White what?

Heute habe ich mir erlaubt, ziemlich lange zu schlafen, bis nach 10.00 AM. Offenbar hatte ich es nötig. In New York war die Reihenfolge immer aufstehen, frühstücken, Tagesplan überlegen (mithilfe des Internet) und losziehen. Da hier Frühstück nicht inklusive ist, ist die Reihenfolge jetzt aufstehen, Tagesplan überlegen, losziehen und frühstücken. So auch heute. Ich stellte fest, dass man, wenn man das Weiße Haus besuchen will, als Auslänger eine Art Akkredition von seiner Botschaft benötigt. Das ist mir, glaube ich, zu anstrengend und zeitaufwändig. Trotzdem wollte ich mir heute wohl die Hütte mal von außen ansehen. Und dann noch zum Franklin Memorial und vielleicht zum Jefferson Memorial.

Aber erstmal frühstücken bei Phillips. Heute gab es ein Ham-Sandwich (Turkey war aus). Und Kaffee, natürlich – einen zum Sandwich und einen für aufm Weg. Was das Sandwich angeht, da war echt ein halbes Schwein in Scheiben drin. Hinterher hätte ich eigentlich einen Schnaps zur Verdauung gebrauchen können.

Modelleisenbahn-Ausstellung in der Union Station

Die Modelleisenbahn hier hat einen größeren Maßstab als HO und ist weniger detailiert als Merklin-Bahnen. Aber trotzdem nett anzusehen.

Danach wollte ich, neben den obengenannten Plänen erstmal Lebensmittel einkaufen gehen. Hatte mir per Google Maps ein paar Möglichkeiten dazu rausgesucht. Zuerst ging ich zur Union Station, wo es ja Geschäfte gibt. Ich hatte allerdings Zweifel, dass ein Supermarkt dabei wäre, denn ich habe die Geschäfte schon einmal abgeschritten. Eine Security-Dame vor Ort bestätigte auf Anfrage – kein Supermarkt. Dafür hatte ein Geschäft für Modelleisenbahnen da einige nette Modelle ausgestellt. Klar, wer mal im Miniatur-Wunderland in Hamburg gewesen ist, hat für die meisten anderen Modelleisenbahnen höchstens ein müdes Lächeln über. Aber es war doch ganz nett, und die Kinder der Passanten haben sich drüber gefreut.

Thanksgiving supplies

Jede Menge ungesunde Sachen für Thanksgiving. Wahrscheinlich viel zu viel.

Ich fuhr eine Station von der Union Station zur New York Ave. Hier fand ich dann tatsächlich nicht weit von der Metro Station einen Supermarkt, wo ich einen Lebensmittelvorrat für Thanksgiving (morgen) anlegte (allerdings ohne Truthahn). Bepackt mit Tüten erreichte ich wieder die Metro, fuhr die eine Station wieder zurück und lagerte meine Einkäufe in meinem Hotelzimmer ein. Ich hatte noch eine SMS von meinem Chef bekommen, für den ich dann noch ein paar Zahlen recherchierte und abschickte.

Woodrow Wilson Plaza

Woodrow Wilson Plaza

Dann zog ich wieder los und fuhr zum Federal Circle. Hier ausgestiegen landete ich an einem Ort namens Woodrow Plaza. Direkt davor: Das „Ronald Reagan Building and International Trade Center“. Ich war auf der Suche nach dem Weißen Haus und landete dann erstmal auf dem „Freedom Plaza“. Hier war eine Zeltstadt, „Occupiers“ natürlich. Nun, hier durfte offenbar noch gezeltet werden. In New York hatte Bürgermeister Bloomberg die Occupy-Camper ja aus dem Zuccotti-Park bei meiner Ankunft dort gerade rausgeschmissen.

Zeltlager auf dem Freedom Plaza

Zeltlager auf dem Freedom Plaza

Dann passierte die peinliche Episode des Tages. Auf der Suche nach dem Weißen Haus fand ich ein Gebäude, welches ich eben für dieses hielt und fotografierte. Ähm, zu meiner Verteidungung: Bei den Verteidungslinien der Polizei davor hätte man das auch denken können. Aber nachdem ich nochmal die Fotos verglichen habe, weil sich schon Zweifel regten, fand ich zuerst mal heraus, dass ich mitnichten das Weiße Haus fotografiert hatte, weder von vorne, noch von hinten. Aber was dann? Es hat eine Weile gedauert, bis ich einfach mal das Foto rangezoomt habe, und dann –  patsch – es steht sogar drauf, dass es das US Department of Treasury, das Finanzministerium war. Das liegt direkt neben dem Weißen Haus. Gute Sache, falls Barack Obama mal blank ist. Das Die Fassage des Gebäudes des Supreme Court (des obersten Gerichtshofen der USA) sieht übrigens auch ähnlich aus. Und die vielen Absperrungen, Polizeiautos und -motorräder hatten vielleicht mit den Occupiern zu tun. Das sah auch zugegebenerweise eher nach ner Adhoc-Installation aus, nicht nach dauerhaften Verteidigungslinien. Also, das versuche ich dann morgen wohl nochmal…

Not the white house

Nicht das weiße Haus - das Finanzministerium

Ich ging dann von da weiter Richtung Washington Monument. Unterwegs las ich ein Schild, auf dem Stand, dass das Monument zur Zeit geschlossen ist, weil Erdbebenschäden behoben werden müssen. Mist, da wäre ich gerne hochgefahren, um von da zu fotografieren. Stattdessen wurde der Turm des Hauptpostamtes empfohlen, immerhin die dritthöchste Struktur in DC (nach dem Washington Monument und dem Capitol). Da gestern die Sicht wegen des Regens nicht so gut war, versuchte ich, ein paar bessere Fotos vom Obelisken zu machen.

Washington Monument

Washington Monument - leider geschlossen wegen Erdbebenschäden

Nicht weit weg vom Washington Monument befindet sich das World War II Memorial. Es besteht aus einem ovalen Pool mit zwei größeren und vielen kleineren Fontänen. Der Pool ist von 56 Säulen in zwei Halbovalen umgeben, diese repräsentieren die einzelnen Staaten der USA und einige US-Inseln. Es gibt zwei große Säulen, in denen jeweils vier Adler einen metallischen Kranz mit ihren Schnäbeln festhalten. Und eine Wand namens „The Price of Freedom“ mit 4.048 Sternen, jeder repräsentiert 100 amerikanische Opfer des Krieges.

World War II Memorial Springbrunnen

World War II Memorial Springbrunnen

Von da aus pilgerte ich weiter Richtung Westen, zum Lincoln Memorial, welches das westliche Ende der Mall darstellt (auf der Ostseite ist beim Capitol Schluss). Das ist schon ein beeindruckender Tempel, in dem der übergroße Abe auf seinem Stuhl sitzt und auf das Washington Monument blickt. Also, ich muss schon sagen, das hat echt was Erhabenes, diese riesigen Säulen, der Abe auf seinem Stuhl, die Inschriften an den Wänden, der Blick aufs Washington Monument. Ich gab dann den Plan, mich auf Abes Schoss ablichten zu lassen, sofort wieder auf 😉

Abraham Lincoln

Abe Lincoln wacht auf seinem Stuhl über die Mall. Zum Glück verbirgt das Washington Monument das Capitol, das würde ihm sonst gar nicht so gefallen...

Ich fragte mich, ob all diese Politiker der ersten und zweiten Stunde wirklich so ehrenhafte Menschen gewesen sind, oder ob sie im Laufe der Zeit so stark verklärt wurden. Es heisst ja auch, die Gewinner bestimmten über die Geschichtsschreibung. Würden sich Leute wie Washington, Lincoln, Franklin und Jefferson im Grabe umdrehen, wenn sie sähen, was heute in Washington los ist? Oder waren sie im Grunde gar nicht so sehr anders? Geht es Abe nicht tierisch auf den Keks, dass alle zwei Minuten ein Düsenjet vom Ronald Reagan National auf der anderen Seite des Potomac über seinen Kopf donnert? Fragen über Fragen. Aber man kann das alles sicherlich nicht losgelöst von Zeit und Gesellschaft betrachten.

Abraham Lincoln Memorial

Sehr repräsentatives Haus. Nur die Tür wurde eingespart.

Hm. Also, nach George Washington wurde die ganze Stadt benannt. Und on top gabs noch den Obelisken. Das ist wohl kaum noch zu toppen. Lincoln hat eine sehr repräsentative Hütte bekommen, plus einen extragroßen Stuhl. Jefferson… naja, hab ich bisher nur aus der Ferne gesehen, aber scheint kleiner zu sein, als Lincolns Laden. Nunja, skippen wir ein paar Dekaden. Ronald Reagan bekam einen Nationalen Flughafen plus das Reagan Buildung plus einen Flugzeugträger. George H.W. Bush bekam einen internationalen Flughafen (Houston) und einen Flugzeugträger. Clinton… äh… keine Ahnung. Und nach Obama benennen sie wahrscheinlich allenfalls eine Vorstadtstraße in Wisconsin. Zumal die Flugzeugträger gerade aus sind, der nächste ist schon vergeben an Gerald R. Ford.

Innerhalb des Memorials gibt es tatsächlich einen kleinen Laden, der Bücher, Ansichtskarten und, ich sag mal, DC-Devotionalien verkauft. Da erstand ich ein paar Postkarten, die ich noch schreiben möchte.

Danach schlenderte ich Richtung Capitol über die Mall. Es war eigentlich ganz angenehm, kein Regen, Temperatur auch in Ordnung. Trotzdem nahm ich kurz nach dem Washington Monument wieder die Metro ab Smithsonian Station zurück zur Union. Diesmal schob ich sogar auf Anhieb die richtige Metro-Card in den Schlitz.

Smithsonian Metro Station

Smithsonian Metro Station

An der Union wollte ich entweder was essen, oder was zu essen mitnehmen. Eigentlich eher zweiteres, was chinesisches oder von Mc’D. Der Chinese hatte schon zu, und Mc’D gibt es da zwar auch noch irgendwo, aber nicht in der Fressmeile. Letztenendes setzte ich mich bei Johnny Rockets hin und bestellte einen Burger und Pommes. War okay.

Tja, und das war dann auch schon der Tag. Morgen ist Thanksgiving. Da kann ich eigentlich nicht viel machen, weil alles zu hat. Habe schon überlegt, ob ich den Tag chipsfutternd und biertrinkend vor der Glotze oder mit einem Buch verbringe. Aber was soll ich dann bloggen?

Aber es ist ja zumindest noch das Weiße Haus von außen und das Jefferson Memorial offen, das wird dann morgen wohl noch in Angriff genommen. Ich überlege auch, vielleicht mal zum Arlington Cemetory zu fahren. Mich würde interessieren, wie groß das ist, und wie die Atmosphäre sich da anfühlt.

Insgesamt, und das war schon in New York so, fechte ich ständig so eine Art inneres Gefecht aus. Die eine Seite sagt, ich müssen meine Zeit hier so effektiv wie möglich nutzen, besser planen, nicht spät aufstehen, abends länger unterwegs sein um so viel wie möglich zu sehen. Die andere Seite sagt sowas wie „Schnauze, ich hab Urlaub und will keinen Stress“. Und der Seite höre ich eher zu. Aber heute hätte ich vielleicht besser nutzten können, denn morgen ist ja Thanksgiving. Das läßt mir eigentlich nur noch einen Tag, an dem ich auch irgendwo reingehen kann. Nun, mal sehen. Es könnte entweder auf eine Tour durchs Capitol, oder einen Tag im Hangar des Smithsonian auf dem Dulles International hinauslaufen. Mal sehen, wonach mir ist. Ich kann ja morgen noch darüber nachdenken.

Bis morgen.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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4 Antworten zu White what?

  1. Künstliche Trauben schreibt:

    Hallo Michi, (finde die restliche Ansprache zu lang 😉 )
    Verfolge weiterhin mit großem Interesse deinen Blog. Es ist so spannend wie du schreibst und macht immer mehr Lust, eine ebensolche Reise zu unternehmen. Du solltest übrigens dringend auf: „Schnauze usw. “ hören. Das klingt sympathisch. Hast schon soviel erlebt, ich würde längst platzen vor lauter Infos. Die Orange für dein Thanksgiving-Menue ist jawohl mehr so eine „Alibisine“? Will nicht indiskret sein und beneide dich sehr um deine kulinarischen Eroberungen (sitze jedesmal quasi schmatzend neben dir)…aber ich hätte nach so vielen Leckereien täglich mindestens einen Schnaps nötig und wahrscheinlich zwei Hosengrößen größer. Na ja, weiß ja, das dass nicht so die Dinge sind um die du dich so sorgst. Und ich glaube ich würde es genauso machen. Wie oft is(s)t man schonmal in den USA? Mach dir einen schönen Thanksgiving-Day, genieße deine letzten Urlaubstage und überschütte uns bald live und in Farbe mit vielen spannenden weiteren Details. Bis nächste Woche im Chor,
    liebe Grüße,
    die Plastiktrauben-Tante..

    • Michael Karl schreibt:

      Hm nunja, ist nicht so, dass mir die Hosengröße völlig egal ist. Aber ich hab Urlaub. Um sowas kann ich mich zuhause kümmern. Die Thanksgiving-Verpflegung sah dann aber doch etwas anders aus – siehe „Thanksgiving Day“.

  2. Mac schreibt:

    Hi Michi!
    Arlington ist gut. Haben wir mit einer Sight-Seeing-Tour gemacht. Die Geschichte mit dem White House wäre uns auch fast passiert, wir hatten aber schon vorher gesehen, wo das echte stand. Lustig ist, dass man sofort die großen Teleskope des Secret Service auf sich gerichtet sieht, wenn man ein großes Objektiv rausholt. Das mögen die gar nicht.
    Liebe Grüße und genieß die Zeit.
    Ich freu mich schon auf unser Treffen in Osna!
    Markus (und Kirsten natürlich auch)

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