Euromast

08:18 Uhr. Fortsetzung des gestrigen Tagesberichtes.

Wir verließen also das Schiff noch bei Tagelicht und machten uns auf die Socken Richtung Stadt. Ich hatte meinen Besucherpass mal taktisch auf dem Schiff liegen gelassen. Der Kommentar der Dame beim Auschecken: „That was not very smart. Tell my collegue that you’re both crewmembers on your return.“ Wasauchimmer.

Euromast

Der ca. 186m hohe Euromast in Rotterdam. Das große, sog. „Krähennest“ ist ungefähr auf 100 – 112 m und beherbergt Aussichtsplattformen, ein Restaurant und sogar zwei Hotelsuiten. Der weiße Mast obendrauf wurde erst 10 Jahre nach dem Bau 1960 aufgestockt.

Wir fuhren mit der C von Vijfsluizen Richtung Innenstadt. Ursprünglich wollten wir zur Station Stadthuis, aber ich warf ein, dass ich nach Internetrecherche gerne mal auf den Euromast fahren würde. Das ist ein 186m hoher Aussichtsturm, der höchte in den Niederlanden. Und ich mag es halt, in großen Städten von oben zu fotografieren, besonders nachts. Ich schaute im Netz und fand den Euromast in der Nähe der Station Coolhaven, das lag auf unserem Weg, also stiegen wir dort aus. Wir fanden den Turm, checkten Preise und Öffnungszeiten und beschlossen, bei Dunkelheit nach dem Abendessen hochzufahren.

Rathaus von Rotterdam

Stadthuis – das Rathaus von Rotterdam

Wir gingen dann den restlichen Weg ins Stadtzentrum zu Fuß. Es war erst so gegen 17.00 Uhr, zu früh zum Abendessen. Das Wetter war auch eher nass. Also suchten wir uns ein Café, um Tee/Kaffee zu trinken und ein Stück Gebäck zu schnabulieren. Wir landeten in so ner Art Studentenkneipe, wo wir geeignete Getränke und Backwaren serviert bekamen, auch wenn es kein so richtiges Café war und die „Backware“ im Falle meines Freundes ein Apfelpfannkuchen mit viel Zimt war. Ich hatte etwas, was übersetzt wohl sowas wie „Apfelbombe“ heißt, ein recht übersichtliches, aber doch gehaltvolles Gepäckstück mit hohem Fruchtanteil. Lekker!

Museumsschiffe in Rotterdam

Exponate des maritimen Museums in Rotterdam

Nach dem Kaffeetrinken wollte das natürlich erstmal ansatzverdaut werden. Ich suchte das Marinemuseum per Google, es befand sich ganz in der Nähe, hatte aber bereits geschlossen. Einige Exponate waren allerdings außerhalb von Gebäuden und ließen sich auch so aus der Nähe betrachten.

Rot angestrahlter Kran

Ein, ähm, Rotlichtbezirk im Hafen? Mitnichten, auch dieser Kran gehört zum maritimen Museum. Auch wenn für mich als Laien die modernen Kräne bei „Damen Ship Repairs“ kaum anders aussehen.

Wir schlenderten also am Wasser entlang und sahen diese markante Brücke, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, ein großes Kriegerdenkmal sowie diverse Objekte der Kategorie „Ist das Kunst oder kann das weg?“.
(Nachtrag: Das Ding heißt „Erasmusbrücke„. Ich habe hier den PC mit dem Alditalk-Stick doch noch hochbekommen. Meine eigene Internetverbindung läuft nur gedrosselt zur Zeit.)

Erasmusbrücke

Erasmusbrücke

Dann machten wir uns doch langsam auf die Suche des indonesisches Restaurants, welches meinem Freund von seinem Bruder empfohlen worden war. Es sollte in der Kruiskade 72 zu finden sein, in der Nähe des Stadthuis (also Rathaus). Wir fanden weder Hausnummer, noch Restaurant. Nachdem wir eine Weile auf der Suche nach einem alternativen Asiaten die Straßen durchstreift hatten, suchte und fand ich via Google einen Laden in der Nähe. Diesen Suchten wir dann für das abendliche Gelage auf. Zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte und jeweils drei Tsing Tao Biere später und 75 Euro ärmer verließen wir pappsatt den Laden. Es hatte sehr gemundet.

Drachenschlange

Teil der vielen Lichtinstallationen: Die chinesitsche „Drachenschlange“ vom Euromast aus fotografiert

Nach dem Abendessen begaben wir uns wiederum zu Fuß zurück zum Euromast. In unmittelbarer Nähe hatten die Chinesen, vermutlich anläßlich des chinesischen Neujahresfest eine Lichtinstallation beachtlichen Ausmaßes aufgebaut. Allerdings nach europäischem Empfinden auch typisch asiatisch-kitschig, mit riesigen, leuchtenden Weihnachtsmännern, aber auch z.B. einer von diesen typischen, langen „Drachenschlangen“ (wie ich sie seit jetzt nenne), auch bunt leuchtend, versteht sich. Es kostete Eintritt, wir investieren lieber einen Zehner pro Nase, fuhren den Euromast hoch und schauten und das von oben an.

Blick vom Euromast mit Erasmusbrücke

Im Vordergrund ist ein Teil der chinesischen Lichtinstallation, weiter hinten der angestrahlte Pylon der Erasmusbrücke zu sehen

Die Aussichtsplattform befindet sich auf ca. 100m Höhe, von dort aus machten wir diverse Fotos. Anschließend enterten wir den sog. Euroscoop, eine rundum verglaste Gondel, die dann auf die volle Höhe hochfährt und dabei langsam um die Hochachse rotiert. Dabei wird einem auf Niederländisch und niederländisch gefärbtem Englisch zu Starwars-Musik erklärt, was man dabei so sieht. War schon recht nett.

Blick vom Euromast

Blick von der Aussichtsplattform des Euromastes, ca. 106 m Höhe

Wieder unten angekommen machten wir uns auf dem Weg zur Metrostation Coolhaven, fuhren zurück zu Vijfsluizen und gingen wieder zurück aufs Schiff. Achja, am Checkpoint war das dann nur „Two crewmembers for Santa Clara“ und das wars dann.

Es war so kurz vor 0.00 Uhr, als wir wieder auf der Bude meines Freundes auf dem E-Deck ankamen. Wir quatschten noch ne Runde und leerten eine paar Flaschen Radeberger (die Brauerei gehört zum selben Mutterkonzern wie die Reederei Hamburg-Süd, nämlich Dr. Oetker, das Geld bleibt also in der Familie…). Gegen 01.00 Uhr gingen wir in die Koje.

Ring, Propeller und Ruder der "Santa Clara"

Nochmal Ring, Propeller und Ruder der „Santa Clara“ im Dock. Hier ist der Ring noch besser zu sehen.

Hm… leider habe ich vergessen, mir ein paar Ohropax einzupacken. Acht Decks tiefer rumort unermüdlich einer von vier Neunzylinder-Hilfsdieseln und erzeugt den Strom für das Schiff. Ohne einen einzigen Kühlcontainer an Bord bohrt sich wahrscheinlich selbst der eine Diesel nur in der Nase für die paar Lampen, PCs und Ferseher (naja, und die eine oder ander Kühlwasserpumpe und was weiß ich nicht alles, aber viel läuft da nicht). Da das Schiff ja trocken liegt, bekommt der Diesel sein Kühlwasser über Feuwehrschläche von draußen. Wenn ich das richtig verstanden ist, dann ist das Seewasser, welches die Wärme des „eigentlichen“ Kühlwassers (sicherlich Süßwasser, Salzwasser ist für die Maschine zu korrisiv) über einen Wärmetauscher abführt.

Wie auch immer, das Teil macht Krach. Im Vergleich zur Hauptmaschine sicherlich dezent, und man kann es fast ausblenden, aber naja…
Ich habe das Pult gesehen, wo man das Teil mit ein, zwei gezielten Mausklicks abschalten kann. Aber ich glaube, da wären ein paar Leute nicht so glücklich drüber, auch mein Freund nicht.

Die Nacht war also durchwachsen, auch weil das Sofa etwas zu kurz für mich ist. Aber egal, ich kann mich ja gleich noch ein wenig lang machen, wenn ich möchte.

Nun, die gewisse Doppeldeutigkeit des Titels „Euromast“ liegt nicht so ganz auf der Hand, also möchte ich doch noch abschließend betonen, dass das Essen beim Asiaten wirklich sehr üppig gewesen ist.

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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