Persepolis – Teil 2

Osnabrück, 20. Juni, 04:45:00.
Ein etwa centstück großer Siliziumchip auf meinem Nachttisch vergleicht einen Soll- mit einem Istwert und stellt Übereinstimmung fest. Daraufhin schickt er eine pulsierende Gleichspannung in einen Piezo-Summer.

Wecker

Welcher Vollpfosten hat das Teil auf diese unmögliche Zeit gestellt? Ja wer?

Ich wache auf. Der Wecker piepst. Warum tut er das, er soll aufhören zu piepsen! Mitten in der Nacht, am Samstag! Und vor allem, welcher Vollpfosten hat das Teil auf 04:45 Uhr gestellt!? Was? Ach, ich mal wieder. Und apropos Vollpfosten, da war ja was… Richtig, Anomalie in Utrecht. Also ab unter die Dusche, rein in die Klamotten, Rucksack nochmal überprüft (Wasser, niederländische SIM-Karte, Ausdruck der Bus-Bestätigung, Zusatzakkus, USB-Kabel), und los.

Mit dem Fahrrad ging es zum Bahnhof, von wo aus der Bus fahren sollte. Ich war als erster von „Team ChaOS“, unserer neunköpfigen Truppe, die aus Osnabrück zusammen mit Enlightened Hannover zur Anomalie fahren würde, vor Ort. Der Bäcker im Bahnhof hatte schon offen, also schnell ein belegtes Brötchen und ’nen kleinen Kaffee. Während ich frühstückte, tauchten die ersten Teamkollegen auf. Der Rest folgte, darunter auch zwei Teamkolleginnen. Die Jüngste aus der Truppe war 16, ich mit meinen 43 der Opa im Team.

Die anderen holten sich zum Teil auch noch was vom Bäcker, wir zogen uns ein nahes Portal auf Level 8 (das „Rote Haus“ – den, äh, Bahnhofspuff), um noch bisschen zu hacken. Dann kam raus, dass es noch eine „NDS goes Utrecht“-Mission gab, dabei ging es darum, am Bahnhof vier Portale zu hacken – und dann noch ein paar in Utrecht. Also erledigten diejenigen, die die Mission noch nicht begonnen hatten (darunter ich) die vier hiesigen Hacks.

Wir wussten nicht, wo genau am Bahnhof der Bus uns wohl aufpicken würde, und gingen davon aus, dass der zu den Parkplätzen, von denen aus die Fernbusse fahren, kommen würde. Auch waren wir nicht so schlau, uns einfach aufzuteilen, um auch den anderen, möglichen Halt (da, wo die Linienbusse fahren) abzudecken. Der Bus kam, sah… (uns nicht) und fuhr wieder. Oooops. Schrecksekunde. Ich weiß gar nicht so genau, ob irgendwer von uns Kontakt zu irgendwem im Bus hatte, aber wie auch immer – natürlich wollten die wohl kaum auf immerhin neun Mitstreiter verzichten. Jedenfalls drehten die nur schnelle eine Extrarunde und kamen dann zurück, um uns aufzupicken.

Die Hannoveraner wollten zum Teil ohnehin eine rauchen, die NDS-goes-Utrecht-Portale hacken, Kaffee am Bahnhof besorgen und ähnliches. Man beschwerte sich, dass die Portale bei den Linienbussen noch blau waren (was sich sehr schnell änderte). Eine junge Dame stieg aus, stellte sich als Kathy (oder Cassie) vor, erklärte, man habe mehrere Kisten Bier und eine Toilette an Bord, begrüßte uns und sagte, wir sollten uns einfach hinsetzen, wo Platz sei. Einen Zahlungsbeleg in irgendeiner Form wurde nicht verlangt. Bier koste 50 Cent pro Flasche auf Vertrauensbasis, gerne auch mehr, um ein Trinkgeld für den Busfahrer zu generieren.

Bierkisten im Bus

Die erste Kiste Bier hatten die Hannoveraner schon auf dem Weg nach Osnabrück verhaftet (links). Rechts ist Colabier und Alster zu sehen… das überlebte am längsten.

Also stiegen wir ein, ich setzte mich etwas abseits von „Team ChaOS“ neben einen jungen Mann, der sich als Thilo vorstellte. Der Rest von „ChaOS“ saß weiter vorne. Auf dem Weg zur Autobahn ging es noch ein Stück durch Osnabrück, wobei alles, was an Portalen am Straßenrand war, gegebenenfalls zerschossen (falls blau) und auf grün Level 8 gezogen wurde (in jedem Fall). Wir kamen an einem gutverlinkten, blauen Portal in einiger Entfernung vorbei – außerhalb Deployreichweite. Da haben auch 8er Burster nur noch begrenzt Wirkung. Trotzdem hatte das Portal keine Chance, als wir vorüberfuhren, ballerten wohl 30 oder 40 Frösche jeweils ein bis zwei 8er Burster, und das Ding war platt. Es war, als wäre der Bus ein altes Kriegsschiff mit drei Kanonendecks, welches eine Breitseite aus allen Rohren feuert.

Auf der Autobahn stellte sich der Busfahrer akzentreich (klang irgendwie nach neuen Bundesländern) über Mikro vor, wünschte uns eine angenehme Reise und viel Erfolg am Ziel, mit dem, was wir da vorhätten. Hm, ich weiß nicht, ob ihm das jemand zu erklären versucht hat. Es war zwar noch früh, aber ich gönnte mir ein Bier… und dann noch eins bis Utrecht. War auch nicht schlecht, es machte mich etwas lockerer, so dass ich mich ein bisschen mit den Leuten in meiner unmittelbaren Umgebung gut unterhalten konnte. Vor allem über Filme.

Nach der Grenze wechselten die, die schon über NL-SIM-Karten verfügten, die kleinen Chips im Smartphone aus. Ich war vor etwa einer Woche vorbereitend mit zwei Bros aus „Team ChaOS“ nach Enschede gefahren, um einen Stapel SIMs einzukaufen, so dass wir im Wesentlichen ausgerüstet waren. Wer schon eine Karte hatte, konnte somit direkt in Utrecht, nachdem wir die Autobahn verlassen hatten und die ersten Portale auftauchten, wieder loslegen.

Schließlich erreichten wir unser Ziel, ein Messegelände in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, und der Bus spie eine Horde schießwütiger und erwartungsfroher Ingress-Spieler in Grün auf den Parkplatz.

to be continued…

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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