Tag 39 – Vom Bulbus olfaktorius, roten Rutschen und Glyphhacking

Ich stand um 08:00 Uhr auf und machte mich zum Frühstück auf. Um 09:00 Uhr stand ein Gesundheitsvortrag an. Ich dachte, es ginge um das Thema „Burn-out“, aber ich habe mich wohl im Tag vertan. Das Thema war „Emotionen“.

Die Vortragende war eine Psychotherapeutin, von der ich schon mal einen guten Vortrag gehört habe. Es gibt da zwei solche Damen, die das echt super machen. Zuerst fragte die gute Frau, warum das Thema wohl „Emotionen“ und nicht „Gefühle“ hieße. Ich preschte unwissend vor und argwöhnte, es könne an der Etymologie des Wortes liegen, da steckt ja Bewegung drin in Emotion, wie im englischen „motion“ oder in „Motivation“ oder „Motor“. Die Vortragende grinste und meinte, das sei wohl die kreativste Antwort, die sie jemals gehört hätte, aber dennoch falsch. Jemand anderes war schlauer und antwortete, dass Emotion ein Oberbegriff für Verschiedenes sei, unter anderem Gefühle. Und so war es auch. Der Begriff „Emotionen“ umfasst den Komplex Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken und Verhalten. Sie skizzierte beispielhaft, dass das Gefühl „Wut“ zu Körperemfindungen wie Bauchanspannung, Muskelanspannung, heißem Gesicht führen kann. Damit einher gehen Gedanken wie „Ich hasse den Kerl!“, „Mega-Arsch!“ oder „Den mach‘ ich fertig!“ und z.B. ein Verhaltensimpuls wie alles kurz und klein zu schlagen.

Danach zeigte sie über den Beamer eine Längsschnittzeichnung eines Gehirns, in dem das Limbische System (unser Emotionszentrum) mit den verschiedenen Einzelteilen dargestellt waren. Dazu gehören Teile mit so kryptischen Bezeichnungen wie Gyrus cinguli (ist das was zu essen?), Hippocampus, Fornix, Amygdala und Bulbus olfaktoris. Zu Letzterem sagte die Vortragende, dass das Ding direkt bis in die Nase ginge, unser Geruchssinn sei der Einzige unserer Sinne, der eine derartige Direktverbindung hat. Deswegen hätten Gerüche auch direkten Einfluss auf unsere Gefühle.

Emotion Doodle

„Die Leute glauben immer, die ganzen Depressiven seien das Schlimme an meinem Beruf. Falsch! Das Schlimmste ist, dass man immer wegen solcher Zeichnungen ausgelacht wird!“ (O-Ton der vortragenden Psychotherapeutin) Allerdings ist das hier nicht das Original-Bild, das habe ich nach meinen Notizen mit EierPad und Stylus nochmal nachgemalt. Ist aber recht ähnlich.

Die Vortragende wendete sich dem Flipchart zu und skizzierte zunächst einen Kopf mit Gehirn drin. Damit erklärte sie, wie das Limbische System, auch das „tierische Gehirn“ Reize von unseren Sinnen zuerst verarbeite. Nach einer groben Prüfung, die extrem schnell vor sich geht, wird „gefährlich“ oder „ungefährlich“ unterschieden. Im ersteren Fall werden sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet und dem Großhirn, auch „menschliches Gehirn“ genannt, erst einmal Funkstille verordnet. Im zweiten Falle wird der Reiz ans Großhirn zur weiteren Verarbeitung im Sinne einer langsamen, aber genauen Analyse weitergeleitet.

Der Gefahrenfall wurde von der Vortragenden sehr lustig beschrieben: „Sie hören Reifen quietschen. Da denken Sie jetzt nicht sowas wie ‚Oh. Ist das vielleicht ein Porsche? Oder ein Polo? Welche Farbe hat der wohl? Wie schnell bewegt er sich auf mich zu?‘. Nein, die Reaktion erfolgt sofort.“

Hm, ich überlegte, dass wohl dann das Amygdala (auch „Mandelkern“ genannt), dass sowas wie unser Gefahrenzentrum ist, sowas wie „Klappe halten, Großhirn! Weg hier!“ raushaut. In der Tat kann das „tierische Gehirn“ (Limbisches System) das Großhirn blocken, weshalb man bei extremen Stress manchmal wie vernagelt ist. Aber umgekehrt kann auch das „menschliche Hirn“ (Großhirn) auch das „tierische Gehirn blocken“, wenn auch nicht so extrem wie umgekehrt.

Eine Mit-Patientin fragte, wie es denn mit dem „Verliebt-sein“ und dem Limbischen System sei. Das war mal ganz schön, mal was anderes als die ewigen Säbelzahntiger. Interessanterweise kann sowas ja – und jeder, der mal verliebt war, weiß das – ähnliche Wirkungen haben, z.B. dass das Großhin manchmal eher ausgeklinkt wird, und dass es auch so seine Dinge mit dem Körper macht (z.B. „Schmetterlinge im Bauch“). Die Therapeutin brachte dazu einen Fach-Klassiker: „Verliebt sein ist ein gesellschaftlich anerkannter Zustand der Psychose.“

Nun, die Powerpoint-Präsentation war ziemlich umfangreich und es wurden nur spezielle Folien bemüht. Vielleicht lasse ich mir mal das Hand-out kopieren. Insgesamt hatte der Vortrag viele Parallelen zu dem Inhalt einer Indi Stress mit einer unsere urlaubende Bezugstherpeutin vertretenden Frau. Dabei war es um die biologische Betrachtung von Stress gegangen. Dennoch fand ich den Vortrag gut, nicht zuletzt, weil die Vortragende einen sehr erfrischenden Stil hat. Und weil halt noch einige Aspekte beleuchtet wurden, die ich noch nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Kurz vor dem Ende des Vortrags verließ ich widerwillig vorzeitig den Raum, weil ich unmittelbar danach um 10:05 Uhr einen Termin in der Pflege zum erneuten wiegen und Blutdruck messen hatte.

Das war natürlich schnell erledigt. Danach begann wirklich das Wochenende, und auf dem Plan stand der Besuch eines Schwimmbades in Gevelsberg mit ein paar Leuten aus der Gruppe. Zwei haben noch kurzfristig gekniffen, aber unser Keeper, der beste Kumpel des Keepers hier in der Gruppe (die beiden sind wie Zwillinge, beides großgewachsene, muskulöse Kerle und unzertrennlich…), Ritalinetta (die freche Frau aus Rostock), noch ein weiterer Mann aus unserer Gruppe und der knapp zwölfjährige Sohn des Keepers waren am Start. Wir fuhren mit zwei Autos los und erreichten nach kurzer Fahrt unser Ziel in Gevelsberg.

Wir latzten das Eintrittsgeld und gingen rein in den Laden, der „Schwimm-In“ oder so hieß. Das Ding verfügt über vier große Rutschen. Eine ist für Kinder, also echt harmlos. Zuerst nahmen wir die sogenannte „River-Rutsche“, in der man auf großen Gummiringen rutscht. Lustig, auch wenn ich es ein wenig mulmig fand, weil ich mich um 180 Grad drehte und teilweise rückwärts rutschte.

Dann kam aber die rote „Turbo-Rutsche“. Da sah man schon von oben, dass es gleich am Anfang ziemlich steil abwärts geht, vielleicht so in einem 70° Winkel, fast freier Fall. Da stand auch dran, dass man die erst ab 14 Jahren oder so rutschen darf. Nun ja, sei kein Feigling, dachte ich mir, und rein da. Whoops! Ich bin sowas noch nie gerutscht und stieß schon einen Schrei aus. Und bekam mächtig Wasser in die Nase. Ekelhaft! Unten zeigte eine Digitalanzeige, dass ich über drei Sekunden gebraucht hatte, um die Röhre zu bewältigen. Laut unserem Keeper, der ja hier in der Gegend wohnt und das Bad kennt, kann man unter zwei Sekunden schaffen.

Danach ging es in die „Black Hole“. Das ist eine komplett dunkle Röhre, da gibt es nur ein paar Blinklichter drin. Beim ersten mal war das auch ein wenig spooky, aber dann zunehmend harmlos. Die und die „River Rutsche“ bin ich öfter mal gerutscht, vor der „Turbo-Rutsche“ hatte ich Respekt.

Wir sprangen vom 1er und vom 3er, ich ging in einem Warmwasserbecken chillen und kraulte ein paar Bahnen im Schwimmbecken. Wir waren ziemlich früh da, und es war noch nicht viel Betrieb. Es kamen später zwar mehr Leute, aber richtig voll war es nie, so dass wir auch beim Rutschen kaum anstehen mussten. Später zur Mittagszeit futtern wir Fastfood in der Badeigenen Gastronomie, ich klassisch Currywurst Pommes mit unklassisch Bionade Cola (wollte ich mal probieren, hat mir nicht so geschmeckt, das Zeug). Danach alberten wir zusammen noch im Warmwasserbecken herum. Ich glaube, der Sohn des Keepers hatte Spaß mit uns. Ich hatte auch Spaß. Schade nur um die beiden, die noch gekniffen hatten, die hätten die Gruppe noch bereichert. Zuletzt gingen wir noch mal rutschen, und ich dachte, okay, einmal noch die „Turbo-Rutsche“. Ich schaffte 2,72 Sekunden, ballerte aber mit einem derartigen Tempo unten raus, dass ich die Auslauf-Zone bis zum Ende brauchte und noch mit den Füßen gegen den Anschlag kam – die meisten kommen schon ein paar Meter davor zum stehen. Ritalinetta sagte später, sie befürchtete schon, dass ich mich verletzen würde.

Nach mehr als drei Stunden im Bad checkten wir schließlich aus (der Eintritt galt für zwei Stunden, für Erwachsene fünf Euro, wir mussten noch was draufzahlen). Der Keeper brachte uns mit seinem Auto zurück zur Klinik, sein Kumpel, der auch hier in Wuppertal beheimatet ist, war vor uns mit seinem eigenen Auto zu seiner Frau gefahren.

Mir war erstmal danach, ein wenig zu entspannen, was ich in der Lobby mit einem Café Latte und einem Stück Käsekuchen auch tat. Es war 14 Uhr durch.

Dann ging ich auf mein Zimmer, packte meinen Rucksack aus und suchte ein paar Klamotten für eine Ingress-Tour in Elberfeld zusammen. Ich versuchte noch, eine Verabredung mit „vanilleparfait“ klarzumachen, aber die hatte keine Zeit. Wie auch immer, ich ging zum Kreisel, musste aber zunächst noch zur Sparkasse, Geld holen. Denn ich hatte nicht mal genügend Geld für den Bus in die Stadt.

Die Wupper bei Sonnenschein

Die Wupper bei Elberfeld im Sonnenschein

In Elberfeld ging ich erst mal zu Akzenta, ich brauchte noch Duschgel und akut etwas zu trinken. Anschließend setzte ich mich vor das Eiscafé „Wundertüte“ und genoss ein Spaghettieis Carbonara ohne Eierlikör, dafür mit Karamellsoße. Danach drehte ich bis ca. 19:30 Uhr einige Runden, ballern, deployen, glyphhacken. Es kam nur verhaltene Gegenwehr der Schlümpfe.

Rathaus Elberfeld

Das Rathaus in Elberfeld bei schönem Wetter einmal aus einer anderen Perspektive

Um ca. halb acht nahm ich mein Abendessen, den üblichen „The Deal“ mit Hähnchenbruststreifen, Cajuns, Aioli und Barbecuesoße. Und ein alkoholfreies Weizen, welches nicht so gut geschmeckt hat. War wohl kein Erdinger, keine Ahnung, es gibt mehrere Sorten, die mir schmecken, aber das war keine davon.

Achtung, Ingress-Abschnitt
Irgendein Schlumpf hatte inzwischen wieder einiges von mir abgerissen und halbherzig wieder aufgebaut, aber das war eine Einzelaktion, nicht, wie ich das sonst kenne, mit einem großen Schlumpf-Bautrupp, die gleich 8er-Portale hinstellen und befestigen. Also habe ich da noch einmal drübergebügelt, wobei ich mir, um schneller zu sein, das Glyphhacking sparte und vor allem deployte und linkte.

Poseidon mit Taube

Der Dreizack des Poseidon beeindruckt die Taube nicht so wirklich. Sie erledigt hier ihren Toilettengang völlig ungerührt.

Da ich mir am Bahnhof Oberbarmen noch ein Rückfahrticket nach Osnabrück für den kommenden Mittwoch kaufen wollte, um mir mein Fahrgeld auszahlen lassen zu können, wollte ich so passend zurück fahren, dass ich dann nicht mehr lange auf die 602 zum Kreisel warten müsste. Also drehte ich nur noch eine kurze Runde und fuhr gegen 20:40 Uhr mit der Schwebebahn wieder zum Bahnhof Oberbarmen. Hier kaufte ich die Fahrkarte und fuhr dann zum Kreisel und ging zur Klinik zurück.

Hier lief nicht mehr viel, es war kurz vor 22:00 Uhr. Ich musste ein bisschen darauf warten, meinen Zimmerschlüssel ausgehändigt zu bekommen, weil die Pflege zwischenzeitlich unbesetzt war (in Notfällen sind die allerdings permanent über Telefon erreichbar, und solche Abwesenheit sind nur kurz und selten). Also machte ich mir einen Tee, bekam schließlich meinen Schlüssel und ging auch mein Zimmer. Ich begann damit, diesen Eintrag zu schreiben, wollte aber, als es auf null Uhr zuging, nur noch ins Bett, ich war etwas platt vom Tag.

Ingress-Stats:

Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
letzter Stand 32.458 1.947 km 3.055 1.812 73.806 54.391
Jetzt 33.832 1.966 km 3.069 1.828 74.714 54.881
Delta 1.374 19 km 14 16 908 490

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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