Wie kriege ich den Porsche in den Einkaufswagen?

Also, wenn man nicht wirklich etwas erlebt, aber trotzdem bloggen will, hat man zwei Möglichkeiten:

1. Das Fernsehprogramm beschreiben
2. Über völlige Banalitäten bloggen

Die erste Lösung habe ich ja heute bereits beansprucht, kommen wir also zur zweiten. Hm, was für eine Banalität habe ich den zu bieten? Einkaufen.

Ion Man und ich

Ich hätte mich ja lieber mit der hübschen Frau vom Desk knipsen lassen…

Also, ich wartete eine Regenpause ab und verließ das Hotel. In der Lobby machte ich allerdings noch ein Foto von der Ritterrüstung neben der Tür. Die ausgesprochen attraktive, junge Dame am Desk fragte mich, ob sie ein Foto mit mir und der Rüstung machen solle – warum nicht. Ich hatte in dem Moment nicht die Eier, ihr zu sagen, dass ich viel lieber ein Foto mit ihr als mit der Rüstung hätte…

Billboard nolte Möbel

Hm… nolte Möbel Köln. Nie gehört. Aber wann sieht man Werbung für Produkte aus der Ukraine in Deutschland, mal ganz sachlich gefragt?

Wie auch immer, ich verließ das Hotel in den grauen Tag. Ziel: Nochmal Bier und andere Lebensmittel einkaufen, sowohl für heute als auch bisschen was zu essen für morgen. Getränke darf man ja in die Sicherheitsbereiche nicht mitnehmen. Methode: Einfach losziehen und umsehen, wo ein Laden zu finden wäre. Hat bisher immer einigermaßen funktioniert.

Glamour for Odessa

Ich fürchte, eher nicht…

Ich ging nicht Richtung Wasser, sondern in Richtung Innenstadt, wo ich hergekommen war. Dabei knipste ich die Betonburgen ein weiteres Mal. Schöner sind sie seit gestern nicht geworden.

Pictogramm

Klonk! Das ist doch mal ein anschauliches Piktogramm! Ich fand es lustig.

Ich kam auch wieder an den ziemlich ziemlich hohen und ein wenig auf schick getrimmtem Hochäusern vorbei. Von außen scheiterte das Schicke an den hässlichen Kästen der Klimaanlagen, die die Fassade verschandelten. Innen mag es ja besser aussehen, ich vermute das sogar ziemlich stark. Es schien, den Schildern nach ein Hotel- und Appartement-Komplex zu sein. Davor waren SUVs wie Toyota Landcruiser oder Porsche Cayenne geparkt, viele Autos, die nicht so ganz für jedermann erschwinglich sind. Ich hatte dann auch keine Lust, mit meiner Jeans und meinem C&A-Pulli im Foyer zu fragen, ob es eine Aussichtsplattform gäbe. Das Wetter war zum Fotografieren auch eher ungeeignet. Trotzdem, ich muss da mal frecher werden. Stumpf ist Trumpf, und nur wer was wagt, erlebt auch was, und nur wer was erlebt, kann auch was anderes bloggen als das Fernsehprogramm oder Banalitäten – und was außer einem „Nein“ kann einem da schon passieren?

Die Typen an der Mall

Die drei Typen von der Mall. Man beachte das Schiff links dahinter.

Ich passierte wieder den Platz mit dem großen Ehrenmal, der Säule mit dem Stern obendrauf. Mittlerweile habe ich es mir genauer angesehen, hier stehen die Jahreszahlen 1941 und 1945 dran, also der Zeitraum der Beteiligung der Sovietunion am 2. Weltkrieg.

Ich ging noch etwas weiter, bog irgendwo ab, aber nichts sah so richtig wie ein Supermarkt oder Ähnliches für mich aus. Langsam hatte ich auch keine Lust mehr. Also konsultierte ich mein Schlaufon. Ohne Netzverbindung war natürlich keine Suche möglich. Allerdings entdeckte ich auf der Openbikemap nicht weit von meiner Position ein kleines Einkaufswagen-Symbol. Zwar bedeutet das nicht unbedingt „Lebensmittelladen“, es könnte auch ein Möbelgeschäft oder ein Baumarkt sein, aber trotzdem – einfach mal schauen.

Autos in der Mall

Verschiedene Wagen im Einkaufszentrum. Wenn ich auf dem Schirm gehabt hätte, dass der Einkaufswagen hier so drauf ist, hätte ich kein gestelltes Foto mehr zu machen brauchen.

Ich landete in einem großen Kaufhaus, in welchem die Shops diverser Edelmarkten am Platze residierten. Nach dem Eintreten standen dort erst einmal einige mehr oder weniger edle Automobile hinter einer Absperrkordel. Darunter ein Smart, ein Mercedes SL, Audi A3 und A5, 3er BMW, ein Mini und ein Porsche Cayenne (ein hier offenbar beliebtes Fahrzeug). Davor stand, was mich ein wenig irritierte, ein Einkaufswagen. Was war das denn schon wieder?

iStore

Wo teure Marken sich tummeln, darf das angebissene Obst nicht fehlen.

Ich nahm die Rolltreppe nach oben und stieß auf eine Ausstellung mit Fotos und Shops von Ralph Lauren u.ä. Insgesamt schien es ein Kaufhaus für die betuchteren Odessianer zu sein. Natürlich fehlte auch ein „Authorised Reseller“ für Produkte mit angebissenem Obst im Logo nicht. Sowie ein weiterer Shop mit vielem Zubehör für solche Produkte. Es gab offenbar auch eine Agentur für Yachting, zwar waren keine kompletten Schiffe ausgestellt, wohl aber Modelle von solchen. Gut betuchtes (jetzt aber wörtlich) Verkaufspersonal schlich um die Glaskästen mit den Schiffen und um die ausgestellten Nobelkarossen. Im ersten Stock standen außerdem zwei mutmaßlich PS-starke Motorräder herum.

Motorrad

Motorrad – natürlich stand dran, was für eines, und alle technischen Daten, aber ich interessiere mich bekanntlich nur für Flugzeuge und Schiffe.

Für mich ist das ja eigentlich alles nichts – die Welt der Reichen und Schönen, und so ein Edel-Laden gehört ja irgendwie dazu, ist für mich auch immer wieder eine fremde Welt. Wann immer ich in der Stadt, ob hier oder zuhause in Osnabrück, einen Menschen wie von der Gesellschaft weggeworfen herumliegen sehe (und eigentlich kann man sich das „wie“ im letzten Satz ja auch sparen), dann frage ich mich, warum das sein muss. Weil wir alle zu egoistisch sind, und zu kaltherzig, zu gleichgültig und zu hilflos. Zumindest mehr als 99% von uns allen. Und dann sehe ich im Fersehen, wie es in anderen Ländern zugeht. Im Vergleich dazu sind die meisten von uns in den westlichen Industrieländern unvorstellbar reich. Und darüber gibt es dann noch die unvorstellbare Dekadenz von Yachtbesitzern und Luxussportwagenfahrern. Das erschließt sich mir einfach nicht. Aber ich hab ja meine schöne, bunte, heile Welt auf M1.

Küche

Typisch ukrainische Küche… nehme ich an.

Mist, ich muss wohl das AbBiBCbKe 1715 absetzen, das macht mich immer so philosphisch. Naja, ab morgen fehlt mir eh die Bezugsquelle dafür. Aber ich schlich weiter, mich etwas fehl am Platz fühlend, die Rolltreppen hoch. In der vierten Etage, fast ganz oben, stellten Möbellabels wie Rolf Benz ihre Produkte in Form von komplett eingerichteten Zimmern aus.

Arboretum und Restaurant in der Mall

Naja, Arboretum ist warhscheinlich übertrieben. Ich wollte nur mit dem Wort angeben.

Noch eine Etage höher befand sich eine Art Aboretum mit Restaurant. Ich hab so eine Ahnung, dass das hier in ist, die Turmspitzen bei anderen Gebäuden in der Nähe sehen so aus, als ob die vielleicht auch soetwas haben. Ich hatte wenig Lust, hier zu Mittag zu essen, unabhängig von den Preisen.

Handtaschen

Ich glaube kaum, dass diese Modelle meiner legendären „Handtaschenfreundin“ gefallen. Aber ich fand die gut, das spart am Flughafen beim Durchleuchten eine Menge technischen Aufwand, das Modell.

Viel los war übrigens nicht. Naja, vielleicht reichen ja die umso höheren Beträge, die wenige hier lassen, um genug Umsatz zu produzieren, diesen Tempel des Markenkonsums gewinnbringend zu betreiben. Ach übrigens, es gab natürlich auch zwei Handtaschengeschäfte. Der Tradition geschuldet, die im Macey’s in Manhattan begonnen hat, muss ich natürlich mindestens ein Foto veröffentlichen.

Wieder im Erdgeschoss angekommen, bemerkte ich, dass hinter den Autos noch eine Lebensmittelabteilung zu finden war. Hier gab es auch Einkaufswagen. Aha! Das erklärt so einiges, ich hatte mich schon gefragt, wie so ein Cayenne in den Einkaufswagen passen sollte!

Elefant mit Messrüssel

Hier schlug mein Kuriositäten-Warngerät aus: Elefant mit Kinder-Lüa-Messrüssel. (Länge über alles, eigentlich eine Messgröße für Schiffe).

Ich schnappte mir einen von den Einkaufswagen und schob ihn durch die Gänge. Dies war der größte Supermarkt, in dem ich bisher gewesen war. Es gab 11 Kassen, und alle Lebensmittel in größerer Auswahl. Plus Spielwaren. Ich besorgte mir ein paar Flaschen AbBiBCbKe 1917 (damit ich das Philosophieren nicht verlerne), Wasser, Trinkjoghurt, kleine Salamis, Chips und Kekse und schaute mich ansonsten um. Besonders beeindruckt war ich von einem Aquarium, in dem ein paar Antennentiere (für Uneingeweihte: „Antennentiere“ sind Krebse oder Langusten oder so ein Zeug aus dem Meer, die so lange Antennen dran haben. So was esse ich nicht,wegen des Elektrosmogs im Bauch…) lebten, die man käuflich erwerben konnte. Allerdings standen da durchaus Preise von umgerechnet über 30 Euro angeschlagen. Nunja, in der Pralinenabteilung angekommen, sah ich, dass man einen ähnlichen Betrag für eine Großpackung Lindt-Pralinen investieren konnte. Aber was ist das schon für einen Cayenne-Fahrer, der seiner Freundin etwas zu erklären hat…

Antennentier

Bitte recht freundlich! Du wirst demnächst gegessen. Allerdings nicht von mir.

Ich holte mir noch zwei große Gebäckstücke bei der Bäckereifrau. Dann ging ich zur Kasse, entrichtete für meine Einkäufe knapp 150 UAH, und ging Richtung Ausgang. Da ich dann schon so eine Idee für diesen Blog-Eintrag hatte, musste ich unbedingt unter den Augen der Gutbetuchten noch ein gestelltes Foto mit Einkaufswagen (mir gefiel das auch insbesondere im Kontext zum Einkaufswagensymbol auf meiner Openbikemap, das hatte einfach so einen ungeahnten Wahrheitsgehalt erhalten) und Porsche Cayenne machen, was ich auch tat. Allerdings schob ich daraufhin braf meinen Einkaufswagen wieder zurück zu den anderen bei der Lebensmittelabteilung, was offenbar viele andere Köufer eben nicht taten. Vielleicht haben das die Leute, die hier einkaufen, einfach nicht nötig, nachdem sie ein 30-Euro-Antennentier erstanden haben.

Porsche Cayenne

Wie kriege ich den Porsche jetzt da in den Einkaufswagen? Dies ist nur ein hastig gestelltes Foto. Natürlich habe ich als ordentlicher Bundesbürger den Wagen anschließend wieder zurückgestellt…

Ich hatte keine Lust, mir ein Restaurant oder einen Fastfood-Laden für das Mittagessen zu suchen, außerdem hatte ich meine Einkäufe da auch für die Selbstversorgung an diesem Tag eingerichtet. Es war immer noch trocken, und ich hatte auch keine Lust, im Hotelzimmer was zu futtern, ich wollte lieber an der frischen Luft was essen, egal, wieviele Wolken am Himmel waren. Deswegen passierte ich die großkalibrigen Geschützrohre am Parkeingang, um mir dort eine Bank zu suchen.

Geschützrohr

Dieses Geschützrohr ist genau auf das Einkaufszentrum gerichtet. Ich habe gesehen, dass die Waffe entmilitärisiert wurde, die Mündung wurde zugeschweißt. Dennoch sieht es so aus, als wolle man der westlichen Dekadenz doch noch ordentlich einen verplätten.

Ich sah mir noch einen Fuhrpark von kleinen, offenbar elektrisch betriebenen Autos für Kinder und das künstlich angelegte Wasserbecken mit Schwänen und Möwen an. Dann fand ich eine Bank und legte mir eine der Einkaufstüten unter den Bürzel, damit dieser nicht nass würde. Hier ließ ich mir dann einen Teil meiner Einkäufe schmecken.

Mein lieber Schwan

Mein lieber Schwan – das die immer so angeben müssen.,..

Danach schlug ich den Rückweg ein. Immerhin hatte es inzwischen nicht wieder angefangen, zu regnen. Unterwegs ging ich noch an einem Gebäudekomplex neugierig eine Treppe hoch, die aber auch nur in eine Sackgasse, nämlich auf eine Baustelle führte.

Am Hotel angekommen, stellte ich fest, dass hier immerhin auch zwei Porsche Cayenne parkten, sowie ein Toyota Landcruiser. Was ist denn los in dieser Stadt, mieten sich die Hotelbetreiber diese Karossen, um ihren Häusern einen edlen Anstrich zu geben? Das Hotel ist schon okay, aber nicht der ausgesprochene Luxus… Ich passierte das Foyer und die Frau am Desk, die mir wieder betörend zulächelte.

Im Zimmer verstaute ich meine Einkäufe im Kühlschrank, machte die Glotze an und lag ein paar Minuten faul und ohne Lust, irgendetwas zu machen, auf dem Bett herum. Danach begann ich, diesen Eintag zu schreiben. Als ich an die Stelle kam, „ich hatte nicht die Eier, ihr zu sagen, dass ich lieber ein Foto mit ihr hätte“, dachte ich mir, nööö, das geht ja so nicht weiter.

Also schnappte ich mir meine Kamera, wartete ab, bis die junge Dame zuende telefonierte hatte und brache stammelnd mein Anliegen vor. Sie meinte, sei doch kein Problem, das könne ein Sicherheitsmann machen. Okay… Zuerst hatte ich vergessen, da wieder eine Speicherkarte hineinzutun. Außerdem hatte ich für den ersten Versuch die Kamera nicht richtig eingestellt. Völlig peinlich und bescheuert, ich benahm mich wie ein 14-jähriger. Schöne Frauen machen mich eben immer total nervös. Aber der Hotelstab benahm sich ausgesprochen professionell, und wir machten die Bilder. Und immerhin, peinlich oder nicht, die Eier hatte ich letzen Endes doch. Und das ist, was hinterher zählt. Ich möchte doch Euch Lesern bisschen was bieten, über das Ihr schmunzeln könnt.

Wir machten dann die Fotos zu dritt, mit der Rüstung. In dem Versuch, was Lustiges zu sagen, meinte ich, das sei Tony Stark, Ironman. Sie meinte, es sei dann Tony Stark aus Italien, die Rüstung käme von dort. Als ich mich wunderte, dass es keine Rüstung aus der Ukraine wäre, meinte sie etwas in der Richtung, sowas Gutes würde in der Ukraine nicht hergestellt. Oha! Schon wieder eine abwertende Bemerkung einer jungen Person über das eigene Land! Irgendwie traurig. Außerdem erwähnte sie, dass sie verheiratet wäre. Nanü, sollte ich den Eindruck vermittelt haben, ich wolle mehr als das Foto? Außerdem gab sie mir eine Karte, weil sie das Bild gerne per email an den Desk geschickt haben wollte.

Daria Iron Man und ich

The beautiful desk clerk, Tony Stark from Italy and me.

Ich hüpfte zurück in mein Zimmer, schickte der Desk-Schönheit (sie heißt übrigens Daria) das Bild und schrieb diesen Eintrag. Jetzt muss ich noch die Bilder dazu zusammensuchen, hochladen und beschriften. Dann werde ich wohl, spätestens in einer Stunde, was essen gehen. Auch wenn ich morgen sicherlich noch einiges an Kohle für ein Taxi zum Flughafen ausgebe, denn auf alles andere habe ich keinen Bock, sollte ich noch ein wenig Fremdwährung verbraten.

Bis bald!

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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2 Antworten zu Wie kriege ich den Porsche in den Einkaufswagen?

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Uii, echt hübsch, die junge Dame!
    Was die teure Mall angeht, drängt sich mir auch da wieder ein Vergleich zu dem bewussten Land in Südostasien auf: Nach dem allein im Ersten Bezirk von Saigon gleich drei große Malls mit Marken-Stores aus dem Boden geschossen waren, war eine davon bei unserem ersten Besuch auch schon wieder geschlossen – so viele teure Läden auf einmal vertrug die südvietnamesische Metropole dann wohl doch nicht. Wer weiß, wie lange sich das von Dir besuchte Shopping-Center hält…

  2. Gunnar Bobbert schreibt:

    „A man´s gotta do what a man´s gotta do“
    You did it!

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