Im Polizeiauto zum Flughafen

Airport Odessa, 13.47 Uhr. Ich habe die Sicherheit passiert und sitze in der Abflughalle.

Ich war schon wach, als das iPad den Weckton abspielte, „Back in the USSR“. Es ging zwar in die andere Richtung, aber trotzdem fand ich das ganz passend. Ich hoffe nur, dass sich die Textzeile „Man, I had a dreadful flight“ nicht bewahrheiten wird… Wenn ich dem Song textmäßig allerdings umgekehrt folgen würde, ginge es jetzt nach Miami, nicht nach Müster/Osnabrück. Hm… wäre ja auch nicht schlecht. Vielleicht ein andernmal.

Nach dem Duschen ging ich frühstücken, wieder Cerealien, Croissant, einen Muffin, Scheibe Weißbrot mit Lachs. Ich bekam keinen Kaffee, irgendwas soll wohl mit der Maschine nich in Ordnung gewesen sein, also „English Breakfast“. Ich hörte einen Tisch weiter meine Muttersprache, das waren zwei Männer in meinem Alter, die, wie sich auf meine Anfrage zeigte, beruflich in Odessa waren. Irgendwas mit Belüftungsanlagen für Bäckereien.

Zurück ins Zimmer, alles einpacken und checken, ob ich auch nix vergessen habe, dann los. ZWei AbBiBCbKe 1715 – Biere, eine Flasche Wasser und ne Tüte Lays-Chips habe ich dagelassen, ich hatte mich natürlich mal wieder mit zuviel Kram eingedeckt, den ich nicht mitnehmen wollte. Ich ging runter in die Lobby und bat die oberhübsche Daria vom Desk, mir ein Taxi zu rufen, was sie natürlich auch tat. Dieses war dann knapp 15 Minuten später da, und ein Mann vom Hotel schaffte mir den Koffer in den Kofferaum. Dann ging es los Richtung Flughafen.

Das Taxi war ein recht neuer Citroen (vier Montate alt, wie ich vom Fahrer und Besitzer erfuhr), und der Fahrer hatte Lust auf Konversation und sprach leidlich Englisch. Er wollte wissen, woher ich käme, und als ich „Germany“ antwortete, erging er sich darüber, was für ein tolles Land das sei, und wie gut man da leben könne. Ein Freund von ihm wohne dort, wie er erzählte. Ich erzählte im von meiner Begegnung mit dem 21-jährigen und seiner Meinung, die Ukraine habe keine Zukunft, was er eifrig bestätigte. Auch meine Frage „Warum?“ hin antwortete er „Too many bad people in gouvernment.“ Er selbst sei eigentlich Polizist, im Range eines „Captain“, und bekäme 370 Dollar im Monat. Unter seinem Trenchcoat, der, wie er sagte, aus Deutschland stamme, trug er sogar seine Uniform. Oh, sagte ich, dann müsse ich ja aufpassen, was ich sage. Das tat ich dann auch tatsächlich. Ich war versucht, ihn nach dem Wahrheitsgehalt der Geschichten, die ich über Polizisten in der Ukraine gelesen hatte, zu befragen, die von Touris irgendwelche sogenannte „Strafen“ für Pseudodelikte einkassieren würden. Aber ich nahm davon doch sicherheitshalber Abstand. Insbesondere, als er mir erzähle, was für tolle, deutsche Produkte er so haben, unter anderem einen S-Klasse-Mercedes Baujahr 1990. Hm, schon fies, sofort einen Korruptionsverdacht zu hegen, aber sicher ist sicher. Trotzdem freute ich mich über ein wenig Konversation mit einem Einheimischen.

Flughafen Odessa

Auch bei mir immer gerne mal wieder genommen: Fotos mit falschem Weißabgleich und Blaustich. Gehört fast schon dazu wie Bilder von Handtaschen und von meiner quietschorangenen Hartschale.

Die Fahrt, und ich hatte Daria vorher schon gefragt, was ich zu erwarten hätte, kostete 160 UAH. Ich gab ihm 200 und legte noch nen 10er drauf. Deutsche Produkte sind hier sicherlich teuer. Es war noch vor 12.00 Uhr, der Flug soll um 15.00 Uhr starten. Zuerst fand ich ein Büro der Ukrinian Airways und fragte eine Dame, wann der Check-in begänne und an welchem Schalter. 13.00 Uhr, Schalter 3/4, bekam ich als Antwort. Da das Flughafengebäude mit einer 60er-Jahre-SU-Anmutung ziemlich voll war und es nicht regenete, zog ich es vor, draußen zu warten und zu lesen.

Ein letztes Foto von einem Streunerhund

Dieser Hund streunte direkt von dem Flughafen herum. Letzte Gelegenheit, noch einen zu knipsen, und dieser sah auch sehr nett aus.

Gegen 13.00 Uhr stellte ich mich in die Schlange von Schalter 5, wo ich offenbar einchecken konnte. Hinter mir wurde Deutsch gesprochen, und zwar kein österreichisch gefärbtes Deutsch – offenbar auch Landsleute. Ich musste gar nicht so lange Warten, bis mir auf Vorlage meines Reisepasses eine Bordkarte ausgestellt wurde, aber nur bis Wien. Dort muss ich also nochmal einchecken. Meine quietschorangefarbene Hartschale scheint aber den Labels nach bis nach Frankfurt gecheckt zu sein. Keine Ahnung, in Wien vielleicht sicherheitshalber noch einmal nachfragen.

Security ging wirklich fix – ich konnte meine Schuhe anbehalten, keiner unterzog mich einer Leibesvisitation, und auch mein Laptop wurde nicht mit so einem elektronischen (oder echten) Hund abgeschnüffelt. Die Abflughallte hat nichts mit den komfortablen Lounges großer europäischer oder amerikanischer Flughäfen gemeint. Triste Farben, blaue Stahlsitze, wie sie bei uns in Bushaltestellen zu finden sind, und diese auch nicht in ausreichender Menge vorhanden. Ich zeigte einer Frau an Gate 1 meine Bordkarte, und fragte, von welchem Gate wohl mein FLug ginge, und sie meinte „I hope, here.“

Odessa ist immerhin eine Millionenstadt. Ich hatte meinem Taxifahrer/Polizisten von den Problemen auf unserem Hauptstadtflughafen erzählt. Der meinte, die hätte man in Odessa ebenfalls. Wir waren da schon fast angekommen, und er zeigte mir sich im Bau befindliche Gebäude unmittelbar neben dem alten Flughafengebäude.

Tja, da bin ich nun. Immerhin gibt es hier ein WLAN,dass ich nutzten kann, so dass ich dies hier wohl auch sofort hochladen kann. Vielleicht sogar mit ein paar Bildern, mal sehen.

Wird fortgesetzt…

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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