stand. Ups. Die Menschheit ist wohl doch nicht so zu verdammen… Gut, ich dachte, es wäre doch der Firmenparkplatz gewesen, und der Finder wäre ein Mitglied der Gebäudeverwaltung, aber es stellte sich heraus, dass der Finder in Eversburg keine 5 Fußminuten von meiner Wohnung entfernt wohnte und die Tasche auch vor meinem Supermarkt gefunden hatte. Er brachte sie in meiner Abwesenheit zur basecom, aber ich hatte unsere Azubine instruiert, sich Namen und Telefonnummer geben zu lassen. So konnte ich den ehrlichen Finder kontaktieren, seine Adresse herausfinden und ihm zum Dank eine große Packung Merci-Schokolade und eine Flasche Rotwein vorbeibringen.

Allerdings hatte ich inzwischen die Variante mit dem Stereoverstärker und den zwei Lautsprechern verworfen und es stattdessen bei einem Lautsprecher belassen. Dafür blieb der 3,5 mm Klinkenanschluss frei, der ermöglicht es, das Ding auch an eine Stereo-Anlage anzuschließen und die Musik in Hi-Fi-Qualität abzuspielen. Die Buchse hat einen Unterbrecher-Kontakt, der den internen Lautsprecher abschaltet, wenn man einen Stecker einsteckt – praktisch.

Apropos Musik: Ich hatte meiner Freundin im vergangenen Jahr schon die CD mit dem Mary-Poppins-Motion-Picture-Soundtrack geschenkt. Nun hatte ich mir bei Amazon noch die Broadway-Musical-Version des Londoner Cast (sehr empfehlenswert, wie ich finde) gekauft, heruntergeladen und auf dem Stick für den Player gespeichert.

Schublade mit Zwischenwand für MP3-Bedienelemente

Schublade mit Zwischenwand für MP3-Bedienelemente

Als die Schublade langsam Gestalt annahm und während Farbe und Kleber zu trocknen hatte, widmete ich mich wieder „Baugruppe A“, dem Billboard. Hier war zu zu überlegen, zu rechnen und letzten Endes „über den Dauemen zu peilen“, wieviele LEDs hier sinnvoll verbaut werden konnten. So richtig rechnen konnte ich wegen der Kontur von Frau Poppins, die ja die Gerade des Rechtecks mit ihren Kurven (also ihrer Außenkontur, nix falsches denken!) unterbrach. Am Ende entschied ich mich, das 50 LEDs zu reichen hatten. Also waren 50 Löcher zu bohren. Im Metallwaren- und Werkzeugladen meines Vertrauens hatte ich mir vorher schon einige Schrauben etc. gekauft. Ich fragte nach einer kleinen Tischbohrmaschine, weil die andere, recht kleine Elektrowerkzeuge und -werkzeugmaschinen im Angebot haben, die für Modellbau sehr gut geeignet sind. Sie hatten keine am Lager, aber man zeigte mir einen Katalog, und ich entschied mich schließlich, eine kleine Maschine zu kaufen, die ich dann bei dem Laden später telefonisch bestellte. Im Netz hätte ich die 20 oder 30 Euro günstiger bekommen können, aber der besagte Laden ist einfach so super von der Auswahl und Beratung, den wollte ich dann doch lieber explizit unterstützen. Genauso wie meinen Elektronikladen und das Bastelgeschäft vor Ort. Dennoch kamen viele andere Teile, wie der MP3-Player, von Amazon.

50 Löcher für 50 LEDs - ich habe mir extra eine kleine Tischbohrmaschine dafür gekauft.

50 Löcher für 50 LEDs – ich habe mir extra eine kleine Tischbohrmaschine dafür gekauft. Bei den Löchern in den Ecken, das waren die ersten Löcher und Referenzpunkte, habe ich irgendwie Mist gebaut.

So waren die 50 Löcher schnell gebohrt und die LEDs mit Kunststoff-Fassungen eingebaut. Einige saßen dennoch wackelig, so dass ich überall noch einen Tropfen Heisskleber hinten draufkleckste. Danach verband ich mit blankem Draht alle Anoden miteinander, zehn mal jeweils fünf LEDs waren als Gruppe mit jeweils einem der zehn Transistoren zu verbinden, genauer gesagt, über einen Vorwiderstand mit dem jeweiligen Collector. Daher die gemeinsame Anode, die auf Plus der Batterie zu legen war. Nachdem alle Anoden verbunden waren, verband ich erst einmal die ersten zehn LEDs mit der den Vorwiderständen auf der Platine, die ich dann auf zwei Kantholz-Stückchen schraubte, die ich von hinten an das Billboard leimte. Genauso verfuhr ich mit dem Batterie-Pack, welches vier AA-Zellen (6 V) enthielt. Danach ging es daran, die Kathoden von jeweils fünf LEDs pro Kanal zu verbinden. Nervige Arbeit, es ist nicht leicht, zwei starre Drähte an einen LED-Pin zu löten, nächstes Mal nehme ich dafür Schalt-Litze, die ich vor dem Verlöten verdrillen kann.

Lötarbeiten am Billboard

50 LEDs zu verlöten ist eine langwierige und friemelige Arbeit. Die Anoden aller LEDs sind verbunden, ansonsten die 10 Kanäle des Lauflichts jeweils verteilt auf 5 LEDs, hier noch zu erledigen. Vorher befestigte ich die Zählerplatine am Billboard.

Das nächste Problem war, das Billboard irgendwie auf „Stelzen“ zu kriegen, also an zwei Kanthölzer. Ich konnte die nicht mehr so einfach an die Rückseite des Billboards leimen oder schrauben, weil die LEDs zu dicht aneinander saßen, um die 8mm-Kanthölzer da durch die Lücken zu bekommen. Ich leimte stattdessen ein rot lackiertes Kantholz an die untere Kante der 3 mm starken Sperrholz-Platte. Das verstärkte ich noch mit ein paar kleinen Holzdreiecken, die beim Sägen von 45 Grad-Winkeln als Müll angefallen waren. Insgesamt machte das dann einen recht stabilen Eindruck. An das Kantholz konnte ich dann die „Stelzen“ leimen. Insgesamt wurde es eine aus der Not geborene, aber zweckdienliche Konstruktion, die ich später noch doppelt ausführte, weil mir das mit den 8mm-Kanthölzern doch zu filigran vorkam.

Zwischenstand: Schublade und Billboard

Soweit, so gut: Die Schublade ist schon recht weit, und die LEDs sind im Billboard. Es bleibt immer noch viel zu tun.

Während „Baugruppe A“ (Billboard) und „Baugruppe B“ (Schublade) nun schon recht weit vorangeschritten waren, war „Baugruppe C“ (Kasten für die Schublade) noch nicht einmal angefangen. Weil weder der Metallwaren-Laden, noch der Bastelladen meines Vertrauens stärkere Kanthölzer als 8 mm anboten, fuhr ich in der Mittagspause vom Büro zum Baumarkt, wo ich 12 mm Kanthölzer, einen Zollstock und eine Säge erwarb (letztere beiden Gegenstände nur, um sofort vor Ort die Kanthölzer von 2 m Länge auf jeweils zwei mal ein Meter zu kürzen, anders war das mit dem Rad nicht sicher zu transportieren). Aus diesen Kanthölzern baute ich dann einen Rahmen für das Kästchen, in welches die Schublade eingeschoben werden sollte.

Die Schublade ist fertig... wie sich herausstellte, aber mit einem Konstruktionsfehler, der noch zu berichtigen war...

Die Schublade ist fertig… wie sich herausstellte, aber mit einem Konstruktionsfehler, der noch zu berichtigen war…

Hier ergaben sich verschiedene Probleme aufgrund von einerseits Pfusch und andererseits Fehlplanungen. Da aufgrund des schief geleimten Kantholzes der Schublade dieselbe oben und unten nicht dieselbe Kantenlänge hatte, passte die Schublade am Ende oben passgenau in den Rahmen, unten stand was über. Um das zu lösen, verlängerte ich den Kasten nochmal um 12 mm Breite, indem ich die hinteren Kanthölzer doppelt ausführte. Außerdem hatte ich dummerweise bereits einen Endschalter, die den MP3-Player beim Herausziehen der Schublade aktivieren sollte, außen an der Schublade angebracht. So würde man aber die Schublade nicht ganz herausziehen und entnehmen können, weil der Endschalter so im Weg wäre. Also baute ich den wieder aus, spachtelte die Bohrlöcher zu und übermalte den Spachtel noch mal weiß. Am Ende kaufte ich in meinem Elektronikladen andere Endschalter in einer kleineren Ausführung, einen davon brachte ich nun innen in der Schublade an, außerdem leimte ich ein Kantholz mit einer Holzschraube als Schaltnocken (um die den Abstand variieren durch Rein- oder Rausdrehen der Schraube variieren zu können) an den oberen Rahmen des Kästchens an. Das funktionierte dann ganz gut. Der zweite Endschalter wurde unten am Rahmen direkt verschraubt, ein eigener Schaltnocken dafür war nicht notwendig, dieser Schalter wurde direkt durch die Schublade selbst geschlossen, sobald diese herausgezogen würde.

Schublade im Grundgerüst für die Box

Die Schublade im Gründgerüst für die Box. Ich bezeichnete für mich selbst das Billboard irgendwann als „Baugruppe A“, die Schublade als „Baugruppe B“ und die Box für die Schublade als „Baugruppe C“.

An der Schublade fehlte noch eine Zwischenwand, eine kleines Stück Sperrholz mit acht Bohrungen für die Bedienelemente des MP3-Players. Die Taster für Play/Pause, Track vor, Track zurück und Repeat Track waren auf der Platine direkt als SMD-Bauteile ausgeführt, ich konnte aber jeweils zwei Drähte anlöten, um parallel zu den Tastern externe, zusätzliche Taster einzubauen. Diese kamen in vier der Bohrungen. In eine kam eine grüne LED mit Vorwiderstand, die zur Stromversorgung des Players parallel geschaltet war, sie sollte einfach nur anzeigen, ob der Player aktiv wäre. Dann kam noch ein logarithmisches Poti als Lautstärkeregler da rein (leider waren dafür keine Anschlüsse am MP3-Player vorhanden, so dass ich das Poti nicht zwischen Player und Verstärker schalten konnte, sondern zwischen Lautsprecher und Lautsprecherausgang löten musste). Die letzten zwei Bohrungen waren für jeweils einen kleinen Schalter, einer diente als eine Art Hauptschalter: Zöge man die Schublade heraus, würde sie durch den geschlossenen Endschalter immer Musik machen, daher brauchte es noch einen Schalter, mit dem man den Player komplett ausschalten konnte, egal, ob die Schublade drin oder draußen wäre. Der andere Schalter hatte eine gegenteilige Funktion, er ermöglichte das Überbrücken des Endschalters, so dass auch die Möglichkeit bestünde, den Player laufen zu lassen, wenn die Schublade drin und der Endschalter somit offen wäre. Schien mir aufgrund des potentiellen akustischen Effekts (das Kästchen als Resonanzkörper) sinnvoll zu sein. Den Lautsprecher hatte ich nach unten zeigend in den Boden der Schublade eingebaut und aus diesem dafür eine kreisförmige Öffnung gesägt. Deswegen brachte ich auch kleine 12 mm Kantholz-Würfel als Füsse unten am Kästchen-Gerüst an, damit der Lautsprecher nicht direkt auf der Oberfläche, auf der das Ganze stünde, aufliegen würde.

Boxgerüst und fortgeschrittenes Billboard

Das Grundgerüst für die Box und das schon weit fortgeschrittene Billboard. In der Box rechts hinten ist der Endschalter zu sehen, der die LEDs beim Öffnen der Schublade aktiviert. Um diesen einfaach mit dem Billboard zu verbinden, habe ich ihn mit einer Lüsterklemme als „Schnittstelle“ verbunden.

Dann galt es, das bisher nur als Gerüst existierende Kästchen mit Seitenwänden und Deckel zu verkleiden. Nach unten ließ ich es offen, damit der Lautsprecher im Schubladenboden nicht auf einer Sperrholzplatte aufläge. Ich hatte mir extra eine Laubsägemaschine (eine kleine Dekupiersäge) bei Amazon bestellt. Mein Metallwaren-Laden hatte die nicht vorrätig (ich hatte extra angerufen), die Zeit drängte, und Amazon konnte schneller liefern. Natürlich war es auch günstiger. Meine Hoffnung war, damit schneller und genauer sägen zu können. Nun, das Ding ist nicht schlecht, aber nach 6 cm ist mit einem geraden Anschlag oder einem Winkelanschlag schon Feierabend, weshalb ich am Ende doch das Meiste ohne Anschlag sägen musste, weshalb es wieder nicht so gerade wurde. Für sowas brauche ich wohl doch eher eine kleine Kreissäge. Vielleicht nächstes Mal… Schließlich waren die Sperrholzteile jedenfalls ausgesägt und lackiert.

Deckel drauf

Die Leitung, die durch die Bohrung im Deckel führt, wurde über die Lüsterklemme mit dem Endschalter verbunden.

Die Zeit drängte. Den Geburtstagstermin zur Übergabe hatte ich längst gerissen, aber der Musical-Termin selbst rückte näher, und ich wollte das Ding natürlich vorher übergeben. Aber am Ende kam ich doch recht gut vorwärts, so dass ich noch etwas einbauen konnte, was mir während der Arbeiten erst eingefallen war. Das Billboard mit den blinkenden LEDs machte zwar schon was her, aber in einem dunklen Raum, wenn die extrahellen, bunten Leuchtdioden richtig Disco machten, sah man vom Plakat selbst nichts. Daher besorgte ich mir zwei weiße 5 mm LEDs extrahell mit passenden Metallfassungen und bastelte aus Kant- und Sperrholz Halterungen, die die Lichtkegel der beiden LEDs in einem 45 Grad-Winkel auf das Plakat fielen ließen. Damit war ich sehr zufrieden, das war sowas wie das i-Tüpfelchen am Billboard.

Bedienpanel Beleuchtung

Bedienpanel Billboard: Hauptschalter (um die Beleuchtung komplett abzuschalten), Override-Schalter (Beleuchtung an, auch wenn Schublade drin ist, Potentiometer, um die Lauflichtgeschwindigkeit zu variieren.

Am Ende war dann alles zusammenzubauen. Ich verschraubte die rot lackierten „Stelzen“ und Verstrebungen des Billboards mit dem Deckel des Kästchens und diesen anschließend an den oberen Kanthölzern des Gerüsts. Die Leitung für den Endschalter wurde durch eine Bohrung im Deckel in das Kästchen geführt und dort an eine Lüsterklemme geschraubt, die ich hier für den Endschalter als „Schnittstelle“ verbaut hatte. Danach wurden die Seitenteile an die Kanthölzer der Kästchens geschraubt.

Mary Poppins Box schon fast fertig

Hier nimmt die Sache schon ziemlich konkret Form an. Neu sind hier die zwei „Scheinwerfer“ die das Plakat beleuchten. Die LEDs, die am Rande blinken, tun das ja nicht, und ich wollte das Plakat nicht dunkel lassen.

Nun fehlte nur noch ein wenig Dekoration. Der Plan war, für die Übergabe den Song „A spoonful of sugar“ einzustellen. Der beginnt mit Mary Poppins‘ philosphischer Ansage gegenüber der Kinder, die ihr Zimmer nicht aufräumen wollen:
„In every task, that must be done, there is an element of fun. You find that fun, and snap! The job’s a game.“ („In jeder Aufgabe, die erledigt werden muss, gibt es einen spassigen Teil. Finde diesen Teil, und schnipp! Die Arbeit ist ein Spiel.“). Diese Zeilen wollte ich oben auf den Kasten malen. Zunächst druckte ich das in passender Größe aus und begann, die Buchstaben mit einer Nagelschere auszuschneiden, um eine Pinselschablone zu gewinnen. Es war doch sehr friemelig. Nachdem ich die ersten zwei Wörter ausgeschnitten hatte, probierte ich die Schablone an einem Stück Verschnitt aus: Akzeptabel, aber nicht wirklich toll, die Arbeit nicht wert. Schließlich malte ich den Text doch in Freihand auf den Deckel und nutzte nur ein Lineal, um auf eine einigermaßen gerade Schriftführung und einheitliche Buchstabenhöhe zu kommen.

fast fertig

Das Ganze fast fertig, inklusive des Musical-Tickets in der Schublade. Die Noten sind so bei einem Bastelgeschäft gekauft, ich habe sie nur rot lackiert. Mit war die einfache Verstrebung mit 8mm-Kanthölzern zu filigran, deswegen habe ich sie schließlich doppelt ausgeführt und auf der Deckelplatte verschraubt, nicht nur verklebt. Ist nun recht stabil.

Am liebsten hätte ich auch noch die richtigen Noten der Melodie auf das Kästchen gemalt. Auf dem Deckel war aber nicht mehr genug Platz, so dass es nur noch auf den Seitenteilen möglich gewesen wäre. Ich wusste, meine Freundin hätte genug Spieltrieb, um das auf ihrem Keyboard oder einer Tablet-App einmal auszuprobieren, ob die Melodie korrekt notiert wäre, ich sah es vor meinem inneren Auge schon passieren. Dennoch verzichtete ich, auf dem Seitenteil sähe das nicht so gut aus, aber vor allem wusste ich, dass meine rote Farbe mehr als einen Tag benötigte, um nicht mehr zu kleben. Und ich hatte nicht hatte keinen ganzen Tag mehr Zeit. Stattdessen begnügte ich mich, einige musikalische Symbole, die ich in meinem Bastelladen erworben und schon zuvor rot lackiert hatte, auf den Deckel und an die Seitenteile zu kleben, Violinschlüssel, Achtelnotenpaare und einzelne Achtelnoten. Und damit war das Ding fertig und funktionierte.

Fast. Eine der zehn LED-Ketten war immer wieder ausgefallen. Auch kurz vor der Übergabe passierte das. Sehr nervig. Ich glaube, es gab dafür mehr als eine Fehlerquelle bei den teilweise schlampig verlöteten LEDs, aber es war immer derselbe Strang betroffen. Am Ende tauschte ich eine LED noch mal aus, und weil ich eine kalte Lötstelle auf der Platine vermutete, friemelte ich auch die noch mal raus und verlötete das Drähtchen neu. Leider löste auch das das Problem nicht dauerhaft, auch nach der Übergabe fiel das noch mal aus.

Aber trotz allem Pfusch, was am Ende zählt, ist der Gesamteindruck und das Gesamtkonzept, und damit war selbst ich recht zufrieden. Bei der Übergabe und dem ersten Öffnen der Schublade durch meine Freundin tat das Ding genau das, was es sollte, und ich denke, es ist alles recht gelungen.

Bis auf eine Sache: In der Kür mag ich geglänzt haben, aber die Pflicht habe ich vermasselt. Als wir von meinen Eltern aus, wo wir übernachteten, nach HH zum Musical an den Landungsbrücken führen, kalkulierte ich zu wenig Zeit ein. Wegen Arbeiten in einem S-Bahn-Tunnel und anderer Probleme wurden einige S-Bahn-Linien umgeleitet. Für die U3 galt das zwar nicht, aber deren Züge fuhren aufgrund einer anderen Störung unregelmäßig. Dann geriet ich deswegen auch noch in Panik, was zu weiteren Verzögerungen führte, und am Ende verpassten wir etwa die die Hälfte des ersten Teils vor der Pause, nachdem wir schließlich an den Landungsbrücken angekommen und die Musical-Shuttle-Fähre ans andere Elbufer genommen hatten. Wenigstens durften wir schon vor der Pause zwischen zwei bestimmten Szenen rein. Das war wirklich schlimm für mich und für meine Freundin sicherlich auch, die sich sehr auf alles gefreut hatte, und außerdem bin ich in solchen Situationen leider normalerweise ziemlich schwer zu ertragen.

Aber trotzdem: Was wir vom Musical gesehen haben, war erwartungsgemäß ziemlich toll. Irgendwann einmal möchte ich allerdings so ein Musical mal auf Englisch in London oder gar New York erleben. Wenn es sich einrichten läßt.

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Die Münze – Nachwort

So, noch ein paar Worte zu meiner 44-teiligen Geschichte. Erst einmal vielen Dank allen, die mir bis hierher gefolgt sind. Viele sind es sicherlich nicht, aber Teile meiner Familie und vielleicht ein paar andere haben wacker durchgehalten, trotz langatmiger Beschreibung numismatischer, technischer oder physikalischer Zusammenhänge. Dankeschön, auch für Eure Kommentare hier im Blog oder anderswo. ACHTUNG: Ab hier kommen Spoiler! Wer die Geschichte noch lesen oder zuende lesen möchte, sollte ab hier nicht weiterlesen!

Ich hatte einen Traum, ich war mit Freunden irgendwo in einem fremden Haus, und auf einmal steckte aus heiterem Himmel eine heisse Münze in einem Holzbalken. Viel mehr weiß ich nicht, nur, dass ich zuvor noch einen viel abgefahrenen Traum hatte, ein unglaublicher Thriller und ich wachte auch und dachte nur „WOW! Davon ein Drehbuch und ein Film.“ Nur leider wusste ich fast sofort nichts mehr davon.

Nun, auf dem Fahrrad auf dem Weg in die Firma dachte ich mir das Szenario mit dem Geschoss von einem misslungenen Attentatsversuch vor langer Zeit auf einem weitentfernten Planeten aus. Mir war klar, dass ich damit nicht das Rad neu erfinden würden; aber das tun die „richtigen“ Autoren auch nicht immer. Ursprünglich hatte ich geplant, dass der Attentatsversuch fehlschlagen sollte, also dass es keinen „Backup-Attentäter“ gab, aber während des Schreibens legte mir der nahezu perfekte „Mehrgenerationen-Plan“ irgendwie nahe, dass es beim zweiten Versuch klappen sollte – auch weil das Ende für die Leser vielleicht befriedigender ausfallen würde.

Zum Schreiben an sich: Ursprünglich dachte ich, es würde die Länge einer Kurzgeschichte werden. Stattdessen ist es eher ein Kurzroman geworden. Die Geschichte entwickelte schnell sehr viel Eigenleben, es entstanden Wendungen, die mir einfach plausibel erschienen. Zum Beispiel die Sache mit der Radioaktivität, die ich ja seitenweise beschrieben habe, und die dann doch im Sande verlief. Sicherlich bezüglich des Unterhaltungswertes nicht so toll, aber mir erschien das einfach plausibel, anzunehmen, ein so schweres Material könne radioaktiv sein. Personen wie die Studenten oder der Rear Admiral entstanden quasi „on the fly“, im Prozess. Aus der Geschichte mit den Studenten hätte man sicherlich mehr machen können.

Natürlich war es gewissermaßen ein Experiment, eine Fortsetzungsgeschichte zu schreiben, das brachte mich auch in Zugzwang, regelmäßig zu liefern. Das war manchmal auch anstrengend, ich hatte nicht immer Lust zum Schreiben und tat es doch. Außerdem führte es dazu, dass niemand vor der Veröffentlichung hier einmal drübergeschaut hätte. Vieles wäre sicherlich besser geworden, wenn es jemand korrekturgelesen hätte, damit meine ich durchaus auch inhaltlich. Mindestens ein logischer Fehler ist mir schon bewusst geworden: Als der – übrigens absolut fiktive – US-Präsident vorkommt wird der Hurrikan „Irma“ erwähnt, den es zu dem Zeitpunkt (es steht ja ein Datum dran) noch gar nicht gab. Ich fürchte, es gibt noch einige solcher Pannen mehr, und vieles bewegt sich mindestens am Rande der Plausibilität, beispielsweise die Sache mit der Altersbestimmung der Münze.

Ich habe schon einige Stunden im Internet recherchiert: Über Portreath (ich habe auf Google Maps an der Küste gesucht, und mir gefiel der Name, und dass eine alte RAF-Basis in der Nähe ist, was aber Zufall war), über Cambridge (naja, DER Ort der Lehre in Großbritannien), über das Cavendish-Laboratory (nun, ich suchte nach Physik in Cambridge, und landete dort, wo Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde), über Numismatik, über den Untergang der HMS Sheffield und der HMS Coventry im Falklandkrieg und so einiges mehr. „Richtige“ Autoren recherchieren länger, nicht nur im Internet und haben teilweise extra noch Leute dafür. Dennoch fand ich es interessant, wie ich die Geschichte durch reale Orte und Dinge etwas autentischer gestalten konnte. Den „Lighthouse Hill“ und die anderen Straßen in Port Reath gibt es wirklich, das Cavendish Laboratory hat wirklich ein Elektronenmikroskop des erwähnten Typs von Hitachi und auch bei den Geigerzählern habe ich mich an realen Vorbildern orientiert.

Übrigens: Eine Sache habe ich, zumindest halbwegs, geklaut: Die Sache mit dem Biomonitor der Herrscher und dem daran gekoppelten Wohlbefinden der Krieger-Clans. In dem Buch „Der Regenbogen des Mars“ von Robert L. Forward gibt es einen Herrscher (ich glaube, auf der Erde), der neben einem globalen Überwachungssystem des kompletten Planeten auch eine globale Waffe hat bauen lassen, die mit seinem Biomonitor gekoppelt ist. Sein Tod würde den Weltuntergang bedeuten. Am Ende ist seine Gesundheit schlecht, aber man findet einen Weg, mithilfe einer Art genitischen Zwillings den Biomonitor auf einen gesunden Menschen zu übertragen und so den Weltuntergang zu verhindern. Ich habe den Grundgedanken geklaut und abgewandelt.

Wie auch immer, ich habe jedenfalls gelernt, dass eine Geschichte, die ich schreibe, ein ziemliches Eigenleben entwickeln kann, und dass das Schreiben ganz schön anstrengend ist. Mir wurde bewusst, dass ich Teil B hätte viel ausführlicher und wahrscheinlich auch lebendiger hätte gestalten können, wenn ich das weniger rückblickend als Geschichte sondern in der Gegenwart und als Erlebnisse der Personen (z.B. der tapferen Agentinnen, die die Krieger- und die Herrscher-Kaste unterwandert haben) geschrieben hätte. Aber erstens hatte ich keine Lust, mir außerirdische Namen auszudenken, und zweitens wollte ich nach Teil A irgendwann einmal fertig sein, um mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Und Teil B war von Anfang an nie aufwändiger geplant gewesen.

So, das war’s von mir. Wer weiß, vielleicht gibt es doch eines Tages ein Sequel (oder ein Prequel), oder ich erzähle die Geschichte doch noch einmal aus der Perspektive der Helden aus der Arbeiter- und Bauern-Kaste (hihi klingt nach DDR). Aber bis auf weiteres bin ich fertig. Nochmals lieben Dank fürs lesen und jetzt würde ich mich sehr über abschließendes Feedback in den Kommentaren freuen, und zwar sowohl über positives als auch über kritische Töne. Schreibt gerne auch das auf, was Euch nicht so gefallen hat.

Liebe Grüße,
der Michi

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Die Münze – Teil 44

Der Attentäter zoomte die Fahrzeuge näher heran und entdeckte die Limousine des Herrschers. Er richtete die Waffe erneut aus und entdeckte hinter einer Panzerglasscheibe, von der man fälschlicherweise annahm, sie wäre mehr als ausreichend für alles, was potentielle Feinde des Herrschers aufzubieten hätten, den Kopf des Autokraten. Er atmete ruhig und richtete den für das bloße Auge unsichtbaren Markierungspunkt, den er in seinem Visier jedoch scharf und deutlich sehen konnte, auf die linke Schläfe des Kopfes. Er atmete noch einmal ein und betätigte den Auslöser im selben Moment, als unvermittelt, wie aus dem Nichts, ein Arm von hinten kam und die Waffe hochriss.

Mit einem lauten Knall und 20.000 m/s verließ das Geschoss den – im ausgezogenen Zustand – zweieinhalb Meter langen Lauf der Waffe. Mit aufgerissenen Augen blickten Attentäter und der Unbekannte auf die lange Plasmaspur, die das Geschoss hinter sich herzog. Sie markierte den Weg, den das Geschoss genommen hatte – und der knapp über das Dach der Limousine hinweg in einem flachen Winkel Richtung Himmel führte. Es hatte das Fahrzeug des Herrschers durch das Eingreifen des Fremden verfehlt.

Der Attentäter löste sich aus seiner Starre, doch der Fremde war etwas schneller gewesen: Der Mann, der ganz offensichtlich ein Krieger war, hatte sich offensichtlich von hinten leise wie eine Katze durch den Tunnel angeschlichen, während er die Waffe ausgerichtet hatte. Nun stand der Krieger mit höhnischer Miene vor ihm und sagte „Ihr glaubt wohl, Ihr seid die Einzigen, die tricksen, manipulieren, spionieren und Leute umdrehen können? Ich kannte Euren Plan, und nun ist er vereitelt! Es gibt nur eine Strafe für den versuchten Herrschermord, und die ist seit vielen Generationen festgelegt und sofort zu vollstrecken!“ Mit diesen Worten zog er mit einer fließenden, oft geübten Handbewegung seinen traditionellen Dolch aus seiner Scheide und rammte ihn dem Attentäter, der die ganze Zeit wie gelähmt gewesen war, in die Brust.

Nur eine knappe Sekunde später ertönte ein weiterer Knall, der dem ersten sehr ähnlich klang, nur von etwas weiter weg. Der Kopf des Kriegers zuckt zum geöffneten Spalt der Falltür und erstarrte. Was er sah, ließ ihn erblassen: Eine zweite Plasmaspur begann an einem nicht auszumachenden Ort auf der anderen Seite der Straße und endete … inmitten der Fahrzeugkolonne, die inzwischen angehalten hatte. Trotz der Entfernung nahm er Schreie wahr. Der Krieger blickte durch das Visier der Waffe, richtete es auf die Limousine des Herrschers und zoomte näher heran. Er sah ein Loch in der Heckscheibe des Wagens, die offenbar von einem zweiten Geschoss durchschlagen worden war, und ein weiteres im Dach. Das Geschoss war, wie es aussah, durch das Dach wieder ausgetreten. Außerdem sah er eine Menge Blut. Und Angehörige seines Clans, die die Türen des Fahrzeuges geöffnet hatten und voller Entsetzen ihre Hände vor das Gesicht schlugen.

Der Attentäter wusste, dass seine Zeit gekommen war. Er war zusammengesackt, nahm nun aber noch einmal seine letzten Kräfte zusammen, um sich aufzurappeln. Nachdem er mühsam einen Mund voll Blut ausgepuckt hatte, blickte er seinem Mörder ins Gesicht und sagte seine letzten Worte: „Ihr glaubt wohl, Ihr seid schlau genug, alle von uns zu erwischen? Weit gefehlt.“. Damit schloss er die Augen, sank wieder zusammen und tat wenig später seinen letzten, mühsamen Atemzug.

Der entsetzte Krieger konnte nicht wissen, dass er längst nicht mehr Teil des perfides Selbstschutzplanes der Herrscher-Kaste war, ebenso wenig wie die Tatsache, dass diese in nur wenigen Stunden komplett Opfer des von ihnen selbst geplanten Genozids werden würde. Um sich die Schande und den schmerzvollen Tod zu ersparen, wandte er seinen noch blutbefleckten Dolch gegen sich selbst.

Inzwischen hatte das Geschoss des toten Attentäters längst das Gravitationsfeld des Planeten verlassen. Es hatte die Waffe weit oberhalb der Fluchtgeschwindigkeit verlassen, ohne irgendwo einzuschlagen reichte die Reibung der Atmosphäre nicht aus, um es soweit zu verlangsamen, dass das Schwerefeld des Planeten es noch einzufangen zu vermochte. Das scheibenförmige Projektil, welches sich noch immer mit der hoher Winkelgeschwindigkeit, die der ausgefeilte Mechanismus der Waffe ihm mitgegeben hatte, um seine Hochachse drehte, machte nicht viel später einen kleinen Schlenker um einen der drei Monde des Planeten, um dann seinen Weg in den tieferen Raum fortzusetzen. Eine ganze Weile, nach kosmischen Maßstäben nur einen kurzen Augenblick später verließ das Geschoss das Sonnensystem. Seine Bahn war von der Gravitation anderer Planeten beeinflusst worden, doch keiner der Himmelskörper fing die kleine Scheibe ein.

Milliarden von Jahren später erreichte das Projektil nach ca. 170.000 Lichtjahren Reise ein Sonnensystem in einer anderen, fremden Galaxie. Das Licht der noch jungen Sonne spiegelte sich auf der immer noch perfekten Metalloberfläche der kleinen Scheibe. Ein kundiger Betrachter vom Herkunftsort des Geschosses hätte die stilisierte Form des Zentralkontinentes eines Planeten, der längst nicht mehr existierte, erkannt, zusammen mit dem Punkt, der die Hauptstadt symbolisierte. Und die Schrift, die übersetzt etwa bedeutete: „Standardgeschoss für mittelschwere Magnetwaffen, Normgröße 3. Imperiale Munitionswerke Raumkubus C.“ Die Herrschenden waren sich ihrer Überlegenheit so sicher gewesen, dass sie als Zeichen ihrer Macht Gegner eines Waffengangs nicht über den Absender ihrer Geschosse im Unklaren ließen.

Das Geschoss wurde vom Gravitationsfeld des gelben Zwergs eingefangen und begann, über hunderte Millionen Jahre eine langgezogene, ellipsenförmige Bahn um die Sonne zu ziehen, ähnlich wie Kometen es tun. Doch dann kam der Zeitpunkt, an dem der dritte Planet zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, um die kleine Scheibe anzuziehen. Der Eintrittswinkel in die Atmosphäre des kleinen, blauen Planeten passte auch, und so fand nach fast endlos langer Reise ein kleines, seltsames Stück Metall von weit, weit weg ihr neues Zuhause.

ENDE.

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Die Münze – Teil 43

Der Attentäter kauerte in seinem Versteck und wartete auf den Augenblick, der die Geschichte für immer verändern würde. Den Augenblick, der seit mehreren Generationen vorbereitet worden war, seitdem seine Vorgänger entschieden hatten, dass die Herrschaft der Autokraten ein Ende haben müsse. Dieser Augenblick war nun sehr nahe. Denn ein Inspektionsbesuch des Primes, des Ersten der Herrscher, stand unmittelbar bevor. Jede Herrschergeneration besuchte die Umschlagstation auf der Großen Ringinsel genau einmal. Der Zweck dieser sogenannten Inspektion war weniger der, den Untertanen auf die Finger zu sehen; dazu fehlte den Herrschern in der Regel die Expertise. Es ging um pure Machtprojektion, darum, zu zeigen, wer hier wirklich das Sagen hatte, damit die Kaste der Arbeiter und Bauern auf keinen Fall vergäße, wer die Herrschenden waren.

Natürlich reisten die Herrschenden im Gefolge von hunderten Kriegern. Diese landeten zuerst auf der Großen Ringinsel und sicherten den Weg vom Flugfeld zur Umschlagstation. Natürlich fuhren der Herrscher und die Krieger in gepanzerten Fahrzeugen. Sowohl der Prime als auch seine Entourage fühlten sich sicher. Der letzte Attentatsversuch war viele Generationen her und nur noch ein seichter Schatten auf vergilbten Seiten der Geschichtsbücher. Und natürlich war er außerdem gescheitert. All das ließ das Selbstvertrauen der Besucher ins Kraut schießen, während die Wachsamkeit darunter litt.

In seinem Versteck prüfte der Attentäter die Zeit und stellte fest, dass nun die Waffe in Stellung gebracht werden musste. Die Waffe war aus Einzelkomponenten konstruiert, die jene Agentinnen erbeutet hatten, welche die Krieger unterwandert hatten. Sie war auch nach Plänen konstruiert, die auf dieselbe Art und Weise beschafft worden waren – allerdings mit einigen cleveren Modifikationen, die ihre Effizienz erheblich steigerte. Das Geschütze war eine Railgun, die Wuchtgeschosse unter Einsatz von extrem starken Magnetfeldern auf 20.000 Meter pro Sekunde beschleunigen konnte. Die Mündungsenergie des Geschosses beim Verlassen der Waffe betrug 735 Megajoule. Die zugehörige Munition war auch bei den Kriegern erbeutet worden, was der Maxime „Schlagt den Gegner mit seinen eigenen Waffen.“ entsprach.

Das Versteck des Attentäters befand sich etwa einen Kilometer entfernt von der Zufahrtsstraße der Umschlagstation, eine Strecke, die das Geschoss in weniger als einer Millisekunde zurücklegen würde. Es war unterirdischer Raum, der durch einen mehrere Kilometer langen Tunnel mit einem unauffälligen Haus mitten in einem entsprechend weit entfernten, unauffälligen Dorf stand. Auf einer durch Gasdruckzylinder zu öffnenden Falltür stand eine schief zusammengezimmerte, kleine Hütte. Diese war von Kindern als Spielhaus errichtet worden, die zu Arbeiterfamilien aus dem besagten Dorf gehörten. Die Eltern der Kinder arbeiteten überwiegen in der Umschlagstation und hatten noch gestern in ihrer Hütte eine Clubsitzung abgehalten, natürlich ohne zu wissen, was sich unterhalb ihres stolzen Hauptquartiers befand. Auch die Eltern waren völlig ahnungslos, worauf ihre Kinder spielten.

Der Attentäter stellte zunächst ein massives Dreibein auf. Auf dieses wurde die aus mehreren Teilen bestehende, erstaunlich kompakte Waffe montiert. Sie konnte von einem Mann getragen, allerdings nicht ohne das massive Stativ abgefeuert werden, obwohl sie ihre Projektile völlig rückstoßfrei verschoss. Der Attentäter montierte das Zielvisier und schloss die Waffen an die Energieversorgung und das Kühlsystem an. Dann öffnete er den Verschluss, legte das Geschoss ein und schloss die Waffe wieder. Zuletzt schaltete er Stromversorgung und Kühlsystem ein und wartete. Kurz darauf knackte es in seinem Kopfhörer: „Sichtkontakt“, meldete ein Späher in der Nähe der Straße. Der Attentäter drückte auf die Taste, die die Falltür einen Spalt auffahren ließ und richtete die Waffe aus. Er blickte durch das Zielvisier und sah die Staubwolke der nahenden Fahrzeugkolonne des Herrschers.

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Die Münze – Teil 42

Diese Phase der Gesamtoperation war die absolut höchste Stufe des kompletten Mehrgenerationen-Plans. Keine andere Teilkomponente war kritischer, keine war umstrittener. Insbesondere in ethischer Hinsicht, denn völlig ungeschönt lief die Manipulation der Biomonitoring-Protokolle im Kontext des Gesamtplans auf etwas hinaus, welches man mit einem einzigen Wort beschreiben konnte: Massenmord.

Auf den Punkt gebracht ging es darum, ein Computervirus in die Biomonitoring-Protokolle einzuschleusen. Dieses hatte folgende Aufgabe: Umprogrammierung der Prozesse bei den Geburten der Herrscher und der Krieger. Nachdem das Virus seine Arbeit getan und sich selbst anschließend gelöscht hatte, um keine Spuren zu hinterlassen, wurde bei den Geburten der Krieger-Kaste fortan das Programm mit den manipulierten Gen-Stämmen ausgesetzt. Ohne, dass jemand in der Herrscher- oder der Krieger-Kaste es wusste, gab es bei den Kriegern ab diesem Zeitpunkt keinen biologischen Selbstzerstörungs-Mechanismus mehr. Die Neugeborenen der Herrscher-Kaste hingegen bekamen weiterhin das Biomonitoring-Implantat eingepflanzt … und zusätzlich wurde das Genmanipulationsprogramm nun ebenfalls bei ihnen selbst umgesetzt. Anders gesagt, die Neugeborenen trugen ab nun ohne das Wissen der Herrscher nicht nur den Auslöser der biologischen Waffe in sich, sondern auch die Waffe selbst – die nun gegen sie selbst gerichtet war.

In den Kreisen des Geheimbundes war diese Handlungsweise kontrovers diskutiert worden. Die Kaste der Arbeiter und Bauern war überwiegend friedliebend. Für die Gegner stellte diese Vorgehensweise die eigene Kaste moralisch auf dieselbe Stufe wie die der Herrscher. Die Befürworter, die sich am Ende durchsetzen, konterten, das perfide Verfahren sei schließlich nicht ihre Idee gewesen, sondern die der herrschenden Kaste. Und durch die Umkehr des Verfahrens würde ja nicht nur das tödliche Ende der Waffe gegen die Herrscher gerichtet, sondern gleichzeitig von den Kriegern abgewandt. Der Mord ginge damit zuletzt auf die Herrscher selbst zurück. Außerdem war „Schlagt den Gegner mit seinen eigenen Waffen“ eine weitere Maxime der Gesamtoperation.

Nachdem jedenfalls die Manipulation der Biomonitoring-Protokolle vollzogen war, arbeitete die Zeit für die Schöpfer des Mehrgenerationen-Plans und ihre Nachkommen. Denn immer mehr Angehörige der Herrscher-Kaste trugen nichtsahnend beide Komponenten der Biowaffe in sich, Auslöser und Bombe, gewissermaßen. Immer mehr derjenigen Herrscher, die nur den Biomonitor trugen, verstarben und wurden zumindest so alt, dass sie nicht mehr von strategischer Bedeutung für den Plan waren.

Schließlich näherte sich der Plan der Endphase: Dem Attentat. Auch wie dieses anzugehen wäre, war ein umstrittenes Thema im Planungsstab gewesen. Naheliegend war, einfach eine der eingeschleusten, falschen Kriegerinnen mit der Durchführung zu beauftragen, und viele der durchtrainierten, jungen Damen wären nur allzu bereit dazu gewesen. Zwar waren auf dem Zentralkontinent, wo die Herrscher lebten, Waffen absolut verboten, und die automatisierten Kontrollen waren scharf und unbestechlich. Aber in den Händen der Kämpferinnen konnte jeder Gegenstand zu einer tödlichen Waffe werden, und zur Not wären die bloßen Hände selbst ausreichend, um ein Herrscher-Leben zu beenden.

Dennoch wurde diese Option verworfen. Es ging darum, welches Zeichen man für die Kaste der Krieger setzen wolle und vor allem darum, was später in den Geschichtsbüchern stehen würde. Ohne ein exaktes Konzept, was „hinterher“ passieren würde, wäre der gesamte Mehrgenerationen-Plan sinnlos gewesen. Das neue System sollte nicht auf dem Mord durch eine eingeschleuste Kämpferin in der Hauptstadt auf dem Zentralkontinent seinen Anfang nehmen. Es sollte auf der größten der Ringinseln, wo die Verwaltung der Arbeiter- und Bauen-Kaste ihren Sitz hatte und von wo aus die meisten Nahrungsmitteltransporte zum Zentralkontinent starteten, seine Geburtsstunde erleben. Genau hier würde die künftige Hauptstadt gegründet werden. Genau hier würde die neue Zeit beginnen.

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Defamed Hero – Man vote, wenn man Lust hat.

Liebe Leser (also, die Hand voll, die ich habe 😉

meine Neffen spielen in einer Band namens „Defamed Hero“ und nehmen an einem Wettbewerb teil. Dabei geht es darum, einen Song aus dem eigenen Repertoire „op platt“ zu performen. Wer den Wettbewerb gewinnt, hängt nicht alleine am Online-Voting, sondern auch an einer Jury im Rahmen einer Live-Darbietung. Natürlich möchten die gerne gewinnen…

Zugegeben, es nervt mich immer ein wenig, wenn ich selbst solche Mails oder Nachrichten bekomme und meine Stimme für soetwas eingespannt werden soll…

Aber ich hab den beiden halt versprochen, mich als Verteiler einspannen zu lassen, und natürlich bin ich meinen begabten Neffen auch solidarisch gegenüber eingestellt.

Die Sache an sich finde ich auch tatsächlich recht witzig, die Nummer mit dem Plattdütsch hat schon was. Aber ich habe auch in ein paar Songs der Mitbewerber reingehört, und die haben auch was auf dem Kasten. „Defamed Hero“ aber auch.

Wie auch immer, wer Lust hat, der höre ein unter
http://www.plattsounds.de/defamed-hero-an-de-kant/
Achtung! Es gibt einen Schalter von Hochdeutsch (bzw. Englisch) zu Platt. Die ganze Seite wird dann übersetzt, inklusive Songtext und Soundcloud Player.

Votieren kann man hier: http://www.plattsounds.de/voting/

Wer Lust hat, höre sich auch die Mittbewerber an. Natürlich freue ich mich über jede Stimme für „Defamed Hero“, aber wer nach Gusto abstimmen möchte, der tue das auch. Nun, auch die Mitbewerber werden ihre Leute mobilisieren, in sofern finde ich das nur legitim.

Viele Grüße und allen ein schönes Wochenende!
Euer Michi

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Die Münze – Teil 41

Doch nicht das Entwickeln von Strategien, die Ausbildung von Teams und Einzelpersonen, nicht das Besorgen von Bauteilen für und Entwickeln von Waffen war auch annähernd mit dem ambitioniertesten Projekt des Mehrgenerationen-Plans zu vergleichen: Der Unterwanderung der Herrscher-Kaste selbst und vor allem: Die Unterwanderung der Biomonitoring-Protokolle.

Die Biomonitoring-Protokolle war von den Denkern der Herrscher-Kaste entwickelt und immer weiter perfektioniert und automatisiert worden. Mittlerweile sorgten die computergesteuerten Prozesse dafür, dass in den Geburtskliniken der Herrscher die Implantate an die Neugeborenen verteilt wurden, die mit den manipulierten Gen-Stämmen der Krieger-Clans kommunizieren konnten. Kommunizieren im Sinne des einen Befehls: „Starte Selbstzerstörung der Körper aller, die auf mein Kommando hören.“ Organisatorisch gehörte dazu natürlich die Erfassung der neugeborenen Krieger und auch die der neugeborenen Herrscher, sowie die Zuordnungstabellen, wessen Gen-Codes auf Krieger-Seite auf wessen Implantate auf Herrscher-Seite hörten. Diese Datenbanken waren natürlich schwer gesichert, sie waren die Lebensversicherung der Herrscher-Kaste, gewissermaßen das Allerheiligste.

Der Weg in dieses System war ein langer Weg. Er war nur mit sehr viel Geduld und Zeit zu gehen. Der erste Schritt war bereits die Unterwanderung der Krieger-Kaste, die ohnehin notwendig war, um an bestimmte Informationen und bestimmtes Material zu gelangen. Der nächste Schritt war, zu lernen wie ein Krieger zu leben, zu handeln, zu denken, und natürlich – wie ein Krieger auszusehen. All das war ebenfalls Bestandteil der Unterwanderung der Krieger.

Die Krieger-Kaste bestand nicht nur aus aktiven Kämpfern, deren Aufgabe es war, die Herrschenden zu schützen, sondern natürlich auch aus Kindern und Heranwachsenden, die noch in der Ausbildung waren und Senioren, die ihre aktive Zeit hinter sich hatten. Zudem waren nicht alle Frauen Mütter, die sich um den Nachwuchs kümmerten. Manche zogen es vor, das Training (welches exakt dasselbe Training war, das auch die Männer durchführten und mit denselben Prüfungen endete, die auch die Männer zu bestehen hatten) zu absolvieren und ebenfalls aktive Kämpferinnen zu werden. Auf der anderen Seite gab es auch Männer, die nicht zu Kämpfern wurden, sondern als Fürsorger für die ältere oder die jüngere Generation arbeiten.

Dass es auch Kriegerinnen gab, war ein wichtiger Punkt für die Unterwanderung der Herrscher-Kaste und insbesondere die der Denker. Die besten und erfolgreichsten Frauen, die bei den Kriegern bereits erfolgreich als Spioninnen gedient hatten, wurden in ein spezielles Ausbildungsprogramm genommen. Alleine diese Programm war auf zwei Generationen ausgelegt, bei denen die erfahrenen Spioninnen all ihr Wissen an eine jüngere Generation weitergaben. Zusätzlich genoss die neue Generation die beste Ausbildung in den Naturwissenschaften, Computertechnologie und auch in den schönen Künsten, die es jemals in der Kaste der Arbeiter und Bauern gegeben hatte. All das war nötig, um das nächste Ziel zu verfolgen: Die Herrscher-Kaste von innen anzugreifen, ohne dass sie es merkte.

„Von innen angreifen“ war in diesem Plan doppeldeutig: Neben der naheliegenden Bedeutung gab es noch die wörtliche Bedeutung. Denn nachdem die falschen Kriegerinnen (auch hier gab es natürlich redundante Einzeloperationen, die voneinander komplett unabhängig abliefen) erst einmal mit den Waffen der Weiblichkeit die richtigen Personen unter den Reihen der Herrscher identifiziert und infiltriert hatten, begann der Plan, Früchte zu tragen. Nach sehr langwieriger, behutsamer und aufopferungsvoller Arbeit öffneten sich nach und nach die Türen der verschiedenen Sicherheitsschichten zum Allerheiligsten der Herrscher-Kaste: zu den Biomonitoring-Protokollen.

Fortsetzung folgt…

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