Leaving London

Ich hatte meinen iPad-Wecker mit Rage Against The Machine „Wake up“ geladen, dem Universal-Wecksong. Auch bekannt als End Title aus „The Matrix“. Das Ding pustete mich um 8.30 AM aus dem Bett. Naja… ich brauchte schon eine halbe Stunde, um auf Nenndrehzahl zu kommen. Katzenwäsche, anziehen, packen, auschecken, und ab zu Bethnal Green in die Bahn nach Liverpool Street. Ab Abend zuvor hatte ich mir ergoogelt, dass von King’s Cross / St. Pancreas Züge nach Luton Airport Parkway fahren würden und dass das die schnellste Verbindung sei.

221b Baker Street mit etwas Distanz

221b Baker Street mit etwas Distanz

Im Zug nach King’s Cross fiel mir zweierlei auf: Erstens stand bei Farringdon, nicht bei King’s Cross die Verbindung zu Luton angezeigt. Zweitens könnte ich noch ein paar Stationen weiterfahren, nach Baker Street. Hier bin ich zwar schon am Montag angekommen, aber obwohl irgendwo was leise klingelte, hatte ich nicht auf dem Schirm, dass 221b Baker Street ja die (damals fiktive, denn lt. Wikipedia war zur der Zeit der Erzählungen die Baker Street nur bis 100 nummeriert) Adresse von Sherlock Holmes ist. Eine Freundin hat mich eindrücklich darauf hingewiesen, und wenn ich es einrichten könne („aber fahr da nicht extra hin“) solle ich doch mal ein Foto vom Haus machen. Gefühlt hatte ich irgendwie noch jede Menge Zeit, also blieb ich tatsächlich im Zug sitzen und stieg Baker Street aus. Ein Blick auf Google Maps sagte mir, dass die 221b Baker Street nur kurz um die Ecke lag. Also hin, klack klack klack ein paar Bilder gemacht, per What’s App an die Freundin abgefeuert, fertig. Mission accomplished.

221b Baker Steet

221b Baker Street – hier also lebt Sherlock Holmes.

Ich überlegte kurz, ob ich nicht wieder von hier mit dem National Express Bus nach Luton zurückfahren sollte, gab dann aber doch der Variante, nach Farringdon zurückzufahren und von da den Zug nach Luton Airport Parkway zu nehmen, den Vorzug. Ähm. Ich machte mir doch ein wenig Sorgen, ob diese kleine Extra-Tour nicht doch meinen Zeitplan gefährden könnte. Derart leicht nervös verwechselte ich prompt Eastbound und Northbound und sprang in den falschen Zug. Also in Edgware Road wieder raus und in die Gegenrichtung bis Farringdon.

Hier hatte ich erstmal keinen Plan, wie und wo an ein Ticket nach Luton zu kommen wäre. Ich fand zwar die Platform, aber keine Ticket Machines oder Schalter. Und ich war mir nicht sicher, ob ich mit meiner Oyster Card auszuchecken hatte oder nicht. Ein Frau mit Kinderwagen am Bahnsteig konnte mir nicht weiterhelfen. Also folgte ich den „Way out“-Schildern und konnte dort, wo man mit der Oyster Card auscheckt, jemanden fragen. (Kurze Bemerkung zur Oyster Card: Das Ding lädt man halt mit Geld am Automaten auf. Wenn man in eine U-Bahn-Station geht, hält man das Ding an einen Sensor, dann öffnet sich eine Tür, und man kann zum Bahnsteig gehen. Am Ziel kommt man nur aus der Station raus, wenn man auf gleiche Weise auscheckt, dabei wird dann je nach Fahrstrecke der entspechende Betrag von der Karte abgebucht. In New York City habe ich das genauso gemacht. Falls jemand demnächst nach London will – ich kann die Karte abgeben. Sind vielleicht sogar noch paar Pfund drauf…)

Okay, die Empfehlung lautete: Auschecken, raus aus dem Gebäude, Straße überqueren, rein in das Gebäude auf der anderen Straßenseite, dort Ticket kaufen. Das tat ich dann auch, ich erstand am Schalter ein Ticket nach Luton Airport Parkway für 15,irgendwas Pfund. Um zum Gleis zu kommen musste ich nochmal meine Oyster Card an einen Sensor halten. Normalerweise hätte ich den Zug verpasst. Der hatte aber acht Minuten Verspätung, und so habe ich den noch gekriegt. Glück gehabt!

Glück gehabt - mein Zug hat Verspätung

Glück gehabt – mein Zug hat Verspätung

Der Zug war nicht besonders voll, es war kein Problem, einen Sitzplatz zu bekommen. Die Fahrt sollte etwa 38 Minuten dauern. Allerdings war der erste Halt… King’s Cross / St. Pancreas. Also hätte ich auch dort den Zug nehmen können. Aber das war ja jetzt mal egal. Nach der ereignislosen Fahrt, auf der ich die „Sargeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ der Beatles hörte und ein bisschen vor mich hindöste, kam ich an der Luton Airport Parkway Station an. Ich folgte den Schildern zum Shuttlebus, der mich zum Flughafenterminal bringen würde. Ich hatte gelesen, dass das 1,90 Pfund kosten würde, war dann aber in meinem Bahnticket inklusive. Also rein in den Bus, ich fand einen Sitzplatz. Bis es losging, dauerte gemessen an Ingress-Cooldown-Zeiten (ich hatte da ein Portal in Reichweite) 10-15 Minuten, die Fahrt selbst war kürzer.

Am Flughafen angekommen, beschäftigte ich mich kurz mit den beiden Portalen vor Ort und betrat den Terminal. Ich musste ja kein Gepäck aufgeben, also ab durch die Security, was schnell und reibungslos ging. Also ging ich in Richtung Gates – und stellte erst dort fest, dass ich mich irgendwie um eine Stunde mit der Zeit vertan hatte. Geplant hatte ich, wie man das so macht, zwei Stunden vor Abflug das Terminal zu betreten. Trotz meiner Extratour zur Baker Street hatte ich jetzt nach der Security noch zwei Stunden bis zum Abflug, mein Gate würde lt. Monitor erst in 75 Minuten öffnen. Na, egal. Besser zu viel als zu wenig Zeit. Ich würde mich schon zu beschäftigen wissen.

Im Einkaufs/Gastrobereich vor den Gates war es ziemlich voll, aber ich fand dennoch ein paar leere Tische neben einem Laden, der Bagels, Kaffee, Fruchsäfte und Smoothies anbot. Ich hatte noch nicht ordentlich gefrühstückt und andererseits noch viele Pfunde auf Tasche. Also holte ich mir so einen Bagel mit englischem Frühstück drin: Im Wesentlichen Bratwurst und Bacon. Fleisch ist mein Gemüse! Dazu gab es einen Latte, der ganz gut war, aber nicht mit dem in Westminster vom Vortag konkurrieren konnte. Also Respekt: Wenn die Briten schon Kaffee trinken, dann offenbar richtig!

Hm… zwei Stunden Zeit… Lesen? Bloggen? Weder noch. Ich rief Ingress auf meinem Schlaufon auf und entsorgte rund 200 Londoner Portalschlüssel. Da ich zu viele Power Cubes habe, die zuviel Platz im auf maximal 2.000 Gegenstände begrenzten Inventar wegnehmen, lud ich dabei nach, was nachzuladen ging. Als ich alle Londoner Schlüssel weggeworfen hatte, lud ich unter Einsatz diverser Power Cubes in Osnabrück nach, was nachzuladen ging. Ziemlich monoton, aber es reichte, um die zwei Stunden zu füllen. Zwischendurch holte ich mir für die 4 Pfund verbleibendes, nennenswertes Münzgeld noch einen Brombeer-Smoothie.

Irgendwann war in Osnabrück alles, was ich laden konnte, geladen (ca. 91% efficency übrigens bei einer Entfernung von zwischen 500 und 600 km Luftlinie), und die 75 Minuten bis zum Öffnen des Gates auch rum. Also machte ich mich auf die Socken zu Gate 17. Dazu musste ich eine Treppe runter, und da erwartete mich mitnichten sowas wie eine Abflug-Lounge mit Sitzgelegenheiten. Hier gab es nur eine Schlange vor einem Counter, wo die Bordkarten und Pässe geprüft wurden. Immerhin ging das einigermaßen schnell. Noch eine Treppe runter, durch Türen aufs Vorfeld, wo der Vogel bereitstand. Ich hatte diesmal Sitz 8a (auf Höhe der Backbord-Tragfläche, am Fenster) und stieg über ne Gangway vorne ein.

Airbus 319

Dieser Vogel, in den ich durch die vordere Treppe direkt hinter dem Cockpit einsteigen sollte, brachte mich zurück nach HH.

Ich verstaute das knallgelbe Ding im Overhead-Compartment und setzte mich. Die Plätze neben mir bleiben zuerst frei. Dann setzten sich – den Streifen am Ärmel nach – Flugkapitän und ein erster Offizier auf die Plätze neben mir. Allerdings wurden die kurz danach nochmal ein paar Reihen weiter nach vorne gesetzt, noch bevor ich meinen blöden Spruch „Sagen Sie, sollten Sie nicht besser GANZ vorne sitzen?“ ablassen konnte.

Der Abflug verzögerte sich etwas, weil die Startbahn nochmal geändert wurde und vor und einige andere Flugzeuge von Ryan Air und Wizz Air Schlage auf dem Taxiway standen. Schließlich waren wir aber dran, und los ging’s. Während des Fluges setzte sich dann eine irgendwie alternativ aussehende Dame auf den Sitz am Gang neben mir und begann, zu häkeln. Ich hörte lieber ein wenig Musik und döste.

Der Flug war ja nicht lang, und schnell war man im Final Approach zu Hamburg Airport. Bisschen rollen, aussteigen, kein Baggage-Claim, paar Sachen umpacken, kurze und schnelle Passkontrolle, raus aus dem Terminal. Ab zur S-Bahn, wo ich schon das Ticket bis Osnabrück am Automaten lösen konnte, ein wenig warten, und rein in den Zug.

Am Hbf hatte ich noch etwa 25 Minuten Zeit, weil der Zug nach Osnabrück 10 Minuten Verspätung hatte. Ich kaufte mir noch zwei Franzbrötchen, die ich dann am Gleis verzehrte. Schließlich kam der Zug, und der Rest war dann halt wie jeden andere Bahnfahrt von Hamburg nach Osnabrück – ereignislos. Mit den 10 Minuten Verspätung kam ich in Osnabrück an, ging von da zu Fuß zum Neumarkt und hatte dort das Glück, knapp noch die Linie 11 in meine Richtung vorzufinden.

Der Bus brachte mich dann schließlich nachhause. Uff. Ich bin jetzt auch ziemlich müde. Ich werde noch ein paar Bilder einfügen und mein Fazit lieber morgen nachreichen.

Bis denne!

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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Eine Antwort zu Leaving London

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Welcome back, lieber Bruder! Waren schöne Eindrücke insgesamt und tolle Bilder – macht schon wieder Lust…

    Das mit dem Kaffee hat sich, glaube ich, im letzten Jahrzehnt oder so entscheidend verbessert, seit die Briten eben auch den Italien Coffee entdeckt haben. Als ich das erste Mal in London war, war das noch ganz grausam!

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