Dodging puddles

Um es vorweg zu sagen: Dieser Tag war durchwachsen. Ich habe zwischendurch gedacht, ich müsste besch… schreiben, aber es gab doch den einen oder anderen lichten Augenblick.

Nach dem Aufstehen (besser geschlafen), Frühstück und so weiter machte ich den Plan für heute. Habe mir inzwischen eine Liste der Sachen gemacht, die ich mir ansehen möchte. Der Plan war, zunächst zur Station High Street (südlich meines Hotels in Brooklyn) zu fahren und von dort aus zu Fuss über die Brooklyn Bridge zu laufen. Von dort aus dann weiter zu Fuss am East River entlang bis zur Südspitze Manhattens, um dort zu überlegen, einen Trip mit der Staten Island Fähre oder sogar eine Tour zur Lady Liberty zu unternehmen. Ich hatte zwar die Wettervorhersage gecheckt  und einen Schirm eingesteckt, ansonsten aber erstmal ignoriert.

Brooklyn Bridge von Brooklyn aus gesehen

Angekommen an der Brooklyn Bridge gab es dann gleich zwei Sachen, die – mal lieb ausgedrückt – suboptimal waren: Zum einen der Regen, zum anderen, dass wegen irgendwelcher Arbeiten an der Brücke so eine Art Sichtschutzwände hochgezogen waren. Beides erschwerte die Sicht auf den East River, die Skyline, den Containerhafen und historische Segelschiffe, die auf der Manhatten-Seite an Pier 17 liegen. Und natürlich auf die Freiheitsstatue, die zwar zu sehen war, aber im Dunst lag. Die Sache machte also nur begrenzt Spaß. Ich machte natürlich trotzdem fleißig meine Fotos, aber es war halt einfach nur grau und schlechte Sicht.

Freiheitsstatue im Regen

Lady Liberty steht im Regen. Genau wie ich.

Auf der Manhattan-Seite stieß ich dann auf das Rathaus New Yorks und einen nahegelegenen Park. Hier standen irgendwie seltsam viele Cop-Autos und so ein paar von den Chevy Suburbans, die in den Filmen immer vom FBI benutzt wurden. Aber ich glaube, wenn da überhaupt was los war, dann nur „Präsenz zeigen“. Ich suchte mir einen Subway, um mal aus dem Regen rauszukommen und um den Lunch einzunehmen.

Wolkenkratzer

Hier ist "Wolkenkratzer" einmal wirklich wörtlich zu sehen. Das Gebäude gehört, glaube ich, zur Pace University. Aufgenommen vom City Hall Park aus mit Gaslaternen (cool!) im Vordergrund.

Das mit dem Lunch war ja okay, aber nachdem ich ne Weile da gesessen hatte und mich also nicht so viel bewegt hatte, war es irgendwie zurück im Regen eher noch unangenehmer. Ich verwarf den Plan mit der Südspitze Manhattens und pilgerte erstmal ein paar Blocks Richtung Norden. Ein Radio Shack zog mich an, weil ich mir das mal ansehen wollte und außerdem auf der Suche nach einem Akkuladegerät war, welches ich in den USA und zuhause verwenden könnte. Meins daheim läuft nicht mit 110 Volt. Nunja, ich war nicht erfolgreich, trotzdem war es interessant, was die so in einem Radio Shack anbieten. Ist halt ein Elektronikladen, wo man Mobiltelefone, Lötkolben und auch einzelne Transistoren kaufen kann.

Wieder draußen hatte der Regen nachgelassen, die Laune war besser. Ein oder zwei Blocks weiter nördlich besorgte ich mir ein paar Postkarten und folgte dem Tipp, einen Block weiter westlich das Post Office aufzusuchen, um Briefmarken zu erstehen. Das habe ich sogar gefunden und dann Briefmarken gekauft. Leider stellte ich hier fest, dass mein Eastpack-Rucksack mitnichten wasserdicht ist. Ein Buch, welches ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe (ein echt gutes!), der New York Reiseführer, den ich mir nur ausgeliehen habe, und – vielleicht am schlimmsten – mein Reisepass wurden in Mitleidenschaft gezogen, was die Laune sofort wieder verschlechterte. Eine Karte schrieb ich dann sofort, danach ging es wieder raus in den Regen.

Möbel bei Macys

8th. Floor bei Macy's. Möbel. Und ein kleiner Tourist im Spiegel.

Ich beschloss, in Richtung Times Square zu fahren, suchte mir eine Metro Station und nahm die R-Line zur 33rd. Street. Dort ausgestiegen fand ich fast sofort das Macy’s – welches sich rühmt, nicht weniger als das größte Kaufhaus der Welt zu sein. Nun, eigentlich bin ich hier nicht allzusehr auf Shopping aus, aber ich wollte mir den Laden einfach mal ansehen, außerdem hatte ich ja noch kein Ladegerät gefunden… Erstmal fuhr ich einfach nur ganz nach oben, weil ich mal sehen wollte, wie weit es ging. Beim achten Stock (Möbel) war Ende. Beeindruckend waren die wahrscheinlich uralten Holz-Rolltreppen. Ganz oben suchte ich mir einen Restroom. Dieser war eigentlich eher ziemlich niedriger Standard – nicht so toll, denn das Haus macht ansonsten schon ein wenig auf edel. Ich drang aber auch in andere Ecken vor, die wohl eigentlich zum Betreten für die Öffentlichkeit nicht vorgesehen waren, die keinen so edlen Eindruck vermittelten.

Auch bei Macys

Auch das wurde bei Macy's aufgenommen. Aber eher "hinter den Kulissen".

Ich fuhr zurück in die 7., wo ich ein „Au Bon Pain“ gesehen hatte, so ne Kette für Kaffee, Pastries, Suppen und so. Da schnappte ich mir einen Nuss-Karotten-Muffin und einen Kaffee mit Haselnuss-Flavour. Der Muffin war exzellent, der Kaffee mäßig – nun, was will man anderes erwarten. Ich versuchte, noch ne Karte zu schreiben, aber mein Kuli streikte. Grrrr! Hat sich etwa alles gegen mich verschworen? Zwischendurch setzte sich eine farbige, junge Frau an meinen Tisch, die ein Bewerbungsformular für einen Job ausfüllte. Später, als ich schon im Aufbruch war, setzte sich ein britisches Ehepaar im Ruhestand, welches auf einer Kreuzfahrt kurz in New York festgemacht hatte, an meinen Tisch. Man habe, so sagte die Frau, lange in Deutschland gelebt, Düsseldorf, Munster, Osnabrück… Der Mann war halt in der Army, und so hat man auch sieben Jahre in OS gelebt. Die Welt ist klein.

Holzrolltreppe

Holzrolltreppe bei Macy's

Ich hatte inzwischen einen Forschungsauftrag bezüglich der aktuellen Handtaschen-Trends von einer Freundin per SMS bekommen. Zuvor hatte ich sie wissen lassen, dass ich zu Macy’s wollte. Und dann sowas. Irgendwie hatte sie was von „Orange Tote’s“ und „Beige“ geschrieben. Zunächst machte ich diverse Fotos von allen möglichen Handtaschen. Dann sprach ich einen Verkäufer an und fragte ihn, ob er Experte auf diesem Fachgebiet sei. Er wies mich darauf hin, dass ich bisher nur die Sonderangebote gesehen hatte und zeigte mir den Weg zur wahrscheinlich größten Handtaschen-Auswahl des Universums. Für manche Dame wahrscheinlich das Paradies auf Erden, aber für mich… HILFE! Ich fühlte mich zwischen den ganzen begeisterten Damen ohnehin wie ein Fremdkörper. Die genervten Herren an deren Seite hatten ja wenigstens mit ihren weiblichen Begeleitungen ein Alibi. Dennoch, ich nahm meinen Auftrag ernst, schließlich kam er von einer wirklich guten Freundin. Also schoss ich noch viele weiter Bilder von vielen weiteren Handtaschen und fragte eine Verkäuferin, die sich über die Geschichte „I’m doing quite a research study on the latest handbag trends  for a friend of mine back in Germany and have no clue on anything“ köstlich amüsierte. Ich fragte sie, ob „Orange“ und „Beige“ Marken oder nur Farben seien. Nur Farben, aber immerhin lernte ich, dass „Totes“ eine bestimmte Größe von Handtaschen bezeichnet, nämlich ziemlich große, versierte Damen können in einer solchen einen Fiat Panda, zwei Lippenstifte und ihr Mobiltelefon verschwinden lassen. Irgendwie fand ich es ja auch ein wenig amüsant, aber ich hatte einfach keinen Plan, wie vorzugehen sei. Über Flugzeugträger kann ich so einiges herausfinden, aber bei Handtaschen – da muss ich passen. Ich werde der Freundin eine defensive E-Mail samt einiger Fotos schicken. Ach ja, in Orange habe ich jedenfalls gar nichts gesehen, in Beige einiges. Manche dieser Handtaschen haben übrigens ein preisliches Niveau, bei dem man, glaube ich, den Fiat Panda so als Drein- bzw. „Dringabe“ gleich dazu bekommt.

Beige Handtaschen

Ich weiss nicht, ob meine Kamera die Farbe richtig wiedergibt. Aber es gab jedenfalls beige Totes. Dass das irgendwie von to tote (herumschleppen) kommt, habe ich mir schon gedacht. Aber ansonsten: Kein Plan.

Ich fand dann noch die – gar nicht so große – Elektronikabteilung im Keller. Hier gabs Laptops, Mobiltelefone, Blue-Rays, Wii-Spiele, Kopfhörer, Kompaktanlagen und so ein Zeug in nicht allzu großer Auswahl. Aber – oh Wunder – auf Nachfrage exakt das was ich haben wollte: Ein kompaktes Ladegerät für 4 AA- oder AAA-Zellen, amerikanischer Stecker aber mit Adapter für Euro-Stecker und für 110/220 Volt. Inkl. vier AA-Akkus mit 2.000 mAh für 20 Dollar plus Tax. Gekauft!

Empire State Building im Regen

Die Spitze des Empire State Buildings ist in den Regenwolken verschwunden. Was irgendwie cool aussah. Die runden Kreise sind Regentropfen auf der Linse.

Zuück auf der Straße und im Regen näherte ich mich wieder dem Times-Square. Ungeachtet des Wetters pulsierte hier wie wohl immer das Leben mit unendlichen vielen Menschen auf den Sidewalks. Durch die Regenschirme nahmen sie noch mehr Platz ein, und es kam auch ab und an zu Kollisionen zwischen den Schirmen. Diese Videowände an den Hausfassaden faszinierten mich immer noch sehr. Also, bei uns soll es wohl manchmal zu Autounfällen kommen, wenn die neuen H&M-Dessous-Plakate raus sind. Hier tänzeln Models in Unterwäsche über die Hochhausfassaden – also, wenn da nichts schiefgeht…

Samuel L. Jackson

Samuel L. Jackson in Wachs vor Madame Taussaud's Zweigstelle in New York.

Ich überlegte, ob ich mir vielleicht Madame Taussaud’s ansehen sollte. Draußen stand Samuel L. Jackson in Wachs und warb dafür. Kostet 36 Dollar plus Tax. Hm. Morgen vielleicht. Ich guckte mir auch an, was so im Kino läuft. Nix, was ich mir unbedingt angucken muss, aber einiges, was ich mir vielleicht angucken kann. Ich muss noch recherchieren. Morgen soll das Wetter auch schlecht sein, da ist ein Indoor-Programm angesagt, also vielleicht Madame Taussaud’s und/oder Kino. Der Regen nervte mich aber zunehmend, und meine Füsse taten weh. Also fuhr ich zurück nach Brooklyn, machte dort noch ein paar Einkäufe, um vielleicht den Abend mit nem Film auf dem Laptop oder im Fernsehen mit Bier und Chips zu verbringen.

Blog, Fernsehen, Chips und Bier

Feierabend: Bloggen, mexikanisches Bier und TV-Berieselung nebenbei.

Es ist nun schon zwanzig vor zehn, ich tippsel hier so vor mich hin und im Fernsehen läuft ne Anwaltsserie, die ich in Ruhe ignorieren kann. Morgen ist ein anderer Tag. Freitag soll das Wetter auch besser werden. Mal sehen, was dann so geht. Heute mache ich mir jedenfalls einfach einen gemütlichen Abend, weil ich einfach keinen Bock mehr habe, Pfützen auszuweichen.

Update: Inzwischen lief im Fernsehen nicht länger ne Serie, die ich ignorieren kann, sondern NY-Nachrichten, die ich nicht ignorieren konnte. Demzufolge wurde ein Mann verhaftet, weil er im Rahmen der „Occupy Wallstreet“-Demonstrationen mit einem Brandanschlag auf Macy’s gedroht hat. Außerdem wollen die Demonstranten morgen den Financial District lahmlegen. Dazu gehört auch das Subway-System. Mal sehen, was passiert.

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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5 Antworten zu Dodging puddles

  1. Handtaschenfreundin schreibt:

    Ach Michi, wenn ich das geahnt hätte… Ich hätte mir eine schöne Frauenzeitschrift gekauft. Aber ich hätte wissen müssen, dass Du meine SMS als Anlass für eine ordentliche Recherche verstehst. Danke und verzeih’mir. Hoffe, der Tag und das Wetter sind heute angenehmer. Liebe Grüße, die Handtaschen – Freundin

    • michikarl schreibt:

      Ach, liebe Handtaschen-Freundin… Ich fühlte mich zwar überfordert, aber es war ja auch irgendwie lustig. Ich überlege noch, ob ich hier eine Handtaschen-Galerie einstelle. Aber: First things first. Muss erstmal den heutigen Blogeintrag schreiben.

  2. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Hi Michi, schade, das mit dem Wetter. Wir hatten durchaus eine bessere Sicht von Brooklyn Bridge aus, obwohl auch da schon ein paar nervige Bauwände da waren, aber das ging. Heftiger war die Sonne, die uns auf den Kopf knallte…

    Aber wirklich amüsiert hat mich Dein Taschen-Adventure! Hoffentlich weiß die Dame Deinen Einsatz zu schätzen…

  3. Gunnar Bobbert schreibt:

    Du Armer!
    Handtaschen-Recherche ist ja noch viiiieeeeeeeeeeeeeeel schlimmer als Damenschuhe kaufende Frauen zu begleiten!
    Das Opfer bringt dir sicherlich Pluspunkte!
    Wünsche dir besseres Wetter!

    Gunnar

  4. Pingback: Tag 21 – Bergfest (vielleicht) und viel liebe Post | michikarl

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