Flughafenshuttle mit eingebautem Flughafen

Dies ist etwas, was ich schon vor zwei Jahren für eine Hochzeit gebastelt habe. In diesem Fall heiratete eine Kollegin einen Kollegen. Demzufolge waren mit mir zusammen diverse Kolleginnen und Kollegen zur Hochzeit eingeladen. Natürlich verschenkten alle Geld, ich eingeschlossen. Wie schon einige Mal zuvor kam ich auf die Idee, dass das Geld womöglich zur Finanzierung einer Hochzeitsreise dienen könnte. Ich erfuhr, dass das Brautpaar ziemlich unmittelbar nach dem Tag der Feier plante, von Münster-Osnabrück über Frankfurt nach New York zu fliegen. Der Transfer zum FMO erfolgte zwar privat, dennoch kam ich auf die Idee, einen vom Design her dem Flughafen-Shuttle der Stadtwerke (Linie X-150) nachempfundenen Bus zu erstellen. Immer wenn ich einen dieser Busse, die zwischen dem Bahnhof Osnabrück und dem FMO verkehren, sehe, bekomme ich Lust, damit zum Flughafen zu fahren und irgendwohin zu fliegen… Ein Jahr später machte ich das auch zum ersten Mal so und flog vom FMO über Frankfurt und Wien nach Odessa, aber das nur am Rande.

Jedenfalls war der Plan, eine Art Kastenwagen mit zu öffnender Heckklappe zu bauen, so dass man Umschläge mit Hochzeitgrüßen und Geld hineinlegen könnte. Und noch ein paar technische Spielsachen einzubauen…

Zuerst aber waren da ein paar Holzleisten, -platten und -räder. Zuerst wollte ich einen Rahmen aus rechtwinklig zusammengeleimten Kanthölzern bauen. Da fiel mir dann aber auf, dass das Fahrzeug nicht, wie zwischenzeitlich gedacht, unten offen bleiben konnte. Schließlich durfte das Geld ja nicht unten wieder herausfallen! Zufällig hatte ich Kanthölzer mit einer Nut gekauft, was sich als praktisch erwies – ich passte eine Sperrholzplatte als Fahrzeugboden in die Nut ein, und fertig war die Basis. Eigentlich wollte ich auch die Räder direkt in diesen Rahmen schrauben, aber dann hätte das Teil sehr tief gelegen, also kamen noch Kantholzteile unter den Rahmen, an die ich dann die Räder schraubte.

Der Anfang: Grundplatte

Grundplatte (Fahrzeugboden) aus Sperrholzplatte und Profilhölzern mit Nut.

Die weiteren Karosserieteile sägte ich mit einer Laubsäge aus Sperrholz, lackierte sie mit Sprühlack auf dem Balkon weiß und verleimte sie über Kanthölzer miteinander. Die Karosserie wurde dann mit den Kanthölzern des Rahmens mit kleinen Holzschrauben verschraubt. Die Heckklappe wurde mit Scharnieren am Dach verschraubt und mit einem Schatullenüberwurf (ich liebe dieses Wort) für ein kleines Vorhängeschloss versehen.

Damit war der Rohbau fertig, und auch schon vorbereitet mit Bohrungen für ein paar technische Spielereien. Zunächst mal sollte eine grundlegende Fahrzeugbeleuchtung mit zwei weißen LEDs vorne und zwei roten LEDs hinten hinein, mit einem Schalter ein- und abschaltbar. Zwei weiße LEDs hatte ich übrigens noch aus einem ausrangierten, weil kaputten Fahrradscheinwerfer. Diese LEDs wurden jeweils paarweise über 470-Ohm-Vorwiederstände über den Schalter mit einer 9-Volt-Blockbatterie verbunden und der Knebelschalter in eine Bohrung am Fahrzeugheck geschraubt.

Samplemodul mit 3,5mm-Klinkenstecker

Samplemodul mit 3,5mm-Klinkenstecker

Ich hatte von einem Freund eine Postkarte mit einem eingbauten Samplemodul bekommen. Das Ding verfügte über einen Lautsprecher, ein Mikrophon und zwei Tasten für Aufnahme und Wiedergabe. Man konnte damit Botschaften für den Empfänger aufsprechen. Dieses Modul wollte ich nun der Zweitverwendung zuführen. Das Mikrophon ersetzte ich durch einen 3,5mm-Klinkenstecker, um das Modul mit der Soundkarte meines PCs zu verbinden. Es passten etwa 10 Sekunden Tonaufnahme in den kleinen Speicher des Moduls. Ich nahm einen passenden Aussschnitt von Frank Sinatras Evergreen „New York, New York“ und reduzierte ihn mit Audacity auf eine Monospur. Diese überspielte ich dann über den angeschlossenen Klinkenstecker in das Samplemodul. Danach entfernte ich die Aufnahme-Taste und ersetzte den Mikrotaster für die Wiedergabe durch eine größere Variante, die ich in eine Bohrung am Fahrzeugheck einschrauben konnte. In den Fahrzeugboden bohrte ich ein kreisförmiges Lochmuster, über das ich dann innen den Lautsprecher mit Heißkleber anbrachte. Das Modul klebte ich ebenfalls mit Heißkleber auf dem Fahrzeugboden fest.

Flugzeugmodell von Revell (Boeing 737)

Revell-Modell einer Boeing 737. Eine ziemlich alte Version, wie man an den Triebwerken sieht, die noch keine modernen Mantelstromtriebwerke sind. Die Aufkleber sind teilweise original zum Bausatz zugehörig, zum Teil selbstgemacht (Christine und HolgAir und das Logo am Seitenleitwerk).

Dann hatte ich noch die Idee, als Krönung oben auf das Dach des Fahrzeuges noch ein Flugzeugmodell zu kleben. Ich machte mich also auf die Suche nach Flugzeugmodellen in der passenden Größe. Ich erstand ein fertiges DC-9-Modell aus Metall, ein simples Plastik-Steckmodell eines Airbus A380 sowie eine Boeing 737 von Revell als Klebebausatz. Der A380 passte mir eigentlich nicht. Da es vom FMO ja erstmal nach Münster gehen würde, wollte ich einen Regionalflieger haben. So eine CRJ-700 wäre eigentlich optimal gewesen. Die DC-9 war mir von den Abmessungen her eigentlich zu klein. Meine endgültige Wahl fiel also auf den Revell-Bausatz. Ich klebte das Ding also zusammen, ließ es unlackiert weiß und klebte den Großteil der mitgelieferten Aufkleber (Passagierfenster, Türen, Cockpitfenster und so weiter) dran. Ich ließ aber alle Kennzeichnungen der Fluggesellschaft weg und druckte mir lieber als „Fluggesellschaftsschriftzug“ ein geistreiches „Christine-und-HolgAir“ aus, anstelle des Fluggesellschaftsemblems auf dem Seitenleitwerk machte ich zwei Herzchen mit den Anfangsbuchstaben der beiden Vornamen. Als Kennzeichen machte ich einen D-ACHW (Deutschland Aircraft beide Anfangsbuchstaben der Vornamen und der des gemeinsamen Nachnamens). In Deutschland kennzeichnet der Buchstabe nach dem D (für Deutschland) die Art des Luftfahrzeuges, H steht z.B. für Helikopter.

Fast fertiges Busmodell

Das fast fertige Busmodell, noch mit einem DC-9-Fertigmodell oben drauf. Sie wurde durch das 737-Modell von Revell ersetzt.

Das Flugzeug brauchte natürlich eine Startbahn. Diese deutete ich mit einem Aufkleber auf dem Dach an, den ich ebenfalls ausdruckte. Bei Bastelleien zuvor war das Mittel der Wahl für solche Aufkleber übrigens Overheadfolie für Tintenstrahldrucker gewesen, die mit Klarlack aufgeklebt wurden. Ich hatte aber transparente Selbstklebefolien für den Drucker aufgetrieben, die in der Handhabung viel simpler sind als die Sache mit dem Klarlack. Auf Google Maps hatte ich gesehen, dass die Runway am FMO 07 bzw. 25 ist. Jede große Runway hat zwei Nummern, die den Kompasskurs bezeichnen (man muß im Geiste ein Null hinzufügen, 07 bedeutet 70 Grad, 25 bedeutet 250 Grad). Startet oder landet man in Münster in nordöstlicher Richtung, so ist das halt Runway 07, in die Gegenrichtung ist es halt Runway 25. Ob in die eine, oder die andere Richtung gestartet oder gelandet wird, kann z.B. von der Windrichtung abhängen. Zwei parallelverlaufende Bahnen auf größeren Flughäfen haben nach der Zahl gerne noch ein L oder R (left oder right). Ich nahm dann als Nummer für „meine“ Runway die 07. Das wäre die nordöstliche Richtung, hinterher dachte ich, eigentlich wäre die 25 besser gewesen, schließlich Richtung Westen bzw. nach Frankfurt Richtung Süden… aber das sind Details, die normalerweise sowieso keiner durchschaut. Obwohl… der Bräutigam ist Hobby-Segelfliefer, in sofern kennt er sich in der Luftfahrt wahrscheinlich besser aus als ich.

Eine richtige Runway braucht eine Landebahnbefeuerung. Ich hatte noch einen schon vor Jahren für andere Zwecke zusammengelöteten Bausatz für ein 10-Kanal-Lauflicht herumliegen. Da waren 10 LEDs auf eine Platine gelötet, ich entfernte diese und nahm stattdessen 20 kleine 3mm-LED, weiß, extrahell, die ich mit Heißkleber in Bohrungen im Fahrzeugdach einklebte und paarweise parallelgeschaltet mit der Platine verdrahtete. Die Platine verband ich über einen weiteren Knebelschalter, der ins Fahrzeugheck eingeschraubt wurde, mit einer weiteren 9-Volt-Blockbatterie. Machte was her, das Lauflicht!

Lauflichtschaltung und LED-Verdrahtung

Lauflichtschaltung mit 20 jeweils paarweise parallelgeschalteten LEDs.

Im Gegensatz zum Kitebuggyprojekt hatte ich bei dieser Sache genügend Zeit, noch einiges an Verzierungen anzubringen. Für die Heckklappe machte ich Aufkleber mit „Just married“ und Herzchen mit den Namen, einen X-150-Logo der Stadtwerke und ein Medienhauslogo der NOZ (wo wir ja alle arbeiten). Vorne machte ich einen Aufkleber mit Windschutzscheibe sowie angedeutetem Rückspiegel und Scheibenwischern. Hier hätte ich gerne die Gesichter der beiden einmontiert, aber ich hatte keine passenden Bilder von beiden. Stattdessen friemelte ich mit Gimp die Gesichter von beiden in die Seitenfenster, die ich als ganzes mit dem typischen Stadtwerke Osnabrück – Design sowie dem FMO-Schriftzug kombinierte. Das alles natürlich auf selbstklebenden, transparenten Folien, die auf weiß lackieten Flächen dann ganz ordentlich aussehen.

Rückansicht

Rückansicht mit den diversen Aufklebern, Schloss und Schaltern für Licht, Landebahnbefeuerung und Taster für Sound… Die Spaltmaße sind allerdings eine Katastrophe. Toll war meine Laubsägearbeit da nicht.

Außerdem machte ich für vorne und hinten noch kleine Sperrholzstückchen mit Nummernschild-Aufklebern fertig. OS – CH 2012, wieder mit den Anfangsbuchstaben der Vornamen und dem Jahr der Hochzeit. Dafür informierte ich mich im Netz über die Schriftart, mit der Nummernschilder in Deutschland gemacht werden und fand auf einer der vielen Seiten mit kostenlosen Schriftarten was sehr Ähnliches, dazu durften ASO und TÜV-Plaketten nicht fehlen. Schließlich besorgte ich mir noch eine Punktmatrix-Schriftart und brachte vorne am Dach noch eine Art „Anzeige“ mit der Busnummer X-150 und dem Ziel an.

Das fertige Modell auf der Hochzeit

Das fertige Modell auf der Hochzeit

Damit war das Modell fertig. Ich führte es in der Firma den Kollegen vor, insbesondere jenen, die sich am Geldgeschenk mit vermutlich erheblichen Beträgen (die meisten der Gäste außer mir waren immerhin mindestens stellvertretende Abteilungsleiter…) beteiligten. Man war recht angetan bis begeistert von dem Bus mit seinen Spielereien. Mein kritischer Chef, der auch eingeladen war, empfahl mir allerdings, die recht kinderspielzeugmäßigen, kleinen Holzräder durch etwas Cooleres zu ersetzen und anstelle der eher hässlichen, stählernen Sechskantmuttern für die Scharniere der Heckklappe Hutmuttern zum besorgen. Das mit den Rädern änderte ich nicht mehr – im Modellbaufachhandel hätte es zwar war passendes gegeben, aber das war mir zu teuer. Dem Rad mit den Hutmuttern folgte ich allerdings, da war für wenig Geld mit Messinghutmuttern noch eine Aufwertung möglich.

Damit war das Modell dann fertig. Ich machte dazu noch eine schöne Karte selbst, die ich hier aber nicht zeigen möchte. Für die Kollegen, die nicht die Gelegenheit hatten, sich das Teil vorab anzusehen, veröffentlichte ich dann noch folgendes Video auf youtube:

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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Eine Antwort zu Flughafenshuttle mit eingebautem Flughafen

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