Tag 10 – Marokkanisch angehauchte Küche in Gasometerstraße 5

Tja, heute hatte ich dann wirklich Frühsport, und ich stand also um 7:10 Uhr auf, um da um 7:30 Uhr anzutreten. Wieder einmal habe ich es nicht sehr geliebt – gelinde ausgedrückt.

Danach ging es in den Sportklamotten zum Frühstück. Ein Brötchen, eine Schale Müsli, eine Kiwi, zwei Kaffee waren der Treibstoff für den Start in den Tag.

Dann hatte ich noch Zeit für den Spaziergang zum Kreisel.

Anschließend war eine Sitzung in der therapeutischen Gruppe angesagt – die letzte mit dem Vertreter unserer Bezugstherpeutin. Sie fand in Raum London statt, weil wir eine echt große Gruppe waren. Zum ersten Mal waren einige Neuankömmlinge von gestern (Donnerstag) mit dabei, und die vier Leute, die uns kommende Woche verlassen, waren auch noch dabei. Korrektur – ich erfuhr, dass eine junge Dame noch eine Woche verlängern wird. Was ich mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen habe. Einerseits ist es eine sehr, sehr hübsche, junge Frau (sie erinnert mich eine eine jüngere Catherine Zeta-Jones), und ich glaube, ich kann sie auch gut leiden, so dass ich mich über die Verlängerung ihrer Gesellschaft freue. Aber es tut mir leid für sie, weil es ja bedeutet, dass sie noch nicht so weit ist. Obwohl sie auch oft lächelt habe ich sie auch schon mit so traurigem Gesichtsausdruck gesehen, dass es fast weh tat.

Ähm… wo war ich? Achja, in Wuppertal. Genauer gesagt, in London. Die neuen Mitglieder stellten sich erst einmal vor, ansonsten hatte die Runde eher Vortragscharakter. Der Therapeut referierte über das Thema „Psychatrie“, und wie wenig Ottonormalbürger davon ein korrektes Bild hat. Ich glaube, er wollte wegen der großen Gruppe und der Neuen keine Hardcore-Sitzung veranstalten, zumal es eh sein letzter Termin mit unserer Gruppe E war.

Bild im Gang

Dieses Bild habe ich fotografiert, weil es ziemlich viele typische Aspekte und Merkmale eines Aufenthaltes hier zusammenfasst: Den Joggingschuh oben links für den Sport, den allgegenwärtigen Desinfektionsmittelspender rechts davon, Wecker und Medikamente, das Dr-Becker-Klinik-Logo, Walking-Stöcke, Cappuccino, Taschentücher für die Tränen, die hier oft fließen, der Regen (Wuppertal ist eine der regenreichsten Städte Deutschlands), der Golfschläger für die Golfanlagen rundherum, und die Wasserflaschen, die hier verkauft werden und die fast jeder hat.

Danach gab es Mittagessen, bei mir Fisch mit Reis. War okay, aber nicht berauschend.

Um 13 Uhr war dann Patientenforum, d.h. die Neuankömmlinge der Woche wurden begrüßt, der Kummerkasten besprochen, neue Patientensprecher gefunden, das Übliche, habe ich letzte Woche ja schon genauer beschrieben.

Einer der Neuankömmlinge aus der IT (Admin) wollte sich nicht mit den Erklärungen der Klinikleitung abfinden, warum es hier kein WLAN für die Patienten gibt (nur ein Netzwerksystem, nur eine Leitung, deswegen Datenschutzbedenken, wenn dasselbe Netz, welches Patientendaten enthält, von Patienten genutzt wird). Das hat mich erst genervt. Obwohl er auch ein Stück weit recht hat: Möglich ist grundsätzlich erst mal alles. Wozu gibt es denn Firewalls? Wahrscheinlich wollen die eher ihre Bandbreite nicht mit 200 Patienten teilen, was ich auch verstehen kann. Ich dachte, hey, das ist hier kein Hotel, finde Dich damit ab. Andererseits habe ich leicht reden, ich kann ja sowohl in meinem Zimmer als auch in der Lobby ganz ordentlich mit meinem Handy ins Netz, das Glück hat aber nicht jeder. Ich würde das wohl auch anders sehen, wenn das nicht der Fall wäre. Außerdem… irgendwie muss man es auch realistisch sehen: Das Internet gehört fast schon zur Grundversorgung wie der Zugang zu Telefonen, elektrischem Strom oder fließend Wasser. Je jünger die Leute, desto mehr trifft das zu. Fünf oder sechs Wochen ohne Internet… geht gar nicht. Obwohl es ja auch ein öffentliches Terminal hier in der Lobby gibt (eins für über 200 Patienten, aber Schlangen habe ich davor nie gesehen, wohl aber viele Leute, die mit ihren Smartphones in der Lobby herumspielen, also wohl doch einigermaßen Empfang haben). Insofern ist eine gewisse Grundversorgung ja abgedeckt.

War also nicht allzu spektakulär. Anschließend war Sport & Bewegung angesagt. Es gab eine Einheit Pilates (auf niedrigem Niveau, wobei es bei den verschiedenen Übungen teilweise verschiedene Schwierigkeitsgrade gab, von denen man das für sich passende aussuchen sollte). Die Therapeutin erzählte, dass der Erfinder der Methode in New York Tänzer von Broadway-Musicals damit trainierte, was auf Wikipedia in etwa so auch nachzulesen ist. Ich fand es recht anstrengend und wieder mal frustrierend, weil einiges nicht ging. Eigentlich sind diese Sport-Geschichten, die bei mir immer für viel Frust sorgen, auch ein ideales Trainingsfeld für den Umgang mit meinen psychischen Problemen. Darüber muss ich noch mal mit meiner Bezugstherapeutin sprechen. Es wäre echt ein Erfolg, wenn ich damit umzugehen lernte.

Anschließend hatten wir mit der kompletten Gruppe E MAT in Raum Madrid bei der Therpeutin, bei der ich bisher zweimal Kunsttherapie gehabt hatte. MAT bedeutet „Mentale Aktivierung“ und ist immer ein Training für die „kleinen, grauen Zellen“. Für mich auch noch ein Novum. Die heutige Übung hieß „Zürich“. Der „Eingabekanal“ war rein über das Hören und damit der Schwierigste, wie die Therapeutin sagte. Sie las etwas vor, und es ging darum, das gehörte zu behalten. Dabei ging es um einen Aufenthalt in Zürich. Zunächst wurden Hotelzimmerangebote vorgestellt, mit Hotelnamen, Preisen, Ausstattung der Zimmer oder der Hotels, Adresse, Telefonnummer und Web-Adressen. Anschließend fragte die Therapeutin z.B. nach dem Preis des Zimmers, oder nach Straße und Hausnummer des Hotels. Man konnte sich melden, wenn man die Antwort wusste. So ging es paketweise erst durch verschiedene Hotels, danach zum Shopping (auch mit Adressen und der Anbindung von Tram-Linien und was es jeweils zu kaufen gab), schließlich zu gastronomischen Angeboten. Zwischendurch wurde dann auch mal wieder nach der Adresse oder dem Namen des Hotels gefragt, wo wir – imaginär – abgestiegen waren. Schwierig. Die Telefonnummern habe ich immer vorbeirauschen lassen, das würde eh nicht klappen, und dann hätte ich mir gar nichts merken können. Ich konzentrierte mich immer nur auf ein paar ausgewählte Informationen.

Im anschließenden Gespräch hab ich das so verstanden, dass das genau die richtige Strategie war. Und das manche sich besser Zahlen, andere besser z.B. Orte merken können. Und dass man sich natürlich insgesamt besser Sachen merken kann, die einen interessieren. Und nochmals, dass die rein akustische Aufnahme von Informationen am schlechtesten funktioniert, sie meinte, wenn wir es selbst gelesen hätten, hätten wir uns z.B. mehr merken können. Was ich immer noch weiß ist die Gasometerstraße 5, in der es ein Restaurant mit marokkanisch angehauchter Küche gab.

Abgesehen von der um 19 Uhr angesetzten Wochenplanung, die irgendwie so eine Pseudo-Pflicht ist (es wird gerne gesehen, dass die Gruppen insbesondere den Neuankömmlingen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aufzeigen und vielleicht auch schon eine Themenauswahl für die Gruppentherapie in der kommenden Woche überlegen – aber es kontrolliert keiner und funktioniert einfach in unserer Gruppe auch nicht gut bisher) hatten wir Feierabend. Einer von den kommende Woche abreisenden Kollegen erklärte das den Neuankömmlingen, aber die hatten unter sich schon einige Pläne gemacht. Die wollen am Sonntag z.B. in den Zoo. Ich hätte auch Lust, mitzukommen, aber ich habe mich schon mit ein paar Fröschen zum Ingress in Elberfeld verabredet.

Ich verabredete mich mit einer der neuen Damen zum Einkaufen im „Kaufpark“, etwa 20 Minuten zu Fuß entfernt. Ist ein REWE, wenn ich nicht irre. Zuvor war ich da noch nie gewesen. Vorher hatte ich noch etwas Zeit, die ich mit einem Buch in der Lobby nutzte.

Wir gingen dann zu viert los, zwei junge Damen (27 und 36 Jahre alt) von den Neuen, und ein gleichaltriger Mitpatient, ebenfalls aus unserer Gruppe E. Wir unterhielten uns ganz angeregt und kauften dann ein, Süßigkeiten, Taschentücher, Instantkaffee und solche Dinge. Bei mir gab es u.a. Schokolade, Nüsse und Kekse.

Einkäufe

Hm… ich bitte um Entschuldigung für langweilige Bilder wie dieses. Aber ich finde, selbst langweilige Bilder lockern einen langen Text auf und sind besser als keine…

Anschließend ging es zurück in die Klinik, nachdem ich noch ein Portal in der Nähe des Supermarktes bearbeitet hatte. Abendessen war angesagt.

Nach dem Abendessen lungerte ich noch ein wenig in der Lobby herum, unterhielt mich noch eine Weile mit einem Gruppenkollegen und schaute, ob mich irgendwelche Leute und deren Aktivitäten dazu reizten, mich irgendwie einzubringen. Dem war nicht so. Ich glaube, ich müsste da vielleicht schon selber die Initiative ergreifen und irgendwas vorschlagen. Mal sehen, vielleicht geht mit den neuen Leuten in Zukunft irgendwas. Allerdings… ich merke einfach, dass ich auch nur begrenzt motiviert bin, hier großartige Beziehungen aufzubauen. Ich habe keine Lust, dem hinterher zu hecheln und viel zu investieren. Entweder, es ergibt sich etwas, oder halt nicht. Aber vielleicht sollte ich auch das mal mit meiner Bezugstherapeutin besprechen.

Also ging ich auf mein Zimmer, chattete mit hiesigen Fröschen, spielte ein bisschen Quizduell, hackte die Rezepte aus der Lehrküche (meine Schwester wollte die haben) und dann diesen Eintrag hier in den Blog.

So, für heute war es das. Morgen habe ich geplant, mal Barmen, einen anderen Stadtteil ingress-mäßig zu erschließen. Vielleicht treffe ich dort ja auch wieder ein paar Spieler. Verabredet bin ich erst für Sonntag in Elberfeld. Aber wenn sich irgendwas ergibt, was man mit netten Leuten machen kann, dann würde ich auf den Tag Ingress auch gerne mal verzichten.

Bevor es ins Wochenende gibt, steht noch ein Vortrag auf dem Programm, ich weiß gerade nicht, was genau das ist, müsste am schwarzen Brett stehen. Auf jeden Fall gehe ich hin.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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4 Antworten zu Tag 10 – Marokkanisch angehauchte Küche in Gasometerstraße 5

  1. Le Petit-Duc Scops schreibt:

    Da lese ich doch tatsächlich „hackte die Rezepte“ und wundere mich, dass es Portale in der Klinik gibt und warum die Rezepte… bis mir auffiel, dass es ja auch ein deutsches Hacken gibt …

    • michikarl schreibt:

      Das es kein Klinik-Portal gibt ist in der Tat ein Skandal! Vor allem deswegen, weil es tatsächlich diesen portalwürdigen Steinlöwen vor der Tür gibt, den ich natürlich eingereicht habe. Ebenso wie „Haus 6“ (den hiesigen Flatrate-Puff) und noch so einige andere Sachen in der Nähe. Aber wenn, dann geht das ja erst online, wenn ich hier wieder weg bin…

      • Le Petit-Duc Scops schreibt:

        So geht es mir auch, sollte ich in Lasalle gute Portale finden, dann gehen die erst online, wenn ich in Europe bin oder kurz vorher. Naja, immerhin ist meine Bushaltestelle an einem Park, der zwar unscheinbar ist, aber ein Portal. Mit ganz viel Glück kann ich damit sogar den Guardian erweitern, aber da mein momentaner Rekord bei 32 ist und ich bezweifle, dass dieses länger stehen wird, eher unwahrscheinlich…

  2. michikarl schreibt:

    Tja… mein Guardian steht auf 67 Tagen und damit auf Gold. Hätte ich da Onyx, ich wäre morgen Level 16. Weil mir genau eine Onyx fehlt und noch ca. 220k AP zu 40 Mio. Aber in Osnabrück und Umgebung sind die Schlümpfe ziemlich gnadenlos, was das angeht. Allerdings, wer es immer wieder darauf angelegt hat, schafft zumindest irgendwann Platin. Das würde mir auch schon reichen, dann wäre ich 16, sobald ich meinen Translator auf Onyx habe (schätzungsweise innerhalb von drei Monaten, bin bei über 27.000 Glyphhackpoints.

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