Bob is back!

Nun, Satay-Spiess hat natürlich mit dem Kommentar zu dem kleinen Intermezzo in Frankfurt mit allem Recht. Ich weiß auch, dass der Schlüssel nicht in den Koffer gehört – ich hatte nur vergessen, ihn umzupacken. Wenn ich im Ausland unterwegs bin, lasse ich ihn immer im Koffer, wozu mitschleppen. Ich hatte ein Hotel, ich hatte was zu essen, um den Koffer wurde sich gekümmert – also alles gut. Aber man wird wohl mal ’n Moment sauer sein dürfen…Die Leute der Lufthansa von der Gepäck-Dingsbums waren auch sehr hilfsbereit und kompetent. In dem Augenblick, als mir die Dame sagte, dass mein Koffer im selben Vogel flöge wie ich, war ich ja auch schon wieder mit der Welt versöhnt.

Gepäck wird in die CRJ700 zum FMO verladen

Mit Argusausaugen spitze ich auf die Gepäckverladung – ist die quietschorangene Hartschale dabei?

Nach dem Boarding ging es rein in einen Bus. Hier unterhielt ich mich noch nett mit einer jungen Mutter, deren echt total knuffiges Baby sie vom Schuss des Papas aus immer wieder anlächelte. Papa war Australier, sie kommt aus Münster, es ist der erste Besuch von Junior bei Oma und Opa in Deutschland. Wir fuhren dann mit dem Bus zu einem Canadier CRJ700, und sie meinte, sie flöge nicht so gerne mit so kleinen Flugzeugen. Kurz vor dem Einstieg in den Flieger versuchte ich noch, meine quietschorangene Hartschale zu erspähen, denn das Gepäck wurde ebenfalls gerade geladen. Ich sah das Teil nicht.

Gepäckband 2 am FMO

Na, wehe, das klappt jetzt hier nicht!

Rein in den Vogel, warten, Taxiing, Takeoff. Es war ein sehr angenehmer, ruhiger, 45-minütiger Lufthüpfer. Angekommen am FMO suchte ich die Gepäckausgabe auch, und siehe da… Bob, der Baumeister (so aus naheliegenden Gründen der inoffizielle Name der quietschorangenen Hartschale) war wieder da. Ich ging noch brav zur hiesigen Gepäck-Dingsbums und gab meinen Zettel aus Frankfurt dort ab, der von einer emsigen Lufthansa-Mitarbeiterin sogleich fotokopiert wurde. Sie bat mich noch, meinen Leo unter einen Zettel zu setzen, von wegen dass ich das Gepäck erhalten habe, und das war’s dann.

Bob is back

Da isser ja wieder, der kleine Ausreißer!

Draußen sah ich, dass ich nur gut zehn Minuten auf die X-150 zu warten brauchte. Auf dem Weg nach Osnabrück waren wir diesmal zu zweit, es war noch ein junges Mädchen dabei (vielleicht 18), die zuvor mit einem BWM X5 auf dem Bussteig angeliefert worden war. Eine halbe Stunde später war ich am Neumarkt, brauchte hier auch nur vier Minuten zu warten, bevor mich die R11 nachhause brachte. Und das war’s dann.

Fazit:
Insgesamt ist es wohl – wenigen Stichproben zufolge – so, dass die Menschen in der Ukraine ihrem Land und insbesondere ihrer Regierung nicht viel zutrauen. Das hat mir wieder einmal gezeigt, wie gut wir es hier in Deutschland haben. Und das wir es trefflich verstehen, auf hohem Niveau zu jammern. Vielleicht nicht nur, was Lebensstandard angeht, sondern sogar, was unsere politischen Verhältnisse angeht. Denn im Vergleich zu z.B. der Ukraine oder Italien oder sogar den USA sind wahrscheinlich die bei uns auch immer noch ziemlich gut. Vielleicht ist das größte Problem unseres Landes, dass wir notorische Nörgler ohne Selbstbewusstsein sind (allen voran ich natürlich).

Vielleicht habe ich bei dem Trip ein wenig über mich selbst gelernt, aber darauf möchte ich nicht näher eingehen.

Eine gewisse post-sovietische Tristesse lag leider immer noch schwer über vielen Orten. Aber wenn man ehrlich ist, auch hier gibt es – z.B. in Hamburg-Harburg absolut hässliche Ecken, in denen es auch nicht schöner aussieht. 60er-Jahre-Industrieviertel sind auch in Deutschland nicht so besondert hübsch anzusehen. Wenn man natürlich mit einer vorgefertigten Meinung ankommt, dann sieht man auch alles durch die entsprechende Brille.

Da, wo jemand einem Markt riecht und glaubt, ’nen schnellen Euro oder Dollar verdienen zu können, werden natürlich Luxus-Einkaufstempel aus dem Boden gestampft, die manchmal etwas fehl am Platz wirken. Neben brökkelnden Gebäudefassaden liegen die Luxus-Yachten der Reichen. Und die Porsche Cayenne – Dichte in Odessa schien mir größer als in Osnabrück.

Neben den Leuten, die auf Touri-Abzocke aus waren, habe ich nette und gastfreundliche Urkainer getroffen. Es war mir ein wenig unangenehm, mich von denen zu irgendetwas einladen zu lassen, weil ich ahnte, erheblich mehr Kohle zu haben als die. Aber ich ahnte auch, dass Ablehnung die womöglich beleidigt hätte.

Leider – und daran ist einfach nur meine Entscheidung schuld, trotz der Jahreszeit diese Breiten aufzusuchen – war das Wetter die meiste Zeit nicht so schön. Und das ist schade, denn ich glaube, bei schönem Wetter sind sowohl Odessa als auch Sewastopol Orte, in denen man sich durchaus am Meer wohlfühlen kann. Ich finde es ein bisschen traurig, denn ich glaube, sonst wären beide Städte bei mir besser weggekommen.

Und es ist auch einfach schade, dass die Leute dort meiner Ansicht nach nicht so richtig wissen, wie man es anpacken muss, um vielleicht auch mehr Touristen aus dem Westen (und deren Geld) anzulocken. Denn ich glaube, die ukrainischen Schwarzmeer-Städte könnten auch durchaus für den europäischen Durschnittstouristen interessant sein, wenn man das alles ein wenig „überarbeiten“ würde. Insbesondere, wenn es gelänge, das hauseigene Flair geschickt mit westlichen Standards (z.B. genügend Geschäfte für POSTKARTEN, zum Geier nochmal!) zu verknüpfen.

Borschtsch ist sehr lecker trotz der roten Beete. Ich kenne hier einen Laden, wo ich mir vielleicht mal eins reinziehen kann.

Die Hotels hatten kleinere Mängel (bis auf das letzte nicht so tolle Duschen), waren aber unter dem Strich alle drei sehr okay (besonders das letzte, wegen der guten Dusche und Daria, der hübschesten Rezeptionistin der Welt).

Auch, wenn ich ein bisschen mit der post-sovietischen Atmosphäre zu kämpfen hatte, so ist das trotzdem nicht unbedingt mein letzter Urlaub in einem Land der ehemaligen Sovietunion gewesen. Vielleicht mein letzter in der Ukraine, obwohl ich mir einen Besuch in Kiev auch durchaus irgendwann einmal vorstellen könnte. Aber Moskau und St. Petersburg reizen mich auch, vielleicht auch eines Tages die baltischen Staaten. Von denen hört man ja teilweise, dass sie Skandinavien näher sind als der Sovietunion. Trotzdem… muss nicht unbedingt nächstes Jahr schon wieder sein. Wenn dann der Urlaub wieder in den September/Oktober fällt, suche ich mir vielleicht etwas sonnigeres!

Alleine Reisen hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Ich fühlte mich einige Male einsam. Andererseits, wenn ich die Reisegruppen wie die Schäfchen mit ihren Guides irgendwo sehe, dann habe ich auch wieder nicht so viel Lust, sowas zu machen. Ich liebe es einfach, jederzeit tun und lassen zu können, was ich will.

Regenbogen in Frankfurt

Die Spiegelungen in der Scheibe waren nicht zu vermeiden, als ich diesen Regenboden fotografierte. Erstaunlich war, dass es dabei schon fast dunkel gewesen ist, so dass ich mich fragte, woher das Licht für den Regenbogen kam.

So, nun erstmal Tschüß an alle, die fleißig gelesen haben. Ich freue mich natürlich wie immer über das positive Feedback. Eigentlich erfüllt der Blog schon für meine Familie und für mich selbst seinen Sinn, aber jeder, der sonst noch mitliest und mir das auch sagt, motiviert mich natürlich zusätzlich, zu schreiben.

Bis zum nächsten Mal, michikarl.

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Antworten zu Bob is back!

  1. satayspiess schreibt:

    Och menno, ich wollte gar nicht recht haben, sondern nur ein wenig trösten. 🙂
    Dass du den Schlüssel nur vergessen hattest umzupacken, hatte ich nicht mitbekommen. Vielleicht ja auch sowieso gar nicht so eine unschlaue Idee, einen Schlüssel im ansonsten leeren Koffer zu lassen. Wer würde schon ein leeres Gepäckstück aus dem Hotelzimmer klauen? Im Gegensatz zu am Körper baumelnden Handtaschen ….
    Ich bin zwar nicht family, lese deinen Blog aber trotzdem gerne. Weiter/mehr/wieder! 🙂

    • michikarl schreibt:

      Och Spiess, ich weiß doch Deine Kommentare immer sehr zu schätzen. Besonders irgendwie diesmal, weil sie so herzlich und anteilnehmend waren. Ich packe normalerweise meinen auf das Wesentliche reduzierten Schlüsselbund in meinen Koffer (der allerdings nicht leer im Hotelzimmer steht, meistens packe ich nur die für den jeweiligen Aufenthalt benötigten Klamotten aus). Erstmal gehe ich nicht davon aus, dass etwas aus dem Hotelzimmer verschwindet, schon gar nicht ein ganzer Koffer. Auch da ist meine quietschorangene Hartschale (Bob) von Vorteil – das Ding ist auffällig, was bei einem Diebstal von Nachteil für den Dieb sein dürfte. Da halte ich alles, was ich am Mann habe, für wesentlich gefährdeter.

      (Hier musste ich eine Menge Text wieder löschen. Ist vielleicht nicht so schlau, theoretisch die ganze Welt über meine Strategie in Sachen Sicherheit auf Reisen aufzuklären…)

      Jedenfalls, alles gut. Ich habe nur aufgrund bekannter, psychischer Defekte meinerseits immer den Glauben, alle Welt würde alles anders und besser machen als ich, besonders im Urlaub. Die Zeit besser nutzen, mehr sehen, mehr erleben, sich besser erholen, alles effizienter und schlauer anstellen, jederzeit überall den Durchblick haben. Ist natürlich Quatsch. Leistungsdruck-Urlaub. Aber deswegen habe ich an dieser Stelle Animositäten. Doch das soll niemanden abhalten, gute Ratschläge an den Start zu bringen. Ich hoffe ja auch, zu lernen…

  2. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Welcome home, Bruderherz! Es war wie immer ein Vergnügen, Deinen Urlaub mitzuverfolgen, auch wenn es in manchen Momenten in ein leichtes Mit-Leiden überging. Aber jede Reise-Erfahrung hat im Nachhinein ihren Wert, und und das Ganze hat Dich anscheinend ja auch doch nicht komplett abgeschreckt. Ich glaube übrigens, dass Moskau und St. Petersburg doch ein anderer Schnack sind als Odessa und Sevastopol, da habe ich schon viele Leute schwärmen gehört. Und das Baltikum – ja, ich persönlich möchte ja gern mal nach Litauen, nachdem wir letzten Sommer in Taizé so nette Leute von dort kennen gelernt haben. Ich bin jedenfalls schon gespannt, wohin Dich Deine nächste Reise verschlägt. Für den Moment frage ich mich allerdings vor allem, wie ich mir jetzt meine (bekanntlich stets im Übermaß vorhandene) Zeit vertreiben soll, da nun sowohl Deine als auch Renés Blog-Einträge ausbleiben werden…

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