In Odessa nix Neues…

In Odessa nix Neues… nun, eine Sache schon, ich habe ausnahmsweise mal die Glotze nicht an. Ich möchte mich besser auf das Schreiben konzentrieren, um schneller fertig zu sein.

Museum für Archäologie

Museum für Archäologie – direkt beim Rathaus. Vor dem Frühstück machte ich hier noch eine kleine Runde, bei der mir auch die Hapag-Lloyd-Reisegruppe samt Guide begegnete. Da kam ich mir bisschen cool vor, so ganz ohne Guide und zumindest vermeintlich völlig unabhängig.

Heute war ich mal rund eine Stunde früher dran als bisher. Ich surfte ein bisschen mit dem iPad auf der Satellitenansicht von Google Maps herum und entdeckte nicht so weit westlich von hier einen Küstenabschnitt, der auf dem Satellitenbild ganz interessant aussah. Interessant in dem Sinne, vielleicht mal das Schwarze Meer ohne Kräne im Vordergrund sehen zu können. Da führt ein teilweise offenbar nicht für Autos befahrbarer Weg hin, unmittelbar an einem großen Sportstadium vorbei. Irgendwo in der Nähe gab es auch eine Art Vergnügungspark mit einem Riesenrad. Auch das reizte mich, weil ich noch gar keine Fotos von oben machen konnte. Aber… ich machte es am Ende doch nicht.

Café Granit von außen

„Café Granat“ von außen. Durch die Stoffbahnen kann man von drinnen rausgucken. Und von draußen schauen, ob ein Plätzchen frei ist.

Zuerst war Frühstück angesagt, natürlich im Café Granat. Hm, da auf der Außenseite zu sitzen hat einen Vorteil und zwei Nachteile. Der Vorteil ist, dass man besser sehen kann, was auf der Straße los ist. Die Nachteile sind, dass man erstens weiter von den Wärmelampen entfernt sitzt und zweitens nicht selten von außen angebettelt wird. Da war erst ein älterer Kerl mit einer Seemannsmütze und einem Schild um den Hals, welches ich nicht entziffern konnte. Der erzählte mir einen Haufen Kram auf russisch oder ukrainisch, keine Ahnung. Und er wollte, wenn ich richtig verstanden habe, meine E-Mail-Adresse haben. Die gab ich ihm nicht, aber so 15 Ocken. Ich bekam dann irgendwann so Informationsblätter, die ich natürlich auch nicht lesen konnte. Keine Ahnung, vielleicht sammelte er ja auch für die Seemannsmission oder so. Kurze Zeit später kam eine Dame, die ganz gut Englisch konnte, und der ich schon mal was gegeben hatte. Nennt mich hartherzig, aber wie soll man denn so sein Frühstück genießen?

Das tat ich dann aber doch, es gab ein warmes Sandwich mit Huhn und zwei Tassen Cappuccino. Dabei konnte ich schon einmal zwei Postkarten schreiben und mit Ingress-Leuten chatten.

Danach war der Plan, zum Postamt zu gehen, um Briefmarken zu erstehen. Lt. Google Maps war es nicht so weit weg. Ich machte mich nach dem Frühstück auf die Socken und kam schnell an einen Park, in dem ich noch nicht war. Dieser war schön angelegt, es gab viel reizvolle Außengastronomie, Springbrunnen, Pavillon, und eine Menge Skulpturen. Im Sommer muss es sich hier wirklich gut aushalten lassen, obwohl die Stadt dann sicherlich von russischen Touristen überflutet wird, könnte ich mir vorstellen. Naja, vielleicht drücken die sich eher auf der Krim herum. Jedenfalls gab es jede Menge Ingress-Portale, die sich auf Level 7 ziehen ließen, also bastelte ich da ein wenig herum. Danach ging es weiter Richtung Postamt.

Im "City Garden"

Dieser Park trägt die nicht so ganz ukrainisch anmutende Bezeichnung „City Garden“. Jede Menge Ingress-Portale überall, und auch sonst schön angelegt.

Ein O-Bus, der in die richtige Richtung fuhr, hielt vor mir. Ich stieg kurzentschlossen ein, denn ich wollte ja nochmal mit so einem Ding fahren. Es war nicht mehr weit bis zum Postamt, und ich erspähte es aus dem Fenster. Also stieg ich nach einer Station wieder aus und löhnte dabei meine 1,5 Ocken beim Fahrer. Okay, war jetzt nicht sooo die Erfahrung, aber ich kann das O-Bus-fahren damit abhaken.

Postamt von außen

Das Hauptpostamt von Odessa von außen. Man muss ja mal Briefmarken für Postkarten kaufen…

Ich ging also wieder die fünf Minuten in Gegenrichtung zur Post. Was für ein Prachtbau, sowohl von innen als auch von außen! Am Schalter erklärte ich einer jungen Dame mit Händen und Postkarten, was ich wollte, und sie verwies mich an einen anderen Schalter, da nochmal das Gleiche, und ich bekam meine 10 Marten im Wert von jeweil 4,80 Ocken. Danach setzte ich mich auf so eine Art Sofa und schrieb noch vier weitere Postkarten, so dass ich gleich sechs Karten vor Ort in den Kasten werfen konnte.

Postamt von innen

Die Sitzgruppen laden zum Postkartenschreiben ein

Auf dem Rückweg kam ich an einer imposanten, orthodoxen Kirche vorbei, lt. Google Maps die Spaso-Preobrazhensky-Kathedrale, oder nach meiner Zählung, orthodoxe Kirche Nr. 4. Ähm, bin nicht sicher, ob dies eigentlich wirklich eine orthodoxe Kirche war, ich ordne diesen protzigen Baustil mit vielen Kuppeln immer gerne den Orthodoxen zu. Dies hier könnte aber auch eine katholische Hütte gewesen sein. Ich sparte mir übrigens grundsätzlich, mir die Gotteshäuser von innen anzusehen, denn erstens interessiert mich der Besuch einer Kirche ggf. aus anderen Gründen als Sightseeing, und zweitens bin ich mir bei anderer Leute Glaubensrichtungen nie sicher, ob man deren Gebetshäuser mit oder ohne Kopfbedeckung aufsuchen sollte. Da bin ich vielleicht noch Jerusalem-traumatisiert. Aber von außen war es wieder einmal ein beeindruckendes Bauwerk, also knips-knips-knips, gucken, ob WLAN verfügbar und hack, deploy, link.

Spaso-Preoprazhensky-Kathedrale

Spaso-Preoprazhensky-Kathedrale. Auch bekannt als „orthodoxe Kirche Nr. 4“. Oder, wie wir Ingress-Spieler sagen, eine Level-6-Kirche. Auch wenn sich das natürlich ständig ändern kann.

Nach der Umrundung der Kirche ging ich – zum erst Mal, aber das bin ich denen, die schon länger meinen Blog lesen, irgendwie auch schuldig – in die falsche Richtung. Aber das merkte ich dank der fantastischen Offline-Karte von Openbikemaps und meiner Bikecomputer-App natürlich ziemlich fix. Also zurück und wieder durch den Park mit den schönen Portalen. Hier hatte inzwischen allerdings der Gegner (aka, die Schlümpfe) gewütet, hier waren Aufbau-Arbeiten zu leisten. Zugegeben, damit verbriet ich mehr Zeit, als beabsichtigt, aber die Ingress-Manie sollte an diesem Tage noch bedenklicher zuschlagen…

Die Europa 2

Die „Europa 2“ liegt größenmäßig nach Lüa und BRZ zwischen der „Silver Spirit“ und der „Celebrity Constitution“. Sie wirkt nicht ganz so gewaltig wie die „Constitution“ oder die „QE“, neben denen das Hotel Odessa klein aussieht.

Immer noch in der Absicht, noch den Strand westlich vom Hotel zu besuchen, kam ich natürlich an der Potemkin-Treppe vorbei und warf einen Blick auf den Passagier-Terminal und das „Kreuzfahrtschiff des Tages“. Das war diesmal die „Europa 2“ der Hapag-Lloyd. Aha! Ich hatte mir sowas schon vage gedacht, ich war vor dem Frühstück beim Rathaus noch einer deutschen Reisegruppe begegnet und hatte irgendwo das Hapag-Lloyd-Emblem gesehen. Nun, also mal hin, das Schiff aus der Nähe betrachten und ein wenig an den 7er-Portalen naschen. Dabei blieb es dann natürlich nicht… Am Kai angekommen war es erstmal ganz lustig, dass am Heck ein paar Leute in Bademänteln zu sehen waren. Mein Tipp war, dass die sich gerade zwischen zwei Sauna-Gängen abkühlten. Durch teilweise große Bullaugen könnte man weiter einige Passagiere sehen, die im Fitness-Center trainierten.

Die Europa 2 flankiert von Schleppern

Drei Schlepper (der dritte an backbord) begleiten die „Europa 2“ zur Hafenausfahrt, damit ja keine Schramme in den Lack kommt.

Das Schiff machte bald Anstalten, abzulegen, die Gangway wurde eingefahren, eine lange Lautsprecherdurchsage auf Deutsch an Bord durchgeblasen und schließlich die Leinen losgemacht. Dann kamen drei Schlepper angeschlichen. Nanü? Schafft so ein moderner Kreuzfahrt-Pott die Manöver mit seinen Querstrahl-Rudern nicht alleine? Ich hatte schon vermutet, dass der Kahn keinen Pod-Antrieb hatte, lag damit aber lt. Wikipedia falsch, der Kahn hat um 360 Grad drehbare Propellergondeln. Wie auch immer, zugegeben, um von dem Liegeplatz aus zur Hafenausfahrt zu kommen, musste das Schiff eine Art kleinen Slalom mit ziemlich engen Kurven schaffen. Nach dem Ablegen nahmen die Schlepper den Kahn nicht in Schlepp, sondern in ihre Mitte, einer an Backbord, zwei an Steuerbord, und drückten das Schiff jeweils in die richtige Richtung, damit auch ja keine Kratzer an den Lack kamen.

Europa 2 auf den Weg ins Schwarze Meer

Die „Europa 2“ auf den Weg ins Schwarze Meer – verflixt, wie jetzt den Weißabgleich konfigurieren, auf Tages- oder Kunstlicht?

Währenddessen hackte ich natürlich die 7er am hin Ende des Piers. Aber nachdem das Schiff den Hafen verlassen hatte, hätte ich ja langsam mal den Rückzug antreten können. Aber ich musste natürlich der Sucht fröhnen und die 7er (zum größten Teil mir von mir vorgestern dort installierten Heatsinks und Multi-Hacks) noch ausbrennen. Damit nicht genug, fast hätte ich das auch noch mit den vorderen Portalen gemacht, das sind nochmal so sieben Stück, die meisten genauso ausgerüstet, alle Level 7. Der Wind war ziemlich heftig und kalt, und ich hatte weder Haare noch eine Kopfbedeckung vorzuweisen. Außerdem wurde es nun schon dunkel, damit hatte sich der Spaziergang an den anderen Küstenabschnitt auch erledigt. Wenn ich jetzt krank werde, dann bin ich mal selber schuld mit meiner Dummheit.

Immerhin, ich schaffte es dann doch noch, mich loszureißen, bevor ich die letzten Portale zuenede gefarmt („ausgebrannt“) hatte. Also die Potemkin-Treppe wieder hoch. Ich musste eigentlich auch mal auf die Tualet, und zwar schon seit mindestens einer Stunde. Trotzdem ging ich vorher noch schnell einkaufen, dann zurück ins Hotel. Eigentlich hätte ich Lust gehabt, das Abendessen auch im Granat einzunehmen, aber ich hatte meine Einkäufe dabei und so, also zurück ins Hotel. Dort brachte ich nur schnell die Einkäufe aufs Zimmer und beschloss, zum zweiten Mal im Restaurant des Hotels zu essen.

Ich freute mich besonders auf ein rotes Borschtsch als Vorspeise. Dann erkärte mir der gut Englisch sprechender Kellner, es sei gerade just aus. Arrrgh! Frechigkeit! Kein Borschtsch! Naja, ich nahm dann ein einheimisches Bier und Penne mit Käsesoße. War beides ganz gut. Tja, und das war es dann auch schon für heute.

Nun schon einmal die Vorschau für morgen: Das wird etwas schwierig. Denn ich muss hier spätestens 11 Uhr auschecken, aber der Zug nach Sewastopol fährt erst kurz vor Null Uhr. Das bedeutet, ich habe die ganze Zeit sämtliches Gepäck am Hals. Wahrscheinlich werde ich den Tag über in der hiesigen Gastronomie zubringen, es gibt ja genug Läden, in denen ich mich von Getränk zu Getränk hangeln kann. Und wenn es sein muss, von Laden zu laden. Dabei kann ich ja lesen, Karten schreiben, im Netz surfen, die Zeit wird schon herumzukriegen sein.

Nebenbei bemerkt, mehr Kopfzerbrechen macht mir das Timing bei der Rückreise. Denn da komme ich um 4.40 Uhr, also mitten in der Nacht, wieder in Odessa an. Die Alternative wäre eine eine insgesamt 24-stündige Bahnreise, mit einem Aufenthalt von 02:09 Uhr bis 13:08 Uhr in Dshankoj. Geht erst recht nicht. Ich überlege gerade, ob ich zurück nicht doch nur nach Simferopol fahren und von dort aus vielleicht einen Flieger nach Odessa nehmen sollte, muss ich einfach nochmal checken. Könnte gehen, die Frage wäre nur auch hier, was da zeitlich geht – und was der Spaß kostet. Da ich meinen max. Reiseetat, was die reinen Kosten für Flüge und Hotels angeht, locker um 1.000 Euro unterschritten habe, würde ich vielleicht was zwischen 200 und 300 Euro anlegen, um diese Strapazen zu vermeiden. Denn ansonsten heißt es: Irgendwie die Zeit zwischen 4.40 Uhr und 14.00 Uhr Hoteleincheck-Zeit rumzukriegen. Sicher, irgendwann ab acht oder neun kann ich zumindest irgendwo frühstücken und mich mit Kaffee vollpumpen, aber bis dahin muss ich auch erstmal wieder überleben. Ist ja auch nicht ganz ungefährlich, hier irgendwo im Freien wegzupennen oder so – und dann ist ja auch noch die Frage nach dem Wetter… Wenn ich mir bis dahin nicht sowie schon eine amtliche Erkältung eingefangen habe, dann ist das da wahrscheinlich programmiert.

Ich muss mal schauen, ob ich dafür noch eine schlauere Lösung finde. Jedenfalls ist dies vielleicht erstmal mein vorerst letzter Post aus Odessa. Könnte sein, ich schreib morgen noch vom Granat oder wo auch immer aus ein Fazit. Dann geht es auf die Bahn-Tour, und der nächste Post kommt dann erst Freitag, dem 4. Oktober, irgendwann nach dem Einchecken, eher so abends. Ich bin gespannt, was ich dann zu berichten haben werde. Für morgen habe ich mir jedenfalls sicherheitshalber die Zugnummern, Ankunfts- und Abfahrts-Zeiten sowie Namen von Start- (Odessa), Umteige- (Simferopol) und Zielort (Sewastopol) kyrillisch aufgeschrieben. Außerdem habe ich von den Verbindungen (mangels Drucker) Screenshots auf dem iPad gespeichert. Damit sollte ich einigermaßen zurecht kommen. So jetzt noch Bilder aussuchen, hinzufügen und ab ins Bett.

Bis bald!

Nachtrag:
Vorhin dachte ich noch, mein HAMA-USB-Netzadapter mit den zwei Anschlüssen käme in meine Auswahlliste von Equipment, welches sich auf Reisen besonders bewährt hätte. Weit gefehlt… Während ich hier am Blog bastelte, gab es plötzlich ein elektrisch anmutendes „Pfluff“, wie es bei einem Funkenüberschlag klingt. Und es begann, leicht elektrisch zu riechen, nach Ozon mit einer Spur verbrutzelter Halbleiter. Erstmal gecheckt: iPad – okay. eeePC – okay. Anker-Akku – okay. Handy – okay. Licht noch an, was war es denn jetzt? Dann bemerkte ich, dass die LED vom Adapter aus war, ich zog das Teil aus der Steckdose, und es war sehr heiß. Da habe ich dem Ding mit dem iPad und dem Laden des Anker-Akkus wohl doch zu viel zugemutet… Wahrscheinlich ist innen einfach ne Sicherung gekommen. Ich bin froh, dass nix Schlimmeres passiert ist, z.B. dass die ’ne Hotel-Sicherung fliegt oder sogar Feuer ausbricht. Wenn es nur ne Sicherung ist, wäre es reperabel, das Gehäuse ist mit Kreuzschlitzschrauben ordentlich verschraubt.

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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