Tag +1: Wuppertal-Fazit

Was nehme ich mit:

  • Mindestens 3 Ziele, davon ein Hauptziel
  • Viele gute Erkenntnisse, Ideen, Empfehlungen und Hintergrundinformationen
  • Sechs unter dem Strich erholsame Wochen
  • Viele neue Kontakte zu lieben Leuten aus meiner Gruppe
  • Notizen und Zeichnungen
  • Fröschlein, Schafseher, ein Windlicht, einen Schlumpfigel, einen Aufziehbären, ein Schlüsselband…
  • Über 18.000 Glyph-Hack-Points, 659 unique Visits, 383 unique captures etc.

Was werde ich vermissen:

  • Meine Therapiegruppe, inkl. Therapeutin
  • So einige andere Mit-Patienten, die ich sehr mochte
  • Gute Gesundheitsvorträge
  • So manche gute therapeutische Anwendung
  • Mich um nichts außer Wäsche kümmern zu müssen

Was werde ich nicht vermissen:

  • Frühsport
  • Gestaltungstherapie
  • Die vielbefahrene Straße ohne Bürgersteig vor der Klinik
  • An die Zimmertür klopfende Reinigungskräfte
  • Kein WLAN
  • Ungenaue Therapiepläne

Es war auf jeden Fall eine gute Zeit, erholsam mit viel Sport und auch die grauen Zellen wurden trainiert. Natürlich war es mal hilfreich, die Arbeit hinter sich zu lassen und den Kopf frei für andere Dinge zu bekommen. Sehr wertvoll waren auch die Gespräche mit den anderen Patienten. Wir haben viel zusammen gelacht und geweint.

Ich war am Anfang nicht so scharf darauf, neue, langfristige Freundschaften zu schließen, denn ich habe ja schon einen recht umfangreichen Freundes- und Bekanntenkreis: Meine alten Schulfreunde, die Leute aus meiner ersten Hasberger/Osnabrücker Periode, die aus meiner Zeit im Studentenwohnheim und in der Paulusgemeinde, Chor, Theater, Ingress… Aber die Beziehungen unter uns Patienten sind natürlich etwas besonderes, weil wir alle etwas gemeinsam haben: Psychische Probleme, die genügend Leidensdruck erzeugt haben, dass wir in dieser Klinik gelandet sind. Auch wenn diese im Detail unterschiedlicher Natur und untschiedlich schwerwiegend sind.

Ich möchte schon gerne den einen oder anderen Kontakt halten, weil mich interessiert, wie es den Leuten wohl „draußen“ ergeht. Es wäre wertvoll, diese Kontakte zu halten und zu pflegen, weil wir uns gegenseitig untertützen und motivieren können, unsere Ziele zu verfolgen und durchzuhalten. Ich bin gespannt, ob wir es schaffen, mal ein „Klassentreffen“ zu organisieren. Ansätze dazu gibt es schon, und außerdem sieht es ganz so aus, als sei aus zwei Leuten meiner Gruppe ein Pärchen geworden. Zwei andere haben sich für eine, wie es aussieht, langjährige und wertvolle Freundschaft gefunden. Die Gruppe war zuletzt sehr dynamisch und harmonisch, freundschaftlich, kritisch und sich gegenseitig unterstütztend. Da habe ich, bzw. wir alle, sehr viel Glück gehabt! Auch mit unserer Therapeutin, die die Gruppenprozesse beobachten und hier und da in die richtige Richtung gelenkt hat. Umso ärgerlicher war es, dass sie zwei Wochen im Urlaub war.

Der Klinik kann ich eine gute bis sehr gute Note geben. Ich würde sie auf jeden Fall weiterempfehlen und auch wieder dorthin gehen. Natürlich fehlt mir die Vergleichsmöglichkeit. Die Unterbringung und Verpflegung fand ich gut. Klar, besser geht es immer, aber erstens muss es ja auch bezahlbar sein, und zweitens war mir jederzeit bewusst, mich in einer Klinik und nicht in einem guten Hotel zu befinden (was nicht bei allen Patienten der Fall war, die nicht nur meiner Meinung nach teilweise überzogene Ansprüche stellten). Für die Organisation gibt es meiner Ansicht nach an einigen Stellen Verbesserungspotential.

Aber, und darauf kommt es nun einmal primär an, der medizinisch-therapeutische Stab bekommt von mir die Bestnote, egal ob im sport-, physio-, ergo- oder psychotherapeutischen Bereich. Da sind viele junge Leute dabei, die für ihr Gebiet brennen, Freude an ihrer Arbeit haben und in ihrem Job kompetent sind. Fast alle sind dabei auch noch sehr sympathisch und humorvoll (ähm, und zum Teil auch noch unverschämt gutaussehend…). Dazu kommen ein paar schon etwas ältere Semester, die ebenfalls mit Freude einen sehr guten Job machen und ihre Lebens- und Berufserfahrung beisteuern.

Jetzt geht es natürlich darum, dran zu bleiben. Von Anfang an wurde vermittelt, dass niemand die Klinik geheilt verlasse, vielmehr soll einem eine Toolbox zu Bekämpfung der Symptome und Konzepte für die längerfristige Behandlung bereitsgestellt werden. Natürlich geht es auch um Erkenntnisse: Was fehlt mir eigentlich genau, warum, und was kann ich dagegen tun. Was muss ich in meinem Leben vielleicht grundsätzlich ändern. Für mich war die Zeit in der Klinik sicherlich hilfreich, um mal zu entschleunigen und den Kopf klar zu bekommen, und dieser Effekt könnte durchaus auch für die nächsten Wochen anhalten. Aber um wirklich an Lebensqualität zu gewinnen, muss ich mir weiterhin helfen lassen – wie auch immer. Und ich muss an meinen Zielen arbeiten.

Neben anderen Erkentnissen habe ich die gewonnen, wir reich ich beschenkt bin: Mit einer tollen Familie, mit super Freunden (und damit meine ich auch, aber nicht nur die, die mir Schokolade, Stofftiere, Briefe und Karten geschickt und hier kommentiert haben, sondern auch viele andere) und mit guten Fähigkeiten. Achja, und nicht zuletzt mit einem klasse Arbeitsumfeld mit einem super Chef und einem super Team. Denn viele andere haben soetwas nicht, wie mir bewusst wurde.

Im Prinzip ist mir das kognitiv natürlich schon lange bekannt, aber irgendwie glaube ich, dass die Erkenntnis etwas tiefer in mich gedrungen ist. Alleine das ist sehr wertvoll.

Es wird für mich nicht leicht sein, meine Ziele zu verfolgen und die richtige Hilfe dafür zu finden. Aber ich will und werde das auf jeden Fall für mich tun.

Weil es machbar ist.

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Antworten zu Tag +1: Wuppertal-Fazit

  1. Elisabeth schreibt:

    Tolles Fazit! Es hört sich an, als hättest Du für Dich fast das Optimum aus diesem Aufenthalt herausholen können. Und am besten ist der letzte Satz. Auf diesem Weg werden Dich sicher alle Deine tollen Freunde und Deine Familie gern begleiten und ermutigen, wo sie können. Danke, dass Du uns teilhaben lässt!

  2. Schellberg joachim schreibt:

    Hey Michael, ich hab noch nicht alles gelesen , aber das was ich gelesen habe ist sensationell.
    Ich Versuch mir alles auszudrucken und meiner Familie zum lesen zu geben. Du sprichst glaube ich nicht nur mir aus der Seele sondern auch einem überwiegenden Teil der Gruppe.
    Du solltest deine Seite auf die Klinikseite stellen, natürlich nur mit deren Genehmigung, bessere Werbung können die nicht kriegen. Vielleicht der Start einer neuen Karriere.
    Ich werde auf jeden Fall Deinen Blog regelmäßig/ich glaube realistisches Ziel ist unregelmäßig verfolgen.
    Gruß Achim

    • michikarl schreibt:

      Hallo Achim, vielen Dank für den Beifall. Ich bin kurz davor, den letzten Wuppertal-Beitrag rauszuhauen, „der Tag danach“. Ich hatte da bemerkenswerte Erlebnisse mit mir selbst. Ein bisschen schade finde ich, dass ich nicht konkrete Namen verwenden mochte (aber das auch zu Recht), denn ich glaube, der Blog wäre sonst lebendiger zu lesen. Aber Ihr habt vielleicht Spaß daran, Euch wiederzuerkennen. Es kann jetzt etwas dauern, bis ich wieder was veröffentliche, denn obwohl mir das Schreiben leicht fällt und sehr viel Spaß macht, so kostet es auch viel Zeit. Wenn Du automatisch informiert werden möchtest, wenn ich was Neues veröffentlicht habe, dann kannst Du den Blog abonnieren. Das geht über den Button „abonnieren“ in der rechten Spalte unten. Dann sind Deine Kommentare auch sofort online, ohne dass ich sie genehmigen muss. Liebe Grüße und dranbleiben. Gerne am Blog, aber vor allem an Deinen Zielen!

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