Herbst in der Ukraine

Nabend. Odessa, 20.29 Uhr, Regen, heftiger Wind. Fernseher läuft auf M1, dem Sender für Bikini-Schnecken und Musikvideos. Und Musikvideos mit Bikini-Schnecken. Im Moment allerdings Promi-News.

Der Tag begann heute natürlich spät, nachdem ich gestern erst um vier Uhr ins Bett gegangen bin. Und er machte auch keinen einladenden Eindruck: Der Himmel war wolkenschwer, und ein erheblicher Wind heulte um das Hotel. Nunja, trotzdem raus aus den Federn. Plan: Eigentlich keiner, es wäre auch denkbar gewesen, die Zeit einfach mit einem Buch im Bett zu verbringen. Aber erstmal frühstücken.

Harpune

Wer keine Kanone hat, der installiert sich einfach eine Harpune auf dem Balkon… Fotografiert zwischen Rathaus und Oper.

Zuerst wandte ich mich vor dem Hoteleingang nach rechts, Richtung Rathaus, wo ein paar 6er-Portale stehen. Von da aus stellte ich fest, dass die Oper tatsächlich so rum um die Ecke vom Hotel ist. Wie es in der Openbike-Map auch zu sehen ist – Google Maps liegt da hingegen total falsch. Ich ging dann links vom Opern-Portal (ein richtiges Portal diesmal, nicht Ingress) in die Gasse, fand da noch weitere Portale (diesmal Ingress), zum Beispiel einen lustigen Springbrunnen, und von da aus den Weg zur… na, sagen wir einfach, Katharinenstraße.

Schirmbrunnen

Fand ich irgendwie lustig – wenn der Typ sich nicht unter dem Springbrunnen aufhalten würde, bräuchte er keinen Schirm. Naja, andererseits… heute schon.

Ich ging zum Café Granat und orderte ein Ei Benedict und ein Omelette – war immerhin eher Brunch, und die Portionen sahen übersichtlich aus – waren sie auch, aber auf der anderen Seite auch nicht teuer. Und dazu gab es einen Capuccino. Ich mag das Granat. Während ich da saß und frühstückte, begann es allerdings zu regnen. Was unter dem Zelt-Vorbau egal war. Aber nicht mehr nach dem Frühstück.

Im Café Granat

Im Café Granat

Anschließend habe ich erst einmal wieder einen Blick auf den Passagier-Terminal geworfen. Da lag wieder ein großes Passagierschiff, es kam mir größer vor als die Queen Elisabeth von gestern. Es war die „Celebrity Constellation“ der Celebrity Lines. Aber lt. Wikipedia sind die Schiffe fast gleich groß, sowohl nach Länge (Lüa) als auch nach BRZ (Bruttoraumzahl). Die Queen ist sogar geringfügig länger und nach BRZ größer. Jedenfalls ging ich zum Terminal, um mit das Teil aus der Nähe anzusehen. Unterwegs kam ich an einem kleinen Kaffeeladen vorbei, direkt neben dem Tabakladen in dem kleinen Gebäude, wo man per Treppe zum Terminal hochsteigen kann. Ich holte mir da noch einen Cappuccino to go. Der Junge, der mich bediente, war wohl noch ein Teenie. Sehr sympathisch, außerdem hatte er AC/DC laufen.

Celebrity Constitution am Terminal

Celebrity Constitution am Terminal

Als ich oben das „Treppenhaus“ Richung Terminal verließ, wehte eine steife Brise (unbedingt das st von steife Brise im Sinne von „In Hamburch stolpert man übern spitzen Stein“ lesen), gepaart mit Sprühregen. Naja, manchmal mag ich das sogar ein bisschen, so rauhes Wetter. Sowas wirft doch den Sohn eines Seemannes nicht um, dachte ich. Dann allerdings wehte mit der Wind den Cappuccino-Schaum aus dem Becher auf die Jacke. Öhm, so toll ist Schaum also auch wieder nicht, alles voller Cappuccino-Schlotze! Igitt!

Celebrity Constitution

Die „Celebrity Constitution“. Fast genausogroß wie die „Queen Elisabeth“, wirkte auf mich aber größer.

Auf dem Weg zur „Celebrity Constellation“ (ein Name übrigens, den das Schiff mit einem früheren 80.000-Tonnen-Flugzeugträger der Amerikaner und einem Schiff aus dem „Star Trek“-Universum teilt) konnte ich noch ein paar Level-7-Portale am Terminal hacken. Das Schiff ist schon ein ziemlicher Brocken, obwohl die „Solstice“-Klasse (in Papenburg auf der Meyerwerft gebaut) noch um einiges größer ist als die „Mellenium“-Klasse, der die „Constitution“ angehört. Kein schönes Schiff, die QE gefiel mir besser, aber doch beeindruckend. Aber die Teile haben alle einen Nachteil: Sie sind einfach zu groß, um sie aus der Nähe komplett auf eine Foto zu bekommen, jedenfalls mit meiner Kamera. Hm, das Wetter wurde immer nasser, und das Licht war demnach zum knipsen auch suboptimal. Wieder lief über Lautsprecher das immer gleich „Band“ zur Ankerausstellung bei der Kanone und an der Statue „Mutter mit Kind“ der russische (ukrainische?) Swing-Jazz. Wieder war, wegen des Wetters vermutlich, kaum jemand da, um zuzuhören. Und ich konnte die Portale am Ende des Terminals nicht hacken, weil ich, vielleicht wegen der Witterung kein WLAN richtig bekam. Naja, war vielleicht besser so, deswegen blieb ich nämlich nicht lange am Pier, sondern ging wieder zurück zum „Treppenhaus“. Oben drin ist noch ein kleiner Andenkenladen, wo ich Postkarten kaufte. Dann ging ich die Treppe wieder runter.

Celebrity Wi-Fi

Celebrity Wi-Fi. Da ich sonst kein WLAN bekam, versuchte ich das vom Schiff. Daran hatte ich schon bei der „Queen Elisabeth“ und „Silver Spirit“ gedacht. Okay, das also kostet WLAN auf See. Nun, ist teuer via Satellit.

Und nun? Das Wetter wurde eher schlechter. Aber zuhause auf dem Bett rum liegen und lesen? Dann habe ich doch nix zu verbloggen. Vielleicht blöd, dass ich mich da so unter Druck setze, aber irgendwie, wer täte das nicht? Wenn man einiges an Geld für so eine Reise ausgibt, dann möchte man doch auch etwas sehen und erleben. Und ich wollte gerne mal mit so einem O-Bus fahren. Um es vorweg zu nehmen: Ich kam nicht dazu. Vor der Potemkin-Treppe hielt einer von diesen Tata-Bussen, und ich stieg einfach ohne Plan ein. Apropos Plan, ich habe im Internet danach gesucht, ich habe an der Touristen-Info danach gefragt, ich konnte keinen Netz-Plan auftreiben. Und was auf den Fahrzeugen als Ziel draufsteht kann ich natürlich nicht interpretieren. Ich kann nur einfach losfahren, mit GPS und Bikecomputer auf dem Schlaufon verfolgen, wo es langgeht, und ggf. irgendwo wieder aussteigen. Andererseits… ich hatte ja ohnehin nichts Konkretes vor, also was soll’s? In der Nähe des Hotel kannte ich ja schon alles.

Im Bus

Bisschen unscharf, aber man sieht, wie hier das Fahrgeld halt einfach mal so auf dem Tisch liegt. Mag unsereinem unprofessional vorkommen, aber andererseits: So einfach kann es sein.

Also, lt. „Odessa in your Pocket“ kauft man Tickets beim Fahrer. In dem Bus schien es keine Tickets zu geben. Hinter der Schaltkonsole des Busses war einfach eine Art Tisch mit Teppich drauf, auf dem ein Haufen kleiner Geldscheine lag. Einige Leute schienen beim Einsteigen zu bezahlen, andere beim Aussteigen. Ich war mir nicht mehr sicher, was der Preis war. Lt. „Odessa in your Pocket“ 1,5 UAH (was sich auch noch als aktuell erwies). Also irgendwie so 13 Cent oder so. Man bezahlt einfach und kann damit soweit fahren, wie die Linie halt fährt. Beim Einsteigen in ein anderes Fahrzeug bezahlt man eben neu. Ich blechte in meiner Unwissenheit beim Ein- und Aussteigen jeweils 2 UAH, also über 30 Cents – hilfe, ich muss Insolvenz anmelden.

Bus und O-Bus

So sieht so ein Tata-Bus von außen aus. Rechts daneben ein O-Bus. Sollte ich auch einmal fahren, um daheim davon berichten zu können. In Osnabrück wird ja zur Zeit über ein modernes O-Bus-System nachgedacht.

Das Ding fuhr dann an der Küste entlang, Richtung Norden. Zur Rechten: Eine Bahnlinie und dahinter: Hafen, Hafen, Hafen. Ich hoffte, irgendwann mal an einem Strand zu landen – auch wenn das bei dem Wetter für einen Spaziergang nicht so einladend war. Gut – schnell vorankommen ist sowieso was anderes. Die Spitzengeschwindigkeit war zwar lt. GPS nahezu 50 km/h, aber meist ließ der Verkehr nicht zu. Das „Odessa in your pocket“ sagt zum Thema Verkehr unter anderem, dass man, wenn man selbst fährt, es so machen sollte, wie alle anderen: Wenn der Mittelstreifen fehlt, ihn sich einfach denken und daran orientieren. Ampeln sind zum Teil so wenig leuchtstark, dass man bei Tag nicht sehen kann, was leuchtet. Und bei Tag sind die Straßen auch einfach überfüllt. Nach nicht langer Fahrt war dann schon die Endstation erreicht, eine Art Umsteigepunkt, wo man Anschlüsse sowohl zu Bussen, O-Bussen und Straßenbahnen bekommen konnte.

Lada rot

Dieses Foto habe ich für einen besonderen Freund von mir gemacht. Erinnert an alte Zeiten…

Ich entschied mich, erstmal zu Fuss die Gegend zu erkunden. Nachdem ich durch einen Fußgängertunnel gegangen war, kam ich auf eine Art kleinen Markt. Zurück in Richtung Verkehrsknotenpunkt sah ich einige Skulpturen, die wahrscheinlich auch Ingress-Portale sind – aber kein freies WLAN außerhalb des Stadtzentrums verfügbar. Ich entschied mich, weiter Richtung Norden zu gehen, und vielleicht bei Gelegenheit einen Bus oder eine Tram zu besteigen, um zumindest ein wenig schneller als zu Fuß unterwegs zu sein, aber vor allem: Regengeschützt!

Portale

Oh! Potentielle Ingress-Portale! Nur leider kein Free-WLAN weit und breit…

Es war dann eher deprimierend. Ich meine, ich glaube nicht, dass wir als Deutsche im Schnitt in unseren geleckten Vorstädten glücklicher sind als die Odessianer in der – aus der Perspektive meiner verwöhnten, westlichen Augen – bröckelnden Vorstadt hier. Aber bei dem Wetter überall Gebäude zu sehen, die bei uns wahrscheinlich abgerissen werden müssten, das stimmte mich nicht unbedingt so positiv. Umso mehr musste ich kurz lachen, als ich hier plötzlich auf eine Porsche-Vertretung stieß.

Porsche-Vertretung

Porsche-Vertretung. Ich musste kurz lachen, weil ich die hier echt nicht erwartet habe. Naja, irgendwo müssen die hiesigen Unterwelt-Könige ja ihre Karossen herbekommen. Damit sie mich, falls ich meine Kamera draufstelle, zu Hundefutter verarbeiten lassen können.

Ich hatte lose den Plan gefasst, so weit zu gehen, bis die Bahnstrecke rechts endete, um dann vielleicht ans Wasser gehen zu können. Aber als ich eine Tram in Gegenrichtung bekommen konnte, ergriff ich die Gelegenheit, aus dem Regen herauszukommen.

Tram

So sehen hier die Trams aus. Eigentlich ganz niedlich, aber das hier scheint ein besonders gut erhaltenes Exemplar zu sein…

Hier war bei einer Schaffnerin der Betrag von 1,5 UAH zu entrichten. Und ich bekam ein Ticket. Bei dem Tata-Bus war ich mir nicht so sicher, aber diese Tram kam echt noch aus Soviet-Zeiten. Würde natürlich bei unseren Sicherheitsstandards durchfallen ohne Ende. Aber immerhin: Das Ding fuhr! Wer weiß, wie das wirtschaftlich funktioniert, bei den lächerlichen Fahrpreisen muss das ohne Ende subventioniert sein. Aber vielleicht ist die Technik auch so simpel, dass der Wartungsaufwand trotz des Alters der Fahrzeuge gar nicht so hoch ist. Irgendwie läuft’s halt. Manchmal ist weniger auch mehr – immerhin betreiben die Russen mit ihren vergleichweise simplen, aber ausgereiften Sojus-Kapseln noch bemannte Raumfahrt, während die Amerikaner ihre Shuttle-Flotte ins Museum gestellt haben.

Lada tiefergelegt

Da schau her! Sowas gibt es auch in tiefergelegt. Pimp my Ride!

Die Bahn fuhr also in die Gegenrichtung, und am „Verkehrsknotenpunkt“ vorbei. (Übrigens, am Ende des Artikels platziere ich ein Screenshot mir der heutigen Strecke, vielleicht kann ich ein paar Beschriftungen anbringen, allerdings habe ich das Routing erst beim Beginn der Busfahrt gestartet, ist also nicht ganz vollständig.) Viel weiter ging es aber nicht, bald war wieder eine Endstation erreicht. Hier stand schon eine andere Tram bereit, in die ich einfach umstieg, ohne zu wissen, wohin es wohl gehen mochte. Insgesamt waren das alles noch Entferungen, die ich notfalls auch zu Fuss wieder zurückgehen könnte. Es dauerte eine ganze Weile, bis es losging. Zuerst kam der Fahrer an Bord, dann später die Schaffnerin, die mir für weitere 1,5 UAH ein Ticket verkaufte. Und los ging die rukkelige Fahrt – wie ich auf dem Schlaufon verfolgen konnte, wieder in Richtung Stadtzentrum. Gut so, irgendwann wollte ich ja ins Hotel zurück.

Allerdings ging es eher in Richtung Süden, deswegen verfolgte ich ein mögliches Tagesziel: Schon einmal den Hauptbahnhof erkunden. Es gibt hier diverse Bahnhöfe, und ich weiß noch nicht, wo ich übermorgen Richtung Sevastopol starte, aber der Hauptbahnhof sollte ja keine ganz schlechte Idee sein. Los geht es von da um 23.59 Uhr – ich hab noch keine Ahnung, was ich zwischen Checkout aus dem Hotel und dieser Zeit mache, allerdings sollte ich Zeit zum Schlangestehen am Ticketschalter einkalkulieren, wie ich gelesen habe. Davon habe ich allerdings vor Ort nichts gesehen. Hm, aber das ist noch Zukunft.

Orthodoxe Kirche Nr. 1

Orthodoxe Kirche. Würde dem Fliegenden Spaghettimonster mal gar nicht gefallen. Hab auf Google Maps nicht gefunden, wie das Teil heisst. Interessiert wahrscheinlich eh keinen, also habe ich die einfach mal durchnummeriert. Das hier ist also Kirche 1.

Erstmal sah ich von der Tram aus eine protzige, orthodoxe Kirche mit Golddächern (die dem Spaghettimonster bestimmt nicht gefallen würde) und dachte mir, raus aus der Tram und Fotos machen. Naja, bei dem Licht leichter gesagt als getan. Außerdem bekam ich keine so richtig gute Perspektive (dafür aber wieder WLAN und konnte an ein paar Portalen herumoperieren, natürlich auch an der Kirche selbst). Ich schoss trotzdem ein paar Fotos und ging die restliche Strecke zum Bahnhof zu Fuss. Nun, ich scheine jeden Urlaub dieselben Fehler zu machen – ich habe keine Ahnung, wo ich meine Kopfhörer gelassen habe. Also rein in die erstbeste Handy-Klitsche am Weg und Kopfhörer kaufen. Ich schnappte mir so eine Packung „Beats“-Dinger mit lächerlichen Ferrari-Emblemen drauf und wollte – auch englisch – wissen, was die Teile kosten (Mist, das muss ich echt auf ukrainisch noch mal lernen). Nach einer Weile verstand der Junge, was ich wollte und malte 30$ auf einen Block. Gut, dass wir wenigstens die gleichen Zahlen verwenden! Darunter malte er dann 240 hiesige Ocken, was halt weniger als 24 Euro sind, ich hatte genug Kohle dabei und meinte, das sei okay. Man konnte allerdings nicht rausgeben, aber der hilfsbereite Verkäufer verschwand kurz und konnte nach höchstens 5 Minuten wechseln.

Inspiriert durch den Kaffeeverkäufer am Terminal startete ich AC/DC, aber der Sound war mieserabel. Vielleicht auch nur, weil die Pömpel nicht optimal zu meinen Ohren passten, ich weiß aus Erfahrung was für einen Riesenunterschied das macht, aber es waren keine Alternativ-Pömpel dabei. Ich brauche relativ große. Mist, das Zeug, was ich vor einem Jahr in Israel gekauft habe, war da besser. Irgendwann kann ich eine Sammlung mit Ohrhörern unter Landesflaggen zuhause aufhängen, wo andere ihr Setzbord mit kleinen Figürchen, Tassen oder Tellerchen haben. Und ein paar Blocks weiter (kann man übrigens sagen, denn die Innenstadt ist angelegt, wie eine US-amerikanische, lauter quadratische Blocks, deswegen verläuft man sich auch nicht so leicht) kam dann ein größerer Elektronik-Markt, wo man eine größere Auswahl an Kopfhörern für weniger Geld kaufen konnt. Auch solche, die gleich unterschiedlich große Pömpel dabei hatten. Grrrr. Wieder mal zu spontan gehandelt. Aber irgendwie hatte ich keine Lust, mich darüber zu ärgern.

Stattdessen zog ich es vor (weil ich wieder mal WLAN hatte), die Ingress-Version von „Rock ’n Roll Singer“ zu hören. Bon Scott: „Well, I worked real hard and…“ Ada: „Portal link deployed. Good work!“ Bon Scott: „… a Rock and Roll-Guitar.“ Läuft… Übrigens, ich habe schon häufig „Ingress“ und „Portale“ und so erwähnt. Ich hoffe ja, dass ein paar von der Ingress-Crew in Osnabrück mitlesen, aber wer hier liest und keine Ahnung hat, was Ingress ist (Kurzversion: Ein Spiel auf dem Smartphone, welches auf GPS und Google Maps basiert und weltweit gespielt wird), der kann es entweder googeln, oder meinen Artikel über Ingress hier im Blog lesen.

Hauptbahnhof

Hauptbahnhof

In der Nähe des Bahnhofs gab es einen großen Kreisverkehr mit ein paar Portalen, eine weitere, imposante orthodoxe Kirche und einen MC Donald’s. Nun, erstmal die Portale bearbeiten. Da waren auch gegnerische dabei, gute Gelegenheit, mal die ukrainischen 7er-Burster zu testen. Funktionieren sehr gut gegen ukrainische Resos. Wie gesagt, vielleicht kommen die auch noch aus Soviet-Zeiten und haben entsprechende… Ladungen. Weiterhin machte ich Fotos von der Kirche und vom nicht minder imposanten Bahnhofsgebäude (vermutlich ebenfalls noch aus Soviet-Zeiten) und betrat dann die noble Hütte des Schienenverkehrs. Immerhin, auf einem Display wurde zwischendurch der Timetable auch mal auf Englisch angezeigt. Viel gab es aber nicht zu gucken, ich ging nochmal kurz zu den Gleisen des Kopfbahnhofes und verzog mich recht schnell wieder. Angeblich spricht das Personal kein Englisch, aber hey, da muss ich halt möglichst mein Ziel Sevastopol mal in kyrillischen Buchstaben aufschreiben und parat haben, damit ich es den Leuten am Schalter zeigen kann und es selbst auf Displays wiedererkenne. Immerhin das habe ich mal gelernt. Wird schon irgendwie klappen. Ich glaube, das wird vielleicht nicht so komfortabel, aber trotzdem bin ich gespannt auf die Tour mit der Bahn. In „Odessa in your pocket“ habe ich gelesen, dass das eben auch eine typische ukrainische Erfahrung sei, ebenso, wie der Gebrauch der hiesigen Nahverkehrsmittel einen Einblick in das tägliche Leben der Odessianer gibt. Schon lustig, dass ich mehr in das kostenlose Heftchen von der Touristeninfo gucke als in meine teuer eingekauften Reiseführer, aber das bin irgendwie auch typisch ich. Und sich schnell fortzubewegen ist etwas für Leute, die gerade keinen Urlaub haben.

Orthodoxe Kirche Nr. 2

Orthodoxe Kirche Nr. 2

In „Odessa in your pocket“ steht, ein Bic Mac koste umgerechnet 1,84 Euro. Ausprobieren! (Obwohl ich dadurch auf ein wahrscheinlich besseres Abendessen verzichtete, z.B. mal wieder mit einem guten Borschtsch als Vorspeise). Die Dame, die mich zuerst bediente, verstand meine englische Bestellung nicht, aber es war schnell jemand am Start, er mir helfen wollte. Eigentlich wollte ich keinen Bic Mac, sondern meinen Lieblingsburger, den Quarter Pounder with Cheese (allerseits bekannt aus dem Film „Pulp Fiction“ als „Royal with Cheese because of the metric system“). Der Mann auf der anderen Seite des Tresen klärte mich dann auf (nicht über das metrische System, sondern darüber, dass man nicht alle Sandwiches habe, die es im Westen gäbe), also gab es doch einen Big Mac, als (bei uns bekannt als) McMenü mit großer Pommes und großer Cola. 37,5 UAH, also vielleicht 3,50 Euro oder so. Es lebe die Kaufkraft! Man muss sich fast ärgern, dass man nicht raucht (zumindest keine Zigaretten), denn lt. „Odessa in your pocket“ kosten 20 Marlboros hier so umgerechnet 1,38 Euro. Der Liter Euro3-Sprit liegt bei 1,13 Euro, den Preisen an den Tankstellen zufolge, die ich gesehen habe, passt das ungefähr.

Orthodoxe Kirche Nr. 3

Orthodoxe Kirche Nr. 3

Gut, nach der Mahlzeit noch mal schnell die Tualet da benutzen, und dann mal langsam Richtung Hotel. Der Weg war, aufgrund des Blocksystems der Innenstadt einfach – einfach einmal rechts, und dann immer geradehaus, dann lande ich direkt beim Opernhaus. Von da aus rechts wäre ich sofort beim Rathaus, und von da aus fast am Hotel. Aber ich zog es vor bei der Oper links abzubiegen und nochmal beim Supermarkt (und vereinzelten 6er- und 7er-Portalen) vorbeizuschauen, um zu hacken und meine Bier-Vorräte aufzustocken. Ich kaufte wieder das gute AbBiBCbKE 1717 in Flaschen. Lecki, lecki bzw. Bud’ymor!

Moschee

Orthodoxe Kirche Nr… äh… falsch. Dies ist offensichtlich eine Moschee.

Derart gerüstet trat ich den Weg zum Hotel an. Ich warf noch einen Blick auf das Terminal – die „Constellation“ lag da immer noch, hell erleuchtet. Ich versuchte, davon noch ein paar Nachtbilder von der Treppe aus zu machen, wobei ich noch fett in eine Pfütze latschte, aber ich glaube, gelohnt hat sich das nicht.

Celebrity Constitution bei Nacht

Celebrity Constitution bei Nacht

Also wieder in Richtung Hotel, wo ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, noch schnell die Portale am Rathaus zu hacken, dann aber echt rein in die Hütte, ins Zimmer, Fernseher an, Netbook und iPad aus dem Safe holen und an die Arbeit. Das war’s für heute.

Tagesroute 1. Oktober

Der Tagesablauf in etwa in einem Bild

Bis bald!

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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Eine Antwort zu Herbst in der Ukraine

  1. satayspiess schreibt:

    Ach schade, die haben ja schon recht moderne O-Busse da in Odessa. Ich hatte irgendwie gehofft, dass ich auf deinen Bildern ein Relikt aus meiner Solinger Kindheit entdecke. Aber vielleicht muss ich langsam mal einsehen, dass die Kindheit dann doch schon einige viele Jahre vorbei ist … 😉
    Hoffentlich war das Wetter heute besser als gestern!

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