Thanksgiving Day

Gestern dachte ich, ich würde Thanksgiving möglicherweise bei strömendem Regen chipsfutternd und biertrinkend vor der Glotze verbringen. Aber es kam ganz anders. Statt strömendem Regen war hier auf einmal strahlender Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Statt Chips und Bier gab es Truthahn und Bier. Und anstatt den Feiertag alleine zu verbringen, verbrachte ich ihn in der Gesellschaft einer ziemlich hübschen jungen Dame.

Complimentary Breakfast

Complimentary Breakfast - mit echtem Porzellan!

Ich stand irgendwann gegen neun auf. Gestern habe ich einen Zettel vom Hotel unter meiner Tür durchgeschoben bekommen, dass das „The Dubliner“-Restaurant heute nicht offen hätte und das man den Gästen ein compementary continental breakfast zwischen 7.00 und 10.00 AM anbiete. Nachdem ich im Netz nachgeguckt habe, dass „complementary“ in dem Kontext wohl „gratis“ bedeutet, ging ich halt im Hotel frühstücken. Es gab lediglich Muffins, eine Art Pralinen (die ich aber gemieden habe), Kaffee, Tee und Orangensaft. Aber immerhin, und besonders beeindruckend: Es gab kein Plastikgeschirr und Besteck, richtiges Porzellan und Edelstahl!

Washington Memorial Andreea und ich

Von links nach rechts: ich, Washington Monument, Andreea

Ich saß alleine an einem Tisch. An einem anderen Tisch unterhielt sich eine hübsche Blondine angeregt mit deutlich älteren Personen, und ich hatte meine Lauscher weit offen. Ich hörte halt, dass sie aus Rumänien käme und zu Forschungszwecken täglich die Kongressbibliothek aufsuche. Am Thanksgiving sei natürlich alles zu, also würde sie im Wesentlichen den Sonnenschein ausnutzen und Sightseeing machen, sie wollte vor allem zum Weißen Haus. Hm. Da wollte ich ja auch hin.

Weisses Haus

Hier nun wirklich das Weiße Haus, auch sehr repräsentativ. Auch wenn Andreea meinte, es sei ne nette Sommerresidenz. Die ist öfter in Südfrankreich, wo die Reichen Sommerhäuser in diesem Format hätten. Man beachte den Secret Service man auf dem Dach rechts neben dem Fahnenmast und die Dreibein-Stative.

Nunja, ich dachte mir halt, was solls, ich eier hier nun schon anderthalb Wochen in den USA herum, wenn ich den Tag in Gesellschaft einer offenbar netten und hübschen jungen Dame verbringen kann, die vielleicht auch selbst Lust auf Gesellschaft hat, ist es doch einen Versuch wert, einfach zu fragen. Als sich die Tischgesellschaft dann auflöste, spach ich sie dann halt an, ob sie Lust hätte, ihr heutiges Sightseeing mit mir zusammen zu machen. Und sie sagte ja.

Also trafen wir uns eine Viertelstunde später in der Lobby und zogen los. Sie erzählte, dass sie mit ihrem Mann in der Schweiz lebt und in der Tourismusbranche arbeitet. Ihr Arbeitgeber hat ihr einen Forschungsauftrag gegeben, bei dem es darum geht, die verschiedensten Reiseführer, morderne ebenso wie historische, zu sichten und auszuwerten. Und die größte Sammlung von Reiseführern gibt es offenbar in der größten Bibliothek der Welt, und das ist eben die Library of Congress. Sie würde viel arbeiten und käme heute am Thanksgiving zum ersten Mal dazu, sich hier etwas angucken.

Lincoln Andreea und ich

Abe, Andreea und ich

Nun, ich kannte mich auf der Mall ja schon ein wenig aus. Und ich hatte nichts dagegen, bei dem tollen Wetter die Sites nochmal zu besuchen und unter anderen Bedingungen zu fotografieren. Also starteten wir am Capitol, gingen weiter zum Washington Monument, dann zum Word War II Memorial, weiter zum Lincoln Memorial, und von da in Richtung Weißes Haus. Hier machten wir natürlich tonnenweise Fotos.

First Squirrel

Suchbild: Findet das "First Squirrel"

Da Andreea, das ist ihr Name, noch eine Weile hier bleiben wird und echt Interesse hat, das Weiße Haus zu besuchen, machten wir uns auf die Suche nach dem Visitor’s Center, welches an Thanksgiving natürlich zu hatte. Aber nun wissen wir, wo es ist..Wir kamen auch an einem interessanten, modernen Gebäude vorbei, welches Andreea erst für eine Bibliothek hielt, bis ich sie auf ein Schild hinwies… es war das FBI-Hauptquartier.

Edgar J Hoover Building

Edgar J. Hoover Building - Das FBI-Hauptquartier. Andreea dachte erst, es sei bestimmt eine Bibliothek...

Außerdem guckten wir mal zum „Old Post Office“, denn dessen Turm lohnt vielleicht einen Ausflug, um mal einen Blick aus einer höheren Perspektive auf die Mall zu bekommen. Denn das Washington Monument ist ja zur Zeit leider geschlossen. Das Post Office war heute natürlich ebenfalls zu.

Andreea und das Killer-Squirrel

Das Squirrel war ziemlich zahm, aber Andreea hatte kein Glück und wurde fiese gekratzt. Wahrscheinlich hat das Vieh gerochen, dass sie auch Nüsse mag.

Es war mittlerweile schon früher Nachmittag, und wir beschlossen, das Sightseeing einzustellen und was essen zu gehen. Andreea wollte auch den Rest des Tages noch in ihrem Hotelzimmer arbeiten. Da wir nicht so genau wussten, was offen hat und was nicht, Andreea aber wusste, dass zwei Restaurants in der Union Station offen hatten, gingen wir zurück zum Capitol und von da zur Union Station. Dort waren wir erst bei dem einen offenen Laden, dann bei dem anderen, entschieden uns aber doch für den ersten, den „Thunder Grill“. Dieser offerierte nämlich ein „Thanksgiving Menu“. Nachdem wir uns gegenseitig gestanden hatten, nicht so sicher zu sein, ob wir das wohl mögen würden und ob das für uns zu schaffen wäre, entschieden wir uns dann doch mutig für die Variante mit gefülltem Truthahn mit Sauce. Sie war nicht ganz so mutig und nahm Pommes statt Kartoffel-Püree (mashed potatoes), während ich die regular Variante mit Püree nahm.

Nun, ich ließ die Cranberry Sauce aus, aber das Gavy (die Bratensauce) war lecker und alles andere ebenfalls. Das Gemüse war noch knackig, der Truthahn auch top. Dazu nahm ich noch das Hausbier, ein recht dunkles Bier, das mir gut geschmeckt hat. Es hieß Amber und war genauer gesagt eigentlich ein Ale.

Andreea hat es auch geschmeckt (sie hatte übrigens die Fries geordert, für den Fall, dass alles andere nicht nach ihrem Geschmack wäre…), und wir wollten noch ein typisches Dessert haben. Wir entschieden uns beide für Pecan Pie. Und wir waren nicht so richtig auf das riesige Stück Kuchen vorbereitet, welches serviert wurde und zu mindestens 50 Prozent aus Nüssen bestand. Es war ziemlich süss, aber lecker. Andreea schaffte es natürlich nicht, und auch ich hatte zu kämpfen, aber ich hab es gepackt. Insgesamt war es die teuerste, aber auch beste Mahlzeit die ich hier hatte.

Nach dem Essen haben wir uns dann verabschiedet. Andreea wollte noch was arbeiten, und ich wollte nochmal zum Weißen Haus zurück, um Bilder bei Dunkelheit zu schießen, und zum Jefferson Memorial, wo ich noch nicht war.

Das weisse Haus bei Dunkelheit

Das weiße Haus bei Dunkelheit

Die Sache beim Weißen Haus hat sich nicht wirklich gelohnt. Nunja, ein ganz ordentliches Foto gelang mir wohl. Das Problem ist, dass das Haus durch den Zaun vor dem South Lawn einfach ziemlich weit weg ist. Man muss also zoomen, um was drauf zu bekommen, und damit verwackelt man es natürlich leicht. Hat sich also nicht so wirklich gelohnt.

Jefferson Memorial

Jefferson Memorial

Ich ging dann zurück zum Washington Monument, stoppte da an der „Washington Monument Lodge“ (was eine ziemlich euphemistische Umschreibung für Restrooms ist) und suchte mir dann meinen Weg zum Jefferson Memorial. Dieses liegt am sogenannten Tidal Basin, einer künstlichen Bucht am Potomac River. Thomas Jefferson war der dritte Präsident der Vereinigten Staaten und der hauptsächliche Verfassung der Unabhängigkeitserklärung. Und ich lag zuvor falsch, als ich schrieb, Jeffersons Hütte sei kleiner als die von Lincoln. Ich denke, ohne mit dem Massband die Quadratmeter abgecheckt zu haben, dass sich das nicht viel tut. Nur ist Lincolns Bude rechteckig, Jeffersons rund. Lincoln sitzt auf seinem Stuhl, Jefferson steht in der Mitte der Kuppel, die von Säulen gestützt wird. An den Wänden stehen einige seiner Weisheiten zum Thema Freiheit, Menschenrechte, die Pflicht der Regierung, für das Volk zu sorgen und auch die Rolle der Religion. Die Art von Innenraumgestaltung wurde ebenfalls für das Lincoln-Memorial gewählt. Nunja, tonnen Fotos, wie immer.

Statue von Thomas Jefferson

Statue von Thomas Jefferson - nicht Darth Vader

Anschließend ging ich zu Fuss zurück zur Metro Station Smithsonian und für via Metro Center zurück zur Union und von da zurück ins Hotel. Nach fast zehn Stunden unterwegs war es auch Zeit für den Feierabend.

Bis morgen.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
Dieser Beitrag wurde unter Washington DC veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Thanksgiving Day

  1. satayspiess schreibt:

    Hi Michi, das ist doch prima, ein Feiertag in netter Gesellschaft und mit gutem Wetter. Klasse, dass du sie einfach angequatscht hast! 🙂
    Andreea scheint ja auch einen guten Orientierungssinn zu haben? Ich las heute gar nichts vom Verirren und in die falsche Richtung gehen …
    Und die Muffins hast du echt nicht angerührt? Das glaub‘ ich nicht! Ansonsten scheinst du dich ja auch mit Plastikbesteck und Papptellern rumzuärgern? Ist das Besteck an der Ostküste denn auch kompostierbar?

    • Michi schreibt:

      Hm, äh… Muss missverständlich geschrieben sein. Die Muffins habe ich naturellement verputzt, nur diese Pralinen (nicht im Bild) nicht. Naja, und die Mall kenne ich inzwischen fast wie meine Westentasche, da verirre ich mich nicht mehr so leicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s