Kurtagebuch Wupperteil, Tag 1 cont’t

Okay, es ist Abend, ich habe einen kleinen Marathon an Aufnahmegesprächen, Fragen beantworten, Zettelchen ausfüllen etc. hinter mir. Richtig los mit den Therapien geht es erst morgen.

Zunächst stand die „Einführung Speisesaal“ auf dem Programm. Eine Diätassistentin, von denen es hier diverse gibt, erklärte uns, wie man mit einem Ankreuzzettel sein Wunschmenü bestellt, dafür Essensmarken über sein Postfach erhält, dass man sich vor dem Essen die Hände desinfiziert, die Essenszeiten etc. Anschließend gab es Mittagessen: Tortellini, Ratatouille oder Hühnerbeine mit Reis. Ich nahm die Ratatouille. Hm, halt Kantinenessen. Nicht besonders toll, aber zum Glück bin ich ja einigermaßen anspruchslos. Ich saß am Tisch mit zwei Damen, Mitte und Ende Vierzig, die ebenfalls heute angereist waren. Soweit ich das sehe, sind die aber nicht in meiner Therapiegruppe.

Nach dem Essen stand „Aufnahme Facharzt“ auf dem Programm. Frau Doktor, die hier sozusagen meine Hausärztin vor Ort ist (im Wesentlichen für meine physische Gesundheit bzw. Gesamtzustand zuständig, wenn ich z.B. eine Erkältung bekommen sollte) ließ mich die Hüllen fallen lassen (bis auf die Unterhose), um mich abzuhorchen, Reaktionstests zu mache, checkte meine Pupillenreflexe etc. Natürlich gepaart mit einem Frage/Antwort-Spiel.

Ohne nennenswerte Pause ging es nach der fast einstündigen Aufnahmeuntersuchung weiter zur Visite vom Oberarzt. Allerdings verspätete der sich um eine Viertelstunde, leider wusste ich das ja vorher nicht, sonst hätte ich vielleicht Zeit für einen Kaffee gehabt. Das war nur eine kurze Veranstaltung, wieder ein paar Fragen und Antworten (teilweise übrigens immer dieselben, leider), danach brachte mich der OA direkt weiter zu meiner Psychotherapeutin hier vor Ort. Interessante Persönlichkeit. Das Gespräch ging tiefer als zu meiner bloßen Aufnahme, aber da verzichte ich hier mal auf Details.

Danach war es etwa kurz nach 15 Uhr, und ich hatte etwas Zeit bis zum nächsten Termin, der Hausführung durch die aktuellen Patientensprecher. Ich nutzte das, um mich eine knappe halbe Stunde auf’s Ohr zu legen.

Ein Sprüchlein auf dem Flur.

Ein Sprüchlein auf dem Flur. Wechselt bestimmt häufig. Die Tafel haben womöglich Patienten im Rahmen der Gestaltungstherapie gebaut, könnte ich mir zumindest vorstellen.

Anschließend gab es besagte Hausführung. Wir besichtigten das sog. Therapiezentrum, welches mit verschiedenen Räumlichkeiten eine Etage in dem Haus, in dem mein Zimmer liegt, belegt. Es ging weiter zum Schwarzen Brett, wo man uns drei „Neuen“ vor allem erklärte, wie man sich für freiwillige Freizeitaktivitäten (wie z.B. Qui Gong oder Aqua Gymnastik) anmelden kann. Es ging weiter zu „Wuppertal“ und „Wuppertal 2“, das eine ist ein Trainingsraum (mit einigen Wii-Spielekonsolen, bemerkenswert), das andere ein Aufenthaltsraum. Dann ging es weiter über die Flure und durch einen unterirdischen Gang in den Keller von Haus 4, wo sich eine kleine Turnhalle, ein Fitnessraum, Schwimmbad und Sauna befinden. Alles ein wenig bescheiden, der Größe der Klinik (die für etwa 220 Patienten ausgelegt ist) angemessen. Dann gibt es noch einen Werkraum und einen Kunstraum, denn auch eine Art Kunsttherapie steht auf dem Plan. Leider waren viele dieser Räume abgeschlossen, und die Patientensprecher hatten keine Schlüssel dazu, so dass wir nur die Türen sahen. Die Führung endete in einem Aufenthaltsraum im Keller mit Kicker und Billard-Tisch. Uns wurde viel erklärt, z.B. dass man sämtliche Einrichtungen nicht nur im Rahmen von Therapien, sondern auch darüber hinaus nutzen könne – aber immer nur mit mindestens drei Leuten (aus demselben Grund wie es Dreiergruppen bei Klassenreisen gibt: wenn einem etwas passiert, kann einer Hilfe holen und einer vor Ort bleiben). Es ging um die Alarmsicherungen der Türen, nur durch den Haupteingang kommt man, ohne Alarm auzulösen rein oder raus, und das bis 22.30 abends (am Wochenende 23 Uhr). Man kann zwar auch länger abwesend sein, muss dann allerdings seinen Schlüssel bei der Pflegestation hinterlegen, damit die jederzeit wissen, wer nachts außer Haus ist, falls es z.B. brennen sollte.

Danach war das Programm des Tages beendet (keine Therapie, aber viel Info) und es gab Abendessen: Brot, Brötchen, verschiedene Wurst- und Käsesorten, eine Gemüsesuppe, mixed pickles und Bohnensalat. Ganz okay alles.

Ich beschloss, einen kleinen Spaziergang zu machen und die Umgebung zu erkunden. Ein paar Sachen diesbezüglich hatten die Patientensprecher schon erklärt. Etwa einen knappen Kilometer von der Klinik entfernt gibt es einen Kreisverkehr. Auf dem Weg dorthin liegt ein Restaurant, ein öffentlicher Golfplatz (8-Loch-Kurs, Driving Range, Putting Green, Chip & Pitch) und der hiesige Pu… ähm, der Lokalität für Horizontaldienstleistungen. Unmittelbar am Kreisverkehr gibt es ein – für mich faszinierendes Geschäft für „Dampfmaschinen und technisches Spielzeug“. Die Sachen im Schaufenster fand ich schon ganz interessant, bei Gelegenheit schaue ich mir das mal von innen an. Außerdem gibt es dort ein weiteres Restaurant und nicht weit davon eine Bushaltestelle. Dort fährt wochentags alle zwanzig und wochenends alle dreißig Minuten ein Bus, mit dem man zum Bahnhof Oberbarmen gelangen kann. Und da ist – neben dem Bahnhof – eine der beiden Endhaltestellen bzw. Wendeschleifen der Schwebebahn, mit der man dann in die Stadt fahren kann. Nun, das sah ich mir halt alles an und guckte an der Bushaltestelle auf die Uhr, um zu checken, wie lange ich für den Heimweg brauchte. Es waren knapp 20 Minuten.

Nun bin ich wieder auf meinem Zimmer und blogge. Es ist erst viertel vor neun, aber ich denke, ich werde nach dem Bloggen schlafen gehen. Die letzte Nacht war kurz, und morgen heisst es um halb sieben aufstehen. Apropos, hier mein Plan für morgen:

07:05 Uhr – Blutabnahme (anschließend Frühstück)

08:15 Uhr – Einführung Walking (nordic? könnte sein)

12:00 Uhr – Mittagessen

13:10 Uhr – EKG

13:20 Uhr – Sportaufnahme (hier wird festgestellt, was ich für Sport machen kann und was nicht)

15:00 Uhr – Gestaltungstherapie

17:00 Uhr – Einführung Entspannung (geil, ob wir da wohl einen Actionfilm gucken?)

18:00 Uhr – Abendessen

18:45 Uhr – Infoveranstaltung

Den Therapieplan bekommt man immer an bestimmten Tagen für die nächsten paar Tage über sein Postfach.

Und wie es mir geht? Hm. Durchwachsen. Das medizinische Personal machte durchweg einen guten Eindruck auf mich. Das Zimmer, Essen und alles andere sind okay bis gut. Die anderen Patienten… naja, da scheinen ein paar nette dabei zu sein. Da wir ja nur zweihundertundeinkeks Leute sind, ist das recht familiär, denke ich, auch wenn es natürlich eine gewisse Fluktuation gibt. Wenn man sich mit den Leuten seiner Therapiegruppe gut versteht, unternimmt man sicherlich mit diesen einiges. Ich habe meine erste Gruppensitzung aber erst übermorgen, so dass ich im Moment noch ohne Gruppe bin. Ansonsten… ich bin hier eben „Patient“, das bedeutet, ich bin eben krank. Und da ich wahrscheinlich sechs Wochen lang weder nach Osnabrück noch nach Hamburg kommen kann, fühle ich mich im Moment ein wenig einsam. Aber es hilft ja nix, ich muss eben da durch und hoffen, dass ich hier ein paar nette Leute kennenlerne. Das war’s, für heute melde ich mich ab. Fast.

WARNUNG! AB HIER INGRESS!
Nun, dieses ganze Gedöns vonwegen „Kreisverkehr“, „Bushaltestelle“ und so weiter war natürlich nur die halbe Wahrheit: Am Kreisverkehr gibt es auch zwei Portale. Das eine ist eine Dampfmaschine, die zu besagtem Dampfaschinenladen gehört. Beide waren blau, als ich kam. Und die Dampfmaschine ließ sich nicht kaputtschießen; der letzte Reso war schon fast tot, aber irgendwann taten weitere Burster dem keinen weiteren Schaden zufügen. Ich hatte das schon mal, aber da konnte ich gar nichts effektiv angreifen. Hier war das nur das eine Portal, während die Resos des benachbarten Portals Schaden von den Druckwellen derselben Burster erlitten. Sehr seltsam.

Steinlöwe am Eingang der Klinik

Steinlöwe am Eingang der Klinik – sofort eingereicht.

Egal, ich konnte auf dem Weg im Taxi hierher bisschen was hacken, und verbunden mit einem kleinen, täglichen Spaziergang kann ich, wenn ich will, meine Sojourner-Medal weiterführen und die Portale am Kreisverkehr täglich hacken. Leider gibt es kein Klinikportal, dabei gibt es am Eingang direkt eine Figur eines Steinlöwens, die gute Chancen hat, von den Pissnelk… von Niantic durchgewunken zu werden. Natürlich habe ich das auch sofort eingereicht…

Ich denke, ich werde wohl erst am Samstag nach Wuppertal fahren und dort ordentlich Uniques sammeln. Auf die Schwebebahn freue ich mich schon, das macht bestimmt Laune.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized, Wuppertal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s