Urlaub, zweiter Versuch: Soll wohl doch klappen…

Wie viele von Euch wissen, bin ich ein souveräner, vorausschauender und -planender, selbstbewußter (und -ironischer…) Globetrottel, den nichts und niemand auf Reisen aus der Ruhe zu bringen vermag. Ich habe in den vergangenen Jahren ukrainischen Bahnbeamtinnen, palestinänsischen Raketen und us-amerikanischen Einreisekontrollen getrotzt (ob bei dieser Wortkombination wohl bei der NSA was klingelt?). Mit anderen Worten: Ich bin schon ein ziemlicher Hecht. Aber nun wartet das letzte große Abenteuer der Zivilisation auf mich: Der Flug mit einer Schweizer Billigfluglinie!

So denn. Ich wachte heute morgen um sechs Uhr durch das simple Piepen meines Weckers auf. Wer meine bisherigen Urlaube hier schon mal gelesen hat, weiß, dass ich mich gerne mit passender Musik wecken lasse. Das bekannte „London Calling“ habe ich nicht im Archiv, aber es wäre normalerweise „London“ von Queensryche geworden. Aber für solche Spielereien hatte ich gestern abend, als ich mir unsicher war, ob ich überhaupt fit genug für den Urlaub sein würde, keine Lust.

Ich hatte gestern vor dem Schlafengehen eine Schmerztablette (Diclodingsbums) eingenommen und dann noch bis nach null Uhr wach gelegen, Quizduell gespielt, gechattet und so. Heute wachte ich fast schmerzfrei auf. Und war sehr dankbar. Vielleicht eine ganz gute Lektion. Ich war in den vergangenen Tagen teilweise derart depressiv gewesen, dass ich mich kaum auf den Trip nach London gefreut hatte. Nachdem mir dann klar war, dass es wohl doch noch klappen würde, stellte sich doch zumindest ein wenig Vorfreude ein.

Mein Flug geht erst um 17:55 Uhr ab Hamburg. Dennoch Bin ich um halb sieben aufgestanden, weil ich noch einmal zum Arzt zum Verbandswechsel musste. Der linke Ellenbogen muss immer noch verbunden werden. In London werde ich das wohl dann selbst machen, ich hab Material für zwei Verbände dabei. Bei der Gelegenheit habe ich dann den Doc nach meinen neuen Problemen gefragt, und er diagnostizierte gleich dasselbe wie ich Laie auch schon: Ischias-Nerv. Der Doc meinte, dass es mir verhältnismäßig gut ginge, läge noch an dem Schmerzmittel. Ich bat ihn dann, mir für London noch etwas zu verschreiben, das wurden dann so Voltraren, die man im Wasser auflösen kann. Soll wohl magenfreundlicher sein als die Diclodingsbums.

Ich hatte also noch reichlich Zeit, bis ich um 13.23 Uhr in den Zug nach Hamburg zu steigen hatte. Ich frühstückte bei der Bäckerei im hiesigen E-Center, operierte Ingress-mäßig noch ne halbe oder dreiviertel Stunde an den sieben Portalen in der Nähe meiner Wohnung herum, ging nachhause, packte und machte den Abwasch. Kurz vor dem Aufbruch kam noch eine Arbeiter-Samariter-Bund-Frau vorbei, die auf Mitgliederfang war. Sorry, nicht auf die Schnelle.

Also auf zum Bus und damit zum Neumarkt, von dort zu Fuß zum Bahnhof. Ich hatte allerdings noch eine Viertelstunde Zeit übrig, die ich nutzte, eine Extra-Runde auf der Level-7-Farm an der Johannisstraße zu drehen (danke an Phobo, Sven666, Moomacker und Fridjof…). Dann ab zum Bahnhof. Hm. Zug hat eine Viertelstunde Verpsätung. Also noch ein bisschen hacken und einen Kaffee und ein Martinihörnchen to go vom Bäcker.

Ich hatte ursprünglich vor, was im Speisewagen zu essen. Durch das Bahncard-Punkte-sammeln war ich an Bahn-Gastro-Gutscheine im Wert von 40 Euro gelangt, vier von den 5 Euro-Gutscheinen hatte ich dabei. Aber ich war ein bisschen müde, hatte eigentlich keinen Hunger und auch keine rechte Lust. So döste ich ein bisschen vor mich hin, bis in Bremen ein älteres Ehepaar zustieg, welches u.a. meinen Platz reserviert hatte. Muss ich entweder übersehen haben, oder das elektronische Anzeigesystem war, als ich mich setzte, offline. Wäre nicht das erste Mal…

Also habe ich mich nach Bremen in den Bistrobereich gesetzt und erstand für einen 5-Euro-Gutschein sowie 1,90 zusätzlich zwei so Flammkuchen-Dinger aus der Mikrowelle und ein großes Pils. Essbar, aber nicht so dolle (das Pils aber schon). Klarer Verstoß gegen die „kein Bier vor Vier Regel“ übrigens.

Am Hbf fand ich das Gleis der S1 Richtung Flughafen und erwischte den frühstmöglichen Zug. Die vorderen drei Wagen fuhren durch bis zum Flughafen, der hintere Zugteil nach Poppenbüttel (jaja, grinst nur, Ihr Nicht-Hamburger… man könnte z.B. auch in Vögelsen wohnen!). In der S-Bahn konnte ich noch bestimmt 10 unique Hacks mitnehmen, an vielen 7er- und 8er-Portalen, die leider nur meist die falsche Farbe hatten.

Ich erreichte den Flughafen dann doch wie geplant gegen 16 Uhr, also knapp zwei Stunden vor Abflug – wie es so gemeinhin empfohlen wird. Zunächst wurde ich von einem Anzugmenschen von Barclaycard abgefangen, der mir die Vorteile der Visacard von seinem Laden im Vergleich zur Sparkasse schmackhaft machen und mich wohl gleich zur Unterschrift herbeizitieren wollte. Nein danke – kurzfristig kein Unterschrift für den ASB und auch nicht für Barclaycard. Wegelagerei überall!

Wie erwartet waren knapp zwei Stunden reichlich Zeit am Flughafen. Zuerstmal hatte ich kein Gepäck aufzugeben. Nachdem mir als Billigflug-Neuling schnell klar wurde, dass überall zusätzliche Gebühren lauern und aufgegebenes Gepäck mal eben mit 39 Euro zu Buche schlagen sollte, entschied ich mich, einfach kein Gepäck aufzugeben. Für die vier Unterhosen und ein iPad reicht auch ein kleiner Trolley in den von Easy Jet vorgegbenen Maßen von 50x40x20 cm. Also ist mein quietschorangener Hartschalenkoffer „Bob“ diesmal nicht mit von der Partie. Vielmehr habe ich vorgestern bei Leder Rabe in Osnabrück (wo auch Bob herkommt) schnell einen knallgelben, kleinen Bruder für Bob erstanden. Foto siehe voriger Beitrag. Für 69 Euro – aber den werde ich bestimmt nochmal gebrauchen können. Schien mir der bessere Deal zu sein.

Die Security war wahrscheinlich die schnellste, die ich je erlebt habe. Kein Schlangestehen, und die haben auch nicht jedes elektronische Gerät unter eine elektronische Hundenase gehalten, selbst die Schuhe durfte ich anbehalten. Es wurde nur kritisiert, dass ich meinen Klarsichtbeutel mit der kleinen Portion Zahnpasta und meinem Desinfektionsmittel nicht aus dem Trolley genommen hatte, das musste ich dann eben noch tun. Ferner sind die Wege in Hamburg im Vergleich zu z.B. Frankfurt ja auch einfach nur kurz. Also ging alles schnell und easy, so dass ich am Gate noch anderthalb Stunden Wartezeit hatte. Diese habe ich nun also genutzt, um den Blog meines Neffen, der zur Zeit in Kanada weilt, zu lesen und selbst zu schreiben. Es ist jetzt 17:21 Uhr, der Vogel steht noch nicht bereit, ich bezweifle mal, dass wir pünktlich loskommen. Aber das ist mir relativ egal. Der Flug selbst ist ja dann nur ein kleiner Hüpfer von nicht einmal einer Stunde mit einem langweiligen A319.

Ich wäre übrigens lieber von Münster/Osnabrück aus geflogen. Die dort nach London fliegende(n) Fluglinie(n) setzen bevorzugt Turboprop-Maschienen wie Modelle von Fokker oder die ATR 42 ein, und mit soetwas bin ich noch nie geflogen. Zur Erklärung: Frühere Propellermaschinen und kleinere Sportflugzeuge wurden bzw. werden von Kolbenmotoren angetrieben – wie Autos. Moderne, große Propellerflugzeuge wie mittlere Transport- oder Regionalflieger haben sog. Turboprop-Antriebe. Das sind im Prinzip Strahlturbinen wie bei Jets auch, nur dass die Turbinenachse einen Propeller antreibt, der den Hauptteil des Schubs erzeugt.

Der easyJet-Vogel kurz vor dem Andocken

Der easyJet-Vogel kurz vor dem Andocken

So der Vogel dockt gerade an. Nächster Post aus London. Bye.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Antworten zu Urlaub, zweiter Versuch: Soll wohl doch klappen…

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Freut mich riesig, dass Du nun doch unterwegs bist! Es war richtig traurig heute morgen: Kein Blog von meinem Jüngsten, weil bei dem das Internet schwächelte, statt dessen Hiobs-Botschaft von Dir. Nun habt Ihr zwei mich am frühen Abend auf einen Schlag wieder glücklich gemacht: Nachdem ich hungrig über Renés beiden neuesten posts hergefallen war, wurde mir der von Dir ofenfrisch serviert!

    An alle Nicht-Hamburger: Jawohl, man kann auch in Vögelsen wohnen, wie jüngst auch die Wise Guys mit ihrem Song über den Spargelstecher in Vögelsen dokumentiert haben. Spargelfelder gibt’s hier tatsächlich, und Vögelsen wurde vom NDR Fernsehen vor einigen Jahren zum lustigsten Ortsnamen Niedersachsens gekürt, wie ein vom Sender spendiertes Extra-Ortsschild an der Ortseinfahrt aus Lüneburg stolz verkündet. Und es lebt sich sehr gut hier!

    Dir, lieber Bruder, wünsche ich eine schöne, sonnige, erlebnisreiche und möglichst schmerzarme Zeit, Freue mich auf die Nachrichten aus London!

  2. ducrene98 schreibt:

    Hage Oheim,
    ich habe ja nicht deine ganze Geschichte verfolgt, wurde jedoch von Mama immer informiert und habe die letzten Beiträge auch gelesen. Schön, dass du es noch in deinen Kurzurlaub geschafft hast. Ich wünsche dir ganz viel Spaß und viele Entdeckungen im schönen London. Hoffentlich kommst du gesund aus der Schweizer Blechbüchse raus…

  3. satayspiess schreibt:

    Nach dieser mehr als trübseligen, zum von der Brücke springenden Nachricht von dir gestern Abend bin ich auch sehr erleichtert, dass es nun doch noch geklappt hat mit dem Verreisen. Zumindest schon mal bis nach Hamburg. Der Rest klappt bestimmt auch noch! Schönen Urlaub! 🙂

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