Tag 4, Teil 2 – Schwebend über den Dingen trotz Pegida, Hogesa und Salafisten

Warnung: Dieser Artikel ist sehr ingress-lastig!

Nach Walken und Dusche ging ich zur Rezeption, holte mir eine Tageskarte für den WSW, parkte meinen Zimmerschlüssel bei der Rezeption und ging sofort los. Ich hatte gar nicht auf den Busfahrplan, den ich zuvor mit dem Handy fotografiert hatte, geschaut. Das war nicht so schlau, der Bus fährt am Wochenende nur alle halbe Stunde, und natürlich passte das Timing nicht so gut. Aber egal, ich hatte es ja nicht eilig. Am Kreisverkehr ging ich dann zum Dampfmaschinenportal und dann weiter in Richtung Tankstelle, um mir vielleicht ein Snickers oder so zu gönnen. Es wurde dann eine Mohnschnecke, weil es auch eine Bäckerei in der Nähe der Tankstelle gab. Und eine Sparkasse, wo ich Geld holen konnte. Und ein weiteres Portal, welches ich hacken konnte. Und eine Bushaltestelle, wo der Bus früher kam, weil ich in die Gegenrichtung gegangen war.

Also, rein in die 602. An der nächsten Haltestelle Schmiedestraße, die normalerweise meine gewesen wäre, stiegen die beiden Damen ein, die mit mir zusammen angekommen waren, die wollten halt auch auf Tour. Also fuhren wir zusammen zum Bahnhof Oberbarmen. Die beiden wechselten sofort in die Schwebebahn. Ich suchte zunächst den Fahrkartenautomaten auf, um mal zu gucken, was so Fahrkarten in die Städte in der Umgebung kosten. Hm, Solingen ist für unter 20 Euro zu haben (Tageskarte, also Hin- und Rückfahrt), Düsseldorf für paarundzwanzig. Mal sehen. Wäre nicht schlecht die Städte ingress-mäßig zu erschließen, aber bei guten Wetter steht der Zoo hier in Wuppertal noch auf der Agenda (soll ziemlich gut sein), und vielleicht möchte ich ja auch mal was mit anderen zusammen machen.

Schwebebahn-Antriebssatz

Schwebebahn-Antriebssatz – jeder Zug hat vier davon mit jeweils 50 kW. Oben rechts sitzt ein Käfigläufer-Motor. Ich war mir erst unschlüssig, ob die Räder hydraulisch angetrieben werden, aber der Motor wirkt mechanisch über Getriebe auf die Räder.

Wie auch immer, nachdem ich das geprüft hatte, also rein in die Schwebebahn. Mir fiel sofort auf, dass der Wagen beim Einsteigen der Leute leicht pendelte. Das gehört auch so, denn die Wagen legen sich in die Kurven, daher sind die nicht starr auf der Schiene. Dann ging es los. Im ersten Moment ist die Beschleunigung bemerkenswert. Ich habe mal per GPS die Geschwindigkeit gemessen, da ist man in der Regel mit 40-50 km/h unterwegs. Lt. Wikipedia hat die aktuelle Fahrzeuggeneration aus den 70er-Jahren vier Motoren mit je 50 kW. Demnächst sollen sie durch neue Fahrzeuge ersetzt werden. Meine Fahrt von der Endhaltestelle Oberbarmen bis zur Endhaltestelle Vohwinkel dauerte 26 Minuten.

Blick aus der Schwebebahn

Blick aus der Schwebebahn – okay, was am Ufer ist, ist nicht sonderlich attraktiv. So ist Wuppertal mal leider…

Und es machte Spaß! Zwar kann man nicht besonders weit sehen, weil die Fahrt ja nun einmal im wesentlichen über die Wupper verläuft. Und die ist halt wie eine Rinne durch Wuppertal, d.h. meistens geht es an den Ufern steil bergauf, so dass man keine weite Sicht hat. Und außerdem ist die Strecke auf beiden Seiten bebaut. Aber man sieht halt die Wupper, die Häuserschluchten, und das Fahrgefühl ist einfach gut. Im Moment würde ich sagen: Das zweitcoolste Verkehrsmittel der Welt (nach den Cable Cars in San Francisco).

Achja… und natürlich jede Menge Ingress-Portale, die man unterwegs hacken kann. Bestimmt 30-40 Stück.

An der Endhaltestelle Vohwinkel stieg ich aus und gönnte mir in der Bäckerei vor Ort einen Kaffee und ein Käsebrötchen. Dann ging ich Ingress zocken. Die Schwebebahn fährt nicht die gesamte Strecke oberhalb der Wupper, sie quert 2,7 km von der Endhaltestelle Vohwinkel entfernt die Bundesstraße 228 und fährt ab da 8 Meter oberhalb der Straße. Diesen Teil ging ich zu Fuß wieder in Richtung Oberbarmen, um die blauen Portale an der Strecke einzunehmen (für die unique captures). Bei der Station Hammerstein, der letzten Station vor der Bundesstraßen-Überquerung, stieg ich wieder in die Schwebebahn und checkte halt den Scanner bezüglich der Portaldichte, -level und -farbe. Wo es mir vielversprechend erschien – das war an der Station Robert-Daum-Platz – stieg ich wieder aus. Hier gab es viele blaue Portale, 7er und 8er.

Ich operierte mich also durch die Straßen, fand irgendwann eine sechs 8er-Portale und suchte mir eine Route, um die sinnvoll zu farmen und anschließend einzunehmen. Zwischendurch hatte ich so ein Bedürfnis… Ihr wisst schon, Restroom. Ich bestellte mir im „Soul Food Café Simon“ (übrigens auch selbst eines der 8er-Portale) eine große Cola und suchte den Restroom auf. Da sah ich, dass ich eine Nachricht im In-Game-Chat von Ingress hatte. Sie kam von „klabauterstern“, einem Schlumpf, und war eine Warnung, nicht nach Elberfeld zu fahren, da wäre die Stadt ziemlich abgeriegelt. Man erwartete mit Pegida, Hogesa („Hooligans gegen Salafisten“ Irgendwie finde ich es schwachsinnig, wenn Hooligans öffentlich eine politische Meinung vertreten. Wer soll denn bitte schön Leute, die nur auf Krawall aus sind, denn irgendwie ernst nehmen, abgesehen davon, dass man sich besser von ihnen fern hält?) und Salafisten zeitgleich eine brisante Mischung. Dazu 1.000 Polizisten. Ich muss gestehen, dass es mich juckte, mir die Sache aus der Nähe anzusehen. Ich hatte mich vor ein paar Jahren in New York, als dort gerade die Occuppy-Bewegung brodelte, auch ganz gut aus der Affäre gezogen. Man hatte uns auch hier in der Klinik schon davor gewarnt, heute nach Elberfeld zu fahren. Aber die unmittelbare Warnung vom Ingress-Gegner gab mir weit mehr zu denken. Ich rief mir erst einmal den Liveticker zur Demosituation der Westdeutschen Zeitung (WZ) auf das Handy, um jederzeit informiert zu sein, was im Stadtzentrum abging. Es war kurz vor 15 Uhr, dem geplanten Demo-Beginn. Ich hackte das Portal, spielte ein bisschen Quizduell und trank meine Cola aus.

Ich hätte auch gerne noch was gegessen, aber die Küche war nicht besetzt, so dass es außer Kuchen nichts gab. Also raus aus der Hütte, die 8er ausgebrannt, abgerissen und eingenommen. Weiter in Richtung Norden, weiter weg von der Wupper. Hier fand ich zunächst mal einen griechischen Imbiss, wo ich überbackenes Gyros und ein Malzbier zu mir nahm. Danach fand ich eine weitere Ansammlung von 8er-Portalen in der Nähe der historischen Stadthalle Wuppertal und des Stadtbades. Das war eine weitaus besser zu farmende Runde als die zuvor beim Café Simon.

Hinter der Stadthalle hatte die Polizei einige Mannschaftswagen mit Pferdeanhängern abgestellt. Ansonsten war hier ziemlich tote Hose. Inzwischen hörte man ziemlich viel Lalülala und sah gelegentlich ein paar Mannschaftswagen durch die Straßen hetzen. Ich zog also wieder meine Runden, auch hier ausbrennen, wegbomben, einnehmen.

Sooo… es ist nach null Uhr. Morgen gibt es Frühstück von 8:00 bis 9:00 Uhr. Ansonsten habe ich komplett frei am Sonntag. Aber ich gehe erst einmal schlafen und schreibe morgen weiter. Gute Nacht!

Weiter geht’s. Ich schaute zwischendurch immer mal auf den WZ-Liveticker. Es waren nur ca. 700 anstatt der angekündigten 2.000 Pegida-Anhänger gekommen. Aber die Hools warfen wohl ziemlich früh Flaschen und Böller nach den Polizisten, und so wurde die Demo kurzerhand von der Polizei abgebrochen. Hogesa oder Hools unter den Pegida-Leuten, es ist ja offenbar so, dass Hools, Rechtsradikale und Pegida zwar in Teilen dieselben Interessen haben, nämlich den Moslems hier möglichst keinen Boden zu lassen, aber Hools und Rechtsradikale schaden den Interessen der „reinen“ Pegida, die gewaltlos für ihr Interessen demonstrieren wollen, wohl ziemlich. Die Hools wurden bei Kluse von der Polizei eingekesselt und Wasserwerfer in Stellung gebracht. Da war dann wohl ziemlich schnell Schicht im Schacht. Die Salfisten indes waren auch weniger als erwartet und vor allem auch spät dran, die eierten wohl unter dem Protest der Gegenseite mit einem Lautsprecherwagen durch die Gegend, während sich anderswo Juden derweil schützend um ihre Synagoge aufbauten… Jedenfalls war das wohl so, wenn man die Nachrichten liest. Meine Güte, wenn ich Gott wäre – egal welcher, und mir das Ganze aus einer gewissen Distanz ansehen würde… ich würde mir denken „Was für ein Kindergarten!“.

Die Kavallerie kehrt heim

Die Kavallerie kehrt heim

Tja, und dann sah ich ein Regiment der Kavallerie heim reiten (zu den Mannschaftswagen an der historischen Stadthalle, wo die ihre Pferdeanhänger geparkt hatten) und dachte mir, das soll es jetzt wohl gewesen sein. Fehlte nur noch der bugle call und ein malerischer Sonnenuntergang. Ich sah auf dem Scanner, dass Portale am Hauptbahnhof (die ich auf der Fahrt mit der Schwebebahn nach Vohwinkel schon gesehen hatte), gar nicht mehr so weit weg waren. Also ging ich zu Fuß in die Richtung, querte die Wupper und erreichte die Schwebebahnstation Hauptbahnhof. Hier waren noch ein paar zweifelhaft anmutende Individuen unterwegs, es standen auch noch einige Mannschaftswagen herum, aber offensichtlich waren alle Beteiligten dabei, abzuziehen.

Der Brunnen vor dem Rathaus

Der Brunnen vor dem Rathaus – oben offenbar Poseidon. Jedenfalls hat er einen Dreizack.

Ingress-mäßig war die Situation die, dass ich eine unglaubliche Portaldichte vorfand, und in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes alles Blau und Level 8. Hat zwar die falsche Farbe, aber die vielen 8er – egal in welcher Farbe – sind hervorragend geeignet, mein aktuelles Ziel, die Translator-Platin zu kriegen, zu verfolgen. Aber erstmal war mit nach Kaffee und Restroom. Ich wählte dazu das örtliche „Café Extrablatt“. Das ist wohl eine Franchise-Kette, jedenfalls gibt es das in Osnabrück auch. Dort gab es ein 8er-Portal zu hacken und einen Latte zu trinken.

Danach zog ich kreuz und quer durch die Innenstadt, um mir möglichst viele Portale vorzunehmen, Unique Visits zu sammeln und 5er-Glyph-Sequenzen für die Translator zu lösen. Obwohl mir das imposante Rathaus, in der inzwischen einsetzenden Dunkelheit angestrahlt, und der Brunnen davor ganz gut gefielen, war es ansonsten die übliche, gelackte Einkaufsstadt mit den üblichen, gelackten Einkaufsmöglichkeiten, die es in solchen Innenstädten überall gibt: Saturn, Kaufhof, Apollo-Optik, Mc Donald’s, Starbucks etc. Naja, nicht, dass ich nicht auch gerne mal was einkaufe, was esse oder einen Kaffee trinke, aber irgendwie ging mir das gestern ein bisschen auf den Keks – es ist ein bisschen so, als hätte jemand zur Innenstadt-Gestaltung einfach einen Haufen mit den entsprechenden Logos versehener Bauklötze in einen Sack getan, einmal geschüttelt und dann neben dem Hauptbahnhof ausgeleert. Kaum irgendwie Charme. Eine Ausnahme sind vielleicht die „City-Arcarden“, das scheint ein ganz schickes Einkaufszentrum zu sein.

Also war es keine Schande, die Augen eher auf dem Schlaufon-Display zu haben. Ein Mit-Frosch hatte ein paar von den 8er-Portalen angegriffen und zwei kleine, grüne Tupfen in dem blauen Teppich platziert. Und dabei natürlich auch umliegende, blaue 8er beschädigt, das waren dann nur noch 5er. Pfui! Mein Plan war folgender: Ordentlich die gegnerischen 8er farmen, viele Glyph-Sequenzen zu lösen, 8er Burster und Powercubes zu sammeln. Dann am Folgetag (also heute) wiederkommen, die Translator-Platin mit 20.000 Glyph-Hack-Punkten vollenden und DANACH den ganzen Laden einreißen und einnehmen, um noch die Unique Captures zu bekommen. Und da pfuscht mir doch der Frosch-Kollege ins Kontor! Naja, halb so wild. Ich drehte halt ein paar Runden und orientierte mich dann Richtung Schwebebahn-Station Hauptbahnhof.

Da ich nicht genau wusste (und es auf die Schnelle im Netz nicht fand) wann die letzte Schwebebahn fahren würde, wollte ich spätestens um 21:30 Uhr Richtung Oberbarmen fahren. Ich hatte mein Minimalziel, 19.000 Glyph-Hack-Points, schon erreicht, und ich fuhr dann schon gegen 20:40 Uhr zurück nach Oberbarmen.

Dort stand ich zunächst etwas ratlos am Busterminal… in welche Richtung musste ich, und wo fahren die Busse? Ich ergoogelte mir die WSV-Webseite, aber die war für mobile Nutzung nicht schön. Also lud ich mir flugs die App der Verkehrsbetriebe (die es selbstverständlich gibt) herunter und fand da schnell Antworten auf meine Fragen. Ich hatte noch eine Viertelstunde Zeit, die ich natürlich zum rumbasteln an den örtlichen Portalen nutzte. Vielleicht muss ich mir mal ein bisschen Zeit für Oberbarmen nehmen, nicht nur für die unmittelbare Nähe des Bahnhofs.

Nun, also rein in die 602 und ab zu meiner Haltestelle Schmiedestraße. Von dort dann zu Fuß zurück zur Klinik. Schlüssel von der Pflegestation abgeholt, Wasserflaschen gefüllt, aufs Zimmer, angefangen zu bloggen. Aber gegen null Uhr wollte ich dann nur noch ins Bett. Lt. Ingress-Zähler hatte ich 20 km zu Fuß zurück gelegt. Dazu kommen ja noch die 4,7 km Walking vom Morgen, so dass ich wohl um die 24 km gelaufen sein muss.

So, ich werde also gleich wieder nach Elberfeld fahren, um dort meine Ingress-Pläne und Ziele in Angriff zu nehmen. Vielleicht habe ich kommendes Wochenende schon ein paar Leute, mit denen ich Lust habe, gemeinsam loszuziehen (und die Lust haben, mit mir loszuziehen). So ein Intensiv-Ingress-Wochenende ist ja okay, aber es gibt sicher attraktivere Alternativen.

Ingress-Stats

  Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
Vortag 17.229 1.795 km 2.470 1.486 68.316 49.223
Jetzt 19.669 1.815 km 2.639 1.548 68.905 49.668
Delta 2.440 20 km 169 62 589 445
Advertisements

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
Dieser Beitrag wurde unter Ingress, Wuppertal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Tag 4, Teil 2 – Schwebend über den Dingen trotz Pegida, Hogesa und Salafisten

  1. Peter Karl schreibt:

    Gut, dass du vor der Ingresslastigkeit des Artikels gewarnt hattest, ich konnte deshalb gelassener über die entsprechenden Absätze scrollen. Ansonsten finde ich deinen Blog bisher sehr gut!

    • michikarl schreibt:

      Danke danke. Der heutige Tag war wieder sehr von Ingress geprägt. Aber es war sehr cool, ich habe mit einem Mit-Frosch Kaffee getrunken und bin später sogar mit drei Schlümpfen um die Höuser gezogen. Man findet echt Kontakt durch das Spiel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s