Day at the Museum

Ich wachte nicht lange nach 7.00 AM auf, blieb aber bis 8.00 im Bett. Als ich mein Zimmer verließ, fand ich vor der Tür eine Ausgabe der USA Today. Wie praktisch. Aufmacher: „Super Fail“, was auch sonst.

Frühstück

Breakfast at Phillips

Hier ist das Frühstück nicht inklusive, also versuchte ich mein Glück im nahegelegenen Café Phillipps. Ich nahm eine „Breakfast Platter“, die Rührein mit Speck, Bratkartoffeln und Toast mit Butter enthielt. Hm. Lecker, aber nicht für jeden Tag zu gebrauchen. Dazu gabs natürlich Kaffee, übrigens der heisseste, den ich bisher hatte.

Café Phillips

Café Phillips um die Ecke. Morgen sicherlich wieder...

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zum Smithsonian Air- and Space Museum (Danke für den Hinweis, Markus). Ich hatte mir den Weg auf Google Maps angesehen, Entfernung demnach gerade mal eine Meile. (Vermutlich schmeisst Google den Weg aufgrund meiner aktuellen IP Adresse in Meilen raus, was weiß ich…). Der Weg führt mich am Capitol und der davorliegenden Wasserfläche mit dem Ulysses S. Grant Memorial vorbei. Der Weg in der Tat kurz und nicht schwer zu finden. Das Museum selbst ist ein riesen Trumm von Gebäude – unmöglich, mit meiner Kamera vernünftig zu fotografieren. Soweit kann ich nicht zurückgehen, dass ich das ganz draufkriege.

Smithsonian Air- and Space Museum

Smithsonian Air- and Space Museum - das Ding ist echt groß

Nach dem Eintreten kam erstmal die übliche Metalldetektor-Kontrolle. Das erste Flugzeug, welches ich dann sah, war die „Voyager„, ein Flugzeug, in dem ein Mann und eine Frau mit einer Tankfüllung die Welt umrundeten – ein Rekordflug. Das Museumsgebäude ist zwar schon sehr groß, aber richtig große Flugzeuge passen doch nicht hinein. Die stehen halt im Hangar am Dulles International.

Bell X-1

Bell X-1 "Glamorous Glennis". Mit diesem Flugzeug durchbrach Chuck Yeager die Schallmauer als erster.

Die Halle, in die ich dann gelangte, hatte den Titel „Milestones of air- and spaceflight“. Sie enthielt die unter anderem die „Spirit of St. Louis„, mit der Charles Lindbergh als erster solo den Atlantik überquerte. Außerdem die Bell X-1, mit der Chuck Yeager zum als erster Überschallgeschwindigkeit flog. Mein persönlicher Favorit der Ausstellung war die North American X-15. Sofern man das Space Shuttle als Raumschiff und nicht als Flugzeug bezeichnet, ist die X-15 immer noch das schnellste Flugzeug der Welt. Wie allerdings das X aussagt, handelt es sich dabei um ein Experimentalflugzeug. Außerdem wurde es nicht von luftatmenden Triebwerken, sondern von Raketentriebwerken angetrieben (die ihren Sauerstoff aus eigenen Tanks beziehen). Ähm… ich bin versucht, zu sehr ins Detail zu gehen. Lassen wir das.

X-15

X-15 Experimentalflugzeug. Geschwindigkeit bis zur 6,7-fachen Schallgeschwindigkeit. Die Erfahrungen mit diesem Modell mit der Reibungshitze bei hohen Geschwindigkeiten in der Atmosphäre halfen bei der Entwicklung des Space Shuttle

Dann stehen da noch Raumkapseln. Das waren die Mercury-Kapsel Friendship 7, mit der John Glenn als erster Amerikaner den Orbit erreichte, eine Gemini-Kapsel, und das Command-Module Columbia von Apollo 11, der ersten Mondlandung. Das sind alles keine Modelle, sondern die echten Teile, die im Erd- oder sogar Mondorbit gewesen sind. Technische Meisterleistungen ihrer Zeit, die Raumfahrtgeschichte geschrieben haben.

Supermarine Spitfire

Supermarine Spitfire - der berühmte britische Jäger des 2. Weltkriegs

Das Museum ist in verschiedene Themen aufgeteils, darunter die besagten Meilensteine der Luft- und Raumfahrt, eine Ausstellung über die Gebrüder Wright und ihr Flugzeug, eine über Luftfahrt im ersten Weltkrieg, eine über die Luftfahrt im zweiten Weltkrieg, eine über Marineflugzeuge und Flugzeugträger-Operationen, eine über Passagierluftfahrt, eine über unbemannte Flugzeuge (Drohnen)… Es gibt eine Ausstellung „The Jet as Art“, eine edukative Ausstellung zu Themen „Warum Flugzeuge fliegen“ und wie Flugzeuge und Raketen funktionieren mit Experimenten zum selbst ausprobieren. Ein Planetarium. Ein Teleskop. Eine Ausstellung über Spionageflugzeuge und -satelliten. Ein Imax-Kino. Ausstellungen über Triebwerke und Motoren. Und eine über Air Traffic Control. Raketen. Marschflugkörper. Satelliten. Sonden.

MQ-1 Predator Drohne

MQ-1 Predator Drohne, bewaffnet mit zwei Hellfire-Raketen. Taucht in letzter Zeit öfter mal in den Nachrichten auf.

Viele Flugzeuge und Raumschiffe sind Originale, die wirklich geflogen sind. Einige sind Modelle, Trainingsversionen oder Backups, die nie zum Einsatz kamen. Dazu kommen liebevoll gestaltete Modelle. Besondert beeindruckend war ein Modell des Flugzeugträgers Enterprise (des aktuellen, nuklear getriebenen Flugzeugträgers, nicht des gleichnamigen Schiffs aus dem zweiten Weltkrieg). Nach dem Schild wurde das Model und die Flugzeuge an Deck in zwölf Jahren mit 1.000 Arbeitsstunden pro Jahr gefertigt. Die meisten Flugzeuge an Deck sind Bausätze gewesen, aber die vier E-2 Hawkeye sind jeweils in 200 Arbeitsstunden ohne Baussatz entstanden.

Flugdeck der USS Enterprise im Modell

Flugdeck der USS Enterprise - im Maßstab 1:100. Im Vordergrund A-6 Intruder und F-14 Tomcat

Dazu kommen diverse Videos, Computeranimationen und die bereits erwähnten, interaktiven Experimente. Besonders gefallen haben mir drei Modelle, die verdeutlichen, wie sich die Steuerung von Flugzeugen im Laufe der Zeit verändert hat. Bei allen dreien hat man einen Steuerknüppel, mit dem man Höhen- und Querruder einer Modellanordnung betätigen konnte. Beim ersten war es eine reine Seilzuganordnung. Beim zweiten betätigte man Ventile, die dann über eine Hydraulik auf die Ruder wirkten. Bei der Dritten hatte man eine Art analogen Joystick, dessen elektrische Signale von einer Steuerelektronik ausgewertet wurden, die dann wiederum die Hydraulikventile für die Ruderkontrolle steuerte. Das war einfach sehr anschaulich gemacht.

Columbia

Columbia Command Module von Apollo 11 und ich. Zu sehen die Unterseite der Kapsel, also der Hitzeschild.

Um es zusammenzufassen: Ich war ungefär um 10.30 AM im Museum und blieb bis zum Toresschluss um 5.30 PM, also fast sieben Stunden. Ohne was zu essen, fast ohne was zu trinken (hab mal an einem Trinkwasserspender genascht) und ohne Restroombenutzung. Es reichte nicht ganz, um alle Beschreibungstafeln auswendig zu lernen, aber ich muss jetzt trotzdem nicht nochmal hin. Obwohl das gut ginge, weil es ja erstens quasi um die Ecke liegt – und zweitens keinen Eintritt kostet! Das ist schon toll. Ich hab ein paar Doller zur Erhaltung des Museums gespendet, aber ich hätte auch 25 Dollar auf den Tresen gelegt, kein Thema.

Washington Memorial

Auf dem Rückweg lief mir ein überdimensionierter Zahnstocher über den Weg. Und natürlich musste mir ein Laster durchs Bild fahren.

Nachdem ich dann also bei Toresschluss das Museum verlassen hatte, war ich hungrig und durstig und… naja, Ihr wisst schon. Trotzdem lockte mich das Washington Memorial, der große Obelisk. Ich ging also nicht zurück in Richtung Hotel, sondern in Richtung Washington Memorial. Irgendwie hat sich das nicht so richtig gelohnt. Das Wetter wurde schlechter, und richtig gute Fotos gelangen nicht, glaube ich. Trotzdem ging ich bis zum Obelisken. Von da aus hätte ich auch gleich zum Weissen Haus weiterpilgern können – aber es muss auch mal Schluss sein. Das sagten mir auch meine Füße. Deutlich.

National Mall Map

Planausschnitt der National Mall (vom Lincoln Memorial bis zum Capitol über 4 km). Aber kein Schuhgeschäft, kein Wallmart, kein Mc Donald's weit und breit. Saftladen.

Und überhaupt… was ist das hier eigentlich für eine Mall, es gibt nicht mal nen vernünftigen Supermarkt!? Nur mit protzigen Säulen verzierte Gebäude auf beiden Seiten? Da hat doch die ganze Freimauererbande damals nicht vernünftig nachgedacht, wie das hier zu designen wäre. Keine Möglichkeit, was einzukaufen. Dabei könnte ich paar Flaschen Wasser gebrauchen. Der Mensch lebt nicht nur vom Bier allein…

Unterwegs zum Obelisken war ich an der Smithsonian Metro Station vorbeigekommen. Ich entschied mich, nicht den ganzen Weg zum Hotel zurück zu gehen, sondern die Metro zu nehmen. Okay… Ich schob also meinen Metro-Pass in den Schlitz an der Sperre. Er wurde nicht geschluckt, sondern blieb stecken. Ich bat den Station Agent um Hilfe, der das Ding öffnete und mir dann meinen New Yorker Metro-Pass, den ich aus Gewohnheit benutzt hatte, wieder gab. Hrrrrgn!

Der Washingtoner Pass verschaffte mir dann Einlass zur Metro, damit fuhr ich dann zum Metro Center, wechselte von der orangen in die rote Linie und fuhr zur Union Station. Dort überlegte ich, vielleicht was zu essen, denn hier gab es eine richtige Fressmeile mit McDonald’s, Tacco Bell, Subway, nem Italiener, nem Chinesen, Sushi, Inder, und was weiss ich nicht noch alles. Habe McD angepeilt. Restroom out of order. Tja, Ihr habt mich als Kunden verloren, zumindest heute…

Union Station

Union Station - Grand Central Terminal in New York ist beeindruckender, aber das hier ist auch schon was.

Also, die Union Station scheint definitiv der Hauptbahnhof zu sein. Das Ding ist zwar nicht so beeindruckend wie das Grand Cental Terminal in New York, aber trotzdem groß. Ich brauchte ne Weile, um überhaupt den Ausgang zu finden. Danach allerdings stellte ich fest, dass ich gestern einen ziemlichen Umweg zum Hotel gemacht habe. Denn das ist, wenn man an der richtigen Ecke die Union Station verlässt, höchstens zehn Minuten weit weg.

Ich ging dennoch nicht ins Hotel, sondern zum Subway ein paar Blocks vom Hotel entfernt. Hm. Eigentlich kann ich mir bei der Entfernung ebensogut was von der Union Station zu essen besorgen. Dazu kommt, dass mich der Subway-Mann nicht so recht verstanden hat. Ich wollte keine Oliven und keine Jalapenos haben. Das mit den Jalapenos hat er nicht verstanden, ich hab das mehrfach wiederholt und zu umschreiben versucht. Ich hatte dann auch keine Jalapenos drauf  – aber Oliven. Grmpf. Irgendwie geht es mir ohnehin auf den Keks, wie sich die zwei Subway-Leute sich untereinander in einer mir unbekannten Sprache unterhalten. Das verunsichert mich immer. Außerdem ist es schwierig, zu unterscheiden, wann eigentlich die andere Sprache, und wann Englisch gesprochen wird.

Wie auch immer, ich ging mit meinem Olivenverseuchten Sub zurück ins Hotel und machte Feierabend. Jetzt noch die Fotos auswerten und ein paar davon in den Artikel hier, uns das wars dann.

Bis morgen. Dann mach ich vielleicht einen Besuch in der Hütte des Präsidenten. Die soll ja auch sehr repräsentativ sein. Mal sehen.

Anmerkung: Mir fielen beim Schreiben gestern echt die Augen zu. Ich habe heute deswegen noch diverse Korrekturen gemacht und Bilder hinzugefügt.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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