Tag 13 – Essensanfälle, Zirkeltraining und Waschtag

Der Wecker verströmte seine akustische Randale um 7:00 Uhr. Eigentlich viel zu früh, ich wollte heute erst nach dem Sport duschen und hatte um 8:30 Uhr einem Vortrag zu lauschen, da hätte inklusive Frühstück eine Stunde Vorlaufzeit auch genügt.

Mein Therapieplan für heute:

08:30 Uhr – Gesundheitsvortrag

10:00 Uhr – Therpie-Gruppe

11:30 Uhr – Autogenes Training

14:15 Uhr – Job on/Job off

15:15 Uhr – Oberarzt Visite

15:30 Uhr – Trainingsgruppe

17:00 Uhr – Ernährungsvortrag

Der Gesundheitsvortrag nach dem Frühstück um 8:30 Uhr hatte das Thema „Essanfälle“ und wurde von einer Psychotherapeutin gehalten. Zuvor sagte sie ein paar hilfreiche Dinge zu den Vorträgen, wie viele man denn wirklich besuchen sollte und so weiter. Dann sagte sie höflich, dass alle, die mit dem Thema nichts anzufangen wüssten, doch ihre Zeit anders nutzen könnten. Daraufhin verließ mindestens die Hälfte der Leute den Vortragsraum. Ich blieb und fand das echt ziemlich cool von der Frau die dann noch bemerkte, ihr seien weniger Zuhörer, die interessiert sind, lieber. Es ging um die Definition, die Symptomatik, die Ursachen und Folgen sowie natürlich Auswege. Außerdem um eine Abgrenzung zur „Fress-Brech-Sucht“ (Bulemie) und zur Magersucht (Anorexie). Die Diagnose von Ess-Anfällen (im Vortrag häufig als „binge eating“ bezeichnet) sind dem Vortrag zufolge vor noch gar nicht so langer Zeit so richtig als eigene Ess-Störung in Deutschland angekommen und in die therapeutischen Behandlungen eingegliedert. Ich hab jede Folie des Beitrags fotografiert. Demnach:

Definition:

  1. Verzehr einer großen Nahrungsmenge in einem abgrenzbaren Zeitraum (deutlich mehr als andere unter den gleichen Umständen essen würden)
  2. Kontrollverlust (Gefühl, nicht mehr aufhören zu können, nicht steuern zu können, was und wie viel man isst)

Dazu mindestens drei der folgenden Merkmale:

  • höhere Essgeschwindigkeit als normal
  • essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl
  • essen ohne Hunger/trotz Sättigung
  • alleine essen aus Verlegenheit über die Menge, die man isst
  • nach dem Essanfall Ekel/Schuldgefühle/Deprimiertheit auf sich selbst

Viele der Folien basierten auf einem Buch namens „Das Leben verschlingen? Hilfe für Betroffene mit Binge-Eating-Störung (Essanfälle) und deren Angehörige von Simone Munsch. Weiter will ich mal nicht ins Detail gehen. Jedenfalls war der Vortrag ansprechend vorgetragen, auch wenn der Beamer immer mal wieder das Bildsignal verlor. Die Vortragende scheute sich nicht vor dem Gebrauch von Kraftausdrücken, was in Gesprächen hinterher teilweise schlecht, teilweise aber auch gut ankam. Ich fand es gut – das war an den richtigen Stellen gesetzt und würzte die Rede, fand ich. Insgesamt ein guter und interessanter Vortrag.

Taschentücher und Kaffee

Taschentücher und Kaffee – was man halt so in der Therapiesitzung braucht. Heute flossen aber keine Tränen.

Es folgte die Therapie-Gruppe, diesmal wieder bei unserer Bezugstherapeutin, die von ihrer Woche Urlaub zurück war. Sie holte sich eine Bestandsaufnahme, was ihre Vertretung mit uns gemacht hat und checkte den Status von unterschiedlichen Patienten, insbesondere von dreien, die morgen die Klinik verlassen. Mehr gibt es darüber nicht zu erzählen, zumal aus der Gruppe ja eh nichts erzählt werde darf.

Anschließend hatten wir Autogenes Training, außer, dass wir zu spät kamen weil wir mit der Therapiegruppe zu spät Schluss gemacht hatten, keine besonderen Vorkömmnisse. Nun, ein Handy hat ärgerlicherweise zwischenzeitlich ein Tönchen von sich gegeben, was natürlich nicht so klasse war. Aber auch wenn ich nicht voll konzentriert war, für mich war das recht entspannend und angenehm. Wenn ich das – im Gegensatz zur progressiven Muskelentspannung – weiterhin so angenehm finde, suche ich mir da vielleicht in Osnabrück eine Gruppe oder sowas.

Danach gab es Mittagessen, anschließend hatte ich eine und eine dreiviertel Stunde Zeit. Ich machte meinen Sojourner-Spaziergang zum Kreisel und legte mich anschließend noch eine knappe Stunde auf’s Ohr.

Der nächste Punkt hieß „Job on/Job off“. Das ist ein vierteiliges Programm mit einer Frau vom sozialen Dienst. Heute ging es um das finanzielle Versorgungsnetz, um Lohnfortzahlung, Übergangsgeld, Krankengeld, ALG I, unter welchen Umständen und wie lange was gezahlt wird. Für mich gilt: Für die 6 Wochen hier bekomme ich ganz normal Lohnfortzahlung. Wenn ich eine oder zwei Wochen Verlängerung empfohlen bekäme, würde ich die natürlich nutzen. Ebenso kann es passieren, dass ich selbst für mich entscheide, dass eine Verlängerung sinnvoll wäre, dann würde ich das halt mit meiner Therapeutin besprechen. Wie auch immer, dann müsste ich Übergangsgeld beantragen. Ansonsten war es kompliziert, und einiges davon wird mich hoffentlich nie, aber wenn, dann eher in ein paar Jahren betreffen. Dann habe ich das alles längst vergessen, wichtig ist dann eher, wo man sich dann informieren muss (Krankenkasse, Bundesversicherungsanstalt für Arbeit – je nachdem). Es wird, glaube ich, noch einen Teil zur Wiedereingliederung und einen zum Thema Mobbing geben, und irgend so eine Phantasiereise. Das klingt eher nach autogenem Training, und ich frage mich, was das in Job on/Job off zu suchen hat. Wie auch immer, da einige „alte Hasen“ die Einheit schon kannten, durften die gehen und ihre Zeit anders nutzen, so waren wir dann nur noch eine kleine Gruppe und schnell fertig.

Anschließend wäre Visite beim Oberarzt gewesen, aber das musste verschoben werden, weil er zeitlich in Verzug kam und nicht rechtzeitig vor meinem nächsten Termin Zeit für mich hatte.

Dann musste ich nämlich schon zur Trainingsgruppe. Dort gab es ein Zirkeltraining mit so vielen Stationen, wie wir Leute waren, im Wesentlichen Kraftübungen für verschiedene Muskelgruppen. Allerdings nicht im Fitnessraum, sondern auf Matten auf dem Boden, mit verschiedenen Bällen, Hanteln, Dehnbändern, Sprossenwand und so weiter. Mit mindestens zwei Übungen hatte ich wieder so meine Probleme, aber heute hat es mich nicht mehr so gestört. Vielleicht lag es daran, dass diese Schwierigkeiten jetzt nicht mehr neu für mich sind, aber ich war ohnehin heute den ganzen Tag ziemlich gut gelaunt. Wir absolvierten den Zirkel zweimal, und anschließend hatte ich schon das Gefühl, was getan zu haben.

Ich hatte genug Zeit, zu duschen, danach war dann noch ein Erneährungsvortrag von einer Ernährungsassistentin angesagt. Das war die hübsche und sympathische junge Frau, die uns als Neuankömmlinge in den Speisesaal eingewiesen hatte. Leider hatte sie erst gar keinen Laptop finden können, und als sie einen aufgetrieben hatte, klappte es mit dem Beamer nicht, weil sie nicht das richtige Videokabel dabei hatte oder so. Aber so schlecht war das gar nicht, so musste sie mehr erzählen, und sie machte das ganz souverän. Es ging allgemein um gute Ernährung, um die verschiedenen Nährstoffe, wozu wir sie brauchen, in welchen Mengen und in welchen Lebensmitteln sie enthalten sind. Also im Prinzip nichts, was man nicht schon wüsste, aber eben doch detailreicher. Zuerst wurde – auch anhand von Fragen der Vortragenden – erörtert, was eigentlich schlechte Ernährung ist, und warum man oft dazu tendiert, sich nicht gut zu ernähren. Basis der Erläuterungen zur guten Ernährung waren die sogenannten 10 Regel der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Anschließend hatte man sofort Gelegenheit, das Gehörte in die Praxis umzusetzen, denn es gab Abendessen. Danach war dann Feierabend.

Ich hatte mir einen Waschmaschinen-Termin reserviert und für 3,50 Euronen einen Waschmaschinen-Token samt Waschmittel an der Rezeption erstanden. Also legte ich den gefühlten Kilometer zum Waschraum zurück, füllte die Trommel und wählte ein Waschprogramm, das ganze 2:29 Stunden dauern sollte. In der Lobby ging es recht lustig zu, da saßen auch viele nette Leute herum. Ich machte mir einen Instant-Cappucino und stellte den Blog-Beitrag von gestern fertig, indem ich Bilder und Ingress-Stats hinzufügte. Auch diesen Eintrag wollte ich eigentlich dort fertig schreiben, aber als einige andere Leute schlafen gingen, setzte sich die 27-jährige Patientin aus Rostock zu mir, später kamen noch zwei Jungs dazu. Also hockten wir da, tranken Tee, hörten Musik aus meiner Bose-Box und klönten, da bin ich nicht recht zum Schreiben gekommen.

Irgendwann war die Wäsche fertig, und ich ging in die Waschküche und packte die Wäsche in einen der Trockner. Ich stellte meinen Timer am Handy, das würde fertigwerden, bevor die die Waschküche um 22:30 schließen. Leider habe ich dann den doch recht dezenten Ton meines Timers überhört und auch nicht aufgepasst. Ich war dann ca. um 22:40 Uhr bei der Waschküche – leider schon abgeschlossen. Käse! Jetzt muss ich mich da morgen darum kümmern. Aber nicht so schlimm.

Gegen 23 Uhr verabschiedete ich mich von der Runde, schrieb in meinem Zimmer diesen Beitrag zu Ende. Und jetzt ist es fast null Uhr und ich muss dringend ins Bett. Ich habe morgen um 7:00 Uhr Frühsport, und ich möchte mich vorher gerne noch um meine Wäsche kümmern.

Daher: Gute Nacht!

Advertisements

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
Dieser Beitrag wurde unter Wuppertal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s