Progressives Edelmetall (30.01.2012)

Wir standen so gegen neun Uhr auf, um halb zehn frühstücken zu können. Das Frühstück hatten wir für 7,50 Euro pro Tag und Person mitgebucht. Das Buffet erwies sich für den Preis als nicht großartig, aber akzeptabel: Brötchen, Aufschnitte und –striche, Müsli, Cornflakes und Co., Joghurts, Äpfel, gekochte Eier, Orangensaft, Kaffee, Tee, Kakao. Danach machten wir uns auf die Socken.

Frühstück bei Etap

Frühstück bei Etap für 7,50 Eur

Auf dem Programm stand diesmal zur weiteren geschichtlichen und politischen Bildung aller Beteiligten das „Haus am Checkpoint Charly“, heutzutage auch „Mauermuseum“ genannt. Ich war dort vor zwanzig Jahren schon einmal gewesen, zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Exponate sind sowohl Kunst zum Thema innerdeutsche Grenze, Teile der Grenzanlagen und zur Flucht gebrauchte Utensilien. Bebilderte Schautafeln und teilweise Videos beschreiben diesen speziellen Teil der Geschichte vom Ende des zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung. Zu sehen sind neben Fluchtwagen (z.B. VW Käfer, Minicooper) meist selbstgebaute Ultraleichtflieger, Mini-Uboote, Sessellifte, Heissluftballone.

Selbstschussanlage SM-70

Selbstschussanlage SM-70. Es gab zigtausende an der Mauer. Ein Zug am mittleren Draht löste eine Explosivladung in dem Trichter aus, der mit scharfkantigen Metallwürfeln (unten links) gefüllt war. Diese drangen dann aus kurzer Distanz in den Körper des Opfers ein, wo sie irreperable und teilweise tödliche Verletzungen verursachten. Ein menschenverachtender Mechanismus, eingesetzt in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unglaublich.

Mich hat besonders die Geschichte dreier Brüder beeindruckt. Zwei der in Köln lebenden Brüder starteten in Westberlin mit zwei Ultraleichtflugzeugen, deren Tragflächen sie mit typischer, sowjetischer Tarnbemalung inklusive der roten Sterne als Hoheitsabzeichen versehen hatten. Sie holten ihren Bruder aus Ostberlin ab, landeten auf der Wiese vor dem Reichstag und gingen erstmal in die Kneipe, ein paar Bier trinken. Sie kamen mit der ganzen Sache ungeschoren davon – nach dem Mauerfall wenig später (die Sache ereignete sich 1989) wurden ihnen trotz der Verletzung des fremden Luftraumes sogar ihre Fluggeräte zurückgegeben. Eines davon steht nun im Mauermuseum, und daneben läuft eine Videoaufzeichnung, die die Brüder von diesem Flieger aus gemacht haben.

Ultraleichtflugzeug im Haus am Checkpoint Charly

Mit diesem Ultraleichtflugzeug holte 1989 ein tollkühner Pilot aus Köln seinen Bruder aus Ostberlin heraus. Erfolgreich, aber nur Monate vor dem Fall der Mauer.

Außerdem hat mich noch „das Kostbarste vom Checkpoint Charly“ fasziniert. Das sind zunächst nur einige Asphaltbrocken mit verblasster, weißer Farbe. Irgendwer hatte beobacht, wie der aufgebrochene Asphalt einfach in einen Schuttcontainer geladen wurde und sich diese historischen Brocken gesichert. Das Museum kaufte sie für 20.000 Euro und rekonstruierte daraus den ehemaligen Grenzstrich.

Grenzstrich in Einzelteilen

Der mit 20.000 Eur. wahrscheinlich teuerste Grenzstrich der Welt

Am Ende wollten uns die Kinder dann nur noch möglichst schnell durch die Ausstellung lotsen. Lohnend hervorzuheben ist aber, dass wir Erwachsene einige Ausstellungsräume übersehen haben und von den Neffen darauf hingewiesen wurden, obwohl die eigentlich langsam mal da raus wollten.

Fesselballon

Der angeblich größte Fesselballon der Welt. Wohlgemerkt, ein Heliumballon, kein Heissluftballon.

Nächste Station war der nahe gelegene Potsdamer Platz. Diesen erreichten wir zu Fuß, wobei wir den Weg teilweise entlang der ehemaligen Mauer zurücklegen konnten. Wir kamen auch an einem Laden, der Stadtrundfahrten in bunt bemalten Trabbis anbot und an einem großen Fesselballon (ähnlich dem Highflyer an den Deichtorhallen in Hamburg) vorbei. Zunächst wurde zum Mittagessen ein McDonald’s aufgesucht. Anschließend ging es in die Arkaden, wo den Jungs (insbedondere dem großen, den das mehr interessierte) Zeit bis 17.00 Uhr zum shoppen eingeräumt wurde. Ich begleitete die beiden zunächst zum örtlichen Saturn, während meine Schwester sich auf ne Tasse Kaffee in einer auf amerikanisch getrimmten Sportsbar in der niederließ. Der Saturn war gut sortiert, und ich fand einige kaufenswerte BluRay Discs und CDs, hatte aber keine Lust, irgendetwas mit mir herumzuschleppen. Die Jungs beließen es ebenfalls beim Gucken. René und ich hatten nach Saturn auch keine Lust mehr, setzten uns zu meiner Schwester, und es gab Kaffee für mich und Apfelkuchen für ihn. Der große erstand inzwischen Schuhe und nen Pulli. Ich zog auch noch mal los, um bei einer Apotheke Ohropax zu erstehen, ich hatte meine praktischerweise im Hotel vergessen, und vielleicht würde man die Dinger ja noch benötigen.

Interessante Architektur am Potsdamer Platz

Interessante Architektur am Potsdamer Platz, unmittelbar neben dem Bahnhof

Anschließend wollte vor allem ich noch mal zum Brandenburger Tor und zum Reichstag, um ein paar Fotos zu machen. Es wurde schon dunkel, aber ich fotografiere ja auch ganz gerne angestrahlte Gebäude, das macht auch immer was her. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Holocaust-Mahnmal vorbei. Ich war der einzige, der das noch nicht kannte. Es handelt sich um eine große Fläche, auf der eine ziemlich ansehnliche Menge an unterschiedlich hohen Steinquadern (Stelen) stehen, zwischen den Stelen sind Durchgänge, durch die man sich bewegen kann. (Lt. Wikipedia sind es 2711 Stelen auf einer Fläche von 19.000 Quadratmetern, die Breite der Durchgänge beträgt 95 cm und die Höhe der Stelen von wenigen cm bis über vier Meter.)

Holocaust-Mahnmal in Berlin

Holocaust-Mahnmal von innen

Beim Durchwandern der Gänge zwischen den Stelen in der Dämmerung machte sich bei mir schon eine leichte Beklemmung bemerkbar. Zwar handelte es sich ja nicht um ein Labyrinth, schließlich konnte man jederzeit in jeder Richtung wieder hinaus – und doch fühlte es sich ein bisschen wie ein Labyrinth an. Meine Schwester und ich fragten uns selbst und auch die Neffen nach möglichen Interpretationen. Meine Schwester meinte, die grauen Steine erinnerten an die zum Teil namenlosen, ihrer Identität beraubten Juden, und die Anordnung erinnere an die Barackendörfer der KZs. Irgendwer meinte, die nach innen hin immer zunehmende Höhe der Stelen erinnere an die immer schwerer werdenden Verbechen der Nazis an den Juden. Ich fand, diese riesige Menge an Steinquadern machte die riesige Menge an Opfern des Holocausts ersichtlich.

Nachdem wir wieder am Rand der Gedenkstätte waren, kletterten die Neffen auf die Quader. Ich war mir nicht sicher, ob das angemessen wäre, aber meine Schwester meinte, es sei okay. Da tat ich es ihnen nach (und wir waren auch nicht die einzigen, die das machten). Die 95 cm zwischen den Stelen kann man als normal beweglicher Jugendlicher oder Erwachsener mit einem beherzten Sprung eigentlich problemlos überwinden. Eigentlich. Als die Stelen immer höher wurden, wurde uns allen dreien die Sache ziemlich schnell mulmig und das Verletzungsrisiko immer bewusster. Dabei wurden ja die Abstände nicht größer – nur die Abgründe dazwischen tiefer, also eine rein psychologische Sache. Im Nachhinein denke ich, dass wir damit eine Erfahrung gemacht haben, die weitere Deutungsversuche zuläßt. Mit den immer größer werdenden Verbrechen an den Juden (es fing ja nicht mit den Morden an, sondern mit Demütigungen, Sachbeschädigungen, Enteignungen, Freiheitsberaubungen…) wurde es vermutlich immer schwerer für die Bürger, sich dagegen zu stellen und die Risiken, wenn man es versuchte, immer größer.

Brandenburger Tor an einem Januarabend

Brandenburger Tor an einem Januarabend aus dem ehemaligen Ost-Teil der Stadt

Wir gingen weiter zu dem sich schon in Sichtweite befindlichen Brandenburger Tor. Ich machte von Ost- und Westseite her ein paar Fotos von dem berühmten Bauwerk, bei dem ich als 18-jähriger im Jahr des Mauerfalls an der riesigen Silvesterfeier 1989/90 teilgenommen hatte. Damals stand die speziell verstärkte Mauer auf der Westseite des Toren noch, und ein paar von uns (mich eingeschlossen), kletterten damals darauf (bzw. wurden von unten geschoben und von oben gezogen). Ich weiß noch, dass ich mir auf dem Weg nach oben an einer herausragenden Stahlstrebe meine Jeans zerriss und beim Runterspringen meine Hand an den überall herumliegenden Glasscherben verletzte. Aber das war mir ziemlich egal, wenn ich mich richtig erinnere.

Reichstag bei Nacht

Reichstag bei Nacht. Dass die Farben bei meinen Nachtaufnahmen manchmal eher gelblich und warm, manchmal bläulich und kalt sind, liegt daran, dass ich immer mal mit den Weißabgleichs-Einstellungen spiele.

Danach ging es noch schnell zum Reichstag, ein paar Fotos von außen schießen, was ich dann auch tat. Aus der Ferne knipste ich dann noch Angies große Waschmaschine (das Kanzleramt). Es war nun schon richtig dunkel und auch noch knackig kalt. Es waren wohl so um die -7 Grad, gefühlt durch den teilweise recht heftigen Ostwind aber angeblich bis zu -30 Grad. Also nicht unbedingt die Bedingungen, um lange zu fotografieren, außerdem stand ja noch der Hauptgrund des ganzen Berlin-Trips auf dem Programm: Der Besuch eines Rockkonzertes mit den Neffen. Das Ganze war meine Idee gewesen, ursprünglich hatte ich das als Weihnachtsgeschenk für den großen Neffen vorgesehen, aber meine Schwester hatte vorgeschlagen, zu viert mitsamt René über die Zeugnisferien nach Berlin zu fahren.

Kanzleramt, Berlin

Kanzleramt, Berlin. Meiner Schwester zufolge auch gerne „Merkels Waschmaschine“ genannt.

Wir bestiegen erstmal am Reichstag die kleine, aber feine U-Bahnlinie U55, die zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof nur eine Station (Bundestag) hat und fuhren die eine Station zum Brandenburger Tor. Dort stiegen wir um und fuhren eine Station weiter zum Bahnhof Friedrichstraße (bekannt aus „Emil und die Detektive“). Dort trennten wir uns dann von meiner Schwester, die ins Kino gehen und sich dort „The Artist“ ansehen wollte. Was für eine Verschwendung: Da guckt sich meine frankophile Schwester einen französischen Film in einem Kino an, in denen die Filme sonst OmU laufen – und dann ist es ein Stummfilm! Nichts für mich Kulturbanause, da gehe ich doch (im Gegensatz zu meiner Schwester) lieber mit den Neffen in ein zünftiges Progressive Metal – Konzert!

Aber zunächst begaben wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem und einem Restroom (um an dieser Stelle mal an alte Traditionen dieses Blogs anzuknüpfen…), möglichst im selben Laden. Der McD am Bahnhof hatte keine Toilette, angeblich wegen der Toilette im Bahnhof. Und der Burger King habe aus demselben Grunde auch keine. Hm… Bahnhofstoilette… Dreck, Drogenabhängige, Desinfektionsbedarf… das sind so Worte, die mir spontan dazu einfallen. Aber mitnichten. Das so genannte „WC-Center“ bot hinter blitzblanken Glastüren neben einer Art Rezeption die Möglichkeit, sich für nur einen Euro pro Nase (zahlbar am Drehkreuz, wo es auch einen Wechselautomaten gab) zu erleichtern (oder für 7 Euro zu duschen). Die Neffen gingen also für zwei Euro was auch immer machen, während ich wartete und aus Langeweile und mit diesem Blog im Hinterkopf ein Foto machte. Daraufhin wies mich die Damen an der „Rezeption“ darauf hin, dass man hier keine Fotos machen dürfe. Nachdem ich mich vergeblich nach einem entsprechenden Schild, welches mir hätte sagen könne, die heiligen Hallen der Erleichterung seien für die schnöde Ablichtung auf digitale Datenträger tabu, umgesehen hatte, hielt mir die Wächterin des Edel-Abortes die Hausordnung unter die Nase. Ich fühlte mich darauf nicht länger willkommen und wartete außerhalb der Glastüren auf meine Neffen. Vielleicht sind ja auch Dreck und Drogenabhängige auf den zweiten Blick gar nicht mal sooo schlimm…

WC Drehkreuz, Friedrichstraße

Das verbotene Foto: Drehkreuz am Berliner Luxusklo. Eine 120-Grad-Drehung kostet hier einen Euro.

Nach dieser Episode ging es noch darum, etwas Essbares für die Neffen aufzutreiben. Bevor wir uns entschließen konnten, zum McD zurückzukehren, fanden wir so einen Laden, der Hauptsächlich Fisch, aber auch Chickennuggets und frittierte Erdäpfel feilbot. Die Neffen teilten sich jeweils eine Box davon, wozu reichlich Tomatenketchup gereicht wurde. Ich hatte keinen Hunger, vielleicht lag mir noch die Hüterin der Reinlichkeit auf dem Magen. Nach der Mahlzeit suchten wir einen ebenfalls im Bahnhofkomplex gelegenen Edeka auf, wo wir uns noch mit jeweils einer Halbliterflasche Mountain Dew verproviantierten.

Danach stiegen wir in die U6 und fuhren zum Platz der Luftbrücke, unweit des alten Stadtflughafens Tempelhof. Unser Ziel war die Columbiahalle am Columbiadamm, wo das Konzert von Dream Theater, wegen dem wir ja hauptsächlich in Berlin waren, stattfinden sollte. Ich wollte eigentlich noch ganz gerne das Luftbrückendenkmal, die sogenannte „Hungerharke“, fotografieren, aber angesichts der Kälte und der fortgeschrittenen Zeit verzichtete ich darauf, obwohl es nur 100 m entfernt sein sollte (gesehen habe ich es nicht). Beim Einlass in die Halle versicherte man sich, dass ich die Begleitperson für die Kinder sei und dass die Kamera, die ich dabei hatte, höchstens ein 2fach Zoom hätte (man prüfte, wie weit es ausfuhr, und eigentlich hat sie 4fach Zoom, aber was solls, man kann eh mit so einem Teil keine ordentlichen Konzertfotos schießen, und schon gar nicht mit Zoom).

Logo der Vorband Periphery

Logo der Vorband Periphery. Eigentlich ein interessanter Name – wollten die immer Vorband sein?

Zunächst hieß es aber, sich die Beine in den Bauch zu stehen und sich in Geduld zu üben. Ich brachte noch unser aller Jacken und Schals zur Garderobe. Die Vorband, Periphery, begann ziemlich pünktlich um 19.30 Uhr. Das waren fünf Jungs aus Washington DC: Drei (!) Gitarristen, die alle Siebensaitige spielten, ein Bassist, der einen Fünfsaiter zupfte, Drummer und Sänger. Hm. Die schienen mir alle recht gut mit ihren Instrumenten umgehen zu können. Auch der Sänger schien etwas zu können, auch wenn viel nur gebrüllt wurde. Aber vor allem war der Mix nicht gut. Unterm Strich hätte ich darauf verzichten können, zumal es mir auch doch etwas zu heavy für meinen Geschmack war. Allerdings hatten die Washingtoner einen harten Kern an Fans direkt mittig vor der Bühne. Diese Gruppe war offenbar sowieso eine Zelle klassischer Metal-Fans, alle mit Matte und Kutte, während drum herum das Volk bunt gemischt zu sein schien, von U-15 bis Ü-50, hauptsächlich aber nicht ausschließlich männlich, von linken Szenetypen bis hin zum Typ „Junge Union Stadtteilvorsitzender“.

Dream Theater Konzert

Man beachte das üppige Schlagwerk in der Mitte

Nun denn, Periphery war nach 30 Minuten mit ihren Darbietungen durch, man ließ daraufhin das große Tuch mit deren Bandlogo von der Decke herab, dahinter kamen dann das doch, äh, etwas größere Drumkit Mike Maginis sowie Jordan Rudess’ Keyboard-Aufbau zum Vorschein. Es dauerte noch eine ganze Weile, dann waren die Trommeln des Periphery-Drummers abgebaut und auch sonst alles vorbereitet. Das Licht ging aus, die Musik aus der Konserve auch. Auf drei großen, sechseckigen Projektionsflächen erschien ein Intro-Video. Eine Zeichentrickversion von Sänger James LaBrie in einer Art Piratenuniform drohte, von einer Seeschlange gefressen zu werden. Dann erschienen seine Bandkollegen auf verschiedene Art und Weise, Gitarrist John Petrucci als Blitzeschleudernder Gott, der asiatische Bassist John Myung als eine Art Samuraikämpfer, der neue Drummer Mike Magini als grüner Flaschengeist, Jordan Rudess’ Nummer habe ich vergessen. Gemeinsam besiegte man die Schlange, und bestieg ein Flugzeug, dessen Seitenleitwerk mit dem Bandlogo dann aus den Wolken hervorragte wie eine Haifischflosse, während darüber auf einem Seil ein Einradfahrer dahinfuhr (Plattencover). Dabei ertönte dann aus der Konserve das Intro von „Bridges in the Sky“, während der Einradfahrer im Video seine abenteuerliche Fahrt fortsetzte. Die Band erschien, und dann ging es mächtig zur Sache. Die Stimmung in der ausverkauften Halle, die lt. Deren Website bis zu 3.000 Leute schluckt, stieg fast sofort von lauwarm auf glühend heiß.

Dream Theater spielt Six AM in Berlin

DT beim zweiten Lied, Six AM. Zu erkennen an der Projektion auf den sechseckigen Projektionsflächen, die angedeutete Würfel darstellen. Rechts: James LaBrie

„Bridges in the sky“ folgte „6 AM“ vom Album „Awake“, danach „Build me up, break me down“ vom aktuellen Album, danach das von mir ausgesprochen geschätzte „Surrounded“ vom zweiten Album „Images and Words“, danach „The dark eternal night“ von „Systematic Chaos“. Danach durfte sich der neue Drummer Mike Magini mit einem langen Drum Solo an seinem Monsterschlagzeug vorstellen. Dabei zeigte einer der sechseckigen Schirme, wie er „unter der Gürtellinie“ seine, ich glaube, so um die fünf Fußmaschinen bedient (Highhat, drei Bassdrums, noch zusätzlich ein Cachon oder so was ähnliches). Der Mann zeigte viel Spielfreude und hat das Konzert offenbar auch sehr genossen. Danach kam dann „Fortune in lies“ von der allerersten Platte „When day and dream unite“ – da war Sänger LaBrie noch gar nicht bei Dream Theater. Anschließend verschwanden alle außer Keyboarder Jordan Rudess und James LaBrie von der Bühne und spielten „Wait for sleep“ (nur Keyboard und Gesang) von der „Images and Words“. Es folgte „Far from Heaven“ von der aktuellen Platte, dazu gesellte sich noch Bassist John Myung dazu und man spielte nun zu dritt. Danach kam „On the backs of angels“, ebenfalls vom aktuellen Album, es folgte „War inside my head“ von „Six degrees of inner turbulence“, danach „The test that stumped them all“ vom selben Album. Und dann sagte James LaBrie einen der Titel an, auf den die Neffen und ich besonders gehofft hatten und bat darum, fleißig mitzusingen: „The spirit carries on“ von der „Scenes from a memory“. Und natürlich sangen wir imbrünstig mit, inklusive Gänsehaut und Tränen in den Augen in meinem Fall. Das war Hammer.

James LaBrie und John Petrucci

James LaBrie und John Petrucci auf der Bühne (und Mike Magini am Schlagzeug)

Es war schon toll, endlich einmal live zu beobachten, wie John & John (Gitarrist John Petrucci und Bassist John Myung) ihre Finger wie flinke Eichhörnchen auf Nuss-Suche über ihre Fretboards jagen ließen. Myung spielte einen sechsaitigen Bass, Petrucci eine siebensaitige Gitarre. Ich habe vielleicht nicht gut genug aufgepasst, aber ich glaube, dass beide niemals ihr Instrument gewechselt haben, was ja sonst durchaus üblich ist, z.B. wenn die Gitarristen ad hoc eine andere Stimmung oder einen anderen Sound haben möchten. Auch sehenswert war Jordan Rudess’ Korg, welches um 360 Grad um die Hochachse drehbar und über hydraulische Dämpfer um die Querachse neigbar war. Ab und an kippte er so seine Geräte, damit das Publikum ihm besser beim „betasten“ zugucken konnte. Er hatte darüber hinaus auch so ein tragbares Teil, welches er einmal benutzte. Wie auch immer, ich bin da ja alles andere als ein Experte, aber ich glaube nicht, dass es im Pop/Rock viele Bands gibt, bei denen jeder einzelne so virtuos sein Instrument beherrscht. Man muss ja die Musik nicht unbedingt mögen, und auch ich kann nicht immer Dream Theater hören, manchmal brauche ich auch was gutes, simples wie AC/DC, einfach geil und laut. Aber dass die sowohl einzeln als auch als Einheit absolut präzise und brillant spielen kann kann eigentlich keiner abstreiten.

Schließlich kam noch „Breaking all illusions“ vom aktuellen Album, dann ging das Licht aus. Natürlich gab es eine Zugabe, aber nur eine. Und zwar „As I am“ von der „Train of thought“. Das war es dann, und die Band ließ sich noch kurz feiern, verbeugte sich artig, und das war es dann. Aber es reichte auch locker, knapp zwei Stunden waren gespielt – man bedenke, dass zum Beispiel „Breaking all illusions“ auf der Studio-CD mal locker über 12 Minuten lang ist…

Dream Theater verabschiedet sich

Dream Theater beim Abschied nach dem Konzert (v.l.n.r) John Petrucci (git.), James LaBrie (voc.), Mike Magini (dr.), Jordan Rudess (kybd.), John Myung (bgtr.)

Wir wollten dann zur Garderobe, aber davor war eine derart lange Schlange, dass wir uns überlegten, erst noch etwas zu trinken zu besorgen. Leider war (natürlich) vor der Theke ebenfalls viel los. Naja, wir hatten ja Zeit und bekamen schließlich ein Bier (für mich) und zwei Coke (für die Neffen). Dabei konnten wir den Roadies dann beim Abbauen zuschauen, wobei der Platz für die Crew immer mehr vergrößert wurde, indem die Security die Absperrungen immer weiter nach hinten verlegte.

Schließlich hatten wir unsere Getränke ausgetrunken und begaben uns erneut zur Garderobe, wo immer noch eine Schlange war, aber diesmal waren wir geduldig und blieben, bis wir unsere Schals und Jacken in Empfang nehmen konnten.

U-Bahn-Station Platz der Luftbrücke

U-Bahn-Station Platz der Luftbrücke

Wir gingen zurück zur U-Bahn-Station Platz der Luftbrücke, um die Bahn Richtung Alt-Tegel zu besteigen. Leider waren inzwischen auf dem Gegengleis Gleisbauarbeiten begonnen worden, weshalb man aufgefordert war, Anzeigen und Ansagen zu beachten. Die erste Bahn, die kam, fuhr nämlich nicht weiter Richtung Alt-Tegel, sondern wieder zurück. Einige Jugendliche stiegen natürlich trotzdem ein und wurden dann von einem BVG-Mitarbeiter herauskomplimentiert. Der eine dachte, er habe sein Handy im Zug verloren und stieg jammernd wieder ein, um es zu suchen… Schließlich schmiss der BVG-Typ alle aus seinem Zug, woraufhin einer aus der Gruppe dem Handy-Verlierer offenbarte, dass er ihm sein Handy zum Spaß heimlich entwendet hatte… Opfer! Aber ein schönes Intermezzo, schließlich warteten wir noch auf unsere Bahn.

Die kam dann schließlich, fuhr aber auch nur zwei Stationen und dann wieder zurück in die Gegenrichtung, so dass wir aussteigen mussten. Die nächste Bahn brachte uns schließlich bis Stadtmitte, von wo aus wir dann mit der U2 ohne weiteres Gependel bis zum Alex fahren konnten. Grrr. U-Bahn-Bauarbeiten… kenn’ ich noch irgendwie aus New York. Wir gingen zurück zum Hotel und dort sofort ins Bett. Meine Schwester schlief schon.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Antworten zu Progressives Edelmetall (30.01.2012)

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Gar nicht war, ich war doch noch wach und hab mit Dir gesprochen! Aber Du warst anscheinend schon im Halbschlaf…

  2. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Uuups, ich weiß auch, dass man „wahr“ mit h schreibt…

  3. pasożyty badania schreibt:

    Simplicity, clarity and in-depth being familiar with
    are the cornerstones of sound formulation.

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