Die Münze – Nachwort

So, noch ein paar Worte zu meiner 44-teiligen Geschichte. Erst einmal vielen Dank allen, die mir bis hierher gefolgt sind. Viele sind es sicherlich nicht, aber Teile meiner Familie und vielleicht ein paar andere haben wacker durchgehalten, trotz langatmiger Beschreibung numismatischer, technischer oder physikalischer Zusammenhänge. Dankeschön, auch für Eure Kommentare hier im Blog oder anderswo. ACHTUNG: Ab hier kommen Spoiler! Wer die Geschichte noch lesen oder zuende lesen möchte, sollte ab hier nicht weiterlesen!

Ich hatte einen Traum, ich war mit Freunden irgendwo in einem fremden Haus, und auf einmal steckte aus heiterem Himmel eine heisse Münze in einem Holzbalken. Viel mehr weiß ich nicht, nur, dass ich zuvor noch einen viel abgefahrenen Traum hatte, ein unglaublicher Thriller und ich wachte auch und dachte nur „WOW! Davon ein Drehbuch und ein Film.“ Nur leider wusste ich fast sofort nichts mehr davon.

Nun, auf dem Fahrrad auf dem Weg in die Firma dachte ich mir das Szenario mit dem Geschoss von einem misslungenen Attentatsversuch vor langer Zeit auf einem weitentfernten Planeten aus. Mir war klar, dass ich damit nicht das Rad neu erfinden würden; aber das tun die „richtigen“ Autoren auch nicht immer. Ursprünglich hatte ich geplant, dass der Attentatsversuch fehlschlagen sollte, also dass es keinen „Backup-Attentäter“ gab, aber während des Schreibens legte mir der nahezu perfekte „Mehrgenerationen-Plan“ irgendwie nahe, dass es beim zweiten Versuch klappen sollte – auch weil das Ende für die Leser vielleicht befriedigender ausfallen würde.

Zum Schreiben an sich: Ursprünglich dachte ich, es würde die Länge einer Kurzgeschichte werden. Stattdessen ist es eher ein Kurzroman geworden. Die Geschichte entwickelte schnell sehr viel Eigenleben, es entstanden Wendungen, die mir einfach plausibel erschienen. Zum Beispiel die Sache mit der Radioaktivität, die ich ja seitenweise beschrieben habe, und die dann doch im Sande verlief. Sicherlich bezüglich des Unterhaltungswertes nicht so toll, aber mir erschien das einfach plausibel, anzunehmen, ein so schweres Material könne radioaktiv sein. Personen wie die Studenten oder der Rear Admiral entstanden quasi „on the fly“, im Prozess. Aus der Geschichte mit den Studenten hätte man sicherlich mehr machen können.

Natürlich war es gewissermaßen ein Experiment, eine Fortsetzungsgeschichte zu schreiben, das brachte mich auch in Zugzwang, regelmäßig zu liefern. Das war manchmal auch anstrengend, ich hatte nicht immer Lust zum Schreiben und tat es doch. Außerdem führte es dazu, dass niemand vor der Veröffentlichung hier einmal drübergeschaut hätte. Vieles wäre sicherlich besser geworden, wenn es jemand korrekturgelesen hätte, damit meine ich durchaus auch inhaltlich. Mindestens ein logischer Fehler ist mir schon bewusst geworden: Als der – übrigens absolut fiktive – US-Präsident vorkommt wird der Hurrikan „Irma“ erwähnt, den es zu dem Zeitpunkt (es steht ja ein Datum dran) noch gar nicht gab. Ich fürchte, es gibt noch einige solcher Pannen mehr, und vieles bewegt sich mindestens am Rande der Plausibilität, beispielsweise die Sache mit der Altersbestimmung der Münze.

Ich habe schon einige Stunden im Internet recherchiert: Über Portreath (ich habe auf Google Maps an der Küste gesucht, und mir gefiel der Name, und dass eine alte RAF-Basis in der Nähe ist, was aber Zufall war), über Cambridge (naja, DER Ort der Lehre in Großbritannien), über das Cavendish-Laboratory (nun, ich suchte nach Physik in Cambridge, und landete dort, wo Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde), über Numismatik, über den Untergang der HMS Sheffield und der HMS Coventry im Falklandkrieg und so einiges mehr. „Richtige“ Autoren recherchieren länger, nicht nur im Internet und haben teilweise extra noch Leute dafür. Dennoch fand ich es interessant, wie ich die Geschichte durch reale Orte und Dinge etwas autentischer gestalten konnte. Den „Lighthouse Hill“ und die anderen Straßen in Port Reath gibt es wirklich, das Cavendish Laboratory hat wirklich ein Elektronenmikroskop des erwähnten Typs von Hitachi und auch bei den Geigerzählern habe ich mich an realen Vorbildern orientiert.

Übrigens: Eine Sache habe ich, zumindest halbwegs, geklaut: Die Sache mit dem Biomonitor der Herrscher und dem daran gekoppelten Wohlbefinden der Krieger-Clans. In dem Buch „Der Regenbogen des Mars“ von Robert L. Forward gibt es einen Herrscher (ich glaube, auf der Erde), der neben einem globalen Überwachungssystem des kompletten Planeten auch eine globale Waffe hat bauen lassen, die mit seinem Biomonitor gekoppelt ist. Sein Tod würde den Weltuntergang bedeuten. Am Ende ist seine Gesundheit schlecht, aber man findet einen Weg, mithilfe einer Art genitischen Zwillings den Biomonitor auf einen gesunden Menschen zu übertragen und so den Weltuntergang zu verhindern. Ich habe den Grundgedanken geklaut und abgewandelt.

Wie auch immer, ich habe jedenfalls gelernt, dass eine Geschichte, die ich schreibe, ein ziemliches Eigenleben entwickeln kann, und dass das Schreiben ganz schön anstrengend ist. Mir wurde bewusst, dass ich Teil B hätte viel ausführlicher und wahrscheinlich auch lebendiger hätte gestalten können, wenn ich das weniger rückblickend als Geschichte sondern in der Gegenwart und als Erlebnisse der Personen (z.B. der tapferen Agentinnen, die die Krieger- und die Herrscher-Kaste unterwandert haben) geschrieben hätte. Aber erstens hatte ich keine Lust, mir außerirdische Namen auszudenken, und zweitens wollte ich nach Teil A irgendwann einmal fertig sein, um mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Und Teil B war von Anfang an nie aufwändiger geplant gewesen.

So, das war’s von mir. Wer weiß, vielleicht gibt es doch eines Tages ein Sequel (oder ein Prequel), oder ich erzähle die Geschichte doch noch einmal aus der Perspektive der Helden aus der Arbeiter- und Bauern-Kaste (hihi klingt nach DDR). Aber bis auf weiteres bin ich fertig. Nochmals lieben Dank fürs lesen und jetzt würde ich mich sehr über abschließendes Feedback in den Kommentaren freuen, und zwar sowohl über positives als auch über kritische Töne. Schreibt gerne auch das auf, was Euch nicht so gefallen hat.

Liebe Grüße,
der Michi

Advertisements
Veröffentlicht unter Home, Schreibkram | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Die Münze – Teil 44

Der Attentäter zoomte die Fahrzeuge näher heran und entdeckte die Limousine des Herrschers. Er richtete die Waffe erneut aus und entdeckte hinter einer Panzerglasscheibe, von der man fälschlicherweise annahm, sie wäre mehr als ausreichend für alles, was potentielle Feinde des Herrschers aufzubieten hätten, den Kopf des Autokraten. Er atmete ruhig und richtete den für das bloße Auge unsichtbaren Markierungspunkt, den er in seinem Visier jedoch scharf und deutlich sehen konnte, auf die linke Schläfe des Kopfes. Er atmete noch einmal ein und betätigte den Auslöser im selben Moment, als unvermittelt, wie aus dem Nichts, ein Arm von hinten kam und die Waffe hochriss.

Mit einem lauten Knall und 20.000 m/s verließ das Geschoss den – im ausgezogenen Zustand – zweieinhalb Meter langen Lauf der Waffe. Mit aufgerissenen Augen blickten Attentäter und der Unbekannte auf die lange Plasmaspur, die das Geschoss hinter sich herzog. Sie markierte den Weg, den das Geschoss genommen hatte – und der knapp über das Dach der Limousine hinweg in einem flachen Winkel Richtung Himmel führte. Es hatte das Fahrzeug des Herrschers durch das Eingreifen des Fremden verfehlt.

Der Attentäter löste sich aus seiner Starre, doch der Fremde war etwas schneller gewesen: Der Mann, der ganz offensichtlich ein Krieger war, hatte sich offensichtlich von hinten leise wie eine Katze durch den Tunnel angeschlichen, während er die Waffe ausgerichtet hatte. Nun stand der Krieger mit höhnischer Miene vor ihm und sagte „Ihr glaubt wohl, Ihr seid die Einzigen, die tricksen, manipulieren, spionieren und Leute umdrehen können? Ich kannte Euren Plan, und nun ist er vereitelt! Es gibt nur eine Strafe für den versuchten Herrschermord, und die ist seit vielen Generationen festgelegt und sofort zu vollstrecken!“ Mit diesen Worten zog er mit einer fließenden, oft geübten Handbewegung seinen traditionellen Dolch aus seiner Scheide und rammte ihn dem Attentäter, der die ganze Zeit wie gelähmt gewesen war, in die Brust.

Nur eine knappe Sekunde später ertönte ein weiterer Knall, der dem ersten sehr ähnlich klang, nur von etwas weiter weg. Der Kopf des Kriegers zuckt zum geöffneten Spalt der Falltür und erstarrte. Was er sah, ließ ihn erblassen: Eine zweite Plasmaspur begann an einem nicht auszumachenden Ort auf der anderen Seite der Straße und endete … inmitten der Fahrzeugkolonne, die inzwischen angehalten hatte. Trotz der Entfernung nahm er Schreie wahr. Der Krieger blickte durch das Visier der Waffe, richtete es auf die Limousine des Herrschers und zoomte näher heran. Er sah ein Loch in der Heckscheibe des Wagens, die offenbar von einem zweiten Geschoss durchschlagen worden war, und ein weiteres im Dach. Das Geschoss war, wie es aussah, durch das Dach wieder ausgetreten. Außerdem sah er eine Menge Blut. Und Angehörige seines Clans, die die Türen des Fahrzeuges geöffnet hatten und voller Entsetzen ihre Hände vor das Gesicht schlugen.

Der Attentäter wusste, dass seine Zeit gekommen war. Er war zusammengesackt, nahm nun aber noch einmal seine letzten Kräfte zusammen, um sich aufzurappeln. Nachdem er mühsam einen Mund voll Blut ausgepuckt hatte, blickte er seinem Mörder ins Gesicht und sagte seine letzten Worte: „Ihr glaubt wohl, Ihr seid schlau genug, alle von uns zu erwischen? Weit gefehlt.“. Damit schloss er die Augen, sank wieder zusammen und tat wenig später seinen letzten, mühsamen Atemzug.

Der entsetzte Krieger konnte nicht wissen, dass er längst nicht mehr Teil des perfides Selbstschutzplanes der Herrscher-Kaste war, ebenso wenig wie die Tatsache, dass diese in nur wenigen Stunden komplett Opfer des von ihnen selbst geplanten Genozids werden würde. Um sich die Schande und den schmerzvollen Tod zu ersparen, wandte er seinen noch blutbefleckten Dolch gegen sich selbst.

Inzwischen hatte das Geschoss des toten Attentäters längst das Gravitationsfeld des Planeten verlassen. Es hatte die Waffe weit oberhalb der Fluchtgeschwindigkeit verlassen, ohne irgendwo einzuschlagen reichte die Reibung der Atmosphäre nicht aus, um es soweit zu verlangsamen, dass das Schwerefeld des Planeten es noch einzufangen zu vermochte. Das scheibenförmige Projektil, welches sich noch immer mit der hoher Winkelgeschwindigkeit, die der ausgefeilte Mechanismus der Waffe ihm mitgegeben hatte, um seine Hochachse drehte, machte nicht viel später einen kleinen Schlenker um einen der drei Monde des Planeten, um dann seinen Weg in den tieferen Raum fortzusetzen. Eine ganze Weile, nach kosmischen Maßstäben nur einen kurzen Augenblick später verließ das Geschoss das Sonnensystem. Seine Bahn war von der Gravitation anderer Planeten beeinflusst worden, doch keiner der Himmelskörper fing die kleine Scheibe ein.

Milliarden von Jahren später erreichte das Projektil nach ca. 170.000 Lichtjahren Reise ein Sonnensystem in einer anderen, fremden Galaxie. Das Licht der noch jungen Sonne spiegelte sich auf der immer noch perfekten Metalloberfläche der kleinen Scheibe. Ein kundiger Betrachter vom Herkunftsort des Geschosses hätte die stilisierte Form des Zentralkontinentes eines Planeten, der längst nicht mehr existierte, erkannt, zusammen mit dem Punkt, der die Hauptstadt symbolisierte. Und die Schrift, die übersetzt etwa bedeutete: „Standardgeschoss für mittelschwere Magnetwaffen, Normgröße 3. Imperiale Munitionswerke Raumkubus C.“ Die Herrschenden waren sich ihrer Überlegenheit so sicher gewesen, dass sie als Zeichen ihrer Macht Gegner eines Waffengangs nicht über den Absender ihrer Geschosse im Unklaren ließen.

Das Geschoss wurde vom Gravitationsfeld des gelben Zwergs eingefangen und begann, über hunderte Millionen Jahre eine langgezogene, ellipsenförmige Bahn um die Sonne zu ziehen, ähnlich wie Kometen es tun. Doch dann kam der Zeitpunkt, an dem der dritte Planet zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, um die kleine Scheibe anzuziehen. Der Eintrittswinkel in die Atmosphäre des kleinen, blauen Planeten passte auch, und so fand nach fast endlos langer Reise ein kleines, seltsames Stück Metall von weit, weit weg ihr neues Zuhause.

ENDE.

Veröffentlicht unter Home, Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Die Münze – Teil 43

Der Attentäter kauerte in seinem Versteck und wartete auf den Augenblick, der die Geschichte für immer verändern würde. Den Augenblick, der seit mehreren Generationen vorbereitet worden war, seitdem seine Vorgänger entschieden hatten, dass die Herrschaft der Autokraten ein Ende haben müsse. Dieser Augenblick war nun sehr nahe. Denn ein Inspektionsbesuch des Primes, des Ersten der Herrscher, stand unmittelbar bevor. Jede Herrschergeneration besuchte die Umschlagstation auf der Großen Ringinsel genau einmal. Der Zweck dieser sogenannten Inspektion war weniger der, den Untertanen auf die Finger zu sehen; dazu fehlte den Herrschern in der Regel die Expertise. Es ging um pure Machtprojektion, darum, zu zeigen, wer hier wirklich das Sagen hatte, damit die Kaste der Arbeiter und Bauern auf keinen Fall vergäße, wer die Herrschenden waren.

Natürlich reisten die Herrschenden im Gefolge von hunderten Kriegern. Diese landeten zuerst auf der Großen Ringinsel und sicherten den Weg vom Flugfeld zur Umschlagstation. Natürlich fuhren der Herrscher und die Krieger in gepanzerten Fahrzeugen. Sowohl der Prime als auch seine Entourage fühlten sich sicher. Der letzte Attentatsversuch war viele Generationen her und nur noch ein seichter Schatten auf vergilbten Seiten der Geschichtsbücher. Und natürlich war er außerdem gescheitert. All das ließ das Selbstvertrauen der Besucher ins Kraut schießen, während die Wachsamkeit darunter litt.

In seinem Versteck prüfte der Attentäter die Zeit und stellte fest, dass nun die Waffe in Stellung gebracht werden musste. Die Waffe war aus Einzelkomponenten konstruiert, die jene Agentinnen erbeutet hatten, welche die Krieger unterwandert hatten. Sie war auch nach Plänen konstruiert, die auf dieselbe Art und Weise beschafft worden waren – allerdings mit einigen cleveren Modifikationen, die ihre Effizienz erheblich steigerte. Das Geschütze war eine Railgun, die Wuchtgeschosse unter Einsatz von extrem starken Magnetfeldern auf 20.000 Meter pro Sekunde beschleunigen konnte. Die Mündungsenergie des Geschosses beim Verlassen der Waffe betrug 735 Megajoule. Die zugehörige Munition war auch bei den Kriegern erbeutet worden, was der Maxime „Schlagt den Gegner mit seinen eigenen Waffen.“ entsprach.

Das Versteck des Attentäters befand sich etwa einen Kilometer entfernt von der Zufahrtsstraße der Umschlagstation, eine Strecke, die das Geschoss in weniger als einer Millisekunde zurücklegen würde. Es war unterirdischer Raum, der durch einen mehrere Kilometer langen Tunnel mit einem unauffälligen Haus mitten in einem entsprechend weit entfernten, unauffälligen Dorf stand. Auf einer durch Gasdruckzylinder zu öffnenden Falltür stand eine schief zusammengezimmerte, kleine Hütte. Diese war von Kindern als Spielhaus errichtet worden, die zu Arbeiterfamilien aus dem besagten Dorf gehörten. Die Eltern der Kinder arbeiteten überwiegen in der Umschlagstation und hatten noch gestern in ihrer Hütte eine Clubsitzung abgehalten, natürlich ohne zu wissen, was sich unterhalb ihres stolzen Hauptquartiers befand. Auch die Eltern waren völlig ahnungslos, worauf ihre Kinder spielten.

Der Attentäter stellte zunächst ein massives Dreibein auf. Auf dieses wurde die aus mehreren Teilen bestehende, erstaunlich kompakte Waffe montiert. Sie konnte von einem Mann getragen, allerdings nicht ohne das massive Stativ abgefeuert werden, obwohl sie ihre Projektile völlig rückstoßfrei verschoss. Der Attentäter montierte das Zielvisier und schloss die Waffen an die Energieversorgung und das Kühlsystem an. Dann öffnete er den Verschluss, legte das Geschoss ein und schloss die Waffe wieder. Zuletzt schaltete er Stromversorgung und Kühlsystem ein und wartete. Kurz darauf knackte es in seinem Kopfhörer: „Sichtkontakt“, meldete ein Späher in der Nähe der Straße. Der Attentäter drückte auf die Taste, die die Falltür einen Spalt auffahren ließ und richtete die Waffe aus. Er blickte durch das Zielvisier und sah die Staubwolke der nahenden Fahrzeugkolonne des Herrschers.

Veröffentlicht unter Home, Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Die Münze – Teil 42

Diese Phase der Gesamtoperation war die absolut höchste Stufe des kompletten Mehrgenerationen-Plans. Keine andere Teilkomponente war kritischer, keine war umstrittener. Insbesondere in ethischer Hinsicht, denn völlig ungeschönt lief die Manipulation der Biomonitoring-Protokolle im Kontext des Gesamtplans auf etwas hinaus, welches man mit einem einzigen Wort beschreiben konnte: Massenmord.

Auf den Punkt gebracht ging es darum, ein Computervirus in die Biomonitoring-Protokolle einzuschleusen. Dieses hatte folgende Aufgabe: Umprogrammierung der Prozesse bei den Geburten der Herrscher und der Krieger. Nachdem das Virus seine Arbeit getan und sich selbst anschließend gelöscht hatte, um keine Spuren zu hinterlassen, wurde bei den Geburten der Krieger-Kaste fortan das Programm mit den manipulierten Gen-Stämmen ausgesetzt. Ohne, dass jemand in der Herrscher- oder der Krieger-Kaste es wusste, gab es bei den Kriegern ab diesem Zeitpunkt keinen biologischen Selbstzerstörungs-Mechanismus mehr. Die Neugeborenen der Herrscher-Kaste hingegen bekamen weiterhin das Biomonitoring-Implantat eingepflanzt … und zusätzlich wurde das Genmanipulationsprogramm nun ebenfalls bei ihnen selbst umgesetzt. Anders gesagt, die Neugeborenen trugen ab nun ohne das Wissen der Herrscher nicht nur den Auslöser der biologischen Waffe in sich, sondern auch die Waffe selbst – die nun gegen sie selbst gerichtet war.

In den Kreisen des Geheimbundes war diese Handlungsweise kontrovers diskutiert worden. Die Kaste der Arbeiter und Bauern war überwiegend friedliebend. Für die Gegner stellte diese Vorgehensweise die eigene Kaste moralisch auf dieselbe Stufe wie die der Herrscher. Die Befürworter, die sich am Ende durchsetzen, konterten, das perfide Verfahren sei schließlich nicht ihre Idee gewesen, sondern die der herrschenden Kaste. Und durch die Umkehr des Verfahrens würde ja nicht nur das tödliche Ende der Waffe gegen die Herrscher gerichtet, sondern gleichzeitig von den Kriegern abgewandt. Der Mord ginge damit zuletzt auf die Herrscher selbst zurück. Außerdem war „Schlagt den Gegner mit seinen eigenen Waffen“ eine weitere Maxime der Gesamtoperation.

Nachdem jedenfalls die Manipulation der Biomonitoring-Protokolle vollzogen war, arbeitete die Zeit für die Schöpfer des Mehrgenerationen-Plans und ihre Nachkommen. Denn immer mehr Angehörige der Herrscher-Kaste trugen nichtsahnend beide Komponenten der Biowaffe in sich, Auslöser und Bombe, gewissermaßen. Immer mehr derjenigen Herrscher, die nur den Biomonitor trugen, verstarben und wurden zumindest so alt, dass sie nicht mehr von strategischer Bedeutung für den Plan waren.

Schließlich näherte sich der Plan der Endphase: Dem Attentat. Auch wie dieses anzugehen wäre, war ein umstrittenes Thema im Planungsstab gewesen. Naheliegend war, einfach eine der eingeschleusten, falschen Kriegerinnen mit der Durchführung zu beauftragen, und viele der durchtrainierten, jungen Damen wären nur allzu bereit dazu gewesen. Zwar waren auf dem Zentralkontinent, wo die Herrscher lebten, Waffen absolut verboten, und die automatisierten Kontrollen waren scharf und unbestechlich. Aber in den Händen der Kämpferinnen konnte jeder Gegenstand zu einer tödlichen Waffe werden, und zur Not wären die bloßen Hände selbst ausreichend, um ein Herrscher-Leben zu beenden.

Dennoch wurde diese Option verworfen. Es ging darum, welches Zeichen man für die Kaste der Krieger setzen wolle und vor allem darum, was später in den Geschichtsbüchern stehen würde. Ohne ein exaktes Konzept, was „hinterher“ passieren würde, wäre der gesamte Mehrgenerationen-Plan sinnlos gewesen. Das neue System sollte nicht auf dem Mord durch eine eingeschleuste Kämpferin in der Hauptstadt auf dem Zentralkontinent seinen Anfang nehmen. Es sollte auf der größten der Ringinseln, wo die Verwaltung der Arbeiter- und Bauen-Kaste ihren Sitz hatte und von wo aus die meisten Nahrungsmitteltransporte zum Zentralkontinent starteten, seine Geburtsstunde erleben. Genau hier würde die künftige Hauptstadt gegründet werden. Genau hier würde die neue Zeit beginnen.

Veröffentlicht unter Home, Schreibkram | Kommentar hinterlassen

Defamed Hero – Man vote, wenn man Lust hat.

Liebe Leser (also, die Hand voll, die ich habe 😉

meine Neffen spielen in einer Band namens „Defamed Hero“ und nehmen an einem Wettbewerb teil. Dabei geht es darum, einen Song aus dem eigenen Repertoire „op platt“ zu performen. Wer den Wettbewerb gewinnt, hängt nicht alleine am Online-Voting, sondern auch an einer Jury im Rahmen einer Live-Darbietung. Natürlich möchten die gerne gewinnen…

Zugegeben, es nervt mich immer ein wenig, wenn ich selbst solche Mails oder Nachrichten bekomme und meine Stimme für soetwas eingespannt werden soll…

Aber ich hab den beiden halt versprochen, mich als Verteiler einspannen zu lassen, und natürlich bin ich meinen begabten Neffen auch solidarisch gegenüber eingestellt.

Die Sache an sich finde ich auch tatsächlich recht witzig, die Nummer mit dem Plattdütsch hat schon was. Aber ich habe auch in ein paar Songs der Mitbewerber reingehört, und die haben auch was auf dem Kasten. „Defamed Hero“ aber auch.

Wie auch immer, wer Lust hat, der höre ein unter
http://www.plattsounds.de/defamed-hero-an-de-kant/
Achtung! Es gibt einen Schalter von Hochdeutsch (bzw. Englisch) zu Platt. Die ganze Seite wird dann übersetzt, inklusive Songtext und Soundcloud Player.

Votieren kann man hier: http://www.plattsounds.de/voting/

Wer Lust hat, höre sich auch die Mittbewerber an. Natürlich freue ich mich über jede Stimme für „Defamed Hero“, aber wer nach Gusto abstimmen möchte, der tue das auch. Nun, auch die Mitbewerber werden ihre Leute mobilisieren, in sofern finde ich das nur legitim.

Viele Grüße und allen ein schönes Wochenende!
Euer Michi

Veröffentlicht unter Uncategorized | 2 Kommentare

Die Münze – Teil 41

Doch nicht das Entwickeln von Strategien, die Ausbildung von Teams und Einzelpersonen, nicht das Besorgen von Bauteilen für und Entwickeln von Waffen war auch annähernd mit dem ambitioniertesten Projekt des Mehrgenerationen-Plans zu vergleichen: Der Unterwanderung der Herrscher-Kaste selbst und vor allem: Die Unterwanderung der Biomonitoring-Protokolle.

Die Biomonitoring-Protokolle war von den Denkern der Herrscher-Kaste entwickelt und immer weiter perfektioniert und automatisiert worden. Mittlerweile sorgten die computergesteuerten Prozesse dafür, dass in den Geburtskliniken der Herrscher die Implantate an die Neugeborenen verteilt wurden, die mit den manipulierten Gen-Stämmen der Krieger-Clans kommunizieren konnten. Kommunizieren im Sinne des einen Befehls: „Starte Selbstzerstörung der Körper aller, die auf mein Kommando hören.“ Organisatorisch gehörte dazu natürlich die Erfassung der neugeborenen Krieger und auch die der neugeborenen Herrscher, sowie die Zuordnungstabellen, wessen Gen-Codes auf Krieger-Seite auf wessen Implantate auf Herrscher-Seite hörten. Diese Datenbanken waren natürlich schwer gesichert, sie waren die Lebensversicherung der Herrscher-Kaste, gewissermaßen das Allerheiligste.

Der Weg in dieses System war ein langer Weg. Er war nur mit sehr viel Geduld und Zeit zu gehen. Der erste Schritt war bereits die Unterwanderung der Krieger-Kaste, die ohnehin notwendig war, um an bestimmte Informationen und bestimmtes Material zu gelangen. Der nächste Schritt war, zu lernen wie ein Krieger zu leben, zu handeln, zu denken, und natürlich – wie ein Krieger auszusehen. All das war ebenfalls Bestandteil der Unterwanderung der Krieger.

Die Krieger-Kaste bestand nicht nur aus aktiven Kämpfern, deren Aufgabe es war, die Herrschenden zu schützen, sondern natürlich auch aus Kindern und Heranwachsenden, die noch in der Ausbildung waren und Senioren, die ihre aktive Zeit hinter sich hatten. Zudem waren nicht alle Frauen Mütter, die sich um den Nachwuchs kümmerten. Manche zogen es vor, das Training (welches exakt dasselbe Training war, das auch die Männer durchführten und mit denselben Prüfungen endete, die auch die Männer zu bestehen hatten) zu absolvieren und ebenfalls aktive Kämpferinnen zu werden. Auf der anderen Seite gab es auch Männer, die nicht zu Kämpfern wurden, sondern als Fürsorger für die ältere oder die jüngere Generation arbeiten.

Dass es auch Kriegerinnen gab, war ein wichtiger Punkt für die Unterwanderung der Herrscher-Kaste und insbesondere die der Denker. Die besten und erfolgreichsten Frauen, die bei den Kriegern bereits erfolgreich als Spioninnen gedient hatten, wurden in ein spezielles Ausbildungsprogramm genommen. Alleine diese Programm war auf zwei Generationen ausgelegt, bei denen die erfahrenen Spioninnen all ihr Wissen an eine jüngere Generation weitergaben. Zusätzlich genoss die neue Generation die beste Ausbildung in den Naturwissenschaften, Computertechnologie und auch in den schönen Künsten, die es jemals in der Kaste der Arbeiter und Bauern gegeben hatte. All das war nötig, um das nächste Ziel zu verfolgen: Die Herrscher-Kaste von innen anzugreifen, ohne dass sie es merkte.

„Von innen angreifen“ war in diesem Plan doppeldeutig: Neben der naheliegenden Bedeutung gab es noch die wörtliche Bedeutung. Denn nachdem die falschen Kriegerinnen (auch hier gab es natürlich redundante Einzeloperationen, die voneinander komplett unabhängig abliefen) erst einmal mit den Waffen der Weiblichkeit die richtigen Personen unter den Reihen der Herrscher identifiziert und infiltriert hatten, begann der Plan, Früchte zu tragen. Nach sehr langwieriger, behutsamer und aufopferungsvoller Arbeit öffneten sich nach und nach die Türen der verschiedenen Sicherheitsschichten zum Allerheiligsten der Herrscher-Kaste: zu den Biomonitoring-Protokollen.

Fortsetzung folgt…

Veröffentlicht unter Home, Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Die Münze – Teil 40

Er selbst würde den voraussichtlichen Kollaps des Systems nicht mehr miterleben, das war ihm klar. Aber was wäre mit seinen Nachkommen? Wenn jetzt nicht die Weichen gestellt würden, sähe die Zukunft für die kommenden Generationen rabenschwarz aus. Und so entschied er sich, seine Erkenntnisse mit den Oberhäuptern von zwei befreundeten Familien zu teilen.

Zunächst einmal wollten beide von seinen Überlegungen nichts wissen und wiesen alles als Schwarzseherei und Hirngespinste weit von sich. Als dann aber wenig später wieder einmal noch modernere Maschinen kamen, die noch mehr menschliche Arbeitskräfte einsparten und gleichzeitig die Ernteerträge noch weiter zurückgingen, wurde den beiden Freunden doch mulmig zumute, und man berief ein weiteres Treffen ein. Dies war die Geburtsstunde für den Geheimbund, der das Ziel hatte, die Herrscherkaste zu stürzen.

Dabei war eines klar: Die ganze Operation würde mit allerhöchster Vorsicht und sehr viel Geduld ablaufen müssen. Viel war zu bedenken und zu planen: Mitverschwörer waren zu rekrutieren, die Kaste der Krieger musste unterwandert werden, Waffen zu besorgen, Konzepte und Strategien waren zu entwickeln, um diese Pläne schrittweise durchzuführen und um sie von Generation zu Generation weiter zu geben. Die lange Vorbereitungszeit war ein Sicherheitsaspekt des Planes.

Wenn einzelne Operationen, etwa der Diebstahl von Komponenten für Waffen, mit großem, zeitlichen Abstand aufflögen, würde sie niemand miteinander in Beziehung setzen. Ein weiterer Sicherheitsaspekt war, dass einzelne Gruppen, die verschiedene Aufgaben im Geheimbund verfolgten, nichts voneinander wussten. Außerdem waren sämtliche Teams komplett redundant, auch diese Tatsache, die zu den grundlegenden Maximen des Mehrgenerationen-Plans gehörte, war den Teams selbst nicht bekannt. Sollte ein Team scheitern und auffliegen, so sähe es für die Krieger so aus, als hätten sie eine ganz große Verschwörung aufgedeckt. Sie würden sich in falscher Sicherheit wiegen, alles unter Kontrolle zu haben, ohne zu ahnen, dass sie allenfalls die Spitze des Eisberges entdeckt hatten. Und jedes Team arbeitete ohne das Wissen um Plan B mit der allergrößten Motivation, auf jeden Fall ihren einzigartigen und unverzichtbaren Beitrag zum Gelingen der Gesamtoperation beizutragen.

Dass die Kaste der Arbeiter und Bauern nur wenig Berührungspunkte mit der Kaste der Krieger (und fast gar keine mit der Kaste der Herrscher) hatten, war zugleich von Vor- und Nachteil. Einerseits bedeutete das, das man nur schwer an bestimmte Materialien heran kam, die für den Plan benötigt wurden. Andererseits war dadurch das Risiko, dass der Plan in seiner Gesamtheit jemals entdeckt würde, sehr gering.

Und doch gab es Berührungspunkte wie Ersatzteillieferungen für die Erntemaschinen oder umgekehrt die Lieferung von Nahrungsmitteln und anderen Gütern an die Krieger, die ihrerseits auch als Zwischenstation auf dem Weg des Warenstroms zu den Herrschern fungierten. Auch die Krieger hatten Schwachstellen, zumindest einige von ihnen, und auch Arbeiter und Bauern hatten zuweilen hübsche Töchter, die in der Lage waren, den Machismo, die Arroganz und Überheblichkeit der Krieger zu ihrem Vorteil auszunutzen. Dabei kam ihnen eine Droge auf pflanzlicher Basis zu Hilfe. Diese ließ die Krieger, nach unwissentlichem Konsum derselben, zum einen in ihrer Vorsicht und Wachsamkeit stark nachlassen, zum anderen steigerte sie das Genussempfinden und zum dritten ließ sie die Erinnerung an den Zeitraum unmittelbar nach Einnahme des Mittels verblassen. Was immer passierte, die Krieger wussten hinterher nur noch, dass sie eine triumphale Eroberung gemacht und heldenhaft ihren Mann gestanden hatten. An so unwichtige Details, dass sie einen Magnetfeldgenerator oder ein Kühlaggregat herausgegeben und anschließend die Inventarliste manipuliert hatten, erinnerten sie sich nicht mehr.

Fortsetzung folgt…

Veröffentlicht unter Home, Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen