Fähranleger Sewastopol-Bucht Nord: Badezimmerarmaturen, Steckdosenleisten, Ethernetkabel. WTF?

Ich erwachte um 09.10 Uhr. Es kam so komisches Licht von draußen rein. Sonne! Sieh mal einer an. Aber erstmal duschen und frühstücken. Das Frühstücksbuffet hatte sich wieder in Nuancen verändert, es gab Rührei, Trinkjoghurt und so komische Bratlinge, die ich aber nicht probiert habe. Dafür gab es die Heißwasser- und Teestation nicht mehr. Aber eine Mitarbeiterin des Hotels fragte, ob ich Kaffee wolle, was ich natürlich bejahte. „Djerkonor“, sagte ich. Sie entgegenete, das hieße „Spassieba“. Ich sagte ihr auf Englisch, okay, bei 65% russischer Bevölkerung hier… „Djerkonor“ (oder so ähnlich) ist Ukrainisch für „Danke“. „Ja“ heißt auf Ukrainisch übrigens „Tak“, also klingt jedenfalls so, und damit genauso wie das dänische „Danke“, was mich gelegentlich durcheinanderbringt. Wie auch immer, man liegt hier eher mit Russisch als mit Ukrainisch richtig. Bei „Danke“ gibt es allerdings auch auf ukrainisch die Variante „Spassiebi“, also fast wie Russisch, nur dass der Laut am Ende eher ein kurzes i als ein kurzes o oder a wie im Russischen ist. Der Kaffee war übrigens nicht doll. Sowas sollte man den Profis überlassen!

Genug der Feinheiten. E-Mails im Foyer checken und Hotelportal hacken war angesagt, dann klar Schiff im Zimmer machen, paar Sachen für unterwegs einpacken (Wasser, Kamera, Buch und so weiter) und raus in die Sonne. Das Wetter war bisher das beste der ganzen Reise – kaum Wind, durchgehend Sonne und nur ein paar Wolken. Und es wurde tendentiell über den Tag immer besser, in der Sonne war es sogar recht warm. Und in diesem Licht (okay, natürlich kein „schönes Licht“, dieser Begriff ist selbstverstänlich Nord-Skandinavien vorbehalten) sah die Stadt sofort viel freundlicher aus, und ich konnte auch endlich mal ein paar ganz schöne Bilder knipsen.

Küstenstraße an der Pivdenna-Bucht Richtung Norden

Küstenstraße an der Pivdenna-Bucht Richtung Norden

Der Plan des Tages – ich konnte ja nicht wissen, dass ich auf einmal mit Sonner verwöhnt würde – war simpel: Zum Bahnhof, an einer Schlange vor einem Ticket-Schalter anstellen, dabei nicht ausrasten, Ticket für morgen kaufen, dann wieder irgendwo einen Souvenirladen finden, der Postkarten verkauft, dann zur Post, Briefmarken besorgen. Ich wollte noch ein paar Leuten, die ich noch nicht bedacht habe, ein paar Karten schreiben. Zuerst ging ich etwas anders als am Vortag und landete direkt an der Südspitze der Pivdenna Bay. Ich konnte auf der anderen Seite nicht weit zwischen Wasser und Bahnlinie gehen, da war begann sofort wieder ein russischer Sperrbezirk, wo Feierabend war. Also zurück und erstmal ab zum Bahnhof.

Bahnhof Sewastopol

Bahnhof Sewastopol

Der Teil am Bahnhof lief viel schneller und besser ab, als befürchtet: Es gab nur eine kurze Schlange, und ich war ziemlich schnell dran. Ich gab der Dame am Schalter meinen Zettel mit den kyrillisch notierten Ortsnamen, Abfahrts- und Ankunftszeiten und Zugnummern. Da ich ja inzwischen kapiert habe, dass ich das Ticket von Dschankoij nach Odessa schon habe (auf der Rückfahrt wird dort, nicht in Simferopol umgestiegen), benötigte ich ja nur das Ticket nach Dschankoij, deswegen habe ich das eingekringelt, auch das Datum von morgen. Die Frau am Schalter verwies mich aber sofort an den seperaten Service-Schalter. War wohl mal wieder zuviel verlangt.

Dösender Hund am Bahnhof Sewastopol

Dösender Hund am Bahnhof Sewastopol – einige der Tiere sehen echt ganz gut aus, und ich frage mich, ob noch Anfragen gewisser Leute kommen, einfach mal einen in den Koffer zu packen…

Die Dame am Service-Schalter sprach natürlich auch kein Englisch. Ich gab ihr meinen Zettel und sie machte so eine Geste in Richtung „Das kostet aber viel Kohle, was Sie da wollen.“ Häh? Was sollte denn das? Egal. Ich zeigte ihr noch mein bereits vorhandenes Ticket von Dschankoij nach Odessa, und sie verstand letzen Endes, was ich wollte und druckte mir ein Ticket aus. Das hat dann nicht viel gekostet, irgendwie so um die 50 UAH. Ich wollte dann noch wissen, von welchem Gleis der Zug führe und malte dazu ein paar stilisierte Gleise auf meinen Zettel. Sie verstand schließlich und deutete auf das von mir mit „1“ beschriftete Gleis.

Kirche X

Kirche X – habe ich irgendwie bei der lfd. Nummer übersprungen. Übrigens, das gelbe Ding, welches sich in der Kuppel spiegelt, ist die Sonne.

Erfreut davon, dass das so schnell gegangen war, und vom schönen Wetter, machte ich mich wieder in Gegenrichtung auf die Socken. Ich wollte wieder Richtung Norden, wo die Pivdenna-Bucht in die große Sewastopol-Bucht übergeht, denn dort waren die ganzen Andenken-Läden, ich hoffte, die würden auch Postkarten haben. Frohgemut schritt ich auf der Küstenstraße entlang und wählte dabei einen teilweise von dem vor zwei Tagen genommenen Weg abweichenden Pfad. Dabei entdeckte ich demzufolge auch ein paar neue Sachen, unter anderem Gedenkstätten (von denen es hier nur so wimmelt), die ich noch nicht gesehen habe, und einen alten, russischen Schützenpanzer, der wohl auch sowas wie eine Gedenkstätte war.

Schützenpanzer

Schützenpanzer. Man beachte das Kreuz links davon, eine weitere von sehr vielen Gedenkstätten hier. Im Kontext bedeutet das soviel wie Ursache (rechts) und Wirkung (links). Bitter, sarkastisch – aber es ist doch so.

Schließlich kam ich wieder an einem Kai an, den ich schon kannte. Hier legten Ausflugsboote ab, und ein Dame wollte mich für eine solche Fahrt gewinnen. Ich war nicht abgeneigt, Boot zu fahren. Aber wenn man versucht, mich aufdringlich anzuwerben, dann bewirkt das bei mir immer eher das Gegenteil vom gewünschten Effekt. Direkt daneben, so schien es mir, legten Fähren ab, die die unterschiedlichen Seiten der Buchten miteinander verbanden. Ohne wirklich zu wissen, wo die Fahrt hingehen würde, erstand ich spontan ein Ticket für bescheidene 2,50 UAH (also vielleicht 23 Cent) und ging an Bord einer Fähre. Was soll’s, ich hatte sowieso kein konkretes Ziel (außer Briefmarkten und Postkarten), Hauptsache, ein bisschen Boot fahren an einem so schönen Tag. Und was Neues sehen, egal was.

Kielwasser

Kielwasser der Fähre über die Sewastopol-Bucht. Links davon ist am Süd-Ufer die „Mikhail Lomonosov“, ein Flußkreuzfahrtschiff, zu sehen.

Die Fahrt ging bald danach los, und sie ging vom Südufer der Sewastopol-Bucht ans Nordufer (ich füge zum besseren Verständnis der Örtlichkeiten wieder den getrackten Tageskurs auf der Bikecomputer-Karte am Ende des Artikels bei). Auf der anderen Seite der Bucht lagen nicht weit weg einige etwas größere Kriegschiffe (so die Größenordnung Fregatte), aber das waren nicht nur Einheiten der Schwarzmeerflotte, sondern auch ukrainische Einheiten, die hier einträchtig neben russischen liegen. Konsequenterweise sind die Kräne der ukrainischen Hafenanlagen in deren Farben, also blau-gelb, lackiert, während die russischen, wie schon erwähnt, weiß-blau-rot sind. Ich genoss jedenfalls draußen am Heck (an den Bug konnte man nicht), die kleine Bootstour.

Ukrainische und russische Flaggen

Ukrainische und russische Flaggen, sowohl die Nationalfahne als auch die entsprechende Seekriegs-Beflaggung. Soll wohl die gemeinsame Nutzung von Sewastopol als Flottenstützpunkt symbolisieren.

Der Kahn legte nach vielleicht zehnminütiger Fahrt am Nordufer an. Ein paar Jugendliche und junge Erwachsene warteten das Anlegen nicht ab, sondern kletterten über die Reling und sprangen an Land, sobald es ging. Bei uns wäre der Pöbel sofort wegen Gefährdung des Seeverkehrs standesgemäß erschossen worden, da herrscht Ordnung! Es war übrigens eine reine Personenfähre, Autofähren verkehrten aber ebenfalls.

Meine Fähre

Mit diesem Boot fuhr ich über die Sewastopol-Bucht.

Tja, und nun? Am Anleger gab es erst einmal wieder eine Menge kleiner Stände und Geschäfte, die Getränke, Zeitschriften, Snacks und was weiß ich offerierten, sowie einen Busbahnhof. Nicht weit weg entdeckte ich eine Post. Hm… wenn ich hier irgendwo Ansichtskarten fände, dann könnte ich gleich Briefmarken erstehen und sofort schreiben und verschicken, kein schlechter Plan – dachte ich. Aber ich fand nirgendwo Ansichtskarten. Ich versuchte, durch entsprechende Gesten deutlich zu machen, was ich wollte, aber es führte nirgendwohin. Ich ging die Staße vom Fähranleger bergauf geradeaus hoch, was den vorigen Kurs der Fähre im Prinzip einfach verlängerte. Ich kam dann gleich auf einen kleinen Markt, auf denen man z.B. Blumen, aber auch so Touri-Sachen wie Baseballkappen und Sonnenbrillen erwerben konnte, nur keine Postkarten.

Badezimmerarmaturen

Also, ich kann hier am Anleger problemlos ne neue Duscharmatur erstehen. Aber keine Postkarten. WTF? Falls das hier mal ein interessantes Reiseziel für den Standard-Europäer werden soll, müssen die hier noch paar Dinge lernen. Keine schlechte Sache für den, der den ersten Postkartenstand hier aufmacht…

Stattdessen stieß ich auf Stände, die unter anderem Wasserhähne, Steckdosenleisten, allerlei Werkzeuge (unter anderem Trennscheiben) und Ethernetkabel feilboten. Was zum Geier… Gewisse Kapitalismus/Tourismus-Verfahrensweisen scheinen hier noch nicht angekommen zu sein. Stattdessen stieß ich auf eine Reihe Mini-Baumärkte.

Postamt oder so...

Eine Post im Norden der Sewatopol-Bucht. Scheint aber geschlossen gewesen zu sein. Egal, ich hab es ja eh nicht geschafft, irgendwo Postkarten zu erstehen…

Unschlüssig, was als nächstes anzufangen wäre, folgte ich der Straße weiter Richtung Norden. Ich stieß auf eine Menge streunende Hunde, alle friedfertig, aber gefühlt mehr als auf der Südseite. Katzen gab es natürlich auch. Die Sewastopol-Bucht teilt die Stadt in zwei Teile, und vielleicht unterscheiden sich Nord- und Südteil ja auch hier irgendwie ein wenig von einander, so wie in Hamburg oder Köln. Bei dem kleinen Teil, den ich gesehen habe, schien es mir gemächlicher als im Süden zuzugehen, weniger Verkehr und großzügige Bürgersteige, die ich im Süden meist vermisst habe. Ich hatte erwogen, mich so weit wie möglich den Liegeplätzen der Schiffe von Russen und Ukrainern zu begeben. Aber meiner Karte zufolge gab es dahin kaum Wege. Weiter im Norden, aber doch recht weit weg, gab es noch einen militärisch genutzten Flugplatz. Hm… verlockend, aber zu weit weg. Ich entschied mich schließlich, einfach nur die Sonne zu genießen. Dazu besorgte ich mir erst mal eine Zigarre und ein Obulon-Bier (nach dem AbBiBCbKE 1715 das Bier, auf welches ich mich hier eingeschossen habe) und trat den Rückweg zum Anleger an. Unterwegs holte ich mir noch ein Eis für 3 UAH.

Katze stillt Katze

Hier findet offenbar ein Katzen-Betankungsmanöver statt.

Neben dem Fähranleger gab es ein bisschen Kieselstrand. Hier lagen zwei Treibhölzer (nehme ich zumindest an) parallel angeordnet und luden zum Sitzen und Verweilen ein. Hier hatte schon eine Mutter mit Tochter Platz gefunden, also nahm ich das andere Treibholz, öffnete mein Bier und entzündete meine 28 UAH-Zigarre (was Teureres hatte man nicht da), wobei ich darauf achtete, die beiden anderen Strandbenutzer nicht mit dem Rauch zu belästigen.

Mein Stück Strand

„Mein“ Stück Strand für eine Zigarenlänge und ein „Obulon“-Bier.

Es war wirklich schön, ich konnte mal richtig ein bisschen entspannen. Das ist wiederum ein Vorteil des Alleine-Reisens: In einer Reisegruppe mit Programm kann man so etwas nicht einfach machen, wenn man Bock dazu hat… Ich hörte Musik, beobachtete die glitzernden Reflexe der Sonne auf dem Wasser, die an- und ablegenden Fähren, die Bläshuhner und Tauben und den einen oder anderen trägen Streunerhund. Ab und an kam mir einer recht nahe, aber ohne Stress zu machen. Ein anderer legte sich dann in meinen Schatten zum Dösen hin.

Dösender Hund an meinem Strand

Dösender Hund an „meinem“ Strand

Die Fähren kamen und gingen, die Mutter mit Tochter wurde durch einen jungen Burschen mit Kopfhörern in den Ohren, Smartphone, zwei dicken Sandwiches und einer Tüte Fruchtsaft abgelöst, der auch die Sonne genoss. Dieser wiederum wechselte mit einem Pärchen oder Ehepaar, vielleicht in meinem Alter, welches eine große Plastikflasche mit Bier und Becher aus demselben Material dabei hatte. Irgendwann war die Zigarre dann aufgeraucht, und die nächste Fähre Richtung Süden war meine. Ich hatte das auf einer Tafel eigentlich so verstanden, dass wochentags immer in der vollen Stunde die Fähren ablegten. Aber tatsächlich fuhren die halbstündig, im um viertel nach und viertel vor, wie ich beobachtet hatte.

Ich bezahlte also wieder 2,5 UAH und ging an Bord. Gute fünf Minuten später legte das Boot ab und erreicht nach kurzer Zeit wieder den Anleger auf der Südseite. Okay, das war eine echt schöne Aktion. Selbst eine kurze Bootsfahrt hat für mich ihren Reiz. Aber ich hatte noch immer keine Postkarten gefunden. Zuerst fand ich eine Toilette, wo ich für 2 UAH für kleine Touristen konnte. Dann gab es noch ein Eis – das erste war ziemlich übersichtlich gewesen – und ne Flasche Wasser. Aber immer noch keine Postkarten weit und breit.

Viele bunte Magnetbildchen

Viele bunte Magnetbildchen, vom weiten könnte man denken, es gibt hier Postkarten. Aber nööö – nur Bilder für den Kühlschrank. Gerne auch von schwer bewaffneten Raketenschiffen. Haltet mich für fixiert… ich bin ganz locker. ICH WILL POSTKARTEN, HEILIGSBLECHLE!!!

Das Fiese war, dass es sozusagen überall etwas gab, was auf den ersten Blick sehr nach Postkarten aussah. Nämlich Bilder mit typischen Ansichtskartenmotiven (unter anderem Schiffe der aktuellen Schwarzmeerflotte), die aber von Größe und/oder Format her eher Postkartenuntypisch waren. Ich wußte lange nicht, was das eigentlich für Dinger sein sollte. Also kaufte ich einfach eines, um es herauszufinden: Es sind Bilder, die auf der Rückseite einen Magneten haben. Ich erstand eins mit einem Raketenschiff der Slawa-Klasse darauf, ein etwas größeres Format, für 20 UAH.

Adlersäule

Die „Adlersäule“. Sie soll daran erinnern, dass sich im Jahr 1855 im Krim-Krieg die Schiffe der Schwarzmeerflotte in der Hafeneinfahrt versenkten, um den Gegner (Briten und Franzosen) an der Einfahrt zu hindern.

Ich versuchte es an einigen Ständen mit Händen und Füßen, an Postkarten zu kommen, aber ich fand keine. Langsam frustrierte mich die Sucherei und immer dieselbe Verständnislosigkeit bei den Standbetreibern ziemlich. Mist, ich hatte doch gerade noch so gute Laune. Irgendwann gab ich einfach auf und mir war nach einem Kaffee. Nicht nach irgendeinem Kaffee, sondern nach einem von den Kaffee-Profis im „Kofein“. Also weiter Richtung Hotel, Richtung Süden.

Mikhail Lomonosov

Mikhail Lomonosov – quasi ein Namensvetter von mir, ich glaube, Mikhail ist auch eine russische Version von Michael. Das Schiff habe ich schon in Odessa gesehen. Es war gerade unterwegs, als ich mit der Fähre wieder zurück zum Südufer fuhr, aber es hat nur den Liegeplatz gewechselt.

Ich konsultierte die Karte auf meinem Schlaufon und stellte fest, das mein alternativer Rückweg an einer Art Park vorbeiführte, den ich noch nicht gesehen hatte. Hm, mal gucken. Der Park bestand aus einer Menge Vergnügungsmöglichkeiten, die sich hauptsächlich an Kinder richteten. Es hab kleine Karussels und Eisenbahnen, Tretautos, und viele Dinge mehr. Auch hier hatte zuvor eine massive Invasion von z.B. den Figuren aus Shrek, Pixar-Filmen und insgesamt Disney & Co. stattgefunden. Nur Schlümpfe sind mir nicht begegnet. Endlich mal Ruhe vor den blauen Zwergen!

Rummelplatz ohne Rummel

Hm, hab ich das nicht schon woanders gesehen? Nix los hier auf dem Rummelplatz im Park.

Aber auch hier sah es trotz des prächtigen Wetters ähnlich aus wie auf dem Freizeitpark gestern auf dem Hügel beim Riesenrad: Es stand alles still, niemand benutzte die Fahrgeschäfte. Es gab allerdings daneben einen schönen Spielplatz mit wahrscheinlich kostenlos zu nutztenden Spielgeräten, hier gab es viele Kinder, die sich vergnügten. Danach kam ich an einem Fußball- und einem Tennis-Court vorbei, wo ebenfalls einiges los war, Kinder und Jugendlichen droschen fleißig auf die für die jeweilige Sportart geeigneten Bälle ein.

Kirche Nummer 6

Kirche Nummer 6 – glaube ich. Wie gesagt, es ist mir zu anstrengend, diese ganzen Kirchen zu recherchieren, da informiere ich mich lieber über die Geschichte der Stadt, insbesondere den Krim-Krieg und die Schwarzmeer-Flotte. Aber immerhin: Beeindruckend sehen die Teile schon aus.

Dann ging ich auf eine dieser prachtvollen, potentiell orthodoxen Kirchen zu (ähm, Nummer sechs, wenn ich mich nicht verzählt hatte). In dem Moment überlagerte ein langgezogener Gesang das geniale Saxophon-Intro von Steely Dans „Everything must go“. Moment mal, sowas kannte ich doch aus Jerusalem? Aber das vor mir waren doch christliche Kreuze auf der Kirche? Ich drehte mich um 180 Grad und erspähte dann ein Minarett, welches zwischen anderen Gebäuden hervorragte, und stellte die Musik etwas lauter.

Plötzlich hörte ich doch mir vom vergangenen Jahr noch sehr vertraute Klänge... die kamen offenbar von diesem überdimensionalen Zahnstocher.  Ich bitte um Verzeihung, dass ich diesen Audruck, den ich bereits für das Washington-Memorial verbraten habe, recycled habe...

Plötzlich hörte ich doch mir vom vergangenen Jahr noch sehr vertraute Klänge… die kamen offenbar von diesem überdimensionalen Zahnstocher. Ich bitte um Verzeihung, dass ich diesen Audruck, den ich bereits für das Washington-Memorial verbraten habe, recycled habe…

Ich machte ein paar Bilder von Kirche Nummer sechs und folgte weiter meinem Weg. Nicht viel später sah ich dann schon das russische Theater vor mir. Unmittelbar daneben arbeiten ja bekanntlich die Kaffee-Profis im „Kaffee/Bier/Sex-Komplex“. Leider schien außen kein Betrieb zu sein, was ich ein bisschen schade fand, also rein. Der Laden hat 24/7 geöffnet. Ich orderte einen Wiener Kaffee und ein Bacon-Sandwich und bekam wieder eine Sanduhr auf den Tisch gestellt. Nachdem ich ein wenig an meinem mitgebrachten Buch genascht hatte, war meine Bestellung wieder sehr schnell da und beides mundete auch wieder hervorragend. Wenn ich länger hierbliebe, würde ich vielleicht dort auch einmal zu Abend essen, die haben z.B. auch ein paar Pastagerichte. Aber heute habe ich einen Pizza-Laden vorgesehen, an dem ich schon ein paar Mal vorbeigekommen bin, und morgen geht es ja zurück nach Odessa.

Tja, soweit, so gut. Ich gehe jetzt erstmal ein Stück Pizza in den Mund nehmen. Bis gleich!

So, bestens gesättigt und zurück am Blog. Ich benötigte erstmal frisches Geld. Im Foyer gibt es einen Automaten, der Maestro-Karten akzeptiert. Nun habe ich eher zuviel als zuwenig ukrainische Kohle, aber, um einen Standard-Spruch eines guten Freundes zu zitieren: „Haben ist besser als Brauchen“. Und ich kann den Rest ja wieder an der Reisebank am Neumarkt verklappen, falls was übrig bleibt.

Ich entschied mich, erstmal Lebensmittel für die Fahrt zu kaufen, inkl. Bier für den Restabend. Dann hätte ich etwas flexiblere Währungseinheiten. Ich ging wieder in den Lebensmittelladen meines Vertrauens. Und überforderte offenbar die gute Frau (ist aber eine echt Nette) ein wenig mit meinem Mammut-Einkauf: Vier Dosen Bier, eine Dose Energy-Drink (ich mag das Zeug eigentlich nicht, aber ich muss von 4.40 Uhr bis zum Einchecken ins neue Hotel in Odessa irgendwie wach bleiben), zwei Äpfel, eine Orange, vier Salami-Würste und ein 5er-Pack Snickers-Riegel. Aber zuletzt konnte ich blechen.

Die Zentrale der Kaffee-Profis

Bei den Kaffee-Profis geht’s mir gut. Hier werden Sie geholfen!

Dann wollte ich eigentlich in der kleinen Pizzaria, die auf dem Weg zu „meinem“ Lebensmittelladen liegt, was essen. Aber… keine englische Karte. Hrrrgn. Da hatte ich einfach keinen Bock drauf. Ich entschied mich schnell, doch zu meinen Freunden, den Kaffee-Profis, zum Abendessen zu gehen. Da weiß ich, was ich hab… In diesem Fall: Einmal Spaghetti Bolognese, ein Bavaria-Bier, anschließend ein Latte. Wie immer: Alles gut, schnell, professionell. Wenn ich könnte, würde ich den Laden komplett in einen Koffer packen und nach Osnabrück importieren (vor allem auch die Preise…). Ich glaube, dass auch die Gastro-Expertinnen in meinem Bekanntenkreis beeindruckt wären.

Tja, doch dann hieß es endgültig Abschied vom „Kofein“ nehmen, zurück ins Hotel, Blogeintrag zuende schreiben. Fehlt noch die Auswahl der Bilder und deren Upload, was auch noch einmal eine Weile dauert.

Strecke des Tages

Strecke des Tages – über 18 km, was ein neuer Rekord sein dürfte. Naja, davon waren ja andererseits bestimmt ein oder zwei km die Fahrt mit der Fähre…

Ausblick auf morgen und übermorgen:
Werde wohl zu Fuß zum Bahnhof gehen. Wird zwar mit meiner quietschorangenen Hartschale auf der Treppe bisschen Schlepperei, aber hey, ich hab das Teil auch schon die Potemkin-Treppe hochgeschleift. 12:40 Uhr fährt der Zug nach Dschankoij. Hier habe ich 02:10 Stunden Aufenthalt, bevor um 18:45 Uhr der Nachtzug nach Odessa startet. Tja, und der richtig unbequeme Teil beginnt dann: Ich komme 04:40 Uhr an. Check in ist erst ab 14:00 Uhr. Also gilt es, 09:20 Stunden totzuschlagen, die ersten davon noch mitten in der Nacht. Deswegen der Energy-Drink. Es gibt im Bahnhof Odessa einen Warteraum, in dem ich wohl die ersten drei bis vier Stunden zubringen werde. Dann werde ich zu Fuß (lt. Google Maps eine Stunde zu Fuß, aber ich habe ja jede Menge Zeit…) oder per Taxi schon mal in Richtung Hotel aufbrechen, oder vorher irgendwo in der Nähe des Bahnhofs frühstücken. Oder danach in Hotelnähe, je nach Hunger und Lust. Oder auch einfach beides, um mehr Zeit in irgendwelchen Läden mit Sitzgelegenheiten und Toiletten verbringen zu können. Man wird sehen.

Der nächste Blog-Eintrag kommt dann also wahrscheinlich erst wieder übermorgen, nach der Bahnfahrt. Und vielleicht erst, wenn ich wieder ausgeschlafen bin.

Bis bald!

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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Eine Antwort zu Fähranleger Sewastopol-Bucht Nord: Badezimmerarmaturen, Steckdosenleisten, Ethernetkabel. WTF?

  1. Karsten schreibt:

    Na, wenn schon der Wink mit dem Zaunpfahl kommt, dann gibt es für dich den folgenden Arbeitsauftrag: Besorg dir einen zweiten großen, aber unauffälligen Koffer und bring so einen Hund mit.
    Gute Zugfahrt dir,
    Viele Grüße und viel Spaß noch
    Karsten

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