Abschied bei Regen

Ich gehe, und der Himmel weint. So gehört sich das… Na, mal im Ernst, das kann ich gar nicht gebrauchen. Ich hab ja keine Regenjacke mehr…

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Ich sitze gerade im Polly und probiere die WordPress-App fürs Schlaufon. Mein Shakshukan ist schon da, aber noch sehr heiss. Später Update. Bis dann.

Rückblick: Hatte mich mit beiden Weckern gegen 07:35 wecken lassen („Security Joan“ [Donald Fagan] und „All those heros“ [Mike Dowling]). Dann hörte ich draußen den Donner. Tja, einerseits gut, dass ich fast nur tolles Wetter hatte, andererseits blöd wegen der Jacke. Ich holte mir bei der netten Frau am Desk einen Breakfast-Voucher und ging ins Polly.

Blick aus meinem Fenster

Blick aus meinem Fenster – auf das Regenwetter in Jerusalem.

Ich bestellte zum Abschied Shakshukan. Frisch zubereitet war es total lecker, richtig gut. Und ohne den Alleskleber dran, wie im Sheraton.

Nun bin ich wieder in meinem Zimmer. Also, frischauf, packen und ab dafür. Sofern ich am Airport nicht free WLAN kriege, melde ich mich aus Israel ab. Bis später.

Update: Im Zug nach Tel Aviv, HaHagana.

Ich hoffe, zwar, dass ich das nicht noch revidieren Muss, aber gegenwärtig bin ich sowas von begeistert von der Israelischen Bahn! Sitze in so einem bei Bombardier hegestellten Dieselzug und hier gibt es Strom und Free WLAN!!! Habe ich auf dem Hinweg gar nicht ausprobiert. Dazu kostet ein Ticket von Jerusalem zum Ben Gurion gerade mal 22,50 Schekel. Das sind vielleicht 4,50 Euro, für eine Strecke ungefähr etwas kürzer als Hamburg-Bremen.

Das Taxi war übrigens schnell da, und der Verkehr war nicht so wild wie auf dem Hinweg. Ich habe also tatsächlich den 9.56 Uhr – Zug gekriegt. Am Bahnhof war ich verwundert über die laxe Security. Laut piepend schritt ich mit meinem Gepäck durch den Metalldetektor, und der Mann wollte lediglich meinen Reisepass einmal sehen. Ich ging zum Schalter und kaufte mein Ticket. Das ganze Bahnhofsgebäude roch schlimm nach Dieselabgasen, vermutlich von den beiden Triebzügen, die unter dem Gebäude warteten. Einer davon mein Zug nach Tel Aviv, den ich dann bestieg. Mir taten die Leute Leid, die in diesem Gebäude arbeiten mussten, der Mann der Security und der am Ticketschalter, für mich roch das schon sehr gesundheitsgefährdend.

Nun hat der Zug vor ein paar Minuten Beit Shemesh verlassen, mit nur zwei Minuten Verspätung, obwohl wir auf freier Strecke bestimmt zehn Minuten auf einen entgegen kommenden Zug warten mussten. Nächste Station ist Ramla, ich kann den Verlauf der Fahrt mithilfe von GPS und Google Maps auf dem Schlaufon beobachten. Bis später.

Update: Ben Guirion Airport, Tel Aviv

Ich sitze hier auf Level 3 des Flughafens, habe Strom, WLAN, Kaffee und einen Blick aufs Vorfeld, also alles, was ich brauche, um rundum glücklich zu sein.

Terminal 3, Ausblick aufs Vorfeld

Terminal 3, Ausblick aufs Vorfeld. Mit Kaffee und Croissant.

Mit ein wenig Verspätung kam mein Zug in Tel Aviv, HaHagana an. Hier sah ich wieder viele Soldaten. Vielleicht auf dem Weg nachhause, nachdem die Bodenoffensive wegen der Waffenruhe wohl bis auf Weiteres erstmal kein Thema mehr ist. Ich hoffe, dass das so bleibt. Jedenfalls bin ich ganz froh, dass die jungen Soldaten und Soldatinnen jetzt erstmal nicht riskieren müssen, ihr Leben im Gaza-Streifen zu lassen und auch auf niemanden schießen müssen. Das wäre ein übles Blutvergießen auf beiden Seiten gewesen, so ein Häuser- und Straßenkampf. Das finde ich fast noch wichtiger, als dass beide Seiten den gegenseitigen Beschuss mit Bomben und Raketen eingestellt haben.

Israelische Soldaten in Tel Aviv, HaHagana-Station

Israelische Soldaten in Tel Aviv, HaHagana-Station. Was die da haben, sind keine NERF-Guns.

Ich holte mir, um ein paar meiner letzten Schekel auf den Kopf zu hauen, noch ein Snickers aus einem Automaten, der brav „Ta-da“ sagte. Ich weiß nicht, wie man das schreibt, dazu fehlt mir eh der häbräische Zeichensatz, aber so sagt man hier „Danke“. Mehr habe ich leider nicht gelernt, zumindest nicht von der Sprache.

Das Umsteigen in HaHagana hat – wenn auch nicht ganz ohne Unsicherheit – geklappt. Dem Plan der Website der israelischen Eisbahn nach sollte der Zug zum Flughafen um 11:56 von Gleis 2 fahren. Da war aber ein Zug nach Modi’in Center um 11:45 und ein anderer um 11:58 gelistet. Hm… Ich hatte immer noch das WLAN der von Israeli Railways, also lud ich mir den Streckenplan herunter. Ich hab es nicht sofort kapiert und war schon auf der Rolltreppen nach oben, um mir eine Information zu suchen. Da habe ich dann kapiert, dass Modi’in Center meine Richtung war. Also wieder Rolltreppe runter,paar Minuten warten, und rein in den Zug.

Jetzt bin ich hier auf dem Flughafen und habe mir für meine letzten Schekel einen großen Capuccino und ein Croissant mit Mandeln geholt. Mein Flug geht um 16:10 Uhr, noch drei Stunden. Naja, ich habe schon mal mehr Zeit auf einem Flughafen verbracht, z.B. auf dem Dulles International bei Washington DC. Außerdem habe ich ja, dank meiner Frankfurter Gastgeberin, was kurzweiliges zu lesen. Ich melde mich erstmal ab, denn ich kann jetzt meinen Koffer aufgeben. Bis später.

Update: Ben Gurion Airport, Gate C6

So, ich habe meinen Koffer abgegeben. Vorher allerdings lief er nicht nur durch eine Röntgenanlage, sondern ich musste ihn öffnen, und er wurde gründlich untersucht. Dazu benutzen die Sicherheitsleute etwas, was ich mal als „Schnüffelbürsten“ bezeichnen würde. Denn damit wurden alle Oberflächen, insbesondere die elektronischer Geräte, abgestrichen, danach wurden die Dinger an ein elektronisches Gerät gehalten. Ich vermute, dass man auf Spuren von Sprengstoffen aus war. Das Personal war sehr höflich und nett, aber bestimmt. Man fragte mich mehrfach nach meinem Namen und Ziel. Dann konnte ich den Koffer aufgeben. Danach musste ich natürlich noch mit meinem Handgepäck durch eine Sicherheitsschleuse. Wieder alle elektronischen Geräte auspacken und Schnüffelbürsten-Check.

„Something in my carry-on bag
tipped of the x-ray machine.
‚Cause then an engel straight from heaven
asked me to step behind that screen.
When I felt the wand sweep over me
you know I never felt so clean.“

(Donald Fagan, Security Joan)

Jetzt verstehe ich, was er mit „you know I never felt so clean“ meinte. Das war, denke ich, der penibelste Check, den ich jemals hatte. Auch wenn ich meine Schuhe anlassen durfte. Jedenfalls hat es etwa eine Stunde gedauert, aber ich hatte ja reichlich Zeit. Jetzt sind es noch anderthalb Stunden bis zum Abflug. Bis später.

A321 an Gate C6

A321 an Gate C6 – der Vogel nachhause hat schon angedockt.

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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2 Antworten zu Abschied bei Regen

  1. tstueck schreibt:

    Vielen Dank für die eindrucksvollen Berichte! Der Waffenstillstand scheint zu halten, und Du wirst nun sicher im Flugzeug nach Hause sitzen. Hier im Bureaukühlschrank sind noch vier Tannenzapfen. Bis Montag!

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