Brits like ambiguity

Ich wachte kurz vor sieben Uhr auf. Das war mir eigentlich zu früh, aber es klappte nicht mit dem Wiedereinschlafen, daher kam ich schon vor acht Uhr in die Socken. Ich gönnte mir ein Frühstück im Hotel zu einem Preis, den man keinem erzählen darf. Nun, es war ganz gut, aber auch nicht überragend. Erstmal nahm ich Protein en Masse in Form von Rührei, Bacon, und geformtem Spiegelei und so ner Wurst, danach dann noch zwei Toasts und ne Banane. Und drei Kaffee. Ich ließ mir also umsomehr Zeit, ich war ja früh dran.

Zurück im Zimmer entschied ich mich, erstmal einfach nur zum Tower zu fahren. Was halt auch bedeutet, an die Themse zu fahren. Ich mag ja Wasser… Also erstmal zu Fuß zur Bethnal Green Tube-Station. Ist schlauer als bis Hoxton zu latschen und die Overgreund zu nehmen. Unterwegs kam ich bei einem Royal Enfield – Händler vorbei, der seine auf Hochglanz polierten Maschinen im Schaufenster stehen hatte. Normalerweise würde ich dem keine Beachtung schenken, schließlich stehe ich nicht unbedingt auf Motorräder. Ich kannte die Marke auch nur durch einen geschätzten Arbeitskollegen – die machen halt DAS klassische Motorrad. Die brandneuen Maschinen sahen alle aus wie Oldtimer. Das liegt daran, dass einige Modelle seit 40, 50 oder mehr Jahren fast unverändert gebaut werden. Und die anderen auch wohl auch nicht viel weniger lange. Jedenfalls machte ich durch die Scheiben (die auch gerade auf Hochglanz poliert wurden) ein paar Fotos und wurde dann vom Shopkeeper hineingebeten. Ich hatte ihm schon klargemacht, dass ich kein Motorrad kaufen wollte, aber das war okay, ich durfte die Maschinen aus der Nähe knipsen und erfuhr einiges am Rande. Das klassische Motorrad ohne technischen Schnickschnack liegt wohl im Trend, wie ich erfuhr.

An der Bethnal Green stieg ich in die Central Line eastbound – und eine Station später bei Mile End schon wieder aus, um in die District Line westbound zu wechseln. Ich fand das nicht sofort, und da ich einen planlosen Eindruck machte, fragte mich ein Bobby, der mit zwei Kollegen vor Ort war, wo ich denn hin wollte und zeigte mir, wo mein Gleis war. Ich hätte es auch so gefunden, aber manchmal ist das Gesetz hier einfach schneller.

Noch ein paar Stationen also mit der District, dann stieg ich an der Tower Hill – Station aus. Es war übrigens überwiegend sonnig bei einer Temperatur von knapp über 20 Grad. In der Sonne also durchaus T-Shirt-Wetter. Ein Nachteil, dass ich kein Gepäck aufgegeben habe, besteht darin, dass ich als Handgepäck nicht wie sonst meinen Rucksack dabei habe – und zum immer Dabeihaben ist der Trolley nun doch ungeeignet. Daher nehme ich nur meine Regenjacke mit und pack die Taschen mit dem voll, was man so braucht: Reisepass, Zusatzakku fürs Handy, Stadtplan und so.

The Tower of London

The Tower of London – davor zusehen: Über zweihunderttausen künstliche Mohnblumen.

Am Tower Hill ging es dann nur kurz durch eine Unterführung, in der Gemälde vom Tower, der Tower Bridge, den Kronjuwelen und Ähnlichem zu sehen waren, und dann stand ich vor dem berühmten Gebäudekomplex. Sooo spektakulär fand ich das von außen eigentlich gar nicht. Auf dem Rasen vor der Außenmauer waren hunderttausende, künstliche Mohnblumen zu sehen … einer Erklärungstafel nach eine Aktion zur Erinnerung an die Toten des ersten Weltkrieges, das Rot der Mohnblumen soll das vergossene Blut symbolisieren. Es gab dafür extra ein free WLAN, welches dazu gedacht war, über die Aktion zu informieren – und man konnte sich für 10 Pfund so eine Blume kaufen oder die Aktion allgemein finanziell unterstützen – aber ich missbrauchte das stumpf, um an ein paar Ingress-Portalen, u.a. halt dem Tower, herumzuoperieren.

Tower Bridge

Tower Bridge – da muss ich nochmal näher ran. Außerdem ist das hier ja nur eine Shilouette…

Ich ging dabei auch an den Pier, von dem aus Themse-Rundfahrten angeboten wurde und konnte von da einen Blick auf die Tower Bridge, die HMS Belfast (ein leichter Kreuzer aus dem zweiten Weltkrieg) und auch ein wenig vom großen Riesenrad London Eye erhaschen. Eine Fahrt damit würde mich schon reizen. Eine Fahrt dauert so 30-40 Minuten lt. Wikipedia und kostet mindestens 25 Euro… Aber es könnte sich lohnen. Jedenfalls wenn die Sicht so gut wäre wie heute. Mal sehen.

HMS Belfast und ein mir unbekanntes Hochhaus

HMS Belfast und ein mir unbekanntes Hochhaus

Ich überlegte, ob ich mir vielleicht ein Ticket besorgen und mir den Tower von innen anschauen sollte. Aber so richtig reizte mich das nicht – ich bin halt kein großer Fan von Mittelalter, Burgen, Ritterrüstungen, Kronjuwelen und so weiter. Und das Wetter war ohnehin eher was für draußen. Ich hatte außerdem noch etwas anderes von Interesse erspäht – die Spitze der „Gherkin“ (Gewürzgurke). Das 180 Meter hohe Bürogebäude im Bankdistrikt Londons gehörte zum Bühnenbild eines Theaterstücks der Probebühne Osnabrück, bei dem ich bis vor ein paar Wochen mitgewirkt habe. Es war hier soetwas wie ein Symbol des Kapitalismus. Ich wollte mir das Teil aus der Nähe ansehen, also entschied ich mich dafür, grob in diese Richtung zu gehen.

The Gherkin

The Gherin – auf diesem Foto sieht das Ding aus wie eine Rakete auf einer Abschussrampe. Eigentlich erinnert mich das immer eher an ein Fabergé-Ei

Also fand ich mich mitten in einem Glas- und Stahl-Hochhausbereich wieder. Naja – so richtig stimmt das nicht, denn zwischen den aufragenden Kapitaltempeln mischte sich Jahrhunderte alte Architektur spiritueller Art, also Kirchen. Die überwiegende Gattung Mensch war hier der Mann im Anzug und die Frau im Businesskostümchen, und der Regel mit Smartphone in der Hand oder am Ohr und mit einem nicht unbeträchtlichen Tempo unterwegs. Nun, mit dem durchschnittlichen Gehtempo des gemeinen New Yorkers können diese Londoner trotzdem nicht mithalten. Vor den Kirchen standen teilweise Bibelverkäufer bzw. Leute mit irgendwelchen religiösen Pamphleten in der Hand. Hier mischten sich also gewissermaßen die Religion des Kapitals mit der des Geistes. Ich fand irgendwann 30 St Mary Axe (wie die „Gherkin“ offiziell heißt) und versuchte, Fotos zu machen – aber eine geeignete Perspektive dafür fand ich erst eine ganze Weile später. Im Erdgeschoss gab es ein Café, welches auch Stühle draußen hatte, und ein Modell des Gebäudes aus Lego. Das war zwar leider nicht allzu detailgenau, bestand aber aus einer beeindruckenden Menge an Legosteinen.

The Gherkin (Lego Version)

The Gherkin (Lego Version)

Ich hatte lansam Bedarf nach Nahrungsaufnahme, insbesondere nach Wasser. Also ging ich in ein „EAT.“, eine hiesige Kette, die abgepackte Sandwiches, Suppen, Salate, Obst, heisse und kalte Getränke bereit hat. (Nicht zu verwechseln mit „Eat beautiful“, das ist ein vegetarischer oder gar veganer Laden).  Ich nahm ein Schinken-Käse-Baguette und eine 0,75 Liter Wasserflasche und setzte mich eine Weile hin. Ein anderes Free WLAN, welches aber nicht so toll funktionierte, ermöglichte mir wieder ein bisschen Bastelei an Ingress-Portale. Genau das war aber eigentlich nicht mein Plan. Ich wollte mir vielmehr eine lokale SIM-Karte kaufen und mit einem Guthaben laden, um damit ein Datenvolumen zum Verbraten für Ingress und ein bisschen Kommunikation und Navigation unterwegs zur Verfügung zu haben. Nach dem Frühstück hatte ich bereits in den zwei Grocery-Stores direkt beim Hotel versucht, an so eine Karte zu kommen. Aber beide hatten nur große SIM-Karten, und mittlerweile gibt es ja Micro- und sogar Nano-Sim-Karten. In mein Gerät passen Micro-SIMs, so dass ich die großen Karten nicht gebrauchen kann. Ich versuchte es nochmal in einem von diesen Läden, die von Lebensmitteln, Tabakwaren bis Drogerie- und Elektroartikeln trotz ihrer geringen Größe alles Mögliche am Start haben. Soweit ich das anhand des Aussehens der Betreiber beurteilen kann, werden diese Läden offenbar häufig von indischstämmigen Leuten betrieben, dass diese einen gewissen Anteil an der Bevölkerung stellen, weiß man ja aus britischen Filmen. Hängt historisch sicherlich mit Indiens Zugehörigkeit zum Commenwealth zusammen.

Wie auch immer, ich latschte in so einen Laden, und die hatten eine Micro-SIM für mein Handy. Super! Da ich nicht viel Erfahrung mit dem Austausch von SIM-Karten (nicht im mechanischen Sinne) hatte, bat ich den Shop-Assistent, mir da mal zu helfen. Ich selbst stellte mich mit meinem Handy irgendwie dann auch wirklich unbeholfen an. Wie auch immer, die Karte kostete ein Pfund, dann ein Volumen von 1GB (bzw. soundso viele Minuten Telefongespräch oder soundsoviele SMS) nochmal 10 Pfund. 1 GB, damit komme ich locker aus für die paar Tage, soviel habe ich sonst für einen Monat zur Verfügung (womit ich nicht auskomme). Der Shop-Assistant half mir weiter, man musste irgendwie per SMS das Ding initialisieren, dann das gekaufte Volumen laden… und es klappte trotzdem nicht. Der Mann war echt sehr hilfsbereit, aber ich bekam kein 3G oder anderes Datenübertragungsverfahren an den Start. Irgendwann wollte ich den auch nicht weiter nerven. Anrufe bei EE über die kostenlose Servicenummer oder ein Blick auf deren Website über ein kostenloses WLAN brache mich auch nicht wirklich weiter. Ich war entsprechend genervt, weil ich die 10 Pfund fast schon abgeschrieben hatte – bis mir dann irgendwann einfiel, dass da noch der Datendienst in den Einstellungen des Handys umzustellen war. Ich stellte das dann auch den Anbiter EE ein (der das hiesige Telekom-Netz nutzt), und siehe da, es klappte.

Ich ließ die heimische Ingress-Gemeinde in Osnabrück per Chat wissen, dass London nunmehr fällig sei, und machte mich auf die Socken. Mein Ziel: Genügend Unique Captures machen, um 1.000 davon fertig zu bekommen, damit die Gold-Badge in dieser Disziplin zu erwerben und damit Level 13 zu erreichen. Unique Captures bedeutet: Portale einnehmen, die man noch nie zuvor eingenommen hat. die meisten Portale zuhause in Osnabrück habe ich natürlich schonmal eingenommen. Hier in London gibt es natürlich hunderte von Portalen, die ich nie zuvor eingenommen habe, weil ich hier halt noch nie war. Daher ist es immer reizvoll, Ingress an Orten zu spielen, wo man zuvor noch nie war. Nun, ich spare mir weitere unnötige Details, aber ich drückte mich zwei oder drei Stunden im Bankdistrikt herum, bis ich dieses Ziel kurz vor vier Uhr errreicht hatte. Das lief echt nach Plan. Ich hatte so ca. 80-90 Portale eingenommen und damit die 1.000 erreicht.

Und nun? Ich hatte echt natürlich ein paar Kilometer abgerissen, die Luft war mit dem Erreichen des Ziels ein bisschen raus, außerdem musste ich mal dringend für kleine Touristen. Es war ja Kaffeezeit, also war mir nach Kaffee und einem Stück Kuchen oder Cookies, Muffins oder was auch immer. Zu der Zeit lungerte ich in der Nähe der Tube-Station Aldgate herum. (Übrigens stellte ich später fest, dass ich bei meinen Ingress-Gängen teilweise gar nicht mehr so weit weg von meinem Hotel war, aber gut, „The Gherkin“ ist auch unter 3 km von meinem Hotel entfernt, in sofern kann man das mit Zeit und Ausdauer auch alles zu Fuß machen, vom Hotel bis zur Themse). Ich überlegte, ob ich in einen Subway oder einen Starbucks gehen sollte, war mit aber nicht sicher, ob die Restrooms hätten. Zwischenzeitlich versuchte ich es noch mit 20 Pence in den Schlitz einer öffentlichen Toilette, was aber nicht klappte (worauf ich dann noch von einem Passanten, der schon dieselbe Erfahrung gemacht hatte, freundlich hingewiesen wurde).

Schließlich landete ich in einem Restaurant/Kneipe/Café, mit dem ich zuvor schon geliebäugelt hatte. Ich hatte da auf der Karte Cheescake mit Preiselbeersauce erspäht. Das bestellte ich mir dann auch zusammen mit einem Latte bei einem sehr netten Waiter in dem Laden. Ich nutzte einen Restroom im Keller des Gebäudes (übrigens ein uraltes Gebäude, aus dem 16 Jahrhundert, wurde knapp von einem großen Brand in dieser Zeit verschont, wie Schriften an den Wänden kundtaten). Kaffee und Kuchen kamen schnell und waren, insbesondere der Käsekuchen, auch sehr gut. Und für hiesige Verhältnisse auch nicht so irre teuer.

Kaffeepause mit CheesecaseKaffeepause mit Cheesecase

Kaffeepause mit Cheesecase

Ich hatte mir noch einen „Evening Standard“, eine kostenlose Zeitung, die überall am Straßenrand zu kriegen ist, abgegriffen. Ein Hauptthema ist – wie auch im Fernsehen auf BBC London – die Erweiterung des Flughafen Heathrow (alternativ eventuell auch Gatewick) versus ein neuer Flughafen am Themseufer. Der amtierende Bürgermeister von London, Boris Johnson, favorisiert diese Lösung, aber es gibt kaum sonstige Fürsprecher. Insgesamt ist es wohl so, dass in der kommenden Dekade die bisherigen Flughäfen Londons (es sind ja bisher nur vier oder fünf… Heathrow, Gatewick, Luton, Stanstedt und noch Central London oder so) wohl ausgelastet und wenig später ausgelastet sein werden. Aus wirtschaftlichen Gründen muss natürlich die Infrastruktur weiterhin ausreichend sein, um große Player in London zu halten. Also müssen mehr Landebahnen her. Nur wo die dann hinkommen – das ist natürlich ein Streitapfel. Ansonsten ist es wie immer und überall: Economy vs. Ecology. Ich sprach noch kurz mit dem Waiter über das Thema.

Ansonsten wollte der wissen, woher ich käme. Vielleicht sollte ich demnächst einfach mal mit „Guess!“ antworten – mal sehen, ob mein Akzent mich verrät. Er meinte dann sowas wie Madame Taussaud’s und so sei halt Quatsch für die Touristen, und er würde mir empfehlen, zu Covent Garden zu fahren. Hier gäbe es in den Straßen Theater, Musik und Kleinkunst, teilweise würde das Publikum mit einbezogen, und es würde einfach Spaß machen – und das for free.

Hm… warum eigentlich nicht? Mein Ingress-Ziel war ja erstmal erreicht. Zwar lohnen sich unique Hacks (das Besuchen individueller Portale, man muss sie dazu nicht zwingend einnehmen) auch, und es gibt immer was zu tun, aber ich bin ja nicht nur für Ingress hier. Und ein Ortswechsel per Tube kommt dem ja außerdem sowieso auch entgegen. Also rein in die Aldgate Station und in die Tube. Hach…. ich liebe die Tube. Insgesamt mag ich U-Bahnen. Sie machen Navigation in Städen irgendwie einfach. Und die Systeme in New York und London sind irgendwie auch einfacher zu verstehen als z.B. in Hamburg. Das System mit den Himmelsrichtungen finde ich deutlich schlauer, als nur mit Endstationen zu arbeiten, die muss man immer viel länger suchen. Die New Yorker und die Londoner U-Bahn haben außerdem die verwinkelten Gänge gemeinsam, durch die man aus dem Untergrund wieder rauskommt, die mag ich irgendwie auch.

Also, fünf Stationen mit der Metropolitan Line bis King’s Cross St. Pacras, dort umsteigen in die Piccadilly Line, und Covent Garden aussteigen. Piece of cake.

Ein lustiger Mann zeigt einen Kartentrick am Covent Garden

Ein lustiger Mann zeigt einen Kartentrick am Covent Garden

Okay, neue Portale und… neue Eindrücke. Ganz andere Atmosphäre als im Bankerviertel. Straßenmusiker, Fahrradrikschas, Fußgängerzonen, wenig Autos und Gastromie, deren Zweck nicht die Nahungsaufnahme schnell schnell zwischen zwei Meetings, sondern wirklich das ausgelebte Abschalten und Genießen ist. Wirklich einladend. Ich sah eine Weile einem Mann zu, der einen Kartentrick vorführte… nun, eher zelebrierte.  Dabei gab er ständig Kommentare zu den Passanten und – innen ab, die ich ziemlich witzig fand. Die betroffenen Passanten … naja, mal so und mal so. Der Kartentrick bestand darin, dass er sich die Karte, die eine Dame aus dem Publikum sich gemerkt hatte, am Ende aus dem Mund holte. King of Diamonds (Karokönig), weiß ich noch. Der eigentliche Covent Market besteht aus einem Komplex aus diversen Geschäften und Gastronomiebetrieben auf mehreren Etagen, in alle Himmelsrichtungen zugänglich und eher so Atrium-mäßig gestaltet, also mit möglichst wenig Wänden und Decken. Auch so ein bisschen auf alt gemacht, ganz Cool eigentlich. Unterhalb des Straßenniveaus gab es ein Café, wo gerade ein Streicher-Terzett mit einem Tenor etwas aus (ich glaube) „Die Hochzeit des Figaro“ zum Besten gab. Die waren ziemlich gut, es gab donnernden Beifall. Anschließend griff sich der Tenor eine Bratsche, und es wurde also ein Streicherquartett (zwei Violinen, eine Bratsche, ein Cello), und es wurde das Ding aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ gespielt, das jeder kennt (also selbst ich Kulturbanause). Es ging ein Hut rum, und man konnte CDs erwerben.

Wieder raus aus dem Laden, mal in diese, mal in jene Straße, schließlich ein Blick auf Google Maps, um dann mal Richtung Piccadilly Circus zu gehen. Dabei verschlug es mich dann auf dem Weg ein bisschen nach Chinatown, doch schließlich kam ich am Piccadilly Circus an. Dort fällt natürlich die Shaftesbury Memorial Fountain mit der geflügelten Figur ins Auge, die vielen Leute, die sich hier aufhalten, und die animierten Werbetafeln aus LEDs, die ein wenig an den New Yorker Times Square erinnern. Okay, gesehen. Was nun? In einer Richtung lockt der Turm der Westminster Abbey. Aber auch ein Stück weg. Die blonde Mitpassagierin aus Ungarn empfahl ein chinesisches Restaurant am Piccadilly Service beim hiesigen Subway, aber das habe ich nicht gefunden. Aber Zeit für das Abendessen war so langsam.

Ich entschied mich dann für einen Italiener in der Nähe des Piccalilly Circus. War auch mal wieder recht teuer, die Lasagne und das Glas Rotwein, aber das ist hier eben so. Und nur Sandwiches essen… geht zwar, aber muss auch nicht sein. Die Lasagne war ganz okay, der Wein eher nicht so prickelnd. Ich bin ja sowieso nicht so der Weinfan, aber dachte mal ausnahmsweise, passt besser zum Essen. Und ich kann schon unterscheiden, ob mir ein Rotwein gut schmeckt oder nicht.

Nach dem Essen war es fast acht Uhr, und es wurde langsam dunkel. Zwar mache ich auch immer gerne Nachtaufnahmen von beleuchteten Städten (insbesondere von angestrahlten oder sonstwie illuminerten Sehenswürdigkeiten), aber ich war ja früh wach gewesen, und es reichte einfach für einen Tag. Außerdem weiß ich ja, wie lange ich brauche, um umfangreiche Blogtexte zu schreiben. Also zurück zur Piccadilly – Station und drei Station zur Holborn fahren. Dort dann in die Central Line eastbound. Der Zug, der dort stand, war abfahbereit und gerammelt voll – nein danke, ich warte auf den nächsten! Ähm… dieser war aber dann genau so überfüllt. Ich stieg notgedrungen ein. Öhm… schrieb ich, ich liebte die Tube? Dann gerade mal nicht, denn es war echt voll, und ich mag das gar nicht, so eng zwischen anderen Leuten eingekeilt zu sein. Das macht mich aggressiv. Aber was half’s – ich musste eben die fünf Stationen wie eine Ölsardine fahren.

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Ich war demnach echt froh, bei Bethnal Green auszusteigen. Ich hatte noch ein paar Prozent im Handy-Akku, die ich zur Orientierung und dazu nutzte, die Lv. 6-7 Farm zu ernten, die die hiesigen Ingress-Kollegen hier praktischerweise auf dem Fußweg von der Tube-Station bis zum Hotel gebaut haben. Nur mein Hotel-Portal war in der Zwischenzeit an die Schlümpfe gefallen, aber sowas kann man ja ändern.

Noch kurz in einen der Grocery-Stores, ein paar Biere abgegriffen, und rein ins Hotel, bloggen.

Facelift - was ist das denn schon wieder?

Facelift – was ist das denn schon wieder?

Und was hat es eigentlich nun mit dem Titel auf sich, die Briten haben einen Sinn für das Mehrdeutige? Das ist mir einfach aufgefallen. Beim Frühstück ist mir eine Tür aufgefallen, an der sowas wie „This door is alarmed. Emergency exit only.“ steht. This door is alarmed? About what? Why? Soll wohl bedeuten, dass die Tür alarmgesichert und nicht alamiert ist, was es auch bedeuten könnte. Änderes Bespiel: In der Tube steht in den Waggons so ein Text wie „Be advised that construction works on the subway lines can slow down your travelling. Look for publicity at the subway stations“. (Nicht genau so aber sinngemäß). Soll man nun nach Aufmerksameit, einem Publikum Ausschau halten – oder nach öffentlichen Aushängen oder Durchsagen? Diese Briten machen das doch mit Absicht! Außerdem haben die sehr lustige U-Bahn-Gedichte, vielleicht kann ich die passenden Bilder mal hochladen, wenn ich sie wiederfinde.

Look Right Look Left

Das hier hilft einem bei diesem Linksverkehr echt weiter!

Eine Sache ist mir noch aufgefallen… bei einer U-Bahnstation hing ein großes Werbebanner vom Ministry of Defense: „Introducing the HMS Queen Elisabeth – A great aircraft carrier for a great nation“. Es geht um einen sich im Bau befindlichen, britischen Flugzeugträger (da ich mich für sowas interessiere, habe ich davon schon vorher gelesen). Ich frage mich, wie sowas bei uns in Deutschland ankommen würde… Hallo Steuerzahler, guck mal, was wir mit Deinem Geld machen? Aber gut… das hier sind die Briten, die immer noch gerne an die einstige Größe ihres Empires denken.

Dirty Dicks - wie ist das denn jetzt gemeint?

Dirty Dicks – wie ist das denn jetzt gemeint?

Genug für heute. Schnell noch ein paar Bilder dazu, und Feierabend. Morgen mehr.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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2 Antworten zu Brits like ambiguity

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Hi Michi, hört sich ja ganz schön an, Dein erster Tag! Covent Garden ist cool, da waren wir damals mit den Kids auch, und es war der achtjährige René, der danach verlangt hatte, weil er das irgendwo gehört hatte! Moira fand Camden Market super, das haben wir damals nicht geschafft, aber ich weiß nicht, ob das auch für Leute attraktiv ist, die nicht in erster Linie auf cooles Shopping stehen. London Eye würde ich persönlich nicht noch mal machen, ich fand’s nicht so lohnend, wie alle sagen. Man fährt halt in langsamem Tempo eine Runde, die dann entsprechend dauert, natürlich hat man bei gutem Wetter gute Sicht, aber das Ganze hat mich in Relation zum Preis nicht wirklich umgehauen. Und man muss sich (wie bei allen großen Attraktionen) am besten vorher im Netz um Tickets kümmern und Warteschlangen-Prognosen beachten. Dafür ist es aber am Ufer auf der Seite des Riesenrades aus Richtung Tower kommend abends sehr nett und belebt, eben auch mit Straßenkünstlern und so, und man hat natürliche einen schönen Blick auf die attraktive Seite gegenüber. Ganz interessant fand ich noch den Besuch der Docklands, Das ist ja wie die Speicherstadt bei uns, nur größer, aber dort hat man das Ganze zur Wohnstätte für die Reichen und Schönen umgebaut, Marinas für die Yachten inclusive, was ja praktisch ist wegen der Nachbarschaft zum Bankenviertel. Bei schönem Wetter reibt man sich verwundert die Augen und vermutet sich unversehens in St. Tropez.. Viel Spaß noch!!

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