Vogel Strauss vs. Frau Google

Nachdem ich vor einer Woche am Sonntag mit dem Rad nach Münster und wieder zurück gefahren bin (so 116 km) drängte es mich nach einer neuen Herausforderung. Und so fuhr ich dieses Wochenende dann am Samstag mit dem Rad nach Bremen und am Sonntag (nach einem Hotelaufenthalt) wieder zurück.

Am Samstag war noch zuvor frühstücken, eine Maschine Wäsche waschen und einkaufen angesagt. Ich stellte dann fest, dass mein Tacho just seine Funktion eingestellt hat, fuhr nochmal zum Supermarkt und erstand einen neuen BC 400. Für die Tour reicht der. Gut, musste natürlich noch der Raddurchmesser eingegeben werden, dann musste ich noch packen (eine Packtasche mit paar Klamotten und Netbook, die andere mit 4,75 Litern Wasser, 4 Äpfeln, 12 Müsliriegeln, einer großen Kabanossiwurst und einem Streuseltaler vom Supermarkt-Bäcker. Dann noch die Untersatteltasche für den Zusatzakku und USB-Ladekabel nach vorne zum Schlaufon. Dann sagte ich Google Maps, wo ich hin wollte, und los gings.

Frau Google (die weibliche Stimme der Google Navigation) führte mich etwas anders nach Wallenhorst, als ich es von meinen Trainingsfahrten gewohnt war – bestimmt drei oder vier km kürzere Strecke. Beim Piesberger Gemeinschaftshaus scheuchte sie mich dann die Schwarze Straße, eine unmöglich für einen Normaltrainierten mit Gepäck zu fahrende Steigung. Selbst Schieben war sehr schwer. „Kann ja auf der Rückfahrt interessant werden…“, dachte ich noch.

Weiter ging es nach Wallenhorst und Engter, und Frau Google entbödete sich nicht, auch bei minimalen und selbstverständlichen Kurskorrekturen gestandenen Musikern wie Mick Jagger, Kai Wingenfelder oder Steven Tyler ins Wort zu fallen. Ich hatte In-Ears mit und hörte Musik beim Fahren. Etwas nervig, die Frau Google. Ich hätte ihr ja das Wort verbieten können, aber ich ziehe es vor, das Display nicht die ganze Zeit laufen zu lassen, um Saft zu sparen.

Vogel Strauss bei Damme

Auf Augenhöhe (naja, wenn der einen langen Hals gemacht hat, bestenfalls fast…) mit Gevatter Strauss. Das Schild hat mir auch sehr gefallen.

Kurz vor Damme: Mais, Mais, Mais, Wiese, Wiese, Wiese, Kühe, Kühe, Kühe, Wiese, Wiese, Wiese, Straussenvogel, Wiese, Wiese, W…. WTF? Ein kurzer Zug am Hebel der seit dem Bremsbelägewechsel wieder gut funktierenden Hydraulikbremse und ein 180-Grad-Turn zeigte mir, dass ich mir den großen Vogel nicht eingebildet hatte. Unverhofft stand der Kollege Aug in Aug (naja fast – ich gestehe, er war ein bisschen größer als ich) vor mir. Das musste ich einfach erstmal knipsen. Leider hatte ich außer dem Handy keine Kamera mitgenommen, und mein gegenwärtiges Teil macht keine so guten Fotos – da hatte ich schon bessere Handykameras. Jedenfalls trennte ich das Gerät von der externen Stromversorgung und knipste den schlecht gelaunt guckenden Vogel.

Als ich versuchte, das Handy wieder mit dem Akku zu verbinden, machte dieses Zicken – wie in letzter Zeit öfter beim Laden, auch an der Steckdose.
Ich bekam es wieder zum Laden – dachte ich. In Damme stellte ich dann fest, Pustekuchen, es tat nicht. Also versuchte ich es mit einem Neustart, was auch klappte – dafür bekam ich nicht genügend Netz, um Frau Google mein Reiseziel erneut mitzuteilen. Was nun? Ich sah förmlich gewisse Leute vor mir „Jaja, das kommt davon, wenn man sich auf diesen elektronischen Kram verlässt. Da ist man auf Strom, Internet, Satelliten und wer weiß was noch angewiesen. Eine gute, alte Karte funktioniert immer und überall!“ Stimmt ja auch im Wesentlichen, wenn auch bei Regen, Wind und Dunkelheit nur eingeschränkt. Wie auch immer, ich hatte mit den wesentlichen Routenverlauf zusammengeschrieben und ausgedruckt. Das half mir erstmal weiter, weil meine App Bikecomputer die nötige Karte – wenn auch ohne automatisches Routing – lieferte. So schaffte ich es über Osterfeine fast bis nach Diepholz, doch vorher meldete sich dann irgendwann – nunmehr hochwillkommen – Frau Google doch wieder zu Wort. Weiter ging es also über Diepholz und Drebber (immer über die B51…) nach Barnstorf, wo ich, etwa auf halber Strecke, eine etwas längere Pause in einem Buswartehäuschen machte.

Danach weiter über die B51 – fast 30 km insgesamt. Ich wunderte mich, dass ich häufig ohne große Anstrengung 25 – 28 km/h auf dem Tacho hatte und argwöhnte schon, diesen falsch eingestellt zu haben. Oder dass ich starken RÜckenwind hätte. Die Naben der Windkraftanlagen zeigten mir dann, das Luv genau die Richtung war, aus der ich kam (Lee-Läufer-Anlagen gibt es ja eher selten). Hm… kann ja morgen interessant werden, wenn es so bleibt, aber das ist halt ein „Morgen-Problem“. Ein „Heute-Problem“ war eher der Akku vom Schlaufon, der offenbar immer noch nicht richtig geladen wurde, aber ich hoffte, dass es bis zum Ziel reichen würde.

Der Weg führte weiter über Drentwede, Twistringen, Bassum und Heiligenrode. Achja, das Wetter… gestartet war ich in Osnabrück bei leichtem Regen, der aber spätestens nach Engter aufhörte. Ab ca. Diepholz war es dann überwiegend sonnig.

Nach Heiligenrode näherte ich mich Bremen und kam mehr oder weniger am Flughafen vorbei. Zumindest war da der Anfang einer Bahnbefeuerung und eine seltsame Antennenphalanx, vielleicht ein Drehfunkfeuer oder so. Ich querte mehrfach den Fluss Ochtum, eine sehr schöne Gegend mit viel Grün, was auch viele Leute zur Naherholung nutzten, wie mir schien. Dann ging es an der Becks-Brauerei vorbei, die mächtig viele Bierkisten auf dem Hof stehen hatten, und über die Weser. Danach waren noch so vier oder fünf km bis zum Garden Hotel in Hafennähe zurückzulegen, was ich dann auch noch hinter mich brachte.

Rad abstellen, einchecken und ab in Zimmer 322 – und erstmal unter die Dusche. Anschließend zog ich neue Klamotten an und ging ins Hotel-Restaurant ins Untergeschoß, erstmal was essen. Das Holzfällersteak mit Pommes und Salat bekam den Zuschlag, dazu zwei Radeberger (die hatten doch tatsächlich kein Becks vom Fass…).

Danach besorgte ich mir an der Rezeption den WLAN-Code und ging wieder auf mein Zimmer. Ich wollte mal einen Blick auf die Ingress-Map werfen, denn ich wollte noch mit dem Rad los, ein paar Unique Captures machen. Ich war dann aber zu ungeduldig, Google Maps und die langsam auf meinem Netbook laufende Ingress-Map abzugleichen und entschied mich, einfach zum Hauptbahnhof zu fahren und von dort aus zu gucken, was so ging.

Kaffee Hag in Bremen

Nicht weit weg vom Hotel roch es plötzlich intensiv nach Kaffee. Ich hab erst beim zweiten Mal vorbeikommen gesehen, warum.

Ich ließ mich also von Frau Google zum Hauptbahnhof navigieren, Ingress blieb derweil aus – zu nervig, beides gleichzeitig zu machen. Muss ja nicht sein, dass Frau Google und ADA (und womöglich noch Mick Jagger) um mein Ohr streiten… Vom Hauptbahnhof aus, wo ich gleich loslegen konnte (alles Blau) folgte ich dem Scanner zu weiteren blauen Hochburgen. Ich kam dabei auch wieder an das stimmungsvoll beleuchtete Weserufer. Ich hatte mir ein zeitliches Limit gesetzt, denn immerhin stand ja am Sonntag die Heimfahrt an. Aber ich schaffte immerhin über 50 unique captures, oft einhergehend mit der vorherigen Zerstörung blauer Portale. Das war genug, dass mich zwei Bremer Schlümpfe über die Comm antexteten, wo ich denn herkäme. Einer wollte sich konkret für meine Aktion revangieren…

Abendstimmung an der Weser in Bremen

Abendstimmung an der Weser

Nach den über 50 übernommenen Portalen war ich einigermaßen zufrieden und fuhr zurück zum Hotel. Die vorher Dienst tuende Rezeptionistin hatte mir angeboten, ich könne mein Rad auch in eine Garage stellen. Ich fragte ihre Nachfolgerin danach, bekam alle vier Garagenschlüssel und parkte meinen Esel in Garage 1 zwischen Rasenmähern und Gießkannen. Wieder bei der Rezeption gab es noch eine Flasche Becks aus dem dortigen Kühlschrank als Feierabendbier. Wieder im Zimmer versuchte ich noch, genau dies zu bloggen, aber irgendwie zickte mein Firefox – darum muss ich mich wohl noch können. Also trank ich mein Bier aus und ging in Bett.

Feierabend Beck's

Wenn man schon mal in Bremen ist…

…to be continued…

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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2 Antworten zu Vogel Strauss vs. Frau Google

  1. satayspiess schreibt:

    Hm, Michi, Münster. Dann Bremen. Dann kommt als nächstes Hamburg, oder? 😉
    Ich glaub ich kenn‘ da welche; die sind schon mal von Hamburg nach …. naja, okay, es war „nur“ der Dümmer See, aber immerhin … 😀

    • michikarl schreibt:

      Hallo spiess! Nöö, Hamburg wird es bei mir nicht werden. Und die zwei, die Du meinst, sind einmal auch an einem Tag von Meckelfeld nach Osna gefahren – hammerhart. Das habe ich nicht vor. Aber da ich ja leider auch am Ende verunglückt bin (siehe nächster Artikel) wird es so bald wahrscheinlich nichts mit neuen „Heldentaten“, obwohl diese bereits intensiv für den Urlaub geplant waren. Das schreibe ich gleich auch noch rein, zur Zeit steht das wegen einerseits meiner Verletzungen, andererseits wegen den Schäden am Rad auf der Kippe.

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