Rocky Horror Aua Show

Nach im Wesentlichen (mag sein, dass ich zwischendurch mal ein wenig weg war) durchwachter Nacht stand ich wieder gegen 8.15 Uhr auf. Mein Budengenosse Michael half mir beim Schuhe anziehen. Duschen fiel aus. Mir fiel eine Aufschrift für T-Shirts ein: „Ich bin krank – ich darf stinken!“.

Nun, es war Sonntag, also war der Plan, mit dem Zug nach HH-Damtor zu fahren, um mit Schwester und dem Oberneffen die Rocky Horror Show im CCH zu besuchen. Nach der Nacht befürchtete ich, das nicht zu schaffen. Doch die ersten Schritte des Tages waren deutlich besser als alles am Vortag, seitdem der Schmerz angefangen hatte, und mein Gang sah auch viel besser aus. Also war spätestens nach dem Frühstück klar, dass ich fahren würde. Bis zehn Uhr mussten wir unsere Zimmer geräumt haben, danach war dann für die anderen die nächste Probe anberaumt. Mein Zug fuhr um 10.39 Uhr, der Weg zum Bahnhof war ne Sache von fünf Minuten mit dem Auto. Bernd fuhr mich mit seinem T4 Multivan hin.

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal herzlich bei Bernd und auch Nadine für alles bedanken, was sie für mich getan haben. Es ist klasse, im Notfall Leute dabei zu haben, die Fachkenntnisse haben und auf die man zählen kann. Aber dazu kam auch noch eine sehr fürsorgliche und positive Art und Weise, mit der die Chorleute mich unterstützt haben. Auch allen anderen möchte ich für alle lieben Worte und guten Wünsche (und womöglich Gebete) danken. Ihr seid klasse!

Viel Zeit hatte ich nicht mehr, es gab keinen Fahrkartenautomaten, und der Schalter hatte geschlossen. Ich überlegte, mich schnell noch bei der DB anzumelden und online ein Ticket mit dem Schlaufon zu kaufen. (Okay, war vielleicht auch keine gedankliche Glanzleistung, stattdessen das einzige, für mich erreichbare Ingress-Portal, nämlich den Bahnhof selbst, einzunehmen…) Wie auch immer, darum sollte ich mich für solche Fälle mal dringend kümmern. Aber akut war das kein Problem, weil man in der Nordwestbahn – im Gegensatz zum Metronom – Tickets lösen kann. Sogar bis HH-Dammtor über Oldenburg und Bremen.

Sande, Perle Frieslands

Sande, Perle Frieslands

Die Fahrt war ereignislos. Das Umsteigen in Sande, Oldenburg und Bremen klappte ganz gut, auch wenn ich ein paar mal fast gestolpert wäre. Ich erreichte alle Anschlüsse, und Sitzplätze hatte ich auch immer (sonst hätte ich auch echt ein Problem bekommen). An den Halte- bzw. Umsteigebahnhöfen konnte ich mir doch noch ein paar Unique-Hacks oder -captures holen (@Chef: nicht aufregen, sind nur zwei kleine Sätzchen bisher über Ingress, und mehr wird das auch nicht). Uniques in Jever war immerhin ein Argument im Arsenal der Frau mit SM im Nummernschild gewesen, um mich ins Land des friesischen Gerstensaftes zu locken.

Schließlich am Bahnhof HH-Dammtor unweit des CCH angekommen, suchte ich erstmal den örtlichen Mc Donald’s zwecks Mittagessen auf. Ich hatte inzwischen per SMS bzw. What’s App Kontakt zu meiner Schwester und meinem Oberneffen aufgenommen, die mit der S-Bahn auch schon im Anmarsch waren. Wir trafen uns beim Fastfood-Retailer, nachdem ich bereits einen Doppelcheesedingsbums mit Pommes und Cola vernichtet hatte. Aber wir hatten noch Zeit für einen Latte pro Nase, und ich konnte zwischendurch meinen Rucksack in ein Schließfach entsorgen.

Dann ging es rüber ins CCH. Garderobe abgeben, und auf in den Saal, Hochparkett. Hier lag noch reichlich Konfetti von der vorangegangenen Vorstellung auf dem Boden. Reis darf man bei der „Hochzeitsszene“ nicht verwenden. Auch Toast, Klopapierrollen und größere Wasserwerfer (z.B. Super-Soaker) sind nicht erlaubt, und das wird auch am Eingang geprüft (wenn auch nicht sehr konsequent, wie wir feststellten). Vor Beginn liefen auf einer Leinwand noch Trailer oder Ausschnitte aus Filmen, die in „Science Fiction Double Feature“ erwähnt werden, z.B. „Tarantula“. Danach ging es – mit eben jenem Song natürlich – los.

Meine Schwester, der Oberneffe und ich kannten bisher nur den Film und waren, was die Live-Version angeht, noch unbeleckt. Dennoch hatten wir das nötigste dabei (Konfetti, Karten, eine Rassel, drei Wasserpistolen, drei Zeitungen…). Auf eine Kostümierung hatten wir allerdings verzichtet. Naja, wir waren allenfalls ambitionierte Anfänger. Aber man lernt ja dazu, beispielsweise, dass bei jedem „Dr. Scott“ ein „UUH!“ zu äußern und dass der Erzähler grundsätzlich auzubuhen ist („Booooooring!“). Dieser wurde übrigens von Sky du Mont sehr herrlich trocken gespielt. Dialoge und Songs waren im englischen Original gehalten, die Texte des Erzählers hingegen Deutsch. Alle „Boooorings“ wurden gekonnt gekontert mit Sprüchen wie „Schockt mich gar nicht. Sie haben für jedes einzelne Wort bezahlt.“ oder „Sie machen das doch nur, weil ich als einziger hier noch eine Hose anhabe.“ oder „Ich bin eh lauter als Sie“. So ergab sich häufig die lustige Folge von Ausbuhen – Konter – Applaus.

Nun, das Ensemble und die Band waren allesamt spitzenklasse – natürlich fehlt mir der Vergleich, aber es war schon richtig gut. Das Publikum hätte ich mir hingegen noch lebhafter vorstellen können. Es wurde nicht allzuviel mitgesungen, und so habe ich auch lieber vor allem zugehört. Mein persönliches Highlight war gleich der dritte Song „There’s a light (over at the Frankenstein place)“. Das ist ja eine Ballade, und vor bzw. unter uns gab es ein Meer von bunten Knicklichtern und vereinzelten Feuerzeugen. Gleichzeitig ist es bekanntlich die Regenszene, d.h. die Wasserpistolen und Zeitungen (zum über den Kopf halten, wie Janet es macht) kommen zum Einsatz. Und so war das eine absolut herrliche schräge Kombination aus Gänsehaut-Feeling und gleichzeitig ein kindlicher Riesenspaß. Ich krieg schon wieder Tränen in die Augen, wenn ich nur daran denke. Ich versuchte, mitzusingen, musste aber schlucken, weil mich das so mitgenommen hat. Anfangs pumpte ich ordentlich Wasser Richtung Decke, um autentischen Regen zu erzeugen, nahm dann aber später gezielt Leute in den Reihen vor mir ins Visier. Wie mein Oberneffe hinterher richtig bemerkte, „wann hat man schon Gelegenheit, in der Öffentlichkeit fremde Leute mit Wasser abzuschießen“. Das war einfach nur super und wird mit Sicherheit ein Highlight-Moment dieses Jahres bleiben.

Wasserpistole

Niemals ohne – der handliche, kleine Freund für den Musical-Besuch

Es ging vergünglich und hochwertig weiter, auch Bühnenbild, Effekte und Kostüme empfand ich als sehr gelungen, und auch die Leute am Pult beherrschten ihr Handwerk gut. Ich fand höchtens den Erzähler ein bisschen zu leise. Mit anderen Worten, ich kann die Show nur absolut empfehlen.

Am Ende gab es ausdauernden Applaus und als Zugabe noch mal „Wild and untamed thing“ und den „Time Warp“. Dann war es zuende. Wir setzten uns erst mal eine Weile an einen der Tische im Foyer, weil wir keine Lust auf Riesengewimmel auf der Treppe und an der Garderobe hatten. Schließlich wurden wir von einer Mitarbeiterin – nicht sehr höflich übrigens – weggescheucht.

Nachdem wir unsere Klamotten wieder hatten, ging es zurück zum Bahnhof Dammtor. Und da war dann die Leistungsmöglichkeit meines Fahrwerks offenbar überschritten. Während der Show war es eigentlich nicht allzu sehr beansprucht worden – man saß und stand vielleicht zwei mal auf, natürlich auch am Ende beim Applaus. Aber es ging gar nichts mehr, ich hatte starke Schmerzen, und der Weg zum Bahnhof erschien sehr lang. Zuerst lehnte ich die Hilfe meines Oberneffen, mich zu stützen, noch ab. Aber später ging es nicht mehr anders. Er holte meinen Rucksack aus dem Schließfach. Anfangs hatte es drei Euro gekostet, das Teil einzuschließen – und nun wollte es nochmal drei Euro. Okay… gut, dass mein Rucksack in das kleinere Fach gepasst hat. Das größere hätte acht Euro gekostet. Ganz schön frech, wie ich finde.

Ein Grund für meine starken Schmerzen war sicherlich, dass meine Schmerzmittel auch überfällig waren. Dazu gehört auch Novaminsulfon-Ratiofarm, alle sechs Stunden 40 Tropfen. Ich hatte noch Wasser in einer Flasche dabei und genehmigte mir die Dosis. Aber es half natürlich kurzfristig nicht.

Rein in den Zug, am Hauptbahnhof nochmal umsteigen, in Harburg im Park & Ride rein in den T6, mit dem meine Schwester und der Oberneffe gekommen waren. War keine gute Idee, vorne einzusteigen – hinten geht es leichter, wie ich später feststellte. Wir fuhren dann nach Maschen zu meinen Eltern. In Maschen lud meine Schwester zum Griechen ein, noch anlässlich ihres Geburtstages Anfang Januar (sie war da aber in Vietnam). Zunächst waren wir aber bei meinen Eltern, ich war sehr schmerzgepeinigt und ließ mir von meinem Vater einen neuen Salbenverband machen. Ich musste mir kurz überlegen, ob ich nicht lieber im Haus meiner Eltern bleiben wollte, entschied mich dann aber doch, mit zum Essen zu kommen. Ich fuhr im Skoda meines Vaters auf dem Beifahrersitz mit, das war angenehmer als im VW-Bus.

Das Patenkind meiner Schwester, auch Ärztin, kam mit der Freundin meines Oberneffen ebenfalls zu dem Lokal. Davina meinte, dass es Quatsch sei vonwegen kein Alkohol wegen der Schmerzmittel zu trinken – bei Antibiotika sei das eine andere Sache. Daher gab es dann doch zwei Pils und einen Ouzo für mich. Immerhin hat Alkohol ja auch eine gewisse, betäubende Wirkung, und es half auch ein wenig, mich besser zu fühlen. Das Essen war lecker, es ging mir langsam etwas besser und so konnte ich es genießen.

Danach fuhr ich dann mit Davina im Golf zu meiner Schwester nachhause, wo sie sich dann nochmal meinen Oberschenkel ansah, den Verband erneuerte, meine Medikation prüfte und für gut befand (ebenso wie alles andere, was bisher unternommen worden war). Sie wohnt im Moment übergangsweise bei meiner Schwester in der Nähe von Lüneburg und muss für ihren Job immer ziemlich früh aufstehen. Wenn was wäre, solle ich sie auf dem Handy anklingeln. Meine Schwester ging dann auch bald schlafen und auch ich suchte den Weg ins Bett (Schlafsofa). Zunächst ging das gar nicht – ich fand keine Position, die die Schmerzen genug im Zaum hilt, um schlafen zu können. Ich quälte mich die Treppe runter, versuchte es im Sitzen auf einem Sessel, im Liegen auf einem Ottomanen, aber alles Mist. Schließlich quälte ich mich die Treppe wieder hoch und fand dann doch eine Möglichkeit, mein Bein in einer erträglichen Position zu lagern und konnte dann doch so sechs Stunden schlafen.

To be continued…

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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