Tag 29 – Stress in Paris und eine selbstgebastelte Piepshow

Ich stand um 7:30 Uhr auf, ging in Sportklamotten frühstücken. Leider war ich ungefähr schon eine Stunde früher wach. Bin nicht sicher, aber vielleicht haben mich die Autos geweckt, die sind auch bei geschlossenem Fenster doch noch deutlich zu hören. Und natürlich piepste der Wecker ungefähr, als ich gerade wieder eindöste. Vielleicht muss ich mir Ohropax besorgen.

Um 08:30 Uhr hatten wir Indi Stress in Raum Paris. Mangels unserer Bezugstherapeutin bei einer Vertretung. Die Therapeutin war mir von einem therapeutischen Einzelgespräch (als meine „eigentliche“ Therapeutin schon mal im Urlaub war) und von zwei Gesundheitsvorträgen her bereits bekannt. Hübsche Frau, und spätestens heute habe ich gemerkt, dass die auch für Ihr Fach richtig brennt. Wahrscheinlich ist sie deswegen auch so gut darin. Ihre Vorträge waren gut, und sie hat auch einen guten Ruf als Bezugstherapeutin.

Sie stellte uns zwei Themen zur Wahl: Das „Vier-Ohren-Modell“ (Kommunikationsmodell, welches jeder Nachricht vier Aspekte und jedem Empfänger „vier Ohren“ für diese Aspekte zuweist) oder die „Biologischen Hintergründe von Stress“ (oder so ähnlich). Nach einigem Hin- und Her entschieden wir uns per Abstimmung erst für das „Vier-Ohren-Modell“, aber da einige das schon kannten, bekamen wir davon nur ein Handout und machten Stress-Bio.

Zuerst sammelten wir körperliche Stressindikatoren wie Herzrasen, Schwitzen, Atemnot, Tunnelblick, Übelkeit/Erbrechen, Durchfall/Verstopfung, Schlafstörungen, Tinnitus etc. Dann skizzierte die Therapeutin die Zusammenhänge im Körper:

Ein äußerer Reiz (gern genommenes Beispiel: Säbelzahntiger) wird wahrgenommen und an den Hypothalamus genannten Teil des Gehirns gemeldet. Diese gibt die Info an die Hypophyse (auch Hirnanhangdrüse genannt) weiter, die lt. Wikipedia eine Art Schnittstelle zwischen Gehirn und Hormonproduktionssystem ist. Über den Sympathikus, einen Teil des vegetativen Nervensystems, werden die Nebennieren angewiesen, die Stresshormone Adrenalin und Cortisol auszuschütten. Adrenalin wirkt sehr schnell, aber nur kurzfristig. Cortisol braucht länger, aber die Wirkung hält länger an. Die Aufgaben dieser Hormone ist, den Körper optimal auf zwei mögliche Reaktionen in einer Gefahrensituation (z.B. Säbelzahntiger) vorzubereiten: Kampf oder Flucht (fight or flight).

Dazu wird alles, was für diese beiden Varianten benötigt wird, hochgefahren, und alles andere runter. Der Herzschlag und Blutdruck werden hochgefahren. Blutgefässe für die Arm- und Beinmuskulatur werden erweitert. Blutgefässe für gerade nicht so dringend benötigte Körperteile werden verengt. Die Atmung fährt hoch, um mehr Sauerstoff für die Muskeln bereitzustellen. Die Leber wandelt eingelagertes Fett in Energie um und schickt eingelagerten Zucker in den Blutkreislauf. Die Darmtätigkeit wird runtergefahren, um Resourcen wie Energie und Sauerstoff einzusparen. Schweiß wird produziert, um den Körper zu kühlen. Wir erfuhren auch, dass wir an den Hand- und Fussflächen Schweiß produzieren, um „mehr Grip“ zu haben, etwa, um barfuss zu laufen oder mit den Händen eine Waffe halten zu können (Stöcke und Steine, bei der Zeit, auf die das wohl zurückgeht). Das Immunsystem fährt ebenfalls hoch, um den Körper auf mögliche Verletzungen vorzubereiten.

Mit anderen Worten: Der Körper wird rapide in absolute Alarm- und Verteidigungsbereitsschaft versetzt, alle Prioritäten werden von „Normalbetrieb“ auf „Ausnahmezustand“ umgestellt. Das wird für viele sicherlich nicht alles neu sein, war es für mich auch nicht, aber ich wusste das nicht so im Detail und finde es schon faszinierend, was da alles so abgeht. In einem plumpen Vergleich ist das ähnlich wie bei einigen Computerspielen, bei denen man einen Weltraumfighter fliegt: Im Kampf kann man bei solchen Spielen teilweise Prioritäten bei der Energieversorgung seines Raumfighters einstellen, beispielsweise mehr Energie auf Waffensysteme und Schilde auf Kosten von anderen Systemen umleiten.

Leider sind diese uralten Mechanismen, die uns seit Menschengedenken in Gefahrensituationen früher und auch heute (wenn es z.B. brennt) beim Überleben helfen, in der modernen Welt auch manchmal dysfunktional. Ein Grund dafür ist, dass nicht nur äußere Reize die oben beschriebenen Mechanismen triggern können, sondern auch innere Reize, Gedanken und Gefühle. Gedanken wie „Hilfe, ich schaffe das nicht!“ wirken auf das Limbische System, welches für unseren „Gefühlshaushalt“ verantwortlich zeichnet. Hier entstehen Gefühle wie Wut oder Angst, die auf den Hypothalamus eine ähnliche Wirkung haben können, wie die Sichtung eines Säbelzahntigers: Die ganze Verteidigungsmaschinerie wird angeworfen. Mit allen Folgen, die ziemlich negativ sein können. Wir können es z.B. gerade überhaupt nicht gebrauchen, übermäßig zu schwitzen. Auch das Runterfahren des Verdauungssystem kann unerwünschte Folgen haben. Viel Stress fördert durch die viele Zuckerausschüttung der Leber das Diabetes-Risiko, der hohe Blutdruck das Risiko von Schlag- und Herzanfällen. Außerdem werden kognitive Hirnfunktionen zugunsten von Verteidigungsautomatismen runtergefahren, das Großhirn hat sozusagen im Notfall nicht „dazwischenzureden“. Das kann bei dysfunktionalem Stress zur völligen Blockade führen. Schlecht für eine Matheprüfung…

Das Immunsystem, welches unter extremem Stress auf maximalem Niveau arbeitet, hat später möglicherweise „sein Pulver verschossen“, etwa den Vorrat an Material zur Produktion von Blutplättchen und anderen Abwehrsubstanzen aufgebraucht. Deswegen werden wir auch gerne krank, wenn der Stress vorbei ist (etwa im Urlaub), weil dann das Immunsystem runterfährt und mit unterdurchschnittlicher Leistung arbeitet, wenn vorher sozusagen „alles was geht“ rausgefeuert wurde.

Allerdings kann auch der durch innere Reize, wie beispielsweise den Gedanken an eine Prüfung auch durchaus funktional sein. Stress ist nicht gleich Stress, es kommt sozusagen auf das Level an. Eine gewisse Anspannung lässt uns bei z.B. Prüfungssituationen wacher und geistig fitter sein. Man spricht ja auch von „positivem Stress“, der uns auch produktiver werden lässt.

Interessant sind bei dysfunktionalem Stress natürlich die Gegenmaßnahmen. Kurz gesagt, natürlich sind das die üblichen, wie bei Depressionen auch: Entspannung und Sport. Deswegen üben wir hier ja auch beides so viel und oft.

Um den Stressaufbau entgegenzuwirken, können Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung helfen. Durch die Entspannung aktiviert man den Parasympathikus. Dieser gehört wie der Sympathikus zum vegetativen Nervensystem, agiert parallel dazu und ist vor allem, wie die Therapeutin sich ausdrückte, dessen „Gegenspieler“. Während der Sympathikus „nach außen gerichtete Aktionsfähigkeit bei tatsächlicher oder gefühlter Belastung erhöht“ (Wikipedia), diene der Parasympathius dem Stoffwechsel, der Erholung und dem Aufbau körpereigener Reserven. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann bewirkt „Funkverkehr“ auf dem einen Nervenstrang eine Reduzierung desselben auf dem anderen, d.h. wenn durch Entspannungsübungen die Parasympathikus-Aktivität angeregt wird, senkt man damit die Sympathikus-Aktivität. Und da die organischen Abläufe bei Stress für den „Verteidigungsfall“ über den Sympathikus ablaufen, werden somit die körperlichen Stress-Symptome vermindert.

Bei akutem Stress hilft, wenn man die Gelegenheit dazu hat, natürlich auch wieder Ausdauersport. Der Körper stellt ja, wie oben beschrieben, zusätzlichen Sauerstoff und Energiereserven z.B. in Form von Zucker bereit. Wenn wir diese Energie aber nicht für den Kampf oder die Flucht nutzen, dann macht uns das unruhig und nervös, und der erhöhte Blutzuckerspiegel erhöht das Diabetes-Risiko. Also ist es, wenn möglich gut, das erhöhte Sauerstoff- und Energieniveau in sportliche Aktivität zu pumpen und so abzubauen. Damit fahren wir alles wieder auf ein normales Niveau zurück, und außerdem setzt nach dem Sport, wenn wir uns ausgepowert haben, normalerweise eine Entspannung ein, die dann wie oben beschrieben den Parasympathikus aktiviert und zusätzlich stressmindernd wirkt.

So, das war ja ein ziemlicher Exkurs, ich hoffe, ich habe das alles richtig verstanden und beschrieben. Zumindest wird deutlich, dass ich gut aufgepasst habe. Wie übrigens die meisten, ich schrieb ja schon, die Frau ist gut. Sie fand all diese Vorgänge sehr spannend und freute sich über das – auch in vielen Fragen geäußerte – rege Interesse aus unserer Gruppe. Sie meinte, so mache das richtig Spaß. Ich glaube, die Frau liebt ihren Job, vielleicht vor allem, anderen etwas zu erklären, und das kann die auch richtig gut.

Nach dem Vortrag hatte ich Zeit, nochmal zu checken, ob meine Matratze noch da ist, anschließend hatte ich um 10:15 Uhr Fitnesstraining. Nix besonderes, wir absolvierten halt zweimal den Zirkel, wie immer. Zu erwähnen wäre diesmal allenfalls noch die gute Musik dabei, es gab Songs wie „Behind blue eyes“ (Originalversion von The Who), „All along the watchtower“ (Jimi Hendrix) und Songs von Bush und Live, die ich aber namentlich nicht kenne. Und die Therapeutin. Wie schon beschrieben gibt es hier viele hübsche Frauen Anfang 30 im medizinischen Stab. Die besagte Sporttherapeutin ist aber wohl die durchtrainierteste von allen und hat dazu durch indische Wurzeln auch noch einen exotischen Touch, wie auch immer, einige meiner Geschlechtsgenossen verhehlen ihre Bewunderung nicht… Das ist übrigens diejenige, die mich vor ein paar Wochen beim Walken aus dem Verkehr gezogen hat, aber ich grolle ihr deswegen ja nicht, sie hat es ja nicht böse gemeint, sondern wollte nicht, dass ich mir durch falschen Sport Schaden zufüge. Außerdem ist das wohl sowas wie die Meditations-Expertin hier.

Tja. Mehr Aktivitäten kamen nicht mehr dazu, also hatte ich bis zur Patientenführung um 18:45 Uhr frei. Ich ging erstmal duschen und dann mittagessen (Goulasch, Nudeln, Gemüse, Salat, Karamellpudding, war ganz gut).

Achja… meine Tischgemeinschaft ist übrigens auseinander gefallen. Bis auf zwei verbliebene Leute sind alle anderen abgereist. Ich hatte mir ja Asyl bei einer anderen Ankunftsgruppe gesucht, und bis auf einen, der verlängert hat, sind nun alle abgereist. Sogleich kreisten die Geier über unserem Tisch, der von einer anderen 8er-Gruppe mit Beschlag belegt wurde. Also suchten wir beiden „Übriggebliebenen“ an einem anderen Tisch Zuflucht, aber auch die Gruppe ist in der Auflösung begriffen. Mal sehen, ich werde vielleicht mal hier, mal da unterkommen. Egal. Noch bin ich am Tisch der Ankunftsgruppe vom 04.03. „Die Durchblicker“, wie die sich genannt haben, weil alle Brillenträger sind. Mal sehen, wohin es mich verschlägt.

Nach dem Essen legte ich mich noch mal hin, so für zwischen ein und zwei Stunden, aber ich hatte mir den Wecker gestellt, weil ich ja den Tag auch noch nutzen wollte. Ich hatte schon ein bisschen Probleme, in Schwung zu kommen. Aber ich ging dann zur Erledigung einer Hausaufgabe in die Lobby und trank Kaffee vom Dallucci. Ich schaffte im Laufe der Zeit anderthalb handschriftliche Seiten, wurde aber immer wieder abgelenkt. Beispielsweise unterhielt ich mich mit einem türkischen Patienten, der sehr nett war und dem gegenüber ich nicht unhöflich sein wollte. Jedenfalls habe ich das nicht fertig bekommen. Ach ja, ich bekam auch einen langen Brief von meiner Mutter, den ich in der Lobby beim Kaffee las.

Irgendwann tönte ein enervierendes Gepiepe durch die Lobby. Es kam offenbar von einem Wasserspender, der auch kein Wasser mehr spendete. Da ein Schild darauf hinweist, man möge kein Restwasser hineinschütten, da der Auffangbehälter im Gerät klein sei und das Gerät abschalte, wenn der voll sei, vermutete ich, dass dieser vielleicht voll sei. Zunächst mal war die Frau an der Rezeption total hilflos. Die Hausdame und Haustechnik waren nicht erreichbar. Irgendwann tauchte die Verwaltungsdirektorin auf, die zufällig unten herumlief, weil Patientenverabschiedung mit Kaffee und Kuchen war. Dann wurde aus der Pflege doch der Schlüssel für das Innere des Wasserspenders aufgetrieben, aber dann wusste keiner, was nun zu tun sei. Schließlich, nach einer gefühlten halben Stunde, schaffte man es endlich, das Piepen abzustellen. Man konnte nicht einfach den Stecker ziehen, weil das Gerät einen festen, stationären Stromanschluss hatte. Irgendwie machte mich das ganz schön sauer, weil ich das auch wieder als Symptom für die teilweise schlechte Organisation im Haus empfand. Wenn es der Restwasserbehälter war, dann passierte das bestimmt nicht zum ersten Mal. Aber vielleicht hatte da jemand anderes an der Rezeption oder in der Pflege Dienst und weiß nun Bescheid, hat aber das Wissen nicht an die Kollegen weitergegeben. Naja – mit anderen Worten, es läuft nicht anders als anderswo auch… Ist ja irgendwie n Klassiker.

Piepshow

Selbstgebastelte Piepshow auf einem Breadboard. Rechts von der rot leuchtenden LED der Piezosummer, rechts davon die Platine mit dem Arduino-Controller, der hier lediglich den Takt für Piepsintervalle erzeugt.

Mir fiel dann ein, dass ich ja einen Arduino-Microcontroller, Breadboard und paar elektronische Teile dabei hatte, falls mir langweilig würde. Zu den Teilen gehörte auch ein Piezo-Summer, der genau solche Geräusche von sich geben kann wie der Wasserspender es getan hatte. Hm… Irgendwie juckte es mich, der Dame an der Rezeption vielleicht einen Streich zu spielen, indem ich das Geräusch mit meinen Bauteilen reproduzierte und die Schaltung hinter dem Wasserspender versteckte. Ich brauchte aber zu lange, um das zusammen zu stöpseln und zu programmieren, auch wenn beides vergleichsweise simpel war. Schließlich musste nur der Summer an einen Ausgang und GND geklemmt und ein EIN und ein AUS – Intervall mit einer Sekunde Verzögerung programmiert werden. Aber ich habe erst das falsche Bauteil für den Summer gehalten, das war wahrscheinlich eher ein Mikrofon oder sowas. Als ich das schließlich fertig hatte, hatte die Dame am Empfang schon Feierabend. Naja, war eh bisschen niederträchtig, die arme, überforderte Dame auch noch so zu triezen.

Um 18:45 Uhr stand die Patientenführung an. Gegen 18:00 Uhr fiel mir ein Fehler in meinem Zeitmanagement auf: Ich hatte noch nicht mein Portal am Kreisel gehackt, musste das aber bis ca. 19:30 Uhr oder so erledigen, wenn ich meine bisherigen Tage für die Sojourner-Medal nicht verlieren wollte. Und nach dem Abendessen müsste ich die Patienten führen, und danach wäre es zu spät. Kurz entschlossen schmierte ich mir eben ein Käsebrot und nahm es mit auf den Weg zum Kreisel, hackte die beiden Portale da und ging zurück.

Eingang

„Home sweet home“ nach dem täglichen Sojourner-Spaziergang

Diesmal waren es nur sechs Neuankömmlinge, und eine meiner Mit-Patientensprecherinnen und ich (das sind zur Zeit ja drei Damen, jede übernimmt mit jeweils mir zusammen einen Ankunftstag) konnten pünktlich mit den vollzählig erschienenen Mit-Patienten losziehen.

Nach der Führung hatte ich dann Feierabend. Ich habe noch bei der kleinen, frechen Frau aus Rostock eine CD-ROM, die Übungsdateien für meinen Microcontroller enthielt, auf einen USB-Stick kopiert, weil mein Laptop kein Laufwerk hat und ich das zuhause vergessen hatte. Danach ging ich auf mein Zimmer, chatten und bloggen, wie immer.

Ich muss gleich noch Wasser besorgen (ups, keine Ahnung, ob das Piep-Ding jetzt eigentlich wieder tut…) und dann bald ins Bett.

Morgen muss ich mal mit meiner Ärztin über eine Verlängerung reden. Ich bin inzwischen so weit, dass ich das definitiv möchte – alleine schon wegen dem Mist mit den zwei Wochen Urlaub meiner Bezugstherapeutin und der zwei Tage, die ich durch Ostern als Therapietage verloren habe. Dann muss ich zwar Übergangsgeld beantragen und mit meinem Arbeitgeber reden und Urlaubstage verschieben, aber das ist ja alles machbar. Die Therapie geht vor. Morgen habe ich Visite bei der Ärztin – und komischerweise auch therapeutisches Einzelgespräch, obwohl das, glaube ich, keine Psychotherapeutin/Psychologin, sondern Allgemeinmedizinerin ist.

So richtig fertig für die Welt „da draußen“ fühle ich mich noch nicht. Zwar habe ich hier schon viel gelernt und mitbekommen und auch ein paar vage Ideen, was ich künftig für meine Besserung tun kann, aber ich denke, das kann man alles noch gut vertiefen. Vielleicht haben es andere auch nötiger als ich, und es hängt halt auch davon ab, ob hier genug Platz ist, aber ich werde auf jeden Fall zusehen, dass der Antrag gestellt wird.

So, das war es für heute, ich muss ins Bett.

Mein Therapieplan für morgen:

08:30 Uhr – Gesundheitsvortrag

09:30 Uhr – Visite

11:15 Uhr – Fitnesstraining

13:30 Uhr – Walking

14:30 Uhr – Therapeutisches Einzelgespräch

15:00 Uhr – Gestaltungstherapie

19:30 Uhr – Patientenführung

… also volles Programm, vor allem im Vergleich zu heute.

Nachtrag

Kleine Episode zur Nacht: Ich ging noch mal nach unten um Wasser zu holen und stellte ziemlich schnell fest, dass ich den falschen Schlüsselbund mitgenommen hatte. Den von zuhause in Osnabrück. Der liegt hier normalerweise im Safe, aber weil ich den USB-Stick daran benutzt hatte, lag er noch auf dem Schreibtisch – neben dem richtigen für die Klinik. Eine nette Frau aus der Pflege (die mich übrigens hier auch aufgenommen hatte, als ich gerade angekommen war) half mir schnell mit einem Generalschlüssel weiter, so dass ich jetzt ins Bett kann.

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Antworten zu Tag 29 – Stress in Paris und eine selbstgebastelte Piepshow

  1. Elisabeth schreibt:

    Du berichtest von Hirn- und überhaupt Körperfunktionen inzwischen genauso begeistert wie vom Air- and Space-Museum! Aber es ist ja auch kein Wunder, denn wir sind wahrscheinlich die faszinierendsten Wunderwerke der Technik überhaupt…

    Bei der Überschrift „Stress in Paris“ vermutete ich zunächst einen ganz anderen Inhalt, musste ich doch, als ich heute morgen „meine“ Nachrichten aus Montreal schauen wollte, feststellen, dass auf dem francophonen Sender TV5monde kein normales Programm sondern nur ellenlange Dokus laufen. Die Internetseite liegt auch flach, und ein kurzer Blick auf spiegel.online und Co. ergab, dass ein Hackerangriff bisher unbekannten Ausmaßes, mutmaßlich von Seiten des IS den Sendebetrieb, die Website und den Auftritt des Senders in sozialen Netzwerken flachgelegt hat! Das Ganze hat wohl gestern abend kurz nach 22 Uhr stattgefunden, die sozialen Netzwerke hatten sie als erstes wieder, aber von den verschiedenen Sendekanälen, die sie haben, zeigen manche nach wie vor noch ein schwarzes Bild, TV5 Europe kann wenigstens vorproduzierte Sendungen ausstrahlen. Ziemlich beängstigend, das Ganze, oder?

    Am Tisch der Durchblicker bist Du doch mit Deinem Schafseher-Eierbecher gerade richtig, oder?

    Ich drücke Dir die Daumen für die Verlängerung!

  2. Peter Karl schreibt:

    Also, der Mensch scheint sich, seit er auf diesem Planeten sein Unwesen betreibt, ständig den wechselnden Umweltsbedingungen angepasst zu haben. So wurden aus Händen und Füßen, mit denen er Bäume hochklettern konnte (starke Finger- und Zehennägel, krallenähnlliche Finger und Zehen) Dinger, mit denen er gerade mal auf dem Keyboard herumklopfen konnte und die ihn – wenn auch mit Mühe – gerade mal zu einem Walkling (mit oder ohne Stöcken) befähigen, von Rennen oder taqgelangen Wanderungen wollen wir hier gar nicht sprechen. Die Körperbehaarung ist – weil durch Kleidung ersetzt – zurückgegangen, Muskeln und Sinnesorgane sind immer schwächer ausgeprägt. Nur im Gehirn scheint sich, abgesehen davon, dass es inzwischen eine Menge hinzugelernt hat, wenig getan zu haben. Es feier sozusagen archaischen Urstand. Noch immer warnt es uns vor längst ausgestorbenen Säbelzahntigern und setzt körperliche Abläufe in Gang, die wir als eher hinderlich/lästig empfinden (Herzrasen, hohen Blutdruck, Schweißausbrüche, Zittern bzw. Schockstarre etc.) und die dazu führen können, dass das klare Denken aussetzt, während wir im körpegesteuerten „fight/flight- Modus“ gefangen sind – oder sehe ich das alles falsch? Warum reagieren wir z.B. auf eine bevorstehende Abi-Prüfung wie unsere Ur-ahnen auf den besagten Säbelzahntiger? Warum tut sich trotz aller Evolution im Gehirn in dieser Hinsicht so wenig?

  3. michikarl schreibt:

    Hi Chef. Nun, ich kann natürlich nicht über die Evolution urteilen, was da sinnvoll ist und was nicht. Aber ich denke, auch wenn die Säbelzahntiger ausgestorben sind, so gibt es nach wie vor Gefahren in unserem Leben, die zwar nicht alltäglich, aber trotzdem existent sind. All diese Vorgänge sind nach wie vor dazu da, zu helfen unser Überleben zu sichern. Bei einem Feuer bespielsweise. Oder wenn die Rolle des Säbelzahntigers einem 30-Tonner zufällt, dessen Fahrer eingeschlafen ist und der halb auf dem Fußweg fährt. Oder wenn sich im Hafen eine schwebende Last vom Haken löst. Gefahren, auf die wir ohne nachzudenken, mit allem was wir haben, reagieren müssen, gibt es auch heute noch.
    Und trotz all der Wunder, die das menschliche Gehirn auszeichnen, und die bestimmt noch lange nicht alle entschlüsselt sind, so ist es nicht perfekt, genauso wenig, wie der Mensch perfekt ist. Er wäre – meine Ansicht – sonst kein Mensch, sondern eher ein Gott. Es gibt dysfunktionale Vorgänge. Aber immerhin – sofern diejenigen, die sich damit in der Forschung auseinandersetzen, nicht vollkommenen Blödsinn herausgefunden haben – sind wir schlau genug, das zu erkennen, uns damit auseinanderzusetzen.
    Jetzt könnte man endlos darüber diskutieren, ob wir damit jetzt glücklicher oder besser dran sind als früher. Ich würde sagen, nein, sind wir nicht. Aber Evolution heisst ja eben Entwicklung. Als wir hauptsächlich alle noch Bauern und Handwerker waren, vor der industriellen Revolution, war das Leben körperlich anstrengender, aber womöglich mental entspannter. Elementare Probleme wie Krankheiten, Existenznot und Familienprobleme gab es natürlich auch damals schon. Aber man musste sich nicht darum kümmern, warum der !“§$%&-DSL-Anschluss nicht funktioniert oder sich über das Fernsehprogramm aufregen. Oder sich im Supermarkt fragen, welche von den 100 Deosorten die richtige ist. Klingt bescheuert, aber all diese selbtgemachten, ja gewollten Alltagsprobleme und Problemchen können auch Stress erzeugen. Geschweige denn die heutige Arbeitswelt mit ihrem internationalen Konkurrenzkampf. Womöglich haben wir moderne Erkenntnisse der Psychologie und Neurologie damals nicht gebraucht, um uns zu behandeln. Aber heute sind sie sinnvoll. Auch das kann man Evolution nennen. Sicherlich ist das nicht die ganze Wahrheit, aber vielleicht ein Stück weit richtig.
    Ob diese menschliche Entwicklung Sinn ergibt bzw. in die richtige Richtung geht, das scheint auch mir oft sehr fraglich. Vielleicht wären wir längst ausgestorben, wenn wir uns nicht weiterentwickelt haben. Vielleicht sterben wir eines Tages aus, weil wir uns zu weit entwickelt haben. Es scheint ja nicht nur die pure Notwendigkeit, sondern auch die Neugier und das Gewinnstreben zu sein, was uns immer weiter vorantreibt.

    Aber ich kann mich nur begrenzt damit auseinandersetzen, weil es mich verrückt macht, wenn ich zu viel darüber nachdenke. Und außerdem nennt man mich sonst wieder Kant oder Hegel…

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