Nachtspaziergang nach Jaffa

Ich zog also los zum „Mike’s“, um dort was zu essen und zu trinken und vielleicht Lee und seine Kumpels wieder zu treffen. Zunächst sah ich die Bande nicht, weil ich mich draußen hinsetzte (der Regen war nur ein kurzer Guss gewesen) und ein Steaksandwich mit Fritten und ein großes Goldstar orderte. Neben mir setzte sich ein gut gekleideter, junger Mann hin, der zwar ziemlich gutes Englisch sprach aber irgendwie nicht wie ein Native Speaker rüberkam. Ich hätte mich anfangs gerne mit ihm unterhalten, aber nach der Bestellung holte der ein Buch raus und begann zu lesen. Als ich mit meinem Essen durch war, sah ich Sheldon (einer der Kumpels von Lee, aus Manchester) in den Laden gehen. Ich schnappte mir mein Bier und ging hinterher. Und da saßen alle drei Jungs aus Manchester und guckten Fußball, nämlich Manchester United gegen Norwich (und natürlich waren die als City-Fans und United-Hasser für Norwich). Da fiel ein bildschönes Kopfballtor für Norwich, und die Underdogs verteidigten den Vorsprung bis zum Ende. Die Jungs freuten sich natürlich, machten sich aber danach bald auf, sie wollten irgendwo anders zu Abend essen und danch vielleicht irgendwo feiern gehen. Sie fragten mich, ob ich mitkommen wolle, aber da ich schon was bei Mike gegessen habe, lehnte ich ab. Nach dem zweiten Goldstar verließ ich „Mike’s“. Die Jungs hatten erzählt, sie wären in Alt-Jaffa gewesen, und der Besuch sei interessant gewesen. Ich war mir zwar nicht ganz sicher, weil ich das noch nicht recherchiert hatte, aber ich dachte, die angestrahlte Kirche, die ich in einiger Entfernung von meinem Balkon aus sehen kann, würde vielleicht dazu gehören.

Lt. Google Analytics sind es so 3,7 km zu Fuß vom Sheraton zur Kirche (übrigens die St. Peter Römisch-Katholische Kirche, wie ich herausfand). Ich stöpselte mir also meine neuen Kopfhörer in die Ohren und stiefelte los. In Richtung Süden war ich noch nicht so weit vorgedrungen. Jedenfalls landete ich wirklich in Alt-Jaffa.

Dies ist eine uralte Stadt, die Ursprünge reichen bis 3.000 vor Christi zurück. In der wechselvollen Geschichte stand sie unter vielerlei Herrschaft und spielte als Handelhafen und Militärstützpunkt immer wieder ein große Rolle.

Blick auf die Hotels von Tel Aviv von Alt-Jaffa aus

Blick auf die Hotels von Tel Aviv von Alt-Jaffa aus

Mittlerweile ist Jaffa touristisch sehr stark erschlossen. Überall sind Wegweiser zum Visitor’s Center, zu Toiletten, Restaurants und Souvenirläden. Neben den zugegebenerweise sehr urig in die alte Festungsanlage eingebetteten Gastronomiebetrieben gibt es in den labyrinthartigen Gassen viele Kunstgalerien und Juweliergeschäfte. Und drum herum einige Sakralbauten für Anhänger unterschiedlicher Religionen – wer immer hier das gerade das Sagen hatte, so hat es den Anschein, hat sich erstmal eine eigene Kirche danebengestellt.

St. Peter römisch-katholische Kirche in Alt-Jaffa

St. Peter römisch-katholische Kirche in Alt-Jaffa. Die kann ich von meinem Balkon aus sehen.

Ich schaute mich um und machte viele Fotos. Allerdings konnte ich dazu nur mein Telefon verwenden, weil ich spontan vom „Mike’s“ aufgebrochen war, hatte ich keine richtige Kamera dabei. Ich machte ein paar kleine Videoclips. Diese Gänge, von denen ich offenbar nur einen kleinen Teil erkunden konnte, haben mich schon beeindruckt. Nachdem ich per Video einen noch kleineren Teil davon dokumentiert hatte, trank ich noch ein kleines Goldstar vor Ort, weil ich echt Durst hatte. Anschließend machte ich mich auf den Rückweg und erreichte nach ner Dreiviertelstunde wieder das Sheraton. Und das war so der heutige Tag. Bis morgen.

Ein Teil von Alt-Jaffa

Ein Teil von Alt-Jaffa. Enthält verwinkelte Gassen, Juweliere, Kunstgalerien.

Werbeanzeigen

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
Dieser Beitrag wurde unter Tel Aviv veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Nachtspaziergang nach Jaffa

  1. PeKo schreibt:

    Mensch Michi, dass sind ja wieder Eindrücke! Danke das du uns teilhaben lässt …und man bist du mutig. Ich hab grad parallel N-TV an und sehe von Unruhen und weiteren Bomben die da durch die Gegend fliegen…ich Schisshase wäre schon dreimal abgereist. Und dann solltest du kleiner Reporter nochmal über Reisereportage nachdenken….hätte da so einige Ideen…Bin gespannt auf deinen nächsten Bericht, fühle mich wie bei deiner NY-Reise mehr als mittendrin.
    Sei behütet und pass gut auf dich auf..
    LG deine Chorschwester mit Weingummi-Vorliebe

    • michikarl schreibt:

      Hallo Plastikfruchtlady! Schön, wieder von Dir zu hören, ich freue mich sowieso über jeden Kommentar. Als allzu mutig empfinde ich mich nicht, auch nicht schissig, auch nicht leichtsinnig, ich denke, einfach einigermaßen auf einem guten und normalen Level. Hier in Tel Aviv ist ja, außer gelegentlichen Alarmen bisher noch rein nichts passiert. Dass die ganze Region in einem gewaltigen Krieg untergeht, nehme ich nicht an, und wenn, dann braucht das ein paar Tage. Im Süden von Israel ist es schon ziemlich ungemütlich, aber es gab bis nur (ich will dabei das einzelne Leben nicht unterbewerten, aber rein statistisch ist das „nur“ gerechtfertigt) drei Opfer. In einer schlechten Woche in Osnabrück gibt es da mehr Opfer im Straßenverkehr. Ich frage mich noch, wie das in Jerusalem werden wird, aber bisher ist da, abegeshen von einem Luftalarm, noch nichts weiter berichtet worden über Aufstände, Anschläge oder Ähnliches. Unterm Strich habe ich eher Angst vor Anschlägen als vor Raketen, aber in der Richtung ist bisher nichts passiert.

  2. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Mal ganz abgesehen von den Raketen fand ich Mega-Schisserin es auch in den Gängen schon unheimlich – man hatte ja das Gefühl, dass Du da ganz allein rumgeirrt bist! Aber was war eigentlich da, wo man das Piano hörte, los? Als Du dann die Treppe wieder hinaufstiegst und das Hundegebell immer lauter wurde, wäre ich ja am liebsten umgekehrt…

    • michikarl schreibt:

      Hallo Elisabeth.

      Och, das in den Gängen von Jaffa war recht harmlos. So ganz geschnallt habe ich das noch nicht, aber wenn ich es richtig verstanden habe, wohnen da tatsächlich auch ein paar Leute. Nter anderem eine Dame, die da eine Kunstgalerie betreibt. Jedenfalls sagt das Dein Lonely Planet Reiseführer, der sich schon recht gut bewährt hat. Ich habe ja versucht, zu erspähen, wer da Piano spielt. Aber ich habe es nicht gesehen, dazu war ich dann zu schissig (oder respektvoll?). Allerdings saß da eine von den vielen Katzen, die da herumstreunen und hörte, dem Anschein nach, aufmerksam zu. Die Atmosphäre da ist schon extrem cool, und das mit dem Piano passte mir für mein Video natürlich mal just vorzüglich ins Konzept.

      Ich sitze gerade noch im „Mike’s“ und habe mein eierPad in Mike’s WLAN geklinkt. Hab lecker ein Club-Sandwich verputzt und zwei Goldstar getrunken. Meine Man City Kumpels habe ich leider nicht getroffen, vielleicht war ich zu spät dran. Ich warte jetzt nur noch auf die Rechnung und bin dann hier raus. Werde dann im Hotel den Tag verbloggen, allerdings habe ich mit dem Text schon vor dem Abendessen am Strand bei Zigarre und Goldstar angefangen. Aber die Bildauswahl wird heute so ne Sache, ich habe viele geschossen, und ich glaube, es sind auch viele Gute dabei.

      Und dabei darf ich heute eigentlich nicht zu spät ins Bett. Morgen geht es nach Jerusalem. Nd s wird mit Sicherheit (äh, ich hoffe, mit Sicherheit…) eine spannende Nummer.

      Viele Grüße, Michi

      von einem Gerät, mit dem man E-Mails verschicken kann, verschickt.

  3. satayspiess schreibt:

    Juchu, ein Nachtspaziergang mit dir durch die verwinkelten Gassen von Jaffa. 🙂
    Ja, die Pianomusik fand ich auch sehr verlockend. Ich dachte schon du führst uns in eine urige Spelunke, in der gerade ein Konzert statt findet. Ich drücke dir die Daumen für viele weitere schöne Entdeckungen!

    • michikarl schreibt:

      Hallo Ceri,

      das war schon eine lohnende Spontanentscheidung, Alt-Jaffa zu besuchen. Der Reiseführer rät, das einmal am Tag (wenn alles offen hat, um sich ernsthaft Geschichte und Kultur anzutun) und einmal bei Nacht (um das Flair und die Atmosphäre in einem der Lokale zu genießen) zu machen. Kultur? Gschichte? Ich? Seitwann das denn?

      Aber Flair und Atmosphäre… absolut! Diese Gassen sind bei Dunkelheit der Hammer. Für Kinder muss es das Paradies sein, dort Verstecken spielen zu können. Und das, was in den Videos vorkommt ist echt nur ein winziger Teil von allem. Das ist wirklich echt toll. Überhaupt kann ich den Besuch hier eigentlich nur sehr empfehlen. Gut, das mit den Raketen will man nicht wirklich, und die Stadt an sich ist auch nicht sooo wirklich schön, aber der Strand ist Hammer und die Atmosphäre irgendwie einfach nur cool. Ist halt die Party-Metropole des nahen Ostens (bzw. Kopf an Kopf mit Beirut).

      Hocke gerade im „Mike’s“ und hab mein eierPad an Mike’s WLAN gehängt. Mein Telefon bekommt das nicht hin. Hatte ein Club Sandwich und zwei Goldstar Lager. Leider haben mich meine Freunde aus Manchaster versetzt, vielleicht war ich auch nur zu spät dran. Drinnen spielt ein Bluesduo. Eigentlich wollte ich gerade den Absprung finden, aber das klingt eigentlich geil, was die da machen.

      Erstmal liebe Grüße auch an Thomas! Dein Michi

      von einem Gerät, mit dem man E-Mails verschicken kann, verschickt.

  4. Gunnar schreibt:

    In der Tat, ein sehr schön-unheimlicher Spaziergang durch die Gänge. Dort könnte man sicher auch gut Agentenfilme drehen ;-)! Ich wusste aber gar nicht, dass du so gerne in andere Häuser oder Wohnungen luscherst… ;-)!

    • michikarl schreibt:

      Hi Gunnar.

      Sitze gerade im Mike’s, mein eierPad kann was, was mein Handy nicht hinkriegt: sich in Mike’s WLAN einklinken. Muckentechnisch läuft Clapton’s Layla, und zwar die lange Version. Vorhin geiler Blues, aber nix live zur Zeit, vermutlich, weil auf den Glotzen und Leinwänden des Hauses noch American Football nd Formel 1 läuft. Alles ganz erbaulich, auch wenn mich meine Freunde aus Manchaster heute offenbar versetzt haben….

      Du hast recht, ich habe auch unwillkürlich irgendwie an den einen oder anderen Bond-Film gedacht, aber auch an Ego-Shooter wie Doom, als ich die Aufnahmen n den Gassen gemacht habe. Das ist schon abgefahren da, nachts bestimmt mehr als bei Tag. hatte überlegt, heute nochmals hinzugehen, war aber stattdessen im „modernen Tel Aviv“.

      Tja, morgen geht es nach Jerusalem. Ich bin gespannt, wie es da weiter geht. Ich muss jetzt noch ein weiteres Goldstar schaffen, welches ich ursprünglich gar nicht bestellen wollte, und dann ab und Hotel, meinen heutigen Kram bloggen. Heute sind mir ein paar ganz nette Bilder gelungen.

      Liebe Grüße aus Tel Aviv, Dein Michi

      von einem Gerät, mit dem man E-Mails verschicken kann, verschickt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s