Marschflugkörper, Streunertiere, und die Senioren-Playback-Show

Puh, ich bin schon wieder ein wenig platt. Da ich zwischendurch mein Schlaufon aus hatte, habe ich kein präzises GPS-Tracking vom Tag, aber ich denke, ich hab so 14 km unter die Füße genommen.

Ich wurde aus dem schönsten Schlaf durch ein Klopfen an die Tür geweckt. Eine Dame vom Hotelpersonal machte mich darauf aufmerksam, dass mein „Do not disturb / Please make up my room“ Anhänger runtergefallen sei. Na, herzlichen Dank, Werteste! Ich verstehe die Ukrainer nicht…

Gut, das hatte einen Vorteil, es war 9.10 Uhr. Ich hätte sicherlich noch weiterpennen können, aber ich beschloss, das inklusive Frühstück zu nutzen. Also Duschen und so weiter, und ab zum Frühstück. Ich hatte nicht viel erwartet und war ein bisschen positiv überrascht. In der Buchung stand „continental breakfast“ und ich weiß, was das in den USA bedeutet. Gut, so doll war das auch nicht, aber es gab neben zwei Sorten Brot, Wurst und Käse und russischen Eiern (hihi) noch Reis (zum Frühstück?), zwei Sorten Salat und Porridge (so eine Grütze aber auch). Wie auch immer, ich frühstückte kurz vor knapp und war dann fertig, mich auf die Socken zu machen.

Gedenkstätte mit Nelken

Eine von so vielen Kriegsgedenkstätten hier in Sewastopol. Gerade hat eine Gruppe Leute, darunter viele Marinesoldaten, einen Haufen Nelken hier hinterlegt.

Der Plan: So lange die Küste erkunden, bis ich irgendwo an eine Stelle käme, wo die Wasserkante dann nicht mehr aus Beton bestünde. Das Hotel ist in der Nähe der einer Bucht, die unter Google Maps als „Pivdenna bay“ bezeichnet wird. Ich hatte gestern schon eine Treppe nach unten in Richung Wasser gesehen. Oben allerdings war eine Gedenkstätte, an der gerade eine Gruppe Leute, überwiegend Marine-Typen in Ausgeh-Uniform, diverse Nelken niederlegte. Ich verweilte einen Moment.

Straycat

Ein noch ganz kleine Streunerkatze, die sich vor mir versteckt hat.

Dann ging ich die Treppe hinunter und entdeckte schnell erste Anzeichen von Schwarzmeerflotte. Es gab sogar rot-weiß-blaue Kräne. Außerdem ein großes Trockendock, zwei große Sanitätsschiffe, einen Seenotrettungskreuzer und auch ein paar bewaffnete Einheiten. Genauer mag ich das aber nicht beschreiben, und Fotos kann ich auch nicht anbieten. Ich habe auf der Seite des Auswärtigen Amtes gelesen, dass die Ukraine es gar nicht gerne sieht, wenn man militärische Einrichtungen fotografiert. Auf Wikipedia kann allerdings jeder lesen, dass die Schwarzmeerflotte unter anderem aus zwei Dieselelektrischen U-Booten und einem Haufen unterschiedlich großer „Raketenschiffe“ besteht. Der Westen bezeichnet sowas als „Lenkwaffen-Kreuzer, -Zerstörer oder -Fregatte“ oder auch als „Flugkörper-Schnellboot“. Wie auch immer, einige der Teile lagen hier rum, aber eher kleinere Einheiten.

Raketenschiff

Ein solches Schiff (NATO-Bezeichnung Slawa-Klasse) gehört auch zur Schwarzmeerflotte. Mit seinen 8 Doppelstartern für SS-N-12 „Sandbox“-Flugkörpern (unter anderem) kann das Schiff mächtig austeilen. Aufgenommen im Marine-Museum.

Ich ging ein wenig am Wasser entlang, mit einem etwas mulmigen Gefühl, weil ich mir nicht sicher war, wo ich mich womöglich aufhalten durfte und wo nicht. Es gab immer mal verblichene Schilder mit für mich unleserlichen Aufschriften, aber wenn Türen und Tore offen waren, dann ging ich auch durch. Denn mal ehrlich, bei einem ernsthaften, militärischem Sperrgebiet wird man ggf. von einem Posten kontrolliert und kann gar nicht überall einfach durchspazieren. Ich hatte immer ein Auge auf die Leute, die ich vor oder auf den Schiffen sah, um beim geringsten Anzeichen von Widerspruch sofort eine defensive Haltung einnehmen zu können. Aber es war wohl alles okay soweit.

Sackgasse

Eine Sackgasse, hier geht es nicht weiter. Offenbar beginnt hier ein militärischer Sperrbezirk, wenn auch recht unscheinbar.

Allerdings stieß ich dann irgendwann doch auf ein Tor, auf dem auch per Piktogramm klar wurde, dass hier der Eingang nicht gestattet war. Sackgasse! Also wieder ein Stück zurück, die nächste Treppe hoch, und oben weiter in Richtung offenes Meer die Küstenstraße entlang. Oben angekommen ging ich dann durch ein Arrangement aus Ankern und Seeminen hindurch. Wie einladend! Ich stand neben einem dieser Gebäude mit griechischen Säulen, von denen es hier so viele gibt. Neben dem Gebäude, quasi „im Garten“, erspähte ich mehrere offensichtlich nicht betriebsbereite Lenkflugkörper, aber auch sehr alte Kanonenrohre und Ähnliches.

Minen und Anker

Minen und Anker

Das Gebäude war ein Marinemuseum. Ich bezahlte 25 Ocken Eintritt plus weitere 15 für die Genehmigung, Fotos machen zu dürfen. Die Ausstellung war chronologisch aufgebaut und begann im Zeitalter der großen Segelschiffe. Ausgestellt waren neben einige alten Geschützrohren viele schöne Schiffsmodelle, Navigationsmittel, persönliche Waffen und anderer Besitz, Karten und viele Büsten und Statuen, vermutlich von Berühmtheiten der russischen Seekriegsgeschichte. Aber neben dieser standen offenbar (die Aufschriften waren nicht auf Englisch verfügbar) viele persönliche Seemann-Schicksale im Vordergrund. Es gab viele Fotos und Briefe zu sehen, offenbar nicht nur von großen Persönlichkeiten, sondern auch von niedrigeren Dienstgraden – und zum Teil auch von deren Frauen. Dieser Stil zog sich auch durch den Rest der Ausstellung. Im nächsten Raum hatte die Dampfmaschine Einzug gehalten, und es gab Modelle von Dampfschiffen mit Hilfsbesegelung (oder umgekehrt) zu sehen. Darauf folgte der erste Weltkrieg und entsprechende Exponate. Im oberen Stockwerk schließlich waren Exponate zur Zeit zwischen den Kriegen und zur Zeit des 2. Weltkrieges zu sehen.

Leninvase

Hm… würde sich auch in meinem Wohnzimmer gut machen. Aber ich hab sie stehengelassen, das könnte sonst auf dem Flughafen zu schwierigen Fragen führen.

Dann gab es noch das kleine Außengelände, hier waren wie gesagt, einige Lenkflugkörper ausgestellt. Das größte Geschoss machte auf mich einen recht modernen Eindruck (was aber auch 60er-Jahre bedeuten kann). Es handelte sich um ein Turbofan-getriebenen Flugkörper (man könnte durch die Austrittsdüse die Turbine erkennen, außerdem gab es einen großen Lufteinlass), der für die Startphase zusätzlich zwei Boosterraketen an der Seite hatte. Die Stummelflügel des Marschflugkörpers waren abgeklappt. Es gab weitere Flugkörper, einer davon schien mir in etwa die Entsprechung des amerikanischen „Regulus“-Marschflugkörpers zu sein, ein russischer Marschflugkörper der 1. Generation.

Marschflugkörper

Dieser Marschflugkörper sieht mir stark nach dem russischen Pendant des amerikanischen „Regulus“-Geschosses aus. Diese Dinger waren meines Wissens die ersten, nuklear bewaffneten Flugkörper, die von U-Booten aus abgeschossen werden konnten. Die Russen hatten bald was ganz Ähnliches.

Außerdem gab es hier noch alte Kanonenrohre, Anker und Flugabwehrgeschütze zu sehen. Hier schlich auch eine junge Dame herum, die mir auch ganz interessiert schien und eifrig Fotos machte – offenbar nicht der gelangweilte Anhang eines Marineenthusiasten. Ich hatte vage mit dem Gedanken gespielt, sie anzuquatschen, aber – warum auch immer – ließ ich es. Die wäre nach einer ehemaligen Tanzkollegin die erste Frau, die ich kenne, die sich für soetwas interessiert.

Lenkflugkörper

Lenkflugkörper, links ein Marschflugkörper mit Turbojet-Antrieb.

Nun, weiter ging es, immer Richtung Norden, an der Küste entlang. Zuerst sah ich eine riesige Gedenkstätte, deren Gestaltung irgendwie typisch sovietisch war, jedenfalls wenn ich die Bilder, die ich aus Geschichtsbüchern kenne, zugrunde lege. Es gabe endlose Tafeln mit Namen, und einzelne Anordnungen für, wie mir schien, die verschiedenen Waffengattungen. Außerdem waren dort die Jahreszahlen 1941 – 1942 zu lesen, dieselben Jahre spielten auch schon im Museum eine Rolle. Ich bin ich Geschichte nicht bewandert genug, um damit etwas anfangen zu könnten, und die Texte konnte ich ja nicht lesen – aber es ging auf jeden Fall natürlich um den Krieg gegen die Deutsche Wehrmacht. Soviele Namen… soviele verlorene Söhne, Ehemänner, Freunde. Und es passiert immer noch und immer wieder.

Kriegsgedenkstätte

Große Kriegsgedenkstätte. Die martialische, sehr kantige Darstellung rechts oben dran erinnert mich sehr an Bilder über die Sovietunion aus Geschichtsbüchern.

Wie schön wäre es, wenn man alle Kriegswaffen einfach in Museen stellen könnte. Idioten wie ich mit einem Interesse für den Schrott könnten sich alles ansehen, und niemand käme mehr zu Schaden. Aber ob bei den Amis oder bei den Russen – und wahrscheinlich überall – wird der Krieg auf eine Art und Weise leider immer noch zelebriert im Sinne von Heldentum und Männlichkeit. Bescheuert. Ich sah dann noch zwei aktive Marinesoldaten, die ihre Mützen abnahmen und eine Weile innehielten. Ob sie wohl hofften, nicht als Name auf einer Tafel zu enden? Oder gar das Gegenteil?

Kreuzfahrtschiff "Minerva"

Na, gibt es auch hier in Sewastopol ein „Kreuzfahrtschiff des Tages“? Hier die 133m lange „Minerva“ der Arctic Adventure and Cruise Shipping Ltd.

Ich ging weiter und gelangte an so eine typische Touri-Meile mit Souvenir-Shops und Außengastronomie ohne Ende. Natürlich war jetzt, außerhalb der Saison, hier nicht viel los. Ich bummelte da durch, machte Fotos von der Küste, erstand eine überteuerte Flasche Wasser (was bedeutet, umgerechnet knapp 1 Euro) und zog weiter. Ich überlegte, ob ich nicht irgendwo mittagessen sollte, aber ich war unschlüssig und hatte keine rechte Lust. Ich hatte noch einen Apfel und einen Müsliriegel und war irgendwie gerade so gut unterwegs. Die Entfernungen waren kleiner, als ich sie nach der Bikecomputer-Karte eingeschätzt hatte. Also lieber weiter, immer weiter, bis vielleicht mal irgendwann der Beton zuende ist.

Maritime Kulisse

Maritime Kulisse

Irgendwann kam ich direkt am Wasser nicht mehr weiter, also ein Blick auf die digitale Karte, und Kurs ein wenig landeinwärts. Und dann wieder in Richtung Wasser. Dabei kam ich an ein paar recht verfallenen Gebäuden vorbei, mit Mauern und Stacheldraht und Schildern, die nach „Alles verboten!“ aussahen. Und einem Tor mit einem Emblem, auf dem die Flagge der russischen Kriegsmarine (blaues Kreuz auf weißem Grund) mit einem Anker und zwei gekreuzten Raketen zu sehen war. Tja, offenbar eine Einrichtung, die mit den Raketenbestückten Einheiten zu tun hatte. Bloß weiter…

Küste mit Skulptur

Endlich! Ein Stück (fast) unberührter Küste – Wasserkante ohne Beton. Aber was ist das da oben halblinks?

Und dann hatte ich mein Ziel erreicht: Endlich mal ein Stück Felsenküste ohne Beton. Ich konnte mir die schroffen Kanten ansehen, wo das Wasser schon reichlich an der Küste genagt hatte, die Brandung begucken, lehmigen Schleichpfaden folgen und über Steine klettern. Oben sah ich eine imposante, riesige und auch ein bisschen furchteinflößende Skulptur. Es waren zwei riesige Soldaten, einer sah nach Heer, der andere nach Marine aus, die mit ihren Waffen und grimmiger Miene Richtung Meer stürmten. Nun, das Bild sagt ja alles.

Soldatenskulptur

Leider sieht man wegen der Lichtverhältnisse nur die Konturen der Soldatenskulput, aber es sieht bedrohlich genug aus. Schiffe, die sich Sewastopol nähern, können das kaum übersehen. Da bekommt man schon Angst vor den Russen, aber das ist wahrscheinlich auch die Absicht gewesen.

Ich kletterte da hoch und machte meine Fotos. Ein paar Jugendliche hatten aus Spaß den Sockel erklommen, auf dem die Skulptur stand. Auch ich spielte kurz mit dem Gesanken, aber ich wollte da nicht stören. Von dem Standort hatte man einen ganz guten Blick auf das Meer und Teile der Stadt. Ich habe es noch nicht erwähnt, aber die Stadt ist recht hügelig, weshalb man von diesen Anhöhen aus teilweise einen ganz guten Blick hat.

Felsenküste

Felsenküste

Gut, ich hatte mein Stück naturbelassene Küste gesehen und auch sonst so einiges. Also mal Zeit für den Rückweg, wie ich befand. Auf meinem Weg über Lehmpfade begegneten mir drei bellende Hunde, von denen ich nicht sicher war, ob sie irgendwem gehörten oder Streuner waren. Allzu angriffslustig waren die aber zum Glück nicht. Ich hatte in Odessa auf Spiegel-TV so einen Beitrag über teilweise gefährliche, streunende Hunde in, ich glaube, Rumänien, gesehen. Und auch sowohl in Odessa als auch hier so einige Tiere, die ohne menschliche Begleitung unterwegs waren. Katzen gab es auch wieder in allen Farben, nicht so viele wie in Israel, aber schon so einige. Die finde ich ja eigentlich immer eher ganz nett. Ich mag Katzen. Ich mag eigentlich auch Hunde, aber im Zweifelsfalle finde ich Katzen weniger bedrohlich.

Ich stieß wieder auf eine befestigte, naja, sagen wir mal in Ermangelung eines besseren Wortes, Straße und folgte der digitalen Karte. Und dachte gerade darüber nach, dass bisher alle Hunde, denen ich begegnet war, recht friedlich gewesen waren. Und da stürmten dann just zwei Schäferhundformatige Viecher bellend und mit sehr vielen Zähnen bewehrten Mäulern auf mich los. Da war allerdings ein Mann in der Nähe – keine Ahnung, ob der mit den Hunden zu tun hatte. Glücklicherweise habe ich zwar gebührenden Respekt, aber nicht übermäßig viel Angst vor Hunden. Weglaufen ist nämlich in so einer Situation nach dem, was ich weiß, keine so gute Idee. Ich weiß, dass ich größer und stärker bin als so ein Vieh. Und dass ich im ZWeifel so einem Tier auch weh tun kann – ein kräftiger Stoß mit dem Handballen auf die empfindliche Nase eines Hundes lässt normalerweise mindestens jeden Angriffswillen erlahmen. Aber so weit muss es ja nicht kommen. Ich legte langsam den Rückwärtsgang ein und ließ die Viecher nicht darüber im Unklaren, was ich von ihrem Verhalten hielt. Vermutlich verstanden die nur Russisch oder Ukrainisch, aber entscheidend ist da der Tonfall, der ist international. Jedenfalls blieben die Viecher auf Distanz und verzogen sich wieder, als ich mich langsam entfernte. Uff, nochmal gut gegangen. Katzen sind mir doch lieber.

Also ging ich einen anderen Weg und stieß wieder auf die Straße, die ich schon auf dem Hinweg zum Wasser genommen hatte. Ih hatte übrigens im Marinemuseum mein Handy ausgeschaltet, daher war das GPS-Tracking bis dahin gelöscht, und so auch meine digitalen Brotkrumen zum Hotel. Aber ich hatte ja die digitale Karte und wusste ungefähr, wo da das Hotel war. Ich bin eine absolute Navigations-Niete, aber mit den heutigen Hilfsmitteln komme sogar ich zurecht. Also wandelte ich auf immer urbaner werdenden Betonpfaden wieder Richung Innenstadt, erreichte eine Hauptstraße, bog noch einmal ab, und dann kam mir die Gegend schon wieder vom vergangenen Abend her bekannt vor.

Und richtig: Apotheken, Bierverkaufsstellen und Stripclubs überall. Ich erreichte den kleinen Markt, wo ich schon am Vortag eingekauft hatte und kaufte dort Bier und Gebäck. Danach machte ich mich auf den Weg ins Hotel, welches ich kurz vor 17 Uhr Ortszeit (eine Stunde später als Deutschland) erreichte.

Hotel Ukraine

Hotel Ukraine – für heute reicht’s.

Ich erklomm die Stufen bis zum fünften Stock (den Aufzug benutze ich nur, wenn ich meine quietschorangene Hartschale bei mir habe) und merkte die vielleicht so 14 km im Fahrwerk. Mist, ich werde alt. Es war noch viel zu früh zum Abendessen. Aber ich hatte ja noch den Blogeintrag des Vorabends zu schreiben, was ich dann auch tat. Ich tippte das Ding im Zimmer und ging dann zur Sitzecke beim Treppenhaus, wo ich WLAN nutzen konnte. Hier konnte ich den Text hochladen und Bilder hinzufügen. Ich checkte noch meine E-Mails und las ein paar Artikel auf NOZ.de.

Schließlich war es fast 19 Uhr, Zeit zum Abendessen. Ich hatte erwogen, den Pizzaladen in der Nähe aufzusuchen, beschloss aber, ins Restaurant des Hotels zu gehen. Keine so richtig gute Idee, wie sich herausstellte. Alle Tische bis auf einen waren besetzt, also nahm ich den Tisch. Ich habe zu spät realisiert, dass dieser fast unmittelbar vor den Lautsprechern eines älteren Zeitgenossens stand, der Musik von seinem Laptop abspielte und dazu sang. Und das LAUT. Bevor ich – und da bekenne ich meine Entscheidungsschwäche im richtigen Moment – mich absetzen konnte, hatte ich schon Bier und Pasta mit Lachs bestellt. Und da saß ich nun mitten im Beschallungskorridor. Zugegeben, der Mann konnte in der Tat singen, soviel bekam ich mit. Die Musik war tanzbar, vorausgesetzt, man war deutlich Ü-50 und Russe oder Ukrainer. Und so fand sich auch bald ein erstes Paar auf der „Tanzfläche“ zwischen meinem Tisch und dem Rest des Restaurantes ein. Weitere folgten, bis es sechs Paare waren. Andere Gäste verließen das Lokal, allerdings nicht, ohne dem Beschaller noch Komplimente und Geldscheine zuzustecken. Ich fürchtete derweil arg um mein Gehör.

Als meine Pasta kam, war allerdings ein Tisch etwas weiter weg freigeworden, und folgte nur zu gerne der Empfehlung der Bedienung, diesen zu wählen. Es war immer noch laut. Während ich meine Tagliatelle verzehrte, beobachtete ich die ausgelassenen, älteren Paare auf der Tanzfläche (ehrlich gesagt, ein bisschen neidisch – ich wäre auch gerne ausgelassen und in Gesellschaft). Als die Musik dann schneller wurde, begannen die Leute, regelrecht abzuhotten. Ich sah nur zu, dass ich meine Nudeln aufaß, mein Bier austrank, die Rechnung bezahle und Land gewann.

Tja, und das war dann auch schon mein Tag hier. Jetzt ist es viertel nach elf abends, und ich bin schon wieder recht müde. Also Fotos zum Text aussuchen, und ab mit dem Kram ins Netz – natürlich nicht vom Zimmer aus.

Bis bald!

Nachtrag:
Mann, war das nervig! Unten an meinem Stamm-Blog-Platz saßen zwei Matruschkas beim Weißwein. Da wollte ich nicht stören. Jetzt habe ich tatsächlich über eine Stunde auf der blöden Treppe gehockt, Bilder hochgeladen, beschriftet und den ganzen Kram fertiggemacht. Menno!

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
Dieser Beitrag wurde unter Sewastopol veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s