Auf der Jagd nach dem Lymph-Set

Tag 12 nach Schneeballschlacht-Unfall

Mein Tag heute begann mit einem Anruf bei meiner Hausärztin. Ich hatte eine mir persönlich bekannte Dame mit einem markanten Sprachfehler am Telefon. „Guten Tag, mein Name ist Michael Karl, ich möchte ein Lymph-Set bestellen. Bitte packen sie es mir schön ein.“, so ähnlich meldete ich mich (okay, nicht ganz so…). Die Antwort war, nein, dass könne man nicht machen, das müsse der Orthopäde machen, die machten es sich immer schön leicht, die Patienten an die Hausärzte zu schicken, und man könne nicht ständig so viele Verfügungen schreiben… Eine richtige Tirade.

Gebrauchte Lymph-Set-Wickel

Das ist das Material für einen Kompressionsverband aus einem Lymph-Set: Vier Bandagen, ein „Strumpf“ (das weiße Ding vorne) und drei „Schwiegermütter“. So heißen lt. Chor-Arzt Bernd diese Dinger rechts vorne, vielleicht, weil sie Haken haben…

Ähm. Einmal kurz mein Weg als Flipperkugel zwischen den Halbgöttern in Weiß auf der Jagd nach dem Lymph-Set:

Orthopäde -> Therapeut -> Orthopäde -> Therapeut -> Hausarzt -> Orthopäde

Ticken die alle noch richtig? In was für einem Land lebe ich eigentlich? Ich habe auch noch nicht so richtig verstanden, was eigentlich das Problem ist, dass die Ärzte sich die Patienten (offenbar bin ja nicht nur ich betroffen) so hin und herschieben. Bekommen die Ärzte Probleme mit den Krankenkassen, wenn sie zu viele Rezepte schreiben? Ist so ein Lymph-Set in Gold aufzuwiegen? (Der Therapeut sagte dazu auch was von Zuzahlung, aber ich habe nicht richtig verstanden, wie hoch die sein sollte.) Der Therapeut sagte auch was von zwei Tagen Lieferzeit oder so. Ich verstehe einfach nicht, wieso wegen einem Karton voll mit Verbandsmaterial so ein Heckmeck veranstaltet wird. Und ich weiß nicht, wie die aktuelle Situation ist, aber ich habe zuletzt immer was von Überschüssen bei den Krankenkassen in der Presse gelesen. Fakt ist jedenfalls, dass durch dieses Hin und Her meine Behandlung nicht so wie vorgesehen, anders gesagt, nicht optimal erfolgen kann, was womöglich die Genesung verzögert. Mit entsprechend negativen Folgen nicht nur für mich, sondern auch für meinen Arbeitgeber und meine Krankenkasse.

Okay, nächster Schritt also: Zurück zum Orthopäden, wo ich für den Wisch (falls ich ihn denn bekomme) wieder eine Stunde warten muss, womöglich ohne Sitzplatz, und wofür er dann womöglich noch mal extra einen Stundensatz abrechnet, zum Papierchen unterschreiben? Oder zu einem anderen Orthopäden? So wie ich das sehe, wartet der wahrscheinlich nur auf von Kollegen abgewiesene Patienten, die von ihm den Berechtigungsschein zum tonnenweise-Gold-aus-Apotheken-raustragen fordern. Ich hoffe, dass irgendwann diese beknackte Odyssee mal mit -> Apotheke endet.

Bisher habe ich hier nicht Ross und Reiter genannt. Erstens halte ich eigentlich nicht so viel davon Personen oder Institutionen öffentlich zu verunglimpfen. Ich werde das auch weiterhin an dieser Stelle nicht tun. Zumal sowas ja auch juristische Konsequenzen haben kann. Aber langsam juckt es mich doch, mir irgendwo ein Ärzteportal zu suchen oder einfach bei Google Maps einen Erfahrungsbericht zu dieser Praxis zu schreiben. Ist nur die Frage, ob die Motivation eher Rache oder eher Aufklärung ist…

To be continued… (leider, fürchte ich)

Hämatom-Update

Für die Hämatom-Fans hier mal ein Update von Tag 12 nach Unfall.

Nachtrag: Ich habe inzwischen mal einfach „Lymph-Set“ gegoogelt. So ein Ding kostet je nach Größe und Anbieter im Netz (oberflächliche Suche) zwischen 159 und 263 Euro. Vermutlich verdient irgendwer nicht schlecht daran. Bei Medikamenten verstehe ich, dass die Pharma-Industrie mit hohem Risiko arbeitet und vermutlich teure Fachkräfte bezahlen muss. Aber hier handelt es sich im Wesentlichen um flexible Bandagen. Vielleicht sollte man hier die Innovation nicht zu geringschätzen, aber trotzdem kommt mir das sauteuer vor. Ich glaube auch, dass nach jeder Lymph-Drainage ein neuer Satz à vier Binden vorgesehen ist. Vermutlich völlig unnötig. Die Dinger sehen genauso aus wie das, was Bernd mir gegeben hat mit den Worten „das kannst Du hundert Mal verwenden, zwischendurch nur mal waschen“. Der gesunde Menschenverstand sagt auch, dass da keine Wunde ist, also keine Sterilität herrschen muss, ergo: Wozu jedes Mal ein neuer Satz? Damit irgendwo die Kasse klingelt? Und Patienten von A nach B und zurück rennen müssen, damit endlich jemand den Wisch unterschreibt?

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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