Tag 7 – Frustgräten und Raumschiffhangare

Warnung: Kann Spuren von Ingress enthalten!

Mein Tag begann um 6:45 Uhr, um 7:00 hatte ich eine Einheit Frühsport. Die Zeit war übrigens etwas zu knapp bemessen. Wie am Vortag bei der Ballgymnastik konnte ich einige Übungen nicht oder nur unter Schmerzen absolvieren. Das macht mir physisch und psychisch zu schaffen.

Nach dem Frühstück hatte ich noch etwas Zeit und legte mich gleich noch mal für eine halbe Stunde auf’s Ohr.

Anschließend war „Visite“, d.h. ich visitierte meine Hausärztin. Ich berichtete ihr von meinen Schwierigkeiten mit dem Fahrgestell, und sie empfahl mir, die problematischen Übungen auszulassen und mit den Sporttherapeuten zu sprechen, was ich vielleicht stattdessen machen könnte, was gut für meine Beweglichkeit ist. Außerdem soll ich wohl einen Einzeltermin Physio bekommen, damit ich da mal durchgecheckt werde und Tipps bekomme. EKG und Blutwerte sind komplett in der Norm – ist ja auch was wert.

Blick von der Sonnenterasse

Blick von der Sonnenterasse der Klinik

Nach der Visite hatte ich etwa anderthalb Stunden Zeit. Das Wetter war herrlich, und ich ging mal just zum Kreisverkehr für den Hack des Tages. Das war eigentlich unnötig, denn da mein Therapieplan nur bis so 16:00 Termine aufwies, hatte ich ohnehin vor, in die Stadt zu fahren. Wieder zurück in der Lobby hatte ich Zeit für einen Kaffee und wollte eigentlich lesen, aber der Patient mir gegenüber (ich kannte ihn bisher nicht) erzählte mir so viel von seiner Geschichte, dass ich nicht zum lesen kam.

Ein Sporttherapeut und eine Sporttherapeutin erschienen und hakten ihre Namenlisten ab. Dann besorgte ich mir Stöcke, und es ging zum Sammeln auf den Parkplatz. Eine langsame und eine schnelle Gruppe wurden gebildet, die langsame unter der Führung der Sporttherapeutin. Ich entschied mich diesmal für die langsame Gruppe, weil sich mein Fahrwerk nicht gut anfühlte. Dann ging es los.

Ich kam nicht weit. Die Sporttherapeutin sah sich meinen Gang an und meinte, das ginge so gar nicht, ich solle zurück zur Klinik, die Stöcke an der Rezeption abgeben und stattdessen ein bisschen auf dem weichen Waldboden spazieren gehen. Das machte mich fertig. Mir machte das Walken echt Spaß, vor allem bei dem tollen Wetter, ich hatte mich sogar drauf gefreut, und dann werde ich so aus dem Verkehr gezogen. Ich war ziemlich depremiert und fühlte mich wie ein Wrack. Ich gab meine Stöcke ab und ging über den Golfplatz in den nahegelegenen Wald. Dort warf ich ein bisschen mit abgefallenen Ästen herum, um mich abzureagieren. Das Gelände war abschüssig, und unten plätscherte ein kleiner Bach. Ich ging da runter, um mir ein wenig das beruhigende Murmeln des Gewässers anzuhören. Aber das reichte alles nicht, um mich wirklich besser zu fühlen.

Fuchs im Wald

Reinecke begegnete mir unverhofft am Bach, wo ich mich zum Schmollen über mein Hüftproblem zurückgezogen hatte. Ich dachte, er wäre aus Holz geschnitzt, aber es entpuppte sich als Schaumstoff. Gleich als Portal eingereicht, versteht sich.

Ich ging zurück zur Klinik, duschte, und ging Mittagessen. Nudeleintopf mit Huhn, zwei Portionen Salat, Milchreis zum Nachtisch. Danach war Progressive Muskelentspannung (PMR) mit der Gruppe. Ich wußte schon vorher, dass mir das in der Stimmung mal gar nichts bringen würde, aber ich ging natürlich pflichtbewusst hin. Statt der im Plan stehenden Therapeutin kam ein Therapeut, machte irgendeine sphärische Dudelmusik an (alleine das geht mir manchmal auf den Keks) und betete die Anspannung von Zehen bis zum Kopf mit umgekehrter Entspannung vor. Ich kenne das eigentlich so, dass man sich zwar von Kopf bis Fuß durcharbeitet, aber nicht erst alles anspannt und dann alles entspannt, sondern immer anspannen, entspannen, nächstes Körperteil. Ich empfand das als anstrengender, und meine Fußgelenke taten schon beim Hochziehen etwas weh. Nach der ganzen Prozedur von Fuß bis Kopf das Ganze nochmal. Da hatte ich schon ziemlich den Kaffee auf. Am Ende dann in der Litanei des Therapeuten: „Sagen Sie zu sich selbst: Ich bin ganz ruhig!“ Ja, Pustekuchen, ich belüge mich doch nicht selbst, und schon gar nicht in meinem eigenen Kopf! Der Satz, den ich in Gedanken formulierte war eine noch etwas unschönere Variante von „Du kannst mich mal, Du Pissnelke!“

Es war nicht besonders entspannend. Wenigstens dauerte es nur 20 Minuten.

Anschließend hatten wir Depressionsgruppe. [redacted]

Dennoch tat es gut, darüber gesprochen zu haben, und da der Therapeut gut gelaunt auch noch ein paar Kostproben seines Humors von sich gab, konnte ich auch wieder lachen und es ging mir endlich besser.

Um 15:00 Uhr wäre eigentlich Musiktherapie angesagt gewesen, aber das fiel aus, ich glaube, wegen Krankheit des Therapeuten. Und damit hatte ich plötzlich den Rest des Tages frei. Also ab ins Zimmer, Jacke und Zusatzakku für das Schlaufon abgegriffen, und die Abfahrtszeiten der Busse gecheckt. Hm… reicht noch für einen Latte, dachte ich. Reichte dann doch nicht, aber egal, ich hatte genug Zeit.

Also via Bus und Schwebebahn ab nach Elbersfeld, zu fetten 8er-Farm der Schlümpfe. Aber ich wollte erst noch ein bisschen was einkaufen und erstand bei Galeria Kaufhof Briefpapier und bei DM eine Nagelschere und ein paar andere Dinge des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Duschgel. Es war sehr sonnig und ich hatte Bock auf ein Eis, McD war nebenan, also gab es ein McFlurry und ich habe den Restroom dort genutzt.

Dann also auf ins Gefecht. Ich hatte die Nase voll vom ständigen Item-Limit. Irgendwer musste bereits früher aufgeräumt haben, denn die Portale in meiner Nahe waren nur Level 7. Aber kaum hatte ich ein paar blaue Portale zerlegt und grün gemacht, fing die Schlumpfheit schon wieder an, hinter mir herzubasteln. Echt übel! Aber ich ließ mich nicht davon beeindrucken, schließlich hatte ich in der Gegend die Unique Captures noch nicht mitgenommen. Natürlich schaute ich mich gelegentlich argwöhnisch nach meinem Verfolger um, konnte aber auf die Schnelle niemanden identifizieren. Ich finde, die Schlümpfe sollten gefälligst weiße Mützen tragen, damit man sie sofort erkennt! Also konzentrierte ich mich lieber darauf, schnell grüne Resos in graue Portale zu setzen, bevor der Gegner da seine Dinger reinstecken konnte. Es gelang mir nicht immer. Irgendwann gab sich einer der Bastelschlümpfe sich mir zu erkennen, ein Mann mittleren Alters (also vielleicht etwas älter als ich) und stellte sich vor. Sein Nick war jedenfalls „Schuchard“, und dem gehörte am Samstag gefühlt die halbe Innenstadt, vor allem aber „bergauf“. Sein Homeportal soll lt. „knorki“ eine orthodoxe Kirche „oben“ sein (man kommt über Tippen-Tappen-Tönchen dahin), ich hab das schon mal eingenommen. Apropos Tippen-Tappen-Tönchen, ich arbeitete mich in Richtung dahin, also zur St. Laurentius – Kirche. Denn an Tippen-Tappen-Tönchen startet eine Mission durch das Luisenviertel, und die wollte ich auch absolvieren.

St. Laurentius bei Dunkelheit

St. Laurentius bei Dunkelheit

Das Ding war mit einer Dauer von einer Stunde angegeben, eine reine Hacker-Mission. Aber es waren eine Menge Portale, und da ich nicht immer nur hackte, sondern die Portale auch einnahm, dauerte es länger als eine Stunde. Ich gelangte dabei dann zu der Kirche… die in Google Maps offenbar nicht eingezeichnet ist und deren Namen ich vergessen habe. Grrr! Wie auch immer, es war schon dunkel, ich zog auf der Mission um die Häuser, und es war schon so eine Sache, bis ich das endlich – wieder in der Nähe der St. Laurentius – Kirche – fertig hatte. Also wieder zurück ins Stadtzentrum Richtung Hauptbahnhof, weitere 8er-Portale knacken.

Hier durfte feststellen, dass die Schlümpfe alle Schäden, die ich angerichtet hatte, weitgehend schon wieder repariert hatten. Nun denn. Wenigstens hatte ich das Item-Limit-Problem hinter mir, weil ich etwa 500 8er Burster verschossen hatte und alles, was ich an kleinen Resos hatte, deployt war. Ich ballerte am Brunnen vor dem Rathaus etwas unmotiviert mit weiteren 8er-Burstern herum, als „klabauterstern“, diesmal mit vier Jungs, plötzlich vor mir auftauchte. Einer wollte wissen, wie lange ich denn noch vorhätte, zu spielen. „Wieso, willst Du endlich Feierabend machen?“, entgegnete ich. Aber ich konnte die Leute beruhigen. Es war schon nach 20 Uhr, ich wollte noch was essen gehen und dann vor 21 Uhr die Schwebebahn nach Oberbarmen nehmen. Also zog „klabauterstern“ mit ihrer fröhlichen Bande weiter, um die restlichen Schäden, die ich an ihrer Farm angerichtet hatte, zu kitten – und ich ging zum Café Extrablatt, was essen. Es gab panierte Hühnerteile mit Pommes und Pizzabrötchen, zu trinken ein alkoholfreies Weizen. Hm, gerade fällt mir auf, dass die in Osnabrück immer noch etwas Honigmelone dazu servieren.

Ich schaffte nicht die Bahn, die ich bisher immer zurück nach Oberbarmen genommen hatte, sondern eine später. Coolerweise konnte ich in der ersten Reihe Platz nehmen und dem Fahrer über die Schulter schauen. Schon auf der Hinfahrt hatte ich in der zweiten Reihe gesessen, da konnte man auch schon gut nach vorne sehen, aber direkt hinter dem Fahrer ist es klasse. Nur war es diesmal dunkel, und durch die Scheibe zwischen Fahrgastabteil und Fahrerkabine spiegelte der Innenraum des Fahrgastabteils, so dass Fotos oder Videos nicht gut geworde wären. Aber dafür mutete aus der Perspektive das Einfahren in die hell erleuchteten Bahnhöfe aus der Dunkelheit über der Wupper heraus ein bisschen an, als flöge man mit einem Raumschiff in einen Hangar. Oder einen Flottentransporter oder so. Naja… zumindest unter der Voraussetzung, dass man nicht auf das eher übersichtliche und altmodische (die Wagen sind halt aus den 70ern) Amaturenbrett schaut… Aber durch das In-die-Kurve-Legen der Bahn, auch gerne direkt mal vor einer Station, und den Reihen von Leuchtstoffröhren in den Bahnhöfen sieht es wirklich ein bisschen so aus, als führe man nicht ein, sondern flöge und landete.

Wie auch immer, obwohl ich diesmal später vom Hbf zurück nach Oberbarmen als Samstag und Sonntag, bekam ich den 21.18 Uhr – Bus zur Schmiedestraße. Also war ich kurz vor 22 Uhr zurück im Zimmer. Es war mir schon zu spät, um den Artikel komplett zu schreiben, also schrieb ich noch ne Stunde und ging dann schlafen.

Ingress-Stats:

  Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
Letzter Stand 22.120 1.834 km 2.704 1.603 69.447 50.199
Jetzt 22.627 1.849 km 2.720 1.647 70.018 51.232
Delta 507 15 km 16 44 571 1.033
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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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