Rummelplatz ohne Rummel, Ukraine-Blues und Kaffee-Profis

Ich wachte um 09.30 Uhr auf. Hm… ich schlafe doch so gerne… Konnte mich erst nicht so richtig entscheiden. Frühstücken oder nicht? Kurz vor knapp ging ich Ferkel dann doch noch ungeduscht zum Hotelfrühstück. Wow – es gab heute nicht Reis, sondern unter anderem gebackene Kartoffeln und Nudeln zum Frühstück. Wie ein Freund mir unlängst schrieb: Andere Länder, andere Fritten. Außerdem gab es Omelette – nun, der Unterschied zwischen Omelette und Rührei ist fließend, aber ich mag beides. Hauptsache, Ei! Ich schaufelte mir einen Teller voll mit Protein- und Kohlehydrat-Trägern (und sogar ein wenig Grünzeug dabei…) und nahm ein paar Scheiben Brot mit Schinken und Käse und ne Tasse Tee mit an einen Tisch. Kein WLAN. Hm. Das erreichbare Level-6-Portal muss warten (ist übrigens das Hotel selbst).

Riesenrad-Zeichnung

Eine Art Montagsmaler-Zeichnung des Riesenrades auf dem iPad. Auch eine Möglichkeit, zu kommunizieren. Dahinter ein Zettel mit den Bildern von heute, die ich für den Upload in den Blog ausgewählt habe.

Nach dem Frühstück surfte ich im Foyer mit dem iPad auf Google Maps herum. Ich hatte hier bei der Anreise aus dem Taxi ein Riesenrad gesehen, das suchte ich nun mit der Satellitenansicht auf Google Maps. Ich fand es nicht. Also malte ich ein Riesenrad mit einem Fragezeichen auf mein iPad, zeigte es dem Rezeptionisten und ließ mir den Weg auf der Google Karte zeigen. War keine Sache – angeblich nur 5 Minuten zu Fuß, also um die Ecke, aber immer schön bergauf. Aha. Danach ging ich auf mein Zimmer, um ein bisschen klar Schiff zu machen.

Riesenrad

Ziel in Sicht – das Riesenrad

Also, ich wollte auf jeden Fal mit dem Riesenrad fahren, in Odessa habe ich das ja nicht auf die Reihe bekommen. Nun, ich habe ja noch Aufenthalt dort, vielleicht mache ich es ja noch. Dann hatte ich mir auf Google Maps noch angesehen, wo die Russen ihre größeren Raketenschiffe geparkt haben. („Raketenschiff“, das klingt für mich eher nach Flash Gordon als nach Marine. Als wären die Raketen Antrieb und nicht Bewaffnung.) Das ist deutlich zu sehen, ebenso, was für Schiffe das sind. Auch die Schiffe, die ich gesehen habe,lagen auf Google Maps genau auch dort, wo ich sie gesehen hatte, zumindest die interessanteren. Um in die Nähe der Liegeplätze zu kommen, musste ich erstmal auf die andere Seite der Piv’denna Bucht (oder wie diese Darmzotte, an der ich hier residiere, auch immer heißt), und dann ganz hoch ans Ufer der Sewastopol-Bucht. Auf der anderen Seite von dort aus gesehen waren die Parkplätze der Schiffe, die mich interessierten. Wie ich dann da noch rüber käme… mal sehen, vielleicht auch gar nicht. Um erstmal auf die andere Seite der Piv’denna zu kommen, könnte ich entweder Richtung Norden gehen und eine Fähre nehmen, oder Richtung Süden, die Südspitze umrunden und dann auf der anderen Seite ganz hoch laufen. Das war vage der Plan, und dabei schon mal einen Blick auf den Bahnhof werfen, der ziemlich genau an der Spitze der Piv’denna liegt. Übermorgen geht es ja von dort aus zurück – hoffentlich.

Aber erst einmal zum Riesenrad. Dieses lag oben auf einem der Hügel im sogenannten Panorama-Park. Hier angekommen kam ich ersteinmal auf einen großen Platz, der von Andenkenläden und Schautafeln zur Geschichte der Stadt geprägt war. Ich konnte natürlich nichts lesen, aber die Bilder zeigten, was ich schon so mitbekommen hatte – die Stadt hat so einiges an Krieg erlebt. Ich hatte schon gelesen, dass der Krim-Krieg einen ziemlichen Trümmerhaufen hier hinterlassen hat. Krim-Krieg? Keine Ahnung, habe ich im Geschichtsunterricht nicht gehabt (oder geschlafen, was mindestens genauso wahrscheinlich ist). Aber ich glaube, das werde ich auf Wikipedia mal recherchieren. Wird auch mal Zeit, dass ich wieder mal was an den Verein spende…

Rundes Gebäude

Rundes Gebäude im „Panorama-Park“. Keine Ahnung, was drin ist.

Außerdem gab es ein riesiges Gebäude mit rundem Grundriss und großer Kuppel. Ich hatte keinen Schimmer, was das war, mir fehlte gerade auch die Neugier, mal reinzugucken – was mich im Nachhinein ärgert. Stattdessen ging ich weiter zum Riesenrad. Dies stand auf dem Gelände eines kleinen Freizeitparks. Rummelplatz, wie man das in meiner Kindheit in Schleswig-Holstein, wo ich da gewohnt habe, genannt hat (auch wenn damit eher ein Jahrmarkt, keine dauerhafte Einrichtung gemeint war). Nur… es fehlte jeglicher Rummel. Bis auf das Riesenrad stand alles still, es waren kaum Leute unterwegs. Die Fahrgeschäfte selbst waren, verglichen mit einem Jahrmarkt bei uns, ziemlich schmucklos, wenig Beleuchtung, wenig Deko, die Farben verblasst. Allerdings fällt mir gerade ein, dass das bei so einem Top-Spin und ähnlichen Fahrgeschäften im Heide-Park Soltau eingentlich nicht anders ist, nur auf Jahrmarkten sind die schöner gestaltet.

Stillstehende Fahrgeschäfte

Alle Räder stehen still, wenn das Wetter es so will – Fahrgeschäfte vom Riesenrad aus fotografiert.

Geöffnet schienen die meisten Fahrgeschäfte aber durchaus zu sein. Es gab aber nur Musik bei einem. Es war fast ein wenig gruselig. Immerhin, das eine Fahrgeschäft neben dem Riesenrad drehte mit zwei Besatzungsmitgliedern (vermutlich Vater und Tochter) ein paar Runden. Am Schalter beim Riesenrad machte mir die Frau deutlich, dass ich an der Kasse ein Ticket zu erwerben hatte. An der zentralen Kasse konnte man für alle Fahrgeschäfte die Legitimation zur Fahrt erwerben. Ich deutete nur auf das Riesenrad und erwarb für 15 UAH einen Fahrschein. Wenn ich das richtig verstanden hatte, für eine Runde.

Katze an der Kasse

Eine Katze an der Kacca – möchte die auch Riesenrad fahren? Dann wären wir zumindest zu zweit…

Ich ging zurück zum Riesenrad, die Frau ließ mich lächelnd passieren. Das Riesenrad drehte sich permanent, aber so langsam, dass man jederzeit in die Gondeln ein- oder aussteigen konnte, was ich umgehend tat. Also, einsteigen, natürlich. Riesenräder und ich, dass ist so eine Sache. Als Kind hatte ich irgendwie Angst vor den Dingern. Es gab eine Epidode mit einem Riesenrad in der Sesamstraße, die mich als Kind aus welchem Grund auch immer in Angst und Schrecken versetzt hat. Seit jenen Tagen ist „Nicht das mit dem Riesenrad“ als Kinderzitat von mir, welches von meinen Eltern gerne schmunzelnd rezitiert wird, was ihnen auch ausdrücklich vergönnt sei. Und heute? Nun, ich habe vor Höhe schon Respekt, aber nicht wirklich Angst. In meinen besten Tagen konnte ich auf dem Pont du Gard in Frankreich bei Orange (knapp 50m hoch über der Rhône) am Rand sitzen und mit den Beinen baumeln. Aber bei einem Riesenrad, welches vermutlich noch aus der Zeit stammte, als die Russen Gary Powers vom Himmel geholte haben (ich übertreibe ganz sicher), einer Maschine mit beweglichen Teilen und so… Ich habe bei Fahrgeschäften bei uns schon immer ein wenig Schiss, vor allem, wenn es hoch geht. Und dann hier, wo man immer so ein wenig die Auswirkungen des Kommunimus auf die Qualität so ziemlich aller Produkte im Hinterkopf hat, nun ja… Aber andererseits, auch hier wird es Sicherheitsbestimmungen geben, und es ist ja einfach nicht so, dass hier alle Nase lang Flugzeuge abstürzen, Züge verunglücken oder Riesenräder einstürzen würden.

Pivdenna bay mit Zoom

„Pivdenna bay“ von oben mit Zoom. Was kann denn ich dafür, wenn die Russen ihre U-Boote in meinem Panoramabild abstellen…

Nun, hoch ging es. Und eröffnete neue Perspektiven zum Fotografieren. Es war auch, wie in einer gewissen Höhe zumeist, etwas windig und kalt. Im Ohr hatte ich Donald Fagans „New Frontier“:
„yes, we’re gonna have a wing-ding.
A summer-smoker underground.
It’s just a dug-out that my dad built,
in case the Reds decide to push the button down…“

Ich knipste also, was das Zeug hält, die Bucht und in die anderen Himmelsrichtungen. Dann ging es wieder runter. Ich glaube, ich war der einzige Passagier. Nachdem ich ausgestiegen war, ging ich an den verwaisten Fahrgeschäften vorbei zum Ausgang.

Westfiguren

Oha! Allen Geschützen, Raketenschiffen und Statuen mit Abschreck-Gebärden zum Trotz hat hier der Klassenfeind deutlich Einzug gehalten – in Form der sieben Zwerge, Winnie the Puh, der Simpsons, einer Ninja-Turtle, Tom und Jerry, Biene Maja und einiger anderer Disney-Figuren.

Irgendwie deprimierte mich die Atmosphäre. Alles grau und schmucklos und nichts los. Wahrscheinlich steppt im Sommer der Bär. Immerhin war ja Sonntag, also hatten die meisten Leute sicherlich frei. Aber es war grau und kalt, nicht gerade einladend für einen Familienausflug in einen Freizeitpark. Immerhin, ich hatte Operation Riesenrad erfolgreich absolviert.

Vorderlader-Kanone

Anker, Kanonen, Kanonen, Anker… immer das Gleiche…

Ich ging auf einem anderen Weg zurück. Unterwegs kam ich an einer uralten Geschützstellung vorbei, die alten Vorderladerkanonen waren nicht Richtung Bucht, sondern landeinwärts gerichtet. Hm. Hatte vielleicht mit dem Krim-Krieg zu tun. Mal bei Gelegenheit recherchieren, ob der Technologiestand zeitlich zum Geschehen passt. Ich kam wieder zu dem Platz mit dem großen, runden Gebäude und verließ denPark.

Bahnhof Sewastopol

Bahnhof Sewastopol

Ich ging die Straße wieder runter, bis ich im Prinzip schon fast wieder beim Hotel war und ging dann hinter dem „Kaffee/Bier/Sex“-Komplex in der Nähe des russischen Theater die Treppe runter Richtung Hafen. Ich folgte dann der Straße weiter runter und folgte dann meiner Bikemap-Karte auf dem Schlaufon bis zum Bahnhof. Ich überquerte die Gleise über eine Brücke und betrat dann das Bahnhofsgebäude. Es gab, wie auf anderen Bahnhöfen auch, einen Warteraum mit diversen Stühlen, eine Information und die Ticket-Schalter. Es war einer von vielleicht sechs geöffnet, und davor war wieder eine Schlange. Aber es war wenigstens nicht so ein Gewusel wie in Simferopol. Und ich Idiot hatte meinen Zettel, auf dem ich Hin. und Rückfahrt auch in kyrillischen Zeichen notiert hatte, im Hotel gelassen! Also eine eher wertlosen Aktion am Bahnhof.

Hm… Ich überlegte immer noch, eventuell die Alternativ-Lösung für den Rückweg zu wählen. Das wäre ein Flieger von Simferopol über Kiev nach Odessa. 211 Euro wären okay dafür, aber… der Flieger geht ab 07.00 Uhr. Das bedeutet, ich müsste wahrscheinlich so um vier Uhr hier aufstehen, um fünf auschecken… geht das überhaupt? Müsste ich erst noch checken. Wäre interessant, was Ukrainian Airways so auf Inlandflügen für Vögel einsetzt. Wäre ja schon interessant, mal mit einer Illushin oder Tupulew zu fliegen.

Streuner im Bahnhof Sewastopol

Streuner im Bahnhof Sewastopol

Ich verließ den Bahnhof. Nebenan war gleich ein großer Busbahnhof, wahrscheinlich konnte man von da was weiß ich wohin überall fahren. Wenn nur nicht immer mein Kommunikationsproblem wäre – irgendwie demotivierte mich das immer wieder, nach irgendetwas zu fragen. Erfolglos zu versuchen, mich verständlich zu machen oder verständnislos den russischen / ukrainischen Monologen zuzuhören frustrierte mich immer wieder, weshalb ich diese Erfahrung auch auf ein Minimum beschränkte. Ich weiß, am Anfang habe ich noch ganz andere Töne angeschlagen. Ich komme ja auch leidlich zurecht, aber es macht mir einfach keinen Spaß.

Eisenbahngeschütz

Eisenbahngeschütz in der Nähe des Bahnhofs – eindeutig dem zweiten Weltkrieg zuzuordnen. Soweit ich weiß, hatte die deutsche Wehrmacht auch sowas.

Ich ging weiter auf der – von meinem Hotel aus gesehen – anderen Seite der Bucht Richung Norden. Hauptstraße, schmucklose Gebäude, Abgaswolken, alles grau in grau. Immer mehr machte sich bei mir wieder einmal die „Was zum Geier mache ich hier eigentlich?“-Einstellung breit. Ich schaute auf meine Bikemap-Karte. Weil die Bahnlinie zwischen mir und der Bucht lag, konnte ich nicht an die Wasserkante. Und das eigentlich bis zum nördlichen Ende der Bucht, wo diese in die Sewastopol-Bucht übergeht. Ätzend. Und da hatte ich die Schnauze dann einfach voll. Keine Lust mehr. Ich machte etwas abseits, zwischen Hauptstaße und Bahn, eine kleine Pause, mampfte ein bisschen was vom Gebäck des Vortages, welches ich mitgenommen hatte, trank etwas Wasser, beobachtete einen friedfertigen Streunerhund – und schlug die Gegenrichtung ein.

In der Nähe des Bahnhofs betrat ich einen der vielen kleinen Märkte, um schon mal die Bierration des Tages zu erwerben, vielleicht noch Wasser und Süßigkeiten dazu. Ich schnappte mir vier Flaschen AbBiBCCbKe 1715 und wollte eigentlich noch andere Sachen kaufen. An der Kasse lagen so Gebäckstücke, die wie Berliner aussahen. Aber ich wurde von einem älteren Mann unterbrochen, der mich mit wenigen verbliebenen Zähnen anlächelte und wissen wollte, woher ich käme. Hm – ich gehe da ja mittlerweile automatisch in die Defensive. Der Mann sprach aber ein paar Brocken Deutsch, auch Englisch, und war sehr freundlich. Irgendwann sprach er von Schnaps, eines der deutschen Worte, die der Russe und Ukrainer wohl offenbar am wahrscheinlichsten im Wortschatz hat, wenn ich die Geschichten anderer Reisender (vor allem meiner Mutter) in diese Regionen richtig deute. Ich sagte automatisch „Ni“ (ukrainisch für „Nein“, russisch wäre bekanntlich „Njiet“). Es war nach meinem Dafürhalten noch nicht die Zeit für starken Alkohol. Genauso deutsch wie die automatische Defensivhaltung – und dazu bin ich ohnehin leider die meiste Zeit ziemlich unentspannt hier. Nun, der Mann ließ sich nicht beirren und orderte bei der Frau an der Kasse Schnaps, den diese aus einem Plastikbehälter an der Rückwand in zwei Plastik-Pinnekens zapfte. Nun denn. „Sa sadorowje!“, sagte ich, was wohl wieder eher russisch ist und wohl „Auf die Gesundheit“ bedeutet oder so. Als Touri hätte laut Reisefüher auch das ukrainische „Bud’ymor“ (was einfach nur „Prost“ bedeutet) ausgereicht. Wie auch immer, wir kippten gemeinsam den Drink. Der gute Mann erzählte mir alles mögliche, ich verstand einige Brocken. Er hatte eine Plastiktüte mit drei von diesen Berliner-ähnlichen Gebäckstücken dabei und bot mir auch davon an. Ich nahm eins, und es war sehr lecker. Es enthielt anstatt Marmelade eine Vanillecreme, was ich ja eher noch besser finde. Er bot mir noch mehr davon an, aber ich lehnte höflich ab und bereitete den Ausstieg vor. Es gab herzliche Abschiedsworte von beiden Seiten und einen sehr kröftigen Händedruck. Nun, das war mal eine angenehme Erfahrung trotz meiner Verklemmtheit – genau soetwas wollte ich ja gerne erleben. Pluspunkt für die Leute hier!

Profi-Kaffee

Pinien-Kern-Kaffee mit Topfpflanze oben drauf. Ich möchte den Kaffee-Vollautomaten sehen, der sowas hinkriegt…

Trotzdem war ich immer noch eher schlecht gelaunt. Ich erklomm die Straße und die Treppe Richtung Hotel, ich wollte mir den Rest des Tages einfach mal „frei vom Urlaub“ nehmen. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber was soll’s. Unterwegs kam ich wieder am „Kaffee/Bier/Sex“-Komplex vorbei. Das „Kofein“ sah im Moment einladend (alleine der Name ist ja schon sehr verheißend) aus – mein letzter Kaffee war ja irgendwie wohl noch in Odessa gewesen. Also rein da. Wow. Man nahm mir die Jacke ab und brachte mir eine englischsprachige Karte. Es gab ohne Ende Kaffeespezialitäten, alleine die unterschiedlichen Kaffeesorten (im Sinne von Bohnen bzw. deren Ursprungsland) war beeindruckend. Natürlich gab es auch die diversen internationalen Zubereitungsarten inklusive der amerikanischen, kalten Kaffeevarianten über die italienischen und österreichischen Klassiker bis hin zum „Soviet Coffee“ (vermutlich mit Schießpulver oder so). Ich nahm einen „Pine Nut irgendwas“ und ein Thunfischsandwich. Die Bedienung stellte, nachdem ich bestellt hatte, eine Sanduhr auf den Tisch. Witzige Idee, vielleicht steckt mehr dahinter, z.B. dass man Preisnachlass bekäme, wenn man seine Sachen nach Ablauf der Uhr noch nicht hätte oder so. Das „Kofein“ war nicht sehr gut besucht – wie alle Läden hier offenbar, und ich bekam meinen Cappuccino und mein Sandwich sehr sehr schnell und lange vor dem Ablauf der Sanduhr. Das Getränk war schon optisch sehr schick – die haten es hier raus, aus dem Milchschaum und der Crèma ein Bild einer Topfplanze auf die Kaffeeoberfläche zu zaubern. Was mich dann überraschte (vielleicht hatte ich das auf der Karte nicht genau genug gelesen), waren die Pinienkerne in dem Kaffee. Ich hatte mit einem solchen Aroma, aber nicht wirklich mit Nüssen in meinem Kaffee gerechnet. Aber was soll’s, es war ungewöhnlich für mich, aber ich mag Pinienkerne. Das Sandwich war ebenfalls gut. Super Laden, super Kaffee, super Service. Da muss ich unbedingt noch wenigstens einmal während meines Aufenthaltes hier hin.

Hotel Ukraine

Hotel Ukraine – für heute reicht’s.

Etwas versöhnlicher gestimmt überquerte ich die Straße und war wieder beim Hotel. Dennoch – ich wollte eigentlich nur noch lesen und/oder schlafen, abends was essen und Blog schreiben. Ich surfte noch ein wenig im Netz und haute mich dann auf’s Ohr bis ca. 18.30 Uhr.

Ich fand, dass es noch ein wenig früh zum Abendessen war und ging wieder in eine Wi-Fi-Zone, las ein paar Artikel auf NOZ.de, checkte Mails und so weiter. Dann ging ich ins „Santorini“, das ist der Grieche hier direkt beim Hotel, wo ich schon am ersten Abend gegessen habe. Ich bestellte Souvlaki, vergass allerdings, noch seperat Fritten zu ordern. Hm, hauptsache Fleisch – mit ein wenig Salatdeko und etwas Brot. Nach der Empfehlung einer Freundin, gegen das Alleinesein bei Mahlzeiten etwas zu lesen mitzunehmen, hatte ich mein „Irgendwer-hackt-das-europäische-Stromnetz-und-legt-ganz-Europa-lahm“-Buch dabei. Ist wirklich sehr, sehr spannend, aber auch gruselig, weil man sich unweigerlich fragt, ob das Szenario wirklich so weit weg von der Wirklichkeit liegt. Man gut, dass ich noch nicht so weit gelesen hatte, als in Odessa der Strom ausfiel. Insbesondere, wenn man gerade unterwegs in einem fremden Land ist und sich dabei denkt, wenn das genau jetzt passierte, käme ich vielleicht nie wieder nachhause… Ich verleihe das Werk gerne, wenn ich es durchhabe, aber ich sollte mir noch genug davon für die Zugfahrt und die Wartezeit zwischen Ankunft und Einchecken ins Hotel in Odessa aufbewahren. Auch, wenn ich noch ein zweites Buch dabeihabe.

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Ich überlegte, nach dem Souvlaki noch Apple Pie mit Vanilla Icecream zu ordern, weil es so schön warm und gemütlich, das Buch spannend und die Hintergrundmusik (Sadé) angenehm war. Aber ich beließ es bei einem abschließenden Cappuccino, blieb aber noch dementsprechend ein paar Seiten. Danach ging ich, obwohl ich meine Biervorräte bereits ergänzt hatte, noch in den Markt meines Vertrauens, weil meine Wasservorräte hingegen schon sehr übersichtlich geworden waren. Leitungswasser ist hier lt. Auswärtigem Amt kein Trinkwasser. Danach also ins Hotel, Blog schreiben und Feierabend.

Bis bald!

Nachtrag:
Also, beim Lesen im Buch beim Griechen fand ich die zwei Bahntickets, die als Lesezeichen darin lagen. Zwei Bahntickets. Ich habe mich immer schon vage gefragt, wozu das zweite wäre. Aber wie meine Töffeligkeit und „just-in-time“-Management nun mal so wirkt, mir fiel das zweite Ticket erst jetzt wieder in die Hände. Ich beschaute es mir genauer und kapierte, dass mir die Dame am Schalter in Odessa zwar nicht die Fahrt von Odessa ganz bis Sewastopol, sondern nur bis Simferopol verkauft hatte, aber immerhin ein Rückfahrticket von Dschankoj nach Odessa am 8.10. ab 18:45, Ankunft Odessa 04:40 Uhr. Ich muss mich also nur um das Ticket nach Dschankoj kümmern, und das mache ich morgen, also nicht erst am Abfahrtstag.

Nachtrag 2:
Als ich hier saß, um die Bilder und den Text zu veröffentlichen, erschienen wieder die beiden Matruschkas von gestern, um sich hier eine Flasche Rosé einzufädeln. Meine Anwesenheit schien sie nicht zu stören, was auch absolut okay für mich ist – so rum. Ich hatte mir auch ein AbBiBCbKE 1715 mitgebracht und stieß mit ihnen an. Bud’ymor!

Nachtrag 3:
Es ist mittlerweile 01:35 Uhr Ortszeit. Die Matruschkas waren zwischendurch verschwunden. Nun sind sie wieder da, mit einer neuen Flasche Wein, die sie sich offenbar zwischenzeitlich noch besorgt habe. Sie kamen nämlich offenbar von draußen.

Nachtrag 4:
02:57 Uhr Ortszeit. Meine Matruschka haben mittlerweile ihre dritte Flasche Weine zu 66% geschafft. Ich habe inzwischen die Wikipedia-Artikel über Swastopol, den Krim-Krieg und den U-Boot-Bunker in Balaklawa sowie den aktuellen Blog-Eintrag meines Neffen gelesen. Die Mädels schaffen mich. Ich bin reif fürs Bett…

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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6 Antworten zu Rummelplatz ohne Rummel, Ukraine-Blues und Kaffee-Profis

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Hi, melde mich aus der Provence zurück. Habe gerade so zwei Stunden am Rechner verbracht, um alle Deine Blogeinträge sowie die Deines Neffens zu lesen – bin schon allein davon platt! Hm, ob du wohl nächstes Mal eher wieder in ein englischsprachiges Land oder zumindest eines, in dem diese Sprache eher verstanden wird, reist?? Nun ja, eine abenteuerliche Erfahrung wird diese Reise allemal gewesen sein, und ich hoffe, dass die Ukraine in der verbleibenden Zeit noch ein paar angenehme Erlebnisse für Dich bereit hält. Ansonsten – komm heil nach Hause!

    • michikarl schreibt:

      Hi. Tja, es ist nicht alles so einfach für mich gewesen. Aber heute war ein sehr schöner Tag. Die Zugfahrt und vor allem das Warten, bis ich wieder in Odessa einchecken kann, wird sicherlich sehr anstrengend. Ansonsten, klingt vielleicht ein wenig blöd, aber ich glaube, ich werde im Nachhinein doch ein bisschen stolz darauf sein, dass ich diese Sache so durchgezogen habe. Vielleicht werde ich sowas nicht so schnell wieder machen, aber zumindest weiß ich, dass es geht.

  2. Melle schreibt:

    Michi, wann bist du wieder in Osna? Ich brauche Gefährten, um dem Ruf der grünen Macht zu folgen und über Franz Karl Franz-Karl und Karl Franz Franz-Karl zu fachsimpeln.

    • michikarl schreibt:

      Melle, freut mich sehr, von Dir zu lesen. Ich komme am Freitag, 11. Oktober wieder. Und dann stehe ich selbst verstänlich für diese Sachen zur Verfügung. Ich bringe auch ein paar ukrainische Burster mit! Übrigens… ich habe mir von Thorben die URL Deines Blogs geben lassen, das aber zwischenzeitlich vergessen *schäm*. Aber ich muss mir das unbedingt ansehen.

  3. satayspiess schreibt:

    Wozu Lesen beim Essen alles gut ist – man findet sogar Bahntickets! 🙂
    Aber hallo wirst du stolz wie Oskar sein, dass du alleine und ohne Russischkenntnisse durch die Ukraine gereist bist! Darfst du auch! 🙂
    Vielleicht machst du ja in Zukunft einen „Luschi-Urlaub“ in einem angenehmen Land mit Verständigungsmöglichkeit, und dann wieder einen „Abenteuerurlaub“. 🙂

    • michikarl schreibt:

      Tja. Ich bin schon ein Töffel, aber irgendwie komme ich trotzdem klar. Das Buch ist übrigens, ich erwähnte es schon, echt klasse. Und vielleicht mache ich es genauso wie Du kommentiert hast, darüber habe ich schon nachgedacht.

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