A Little House in Bakah, Jerusalem

Sorry erstmal, ich bin inzwischen in Jerusalem, aber auch hier macht das WLAN Zicken. Hier erstmal noch ein Video von gestern, welches ich Euch bisher schuldig bleiben musste:

Nach dem Frühstück warf ich also meine Klamotten in Koffer und Rucksack, natürlich inklusive der letzten zwei Dosen Goldstar. Ich guckte noch mal alle Schränke und Schubladen durch, dabei viel mir auf, dass etwas fehlte: Meine gute, noch recht neue Regenjacke. Großer Mist, ich habe die vermutlich im Kofferraum des Taxis, mit dem ich zum Sheraton gefahren bin, vergessen. Das hat meine Laune natürlich schon gedrückt, immerhin hat sie 200 Euronen gekostet, ich muss mir jetzt eine neue besorgen, und die hat mir echt gut gefallen. Aber was hilft’s, wird ja nicht besser, wenn ich mir davon den Resturlaub versauen lassen. Hab noch an der Rezeption beim Auschecken den Lost&Found-Mann gefragt, aber keine Chance.

Tschüss, Tel Aviv!

Tschüss, Tel Aviv! Gleis 4, Savidor Center, der Zug nach Jerusalem Malha steht schon bereit.

Also los per Taxi zum Savidor Center. Dort musste ich erstmal durch eine Sicherheitsschleuse. Ein Symbol sagte mir, dass ich Getränke nicht mit hineinnehmen durfte. Ich packte die Wasserflaschen aus dem Rucksack, ließ aber dreist das gute Goldstar im Koffer. Der musste durch eine Röntgenanlage, ich durch einen Metalldetektor. Mist, die Dame sah da was auf dem Schirm, was verdächtig aussah: „Do you have a pocketknife in your case? Can I see it?“ Okay, ich musste den Koffer öffnen, damit offenbarte ich meine mitgeführten Biervorräte. Aber man klärte mich auf, dass das Symbol nur bedeuten solle, dass Getränke nicht durch die Röntgenanlage sollten (was ja nun passiert war). Aber mein Taschenmesser war in Rucksack, nicht im Koffer. Was war es also dann? Die Bierdosen waren es nicht. Fieberhaft suchte ich nach dem verdächtigen Gegenstand. Offenbar waren es zwei AA-Akkus in einer Plastiktüte, damit gab sich die Lady zufrieden. Ich suchte meine Schlüssel, Telefon und so weiter zusammen, machte den Koffer wieder zu, und weiter. Zum Glück hatte ich genug Zeit.

Ich kaufte mir am Schalter ein Ticket, dann ab zu Gleis vier, wo ein Dieselzug mit Ziel Jerusalem Malha, schon wartete. Ich war erst misstrauisch, ob es wohl der richtige Zug wäre, schon so früh, entschied mich dann aber dorch fürs Einsteigen, es war warm und der Zug klimatisiert. Anfangs war der Zug echt sehr leer, alles andere, als „Die Reise nach Jerusalem“. Ein paar Leute stiegen aber doch noch zu.

Nachdem ich die kleine Karte mit dem Streckenverlauf studiert hatte, war ich ein wenig irritiert, als der Zug an einer Station hielt, die ich nicht auf dem Schirm hatte. Aber ich stieg nicht sofort aus, und es stellte sich heraus, dass der Zug nur eine andere Strecke als erwartet fuhr. Nachdem der Zug Tel Aviv verlassen hatte, war die Gegend erst sehr öde. Später kamen dann ein paar Bauernhöfe, auf denen gerade gepflügt wurde. Dann wurde die Gegend schließlich immer hügeliger, und dann kam schon die Station „The Biblical Zoo“ in Jerusalem. Die Bahnfahrt wurde in den Hügeln sehr kurvig, man hat die Strecke eher um die Hügel herum anstatt hindurch gebaut.

Ankunft in Jerusalem Malha

Ankunft in Jerusalem Malha. Blick vom Bahnhof zurück, wo der Zug herkam.

Und so kam ich dann gegen 14.20 Uhr in Malha an. Nachdem ich mich kurz umgeschaut hatte, verließ ich den Bahnhof durch einen Metalldetektor, der natürlich laut piepte, was aber keinen interessierte, schließlich verließ ich ja den Bahnhof.

Es dauerte eine Weile, bis mich ein Taxi aufgabelte und der palestinensische Fahrer verstand, dass ich zur Yehuda Street, nicht zur Ben Yehuda, die es ebenfalls gibt, wollte. Aber er kannte das Hotel, kein Problem. Also kämpfte er sich mit mir in und durch den zähen Verkehr.

Unterwegs erklärte er mir in einem Englisch, welches ich nicht richtig gut verstand, die Führer seien schlecht (ich fragte, welche, Israel, Hamas, oder beide?) und er meinte, „beide, aber vor allem Istrael“. Die Israelis würden Hügel um Hügel in Besitz nehmen, und Palestinänser dürften dort zwar wohnen, aber man würde sich eher nur geduldet fühlen. Das sei nicht immer so gewesen, sein Großvater hat ihm erzählt, vor 50 Jahren hätte man friedlich zusammen gelebt. Er selbst sprach auch nicht schlecht über die Israelis, nur über deren Führung, die ihnen die falschen Dinge in den Kopf setzen würden. Mag stimmen.

An dieser Stelle mal ein kurzer Einblick in meine Gedanken: An sich möchte und muss ich keine Partei ergreifen. Was die einfachen Menschen, die einfach nur leben, lieben und arbeiten möchten, angeht, da ist wohl ohnehin auf beiden Seiten kein Stein zu werfen, die wollen aller Wahrscheinlichkeit das, was wir alle wollen: In Frieden leben. Trotzdem habe ich eine leichte Sympathie für die Israelis entwickelt. Ich habe nicht viele und sie auch nicht wirklich kennen gelernt, und natürlich kann man die eh nicht alle über einen Kamm scheren. Aber ich fand sie gastfreundlich, aufgeschlossen, sympathisch, intelligent (oft gutaussehend)… und ich bewundere irgendwie auch ihre Wehrhaftigkeit und Entschlossenheit. Israel ist ein ständig bedrohtes Land, dessen Existenz von vielen Menschen in der unmittelbaren Umgebung nicht akzeptiert und anerkannt wird. Würde – weit hergeholt, aber mal rein theoretisch – Holland die Existenz unseres Landes nicht anerkennen und mit Raketen auf uns schießen – wir würden uns wohl auch irgendwie zur Wehr setzen.

Andererseits… Wäre ich in Gaza City und würde sehen, wie die Zivilbevölkerung dort unter den Luftangriffen der Israelis leidet, dann würde ich die Sache wahrscheinlich ganz anders sehen.

Nun, zurück nach Jerusalem. Mein Taxifahrer Yamall (oder so ähnlich) gab mir noch seine Telefonnummer, ich werde mich dann wohl auch von ihm zum Bahnhof zurückfahren lassen. Er hat mir auch angeboten, mich für 250 NIS zum Ben Gurion zu fahren, aber das wäre höchstens ein Plan B, falls ich den Zug nicht bekomme oder so.

Beim Hotel angekommen, checkte ich bei Avi, meinem Mann am Desk, ein. Er brachte mich dann zu meinem Zimmer, „Apple 3“ (ausgerechnet, aber nach Kollege Marco bin ich ja eh Fanboy. Grrr!). Es gibt auch Orange und Grape, vermutlich sind die Etagen nach Früchten benannt. Nach dem Luxus im Sheraton ist es hier… nun, etwas bieder. Das Mobilar tendiert ins Antike, ich hab keinen Kühlschrank, der Fernseher ist kleiner, und das Zimmer sitzt insgesamt etwas eng um die Hüften. Aber es kostet auch nur die Hälfe pro Nacht, und es ist sauber und ordentlich. Und es gibt hier, im Gegensatz zum Sheraton FREE WLAN! Also eigentlich eine super Bude. Ernsthaft, ich vermisse meinen Strand ein wenig, aber es ist schon völlig okay hier. Und Avi am Desk war sehr nett, und zwar nicht auf so eine professionelle Art wie die Leute im Sheraton, sondern ein bisschen persönlicher, so wie Andrew in Brooklyn vor einem Jahr. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, ein wenig mit ihm zu quatschen.

Ansonsten weiß ich noch nicht, was ich mit dem Rest des Tages anfangen werde. Die alte Stadt, z.B. das Jaffa-Tor, liegen in Fußgänger-Reichweite. Von dort aus kann man per Kleinbus nach Bethlehem fahren, was ich bestimmt machen werde, wenn auch nicht mehr heute. Avi sagte, er könne auch ne Tour zum Toten Meer organisieren, klingt auch sehr verlockend. Aber heute werde ich bestimmt nur noch die unmittelbare Umgebung erkunden und irgendwo was essen.

Sodenn, das war’s, mein erstes Lebenszeichen aus Jerusalem. Bis bald!

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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6 Antworten zu A Little House in Bakah, Jerusalem

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Also, man sieht sicher vieles anders in einem Land, wenn man da ist und mit den Leuten spricht, für die man dann auch Sympathien entwickelt. Ich persönlich war ja noch nie in Israel: Aber: Die Israelis haben, im Gegensatz zu den Palästinensern, wenigstens einen eigenen, von der Völkergemeinschaft anerkannten, Staat. Der Gaza-Streifen, so habe ich gehört, hat eine Fläche, die kleiner ist als die Stadt Bremen. Dort leben ca. 1,3 Millionen Menschen praktisch wie in einem großen Freiluftgefängnis, denn raus können sie nur unter großen Schwierigkeiten. Die Lebensbedingungen sind mehr als schwierig und nebenan boomt Israel, wie Du es so schön beschrieben hast. Natürlich sind weder die einen noch die anderen kriegerischen Handlungen akzeptabel. Aber solange man dem palästinensischen Volk keine Perspektive bietet, wird es niemals Frieden in der Region geben und so lange haben die Leute auch keine Veranlassung, eine andere Partei als die radikale zu wählen. Und die aggressive Siedlungspolitik der derzeitigen israelischen Führung, auf die Dein Taxifahrer anspielte, ist sicher auch nicht geeignet, einen Friedensprozess in Gang zu bringen. Unsere Angie hat sich da meines Erachtens leider zu einseitig geäußert, indem sie vor allem die Hamas verurteilt – aber aufgrund unserer eigenen Geschichte mit dem jüdischen Volk haben manche deutsche Politiker wohl immer noch Probleme, Israel gegenüber Kritik zu äußern… Franzosen, Briten und unter Obama zum Glück auch die Amerikaner sind auf dem Auge weniger blind.

    • michikarl schreibt:

      Hallo Schwester,

      leider ist das auch verdammt schwierig. Bei uns gibt es immer noch Vollidioten (und hier wahrscheinlich auch), die sofort ANTISEMITISMUS schreien, wenn man ein wenig Kritik an der israelischen Führung anklingen lässt.

      Aber ein bisschen den kleinen Zeh in Israel einzutunken wird mich auch nicht viel schlauer machen…

      Ich muss gezze mal an die Luft. Liebe Grüße, Michi

  2. Frankfurter Gastgeberin schreibt:

    Mensch Michi, kleiner unangenehmer Exkurs zum Thema Jacke. Bist Du sicher, dass Du die Jacke mit aus dem Flieger genommen hast? Sonst lohnt vielleicht doch dieNachfrage bei der Airline. Wenn nicht addiere es auf die Urlaubsgesamtrechnung, dann fällt es nicht so ins Gewicht.

    Ich wünsche Dir weiter gute Erlebnisse. Fühl Dich gedrückt.

    • michikarl schreibt:

      Hallo liebe Gastgeberin. Die Situation war so, dass ich aus dem Flieger stieg und es so warm war, dass ich Jacke und Kaputzenshirt sofort auszog. Habe nur eine Sache in meinen Rucksack bekommen. Und das war schlauerweise das Kaputzenshirt. Wenn ich mich recht erinnere, war ich bei der Ankunft am Hotel ein wenig hektisch und der Taxifahrer wenig hilfreich. Deswegen wird das wohl passiert sein.

      Ich freu mich schon auf Dich, wenn ich nochmals bei Dir übernachten darf. Wir sehen uns Freitag!

  3. satayspiess schreibt:

    Ah, der Videobotschafter mal ohne Sonnenbrille, prima! 😉
    Ich finde Israel und alles drumherum auch ein äußerst schwer zu durchschauendes Thema. Ich habe auch früher in Geschichte nie aufgepasst. Bzw. war es glaube ich sogar so, dass zwar noch erwähnt wurde, dass es einen 2. Weltkrieg gab, in dem durch deutsche Schuld eine unglaubliche Anzahl an Juden auf grausamste Weise ums Leben kam. Aber näher wurde das Thema – und alles, was ihm folgte – nicht beleuchtet. Eine Ausrede darf das trotzdem nicht sein, stehen einem doch heute genügend Informationsquellen zur Verfügung. Seit Tagen schwirrt beim Fressenbuch ein Bild herum, wo ein Junge mit Kippa und einer mit dem Tuch, das wir als Palästinensertuch bezeichnen, Arm in Arm und in offenbar bester Laune durch die Gegend latschen. Ich will naiv hoffen, dass das eine Tages tatsächlich so sein wird. Befürchte aber, dass es ab dem Alter, wo Ehre usw. mehr zählen als der rundeste Fußball oder das schnittigste Spielzeugauto, mit dieser Freundschaft dann auch aus ist.
    Ich komme oft durch den Besuch internationaler Konferenzen mit Menschen anderer Nationalitäten ins Gespräch und habe schon wirklich sehr oft Unverständnis darüber erfahren, dass wir Deutschen meinen, dass wir wegen unserer jüngeren Vergangenheit niemals etwas gegen tatsächliches Unrecht anderer Nationalitäten oder Religionen sagen oder unternehmen dürften. Auch von älteren Menschen, die durchaus leidvolle Erfahrungen im 2.Weltkrieg machen mussten, wurde ich schon gefragt, was das denn mit mir zu tun hätte. Ich sei doch schließlich erst weit später geboren. Derzeit geht die Macht in Deutschland gerade allmählich von den Kriegskindern auf die Kriegsenkel über, und ich bin gespannt, ob sich durch den Generationenwechsel da was ändern wird. Oder ob wir noch eine Generation brauchen werden.

    Das alles hat natürlich nichts mit deinem Urlaub zu tun, lieber Michi. Aber ich sehe, dass du dir nicht zuletzt wegen der aktuellen Geschehnisse auch Gedanken machst, und dass du versuchst, Israelis über ihre Meinung zu befragen. Was ich übrigens ziemlich toll finde!
    Für die nächsten Tage wünsche ich dir, dass du dir viele Stätten alter und auch jüngerer Geschichte ansehen kannst, und dass du viele tolle Erlebnisse haben wirst.
    Wenn du übrigens mal am King David Hotel vorbei kommen solltest, denk mal an unseren Seefahrer. Der hat dort 1 Jahr gekocht, bevor er wegen des 1. Golfkriegs aus dem Land hinaus geholt wurde.

  4. michikarl schreibt:

    Hey Spiess, ich sehe natürlich auch nicht klar. Ist schon blöd, wenn be uns sofort überall die Antisemitismus-Alarmlampen angehen, wenn man das Vorgehen der israelischen. Politik kritisiert. Ist übrigens just wieder passiert, bei einem Piraten, der was Unüberlegtes, aber meiner Ansicht nach gar nicht so Verwerfliches getwittert hat.

    Das mit dem King-David-Hotel hat mir Jan auch schon geschrieben. Man wird sehen. Erstmal gut Nacht.

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