Alles toll in Deutschland

Frankfurt am Main Flughafen (schon wieder), 07.03 Uhr.

Spuhlen wird doch erstmal zurück nach Wien. Angekündigte Verspätung 20 Minuten, da habe ich mir erstmal ein teuer Bier genehmigt (allerdings bei Weitem nicht so teuer wie das am Vorabend in Odessa). Dann irgendwann rein in den A321 der Lufthansa. Abflug war dann so eher 45 Minuten später als geplant. Ich hätte in Frankfurt eine Stunde und zehn Minuten Aufenthalt gehabt, planmäßig.

Das Glas heller Freude

Teuer Bier. Naja, alles ist relativ. Übrigens, helle Freude, vielleicht, aber Glas… Nö.

Der Kapitän sagte an Bord an, dass das Flugzeug, welches zuvor aus Frankfurt gekommen war, dort verspätete losgekommen sei. Grund sei der Beginn der Schulferien der Hessen, dadurch wären die Sicherheitskontrollen in Frankfurt überlastet gewesen. Später wurde noch durchgesagt, dass alle Anschlussflüge erreicht würden.

Ja, lustig! Theoretisch hätte ich den Flug ja auch noch bekommen. Stattdessen musste ich, weil meine quietschorangene Hartschale aus Gründen, die nur die Trulla an der Gepäckaufgabe in Odessa bekannt sein dürften, mein Koffer nur bis Frankfurt eingecheckt. Also trabte ich nach der Landung in FRA zur Gepäckausgabe. Es dauerte erstmal eine Weile, bis diese begann. Dann kamen keine Koffer mehr. Aber anhand der immer noch wartenden Leute ging ich davon aus, es kommt noch was. Es kam auch noch was. Nur nicht mein Koffer. Und dann meldete der Monitor am Band, die Ausgabe sei beendet.

Gepäckausgabe

Gepackband des Grauens

Schöne Scheiße, Koffer weg, Flieger zum FMO weg. Kaum betritt man deutschen Boden, schon fängt der Ärger an. Also zur Gepäckverfolgung, oder wie das heißt (hab ich schon wieder verdrängt) am Band. Die ließ sich meinen Gepäckschnipsel aushändigen und entlockte ihrem Computer die Info, mein Koffer sei noch in Wien. Ich solle zum Ticketschalter gehen, dort würde man mir entweder einen „Ground-transportation-voucher“ (was soviel wie ein Gutschein für ein Bahnticket bedeuten dürfte) oder ein Ticket für einen Flieger am kommenden Tag und einen Voucher fürs Hotel geben. Der Koffer würde mir am nächsten Tag nachhause geschickt.

Also, zwei Etagen hoch. Dort gibt mir ein Lufthansa-Mitarbeiter eine Nummer, ich würde ausgerufen. Also wieder Schlange stehen und warten, bis meine Nummer auf dem Monitor erschien. Der Lufthansa-Mitarbeiter schaute nach Zügen, aber da wäre ich über 5 Stunden unterwegs, und es ginge kein Flieger mehr zum FMO.

Also nahm ich weisungsgemäß den Shuttlebus zum Intercity Airport Hotel. Im Bus saß eine junge Dame, die die ganze Fahrt über telefonierte und dem Gesprächspartner ihre Geschichte erzählte, sie ist wohl auch hängen geblieben. Und diverse andere Leute im Bus ebenfalls.

Es ging vorbei an den weitläufigen Anlagen des Frankfurter Flughafens. Ausfahrt „Cargocity Süd“ verließen wir die Flughafen-Autobahn und kamen am Hotel an. Es gab noch einen Gutschein fürs Abendessen. Das Restaurant schlösse zwar in 15 Minuten, aber man würde noch auf die Gestrandeten warten. Ich erhielt unter anderem eine Schlüsselkarte für ein Zimmer im ersten Stock.

Dort angekommen fiel mir erstmal nur auf, dass im Bad Handtücher auf dem Boden lagen. Aber weil das Abendessen ja eilte, ging ich erstmal ins Restaurant. Dort gab es ein Buffett mit Vorspeisen, Suppen, verschiedenen Hauptspeisen und Desserts. Ich nahm Huhn mit Spaghetti und Sauce und zum Nachtisch Milchreis.Es schmeckte ganz gut, aber genießen konnte ich das nicht, dazu war ich noch viel zu gestresst.

Ungemachtes Bett

Ich bin ja nicht pingelig. Aber so geht das nicht.

Wieder auf dem Zimmer angkommen, stellte ich fest, dass auch das Bett nicht gemacht war. Also ein paar Fotos gemacht und mit diesen und der Schlüsselkarte zur Rezeption. Offenbar hatte mein Zimmer als „fertig“ im Computer gestanden. Ich bekam eine neue Schlüsselkarte für ein neues Zimmer, welches ich dann bezog.

Hier stellte ich fest, dass es kein kostenloses WLAN gab, aber ich konnte ja wieder via Mobilfunk ins Netz. Also schon mal kurz die Ereignisse stichpunktartig gebloggt, Wecker auf halb fünf gestellt und ab ins Bett.

Morgens weckte mich mein Handy wieder mit „Chattanooga Choo-Choo“, ich hatte keine Lust mehr gehabt, mir einen angemessenen Klingelton herauszusuchen. Im Nachhinein wäre „Dazed and confused“ von Led Zeppelin ein Kandidat gewesen.

Also raus aus der Falle und unter die Dusche. Okay, meine sämtlichen Toilettenartikel waren im Koffer, Zahnbürste, Deo und so weiter. Und natürlich hatte ich auch keinen weiteren Satz Unterwäsche dabei. Also nach der Dusche (immerhin) rein in die Klamotten des Vortages. Aber noch unter der Dusche fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, meinen Schlüsselbund vom Koffer in meine Hosentasche umzusiedeln. Schöne Sache! Denn es war ja nicht geplant, dass der Koffer mit mir fliegen, sondern mit zugestellt werden sollte.

Ich habe in Osnabrück einen Zweitschlüssel bei guten Freunden deponiert. Aber ich bin mir nicht sicher, ob die überhaupt da sind, immerhin sind ja Herbstferien, und ich meinte, die wollten mit den Kindern noch irgendwie wieder an die Nordsee. Wie auch immer, der Tag begann, wie der vorige geendet hatte, mit Stress.

Bei der Weckzeit hatte ich mir von vornerherein viel Pufferzeit am Flughafen eingeplant, weil ich am Flughafen noch prüfen wollte, ob der Koffer nicht mit mir mitfliegen könnte. Das war nun wegen der Schlüsselsache umso wichtiger. Es war also erst 05.00 Uhr, als ich auscheckte und auf das 05.15 Uhr-Shuttle wartete. Großzügigerweise wäre das Frühstück ja inklusive gewesen. Bringt nur wenig, wenn der Laden erst um 06.00 Uhr aufmacht. Von wegen, der frühe Vogel fängt den Wurm! Der muss erstmal warten, bis das Restaurant aufmacht, so sieht das aus!

Intercity Hotel

Hier also verbrachte ich ungeplant eine Nacht.

Also rein in den Bus, hin zum Flughafen. Hier kam ich dann etwa drei Stunden vor Abflug an. Zunächst wollte ich noch eine Anfrage wegen meiner quietschorangefarbenen Hartschalte stellen. Die Gepäckverfolgung war unten bei der Gepäckausgabe. Ich fragte mich, ob das nicht noch im Sicherheitsbereich sei, und wie ich denn da hinkäme. Und ob mir vielleicht auch wer anderes von der Lufthansa helfen könnte oder es einen weiteren Schalter dafür woanders gäbe. Also suchte ich mir im A-Terminal einen Wolf und fragte schließlich eine Frau am Lufthansa-Check-in um Rat. „Vielleicht beim Ticketing eine Etage höher, die machen gleich auf.“ Also hoch und abwarten, bis der Schalter öffnete. „Nein, da müssen Sie zur Gepäckverfolgung.“ Ich fragte, wo die wäre, habe aber die Wegbeschreibung nicht kapiert, oder sie war falsch. Wieder herumirren. Wieder Check-in. Einen anderen Mitarbeiter gefragt. „Äh, vielleicht am Ticketschalter…“

Na super. Super Lufthansa, super Deutschland. Ich konnte nicht umhin, daran zu denken, wie Deutschland in den letzten zwei Wochen von den Ukrainern immer gelobt worden war. Aber hier fand ich in diesem nicht gerade übersichtlichen Flughafen nicht mal einen Informationsschalter des Flughafens, wo jemand mir mal sagen konnte, wohin ich mich wenden sollte.

Ich ging nochmal in die Richtung, aus der ich gestern gekommen war, zur Gepäckannahme. Da gab es dann Türen, die nur nach draußen führten. Fluggäste mit Gepäck kamen hindurch. Die Glücklichen! Ich spielte kurz mit dem Gedanken, mich da reinzuschleichen. Aber mit Sicherheit würde alles kameraüberwacht, und so interessant und berichtenswert die Begegnung mit der Bundespolizei hätte werden können, ich wollte eigentlich nur nachhause und legte keinen gesteigerten Wert darauf.

Am Ende fand ich dann doch einen Weg zur Gepäckausgabe und damit auch den Schalter der Gepäckverfolgung. Dort erfuhr ich, dass der Koffer bereits in Frankfurt sei und mit Flug LH062 zum FMO transportiert würde. Das ist auch mein Flug! Die Dame sagte mir dann, ich könne ihn ganz einfach dort von der Gepäckausgabe abholen, es wäre nur nett, wenn ich der dortigen Gepäckverfolgung sagen würde, dass der Vorgang abgeschlossen sei und man mir den Koffer zuhause nicht mehr zuzustellen brauche. Uff.

Okay, Bordkarte hatte ich ja schon für LH062. Also durch die Security (hurra, wieder einmal) und zum Gate. Und da sitze ich jetzt. In fünf Minuten beginnt das Boarding.

Wird fortgesetzt…

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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Eine Antwort zu Alles toll in Deutschland

  1. satayspiess schreibt:

    Ach, Michi! Stell‘ dir doch nur vor, sowas wäre dir auf dem Hinflug passiert, keiner hätte Englisch gesprochen, keiner hätte das Hotel gefunden, wo du in Odessa abgestiegen bist, und deine Quietschorangene Hartschale hätte ohne dich Urlaub machen müssen. Ich habe zwar gut reden, denn nicht ich, sondern du hattest ja nun den Stress. Aber letztlich ist es doch super gelaufen. Hast ein Hotel und sogar noch was zu essen bekommen, schließlich doch noch ein gemachtes Bett, und bist wahrscheinlich inzwischen zu Hause angekommen, so früh wie dein Flug heute ging. Das ist immerhin ein Vorteil, wenn man über Frankfurt fliegt, da kommt man immer und ohne langes Warten weg.
    Dass der Koffer mal nicht mit kommt, kann immer passieren (ist mir auch schon passiert), und deswegen packt man IMMER und ALLE Wertsachen und was man so braucht ins Handgepäck. Eine frische Unterhose ist da auf Fernreisen auch immer mit bei, nimmt ja kaum Platz weg. Seife gibt’s ja im Hotel, also auch kein Problem.
    Aber nun ist ja Ende gut, alles gut, weil dein Koffer nun doch zusammen mit dir von FMO nach Mü/Osna fliegt/geflogen ist. 🙂
    Bald wirst du darüber lachen und es als weitere, unschätzbare Erfahrung verbuchen können.

    Welcome back. 🙂

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