Rage against the ticket vending machine

5:30 Uhr weckt mich mein Handy mit „Washington is next“ (Megadeth). Es kann ja kaum einen angemesseneren Titel für heute geben. Paar Sekunden später pingelt das Telefon – der Wake-up-call, doppelt genäht hält besser. Mann, warum habe ich bloss so einen frühen Flug (8.45 Uhr) genommen. Wie üblich, weil ich nicht besser aufgepasst und beim Buchen nicht drüber nachgedacht habe. Außerdem wäre es wahrscheinlich schlauer gewesen, zum Reagan National zu fliegen, anstatt zum Dulles International. Denn der Reagan ist wesentlich näher am Ziel als der Dulles. Naja, wusste nicht, dass es diesen Flughafen überhaupt gibt, der Dulles hingegen ist ja ein Begriff. Vor allem, wenn man die ganzen Dirk-Pitt-Romane von Clive Cussler gelesen hat…

Wie auch immer, nachdem ich aufgestanden, geduscht und rasiert war, packte ich meinen Kram zusammen und war pünktlich 6.30 in der Lobby zum Auschecken. Mein Taxi wartete schon. Kurz nach 7.00 war ich am Flughafen. Ich gab also meinen Koffer auf und ging durch die Security. Ups – ein böser Nacktscanner. Da war ein Schild, dass man das nicht machen musste, sondern sich auch alternativ checken lassen könne. War mir aber sowas von egal. Noch schnell ein Kaffee von Dunkin‘ Donuts. Bis hierher habe ich übrigens schon in der Delta Abflug-Lounge vorgeschrieben. Dort haben sie zig iPads zur allgemeinen Nutzung in die Tische eingebaut. Außerdem Netz- und USB-Anschlüsse zum Geräte aufladen. Naja, ich hatte gedacht, ich könnte noch mal schnell den Restroom benutzen, was ich auch tat. Allerdings wurde ich dann schon ausgerufen, so dass ich mich beeilte, zum Gate zu kommen.

Einstieg in die CRJ200

Einstieg in die CRJ200

Es ging dann runter zum Flieger, ein kurzes Stück über das Rollfeld und rein den Vogel. Die Canadair Bombardier CRJ200 ist der kleinste Jet, mit dem ich bisher geflogen bin, hat gerade mal 50 Plätze. Hab mich übrigens vertan, dachte bisher immer, ich flöge mit einer brasilianischen Embraer. Der Flug war aber ruhig und kurz. Ich hab ein bisschen gelesen.

Bombardier CRJ200

Angekommen mit dem CRJ200-Winzjet in Dulles International. Man beachte, wie der Passagiertunnel das Flugzeug fast einzusaugen scheint...

Auf dem Flughafen holte ich meinen Koffer, der just auf das Band fiel, als ich hinkam. Dann ging ich zu einem Information-Desk und fragte nach Alternativen zu einem Taxi, um nach Downtown DC zu kommen. Da gab es zwei Möglichkeiten: Entweder das „Super-Shuttle“, da teilt man sich im Grunde ein Van mit anderen Passagieren und wird direkt am Hotel abgesetzt, oder Bus und Bahn. Ich entschied mi ch – leider – für die zweite Alternative. Die Frau am Desk war wirklich sehr hilfreich, gab mir gleich tonnenweise Informationsmaterial über DC inklusive Busplan und Metro-Map. Aber sie erwähnte nicht, dass ich für den Bus ein sogenantes SmarTrip-Ticket brauche. Und so hatte ich dann echte Probleme mit dem blöden Automaten in dem Bus. Einfach so beim Fahrer bezahlen ging nicht. Naja, insgesamt bin ich dann mitgefahren, aber ich habe viel zu viel dafür bezahlt. Der Trip alleine zur nächsten Metro-Station in DC dauerte schon ungefähr eine Stunde.

Supershuttle

Supershuttle - hätte ich vielleicht besser genommen. Aber ich wollte schon mal checken, wie die "normalen" Öffis hier funktionieren.

An der Metro-Station wollte ich dann ein Ticket, welches ich die ganze Woche benutzen kann. Kostete 32 Dollar, bisschen mehr als in New York, obwohl die Subway-Map im Vergleich hier SEHR übersichtlich ist. Sie ist auch übersichtlich im Vergleich mit der von Hamburg. Und wenn ich bedenke, dass ich hier einiges in Fußgänger-Reichweite habe, war es vielleicht auch nicht klug, den Pass zu kaufen.

Abgesehen davon, dieser Artikel hat seinen Titel ja nicht ohne Grund. Ich konnte keine 40 Dollar Cash reinschmeissen – nicht genug Change. Die gefühlten hundert Versuche, das mit einer Plastikkarte zu absolvieren, brachen an verschiedenen Stellen des Kaufvorgangs mit verschiedenen Fehlermeldungen ab. Schließlich hatte ich die Schnauze voll, kaufte mir in einem Laden in der Subway einen Kaffee und einen Cookie und hatte dann die 32 Dollar cash passend. Damit konnte ich dann das Ticket erwerben. Grrr. Sch… Technik.

Rosslyn Station

Rosslyn Station - hat was von einem Flugzeug-Hangar.

Die Subway ist schon etwas besser als in New York. In den Wagen gibt es tatsächlich Teppiche, allerdings nicht besonders sauber. Aber die Stationen sind moderner und besser in Schuss, jedenfall die, die ich bisher gesehen habe. Und die Sitze sind echt bequem. Ich fuhr in Rosslyn mit der orangen Linie (hier gibts nur Farben) zum Metro Center, stieg da in die rote Linie um und fuhr zur Union Station, ich glaube, dass ist hier der Hauptbahnhof.Genauer gesagt, ich fuhr an der Union Station vorbei, weil ich sie verpasst habe. Allerdings stand auf dem Gegengleis direkt ein Zug in die Gegenrichtung, so dass mich das kaum Zeit und Nerven gekostet hat.

Von da ging ich dann mithilfe von T-Online, Google und GPS zum Hotel und checkte ein. Ich hatte mir das mit Google Street View schon mal angesehen, aber ich hab nicht gedacht, dass ich echt so nah am Capitol wohne.

A peek at the capitol

Mein erster Blick auf die Kuppel des Capitols. Das Hotel ist aber noch einige Blocks näher als mein Standort hier.

Ich checkte also ein, ging dann bei einem nahegelegenen „Au bon pain“ maccaroni and cheese essen, besorgte einen Biervorrat und ging zurück zum Hotel. Irgendwie hatte ich einen totalen Durchhänger. Das Wetter war grau und regnerisch, ich war total müde, weil ich höchstens fünf Stunden geschlafen hatte, und meine eigene Paddeligkeit im Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ging mir tierisch auf den Keks. Und an dem Gebäude neben dem Hotel werden laute Bauarbeiten durchgeführt, erkennbar oben auf dem Bild übrigens an dem Kran rechts im Bild. Naja, dafür sind dann Ohrstöpsel da. Ich machte die Glotze an, ein Bier auf und hab dann erstmal anderthalb Stunden geschlafen.

Das Capitol

Das Capitol mit amerikanischen Farben Blau, Rot und Weiß.

Danach war es schon dunkel, und ich entschied, zumindest nochmal zum Capitol, das nur ein paar Blocks entfernt ist, zu gehen. Es nieselte leicht. Aber ich konnte ein paar ganz gute Fotos machen. Das Gebäude ist extrem beeindruckend. Riesig groß. Und mir persönlich gefällt es architektonisch recht gut, ist schon ein sehr repräsentatives Haus. Ich fragte eine Polizei/Security (whatever) Frau nach den Öffnungszeiten, 9 AM – 3 PM. Mal sehen, mach ich vielleicht morgen, obwohl mich das Smithonian Air and Space Museum hier natürlich mehr reizt.

Okay, hier ist auch alles voller Museen, aber das ist wenigstens keine Kunst wie Guggenheim, sondern die ganze Stadt atmet (naja, und macht) amerikanische Geschichte. Alleine mehr oder weniger einfach nur über die Straße sind das US Postal Museum und das US National Guard Memorial Museum. Und das Smithonian, insgesamt das größte Museum der Welt, liegt auch nicht weit weg. Um die Zweigstelle in Dulles des Air and Space Museums zu sehen, müsste ich zum Flughafen zurück. Ich weiss noch nicht, ob ich extra hinfahre oder ob ich das unmittelbar vor dem Heimflug mache.

Capitol von vorne

Capitol von vorne

Nunja, ich ging also an den Sicherheitsvorposten vor dem Capitol vorbei, die sind wohl erstmal nur dazu da, Fahrzeuge zu kontrollieren. Als Fussgänger kommt man unbehelligt bis direkt an das Gebäude. Das Wetter wurde allerdings immer schlechter, es war nun schon solider Regen. Auf dem Rückweg erst bemerkte ich, dass da durchaus auch schwerbewaffnete Posten standen, die neben einer Pistole im Halfter auch eine leichte Schnellfeuerwaffe in der Hand hatten (ich kenne mich damit ja nicht aus, das interessiert mich ja nicht so, aber es könnte ein M4 gewesen sein). Hm, also besser mal keine Dummheiten machen und die Farbspraydose im Rucksack lassen. Ich wollte eigentlich „Oops“ an die Fassade sprühen. Mist, den Plan musste ich fallen lassen. (An dieser Stelle ein Hinweis an die Geheimdienste: Das war nur ein Witz. Und ein Hinweis an die Werbetreibenden: Bitte keine SPAM-Mails mit Angeboten für Sprayer-Farben. Ich spühe nicht wirklich…)

In der Ferne sah ich noch das Washington Memorial mit seinen roten Lichtern blinken. Wie gesagt, Amerikaner lieben Obelisken (äh, wie ist hier der Plural?). Fast so sehr wie Waffen. Also… irgendwie fällt mir in diesem Zusammenhang ein Wort ein, dass mit P beginnt. Wenn das Wetter nicht so mies gewesen wäre, wäre ich vielleicht nochmal hingepilgert. Aber ich hatte keine Lust mehr. Ich ging zum nächsten Subway, direkt neben dem Au bon pain, und holte mir ein großes Sub. Das habe ich dann genussvoll in meinem Hotelzimmer mit einem Miller Lite vernichtet.

Employees must wash their hands

Okay. Dieses Schild scheint Standard zu sein.

Achja, eine Sache am Rande fällt mir noch ein. Irgendwie haben die Amerikaner es drauf, Dinge, die selbstverständlich sein sollten, auf Schilder zu schreiben. Zum Beispiel, dass sich Gastronomie-Angestellte nach der Benutzung des Restrooms die Hände waschen müssen. Da ich das hier überall sehe, vermute ich, dass diese Schilder Vorschrift sind. In der U-Bahn wird durchgesagt, dass man nach dem Einsteigen in die Mitte des Wagens gehen soll, damit hinter einem weitere Fahrgäste einsteigen können. Und ich hab auch schon ein Schild gesehen, auf dem stand, man soll nach rechts und links gucken, bevor man über die Straße geht. Hm. Ich wundere mich fast, dass nicht an jedem Haus elektronische Laufschriften „Breathe in… breathe out… breathe in…“ (Einatmen… ausatmen…) verkünden. Oder dass zumindest an den Mülleimern Schilder mit „No deposit of dead dogs or nuclear waste“ (Bitte keine toten Hunde oder Atommüll einwerfen) stehen. Aber wer weiß, kommt ja vielleicht noch. An diesem blöden Automaten im Bus hingegen, den ja durchaus auch Leute, die nicht aus Washington oder Dulles kommen, benutzen, kriegen die es nicht hin. Da könnte schon drauf stehen, dass man passend zahlen oder ein SmarTrip-Ticket haben muss.

Blick aus dem Hotelfenster

Blick aus dem Hotelfenster gegen 11.10 PM bei 15 Sekunden Belichtungszeit

Bis morgen.

Nachtrag: Ich hab hier die ganze Zeit nebenbei CNN laufen. Da sieht man als Symbolbild zur Zeit oft eben auch das Gebäude mit der großen Kuppel als Symbolbild. Mit einem Schriftzug „Super Failure“ darunter. Das sogenannte Super Commitee aus jeweils acht Demokraten und acht Republikanern konnte sich nicht darüber einigen, wo Steuern gespart werden sollen. Und das ist aufgrund der drohenden Abwertung durch Moody’s absolut dringend notwendig. In den Nachrichten sind die Moderatoren und Kommentatoren ziemlich angepisst darüber, dass die Leute hier bei mir nebenan ihren Job nicht machen. Und das zu Recht. Also passt „Oops“ zwar ganz gut, aber „Fail“ wäre auch passend.

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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4 Antworten zu Rage against the ticket vending machine

  1. Mac schreibt:

    Hi Michi!
    Ich lese deinen Blog täglich und finde ihn sehr lesenswert und amüsant. Man kennt dich ja…
    Als Diplom-Pedant muss ich allerdings folgende Anmerkungen loswerden:
    1. Die Museen heißen korrekterweise „Smithsonian“ mit einem „s“ in der Mitte, da sie nach Herrn Smithson benannt worden sind.
    2. Anstelle von „deposit of“ müsste es „dispose of“ heißen. Dein durchaus korrekter Gedankengang, dass das englische Verb für „etwas entsorgen“ mit einer Präposition versehen ist, sei hier allerdings als besonders ehrenhaft hervorgehoben. Das Verb „deposit“ ist kein so genanntes „phrasal verb“ und bedarf keiner direkten Präposition. Viele Leute erachten die Formulierung „The trash must be disposed of in the bin“ als sinnlose Anreihung von Präpositionen, haben aber keine Ahnung, dass genau dies hier richtig ist. Siehe hierzu auch übrigens die Diskussion über Frankie Vallis Superhit „Can’t take my Eyes Off You“, in der er korrekterweise „Can’t take my eyes off of you“ singt, da hier „off of“ in der Bedeutung von „weg von“ (also auch im Deutschen zwei Wörter!) steht. (cf. http://www.answerbag.com/q_view/707088)

    Liebe Grüße
    Markus

  2. satayspiess schreibt:

    Oha, Englischstunde war heute schon …
    Da kann ich übrigens noch eine erstaunliche Begebenheit aus meinem jüngst vergangenen USA-Aufenthalt zum Besten geben: Am Visitor Center des Pinnacles National Monument grüßte mich ein Mann, der auf Grund seines sächsischen Akzentes, den er in jeden Buchstaben des Wortes „hello“ legte, sofort als Deutscher zu erkennen war. Aus dem Grund fiel mir das auch erst gar nicht auf, dass er eigentlich Englisch gesprochen hatte, und grüßte auf Deutsch zurück. Er war alleinreisend (mutig, mit dem schlechten Englisch) und sprach mich ein paar Minuten später an, ob ich denn gut Englisch könne und ihm ein Zimmer in San Francisco reservieren könne. Die Nummer war toll free. Ich also zum Ranger im Visitor Center und ihm das erklärt, was der Deutsche wollte. Er dort angerufen, seine Stirn wurde krauser und krauser, und nach einigem hin und her gab er mir den Telefonhörer. Ich hatte nun jemanden an der Strippe, der einen ähnlich schlimmen Akzent hatte wie mein alleinreisender Sachse, nur dass ich diesen Akzent nicht kannte und den Mann am anderen Ende nicht verstehen konnte. Ich habe letztlich entnervt aufgelegt, und wir haben dem Landsmann geraten, einfach ohne Reservierung nach SF zu fahren, da gäbe es zu dieser Jahreszeit (Oktober) und unter der Woche genügend freie Zimmer. Der Reisende ging, und ich unterhielt mich noch kurz mit dem Ranger (zwar spanischer Nachname, aber ziemlich eindeutig in den UA aufgewachsen). Er hatte den Mann am anderen Ende der Telefonleitung auch nicht verstanden, und das als Muttersprachler! Er sagte, dass das ganz schlimm sei, wenn man mal ein Problem mit dem Telefon, dem PC oder sontwas habe und bei einer Hotline anrufe. Dort säßen am anderen Ende oft Leute, die der englischen Sprache so wenig mächtig sind, dass selbst Amerikaner nichts verstehen. Das fand ich schon echt heftig.
    Insofern Respekt, wenn man solche grammatikalischen Feinheiten drauf hat. Aber bei deinem Beruf sollte man das wohl auch, Markus. 🙂

    Michi, ist doch prima, wenn du eigentlich gar nicht U-Bahn fahren musst in DC. Dann kannst du auch nicht in die falsche Richtung fahren und musst dich nicht über gesperrte Stationen und sonst was ärgern! Viel Spaß weiterhin da drüben, genieß‘ die Zeit und ärgere dich nicht über Regen!

    • michikarl schreibt:

      Hi Ceri,
      als ich Deinen Kommentar über die sprachlichen Schwierigkeiten gelesen habe, hatte ich just mein Oliven und Jalapeno – Debakel bei Subway hinter mir. Siehe „Day at the museum“. Die Metro habe ich auch benutzt, wenn auch wieder mal nicht ganz unfallfrei…

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