Persepolis – Teil 4

Warnung: Dieser Artikel ist nun wirklich sehr Ingress-lastig, was das Spielen an sich angeht!

Auf dem Weg zu unserem ersten Portal und Messpunkt erklärte unser TL, wie wir vorgehen würden. Aus dem vorhanden Personal, also uns 12 Leuten, wurden kleine Teams für unterschiedliche Aufgaben gebildet. Diese Aufgaben sind:

Offensiv: Burstern und striken
Defensiv: Deployen und modden

Burster sind Waffen, die man gegen gegnerische Resonatoren einsetzt. Sie erzeugen um die Spielerposition eine kreisförmige Druckwelle, wie die Welle, die entsteht, wenn ein Stein ins Wasser fällt. Trifft diese Welle gegenerische Resonatoren, verlieren diese Energie. Wenn die Energie eines Resonators auf Null fällt, fällt der Resonator. Sind alle Resonatoren eines Portals gefallen, fällt das Portal, und man kann es einnehmen, indem man eigene Resonatoren setzt. Dies ist die Aufgabe der Deployer. Modden bedeutet, modifications (mods) setzen, in diesem Falle ausschließlich Portalschilde. Diese mindern die Auswirkung gegnerischer Bursterangriffe auf die eigenen Resonatoren. Striker wiederum feuern andere Waffen, sog. Ultra-Strikes. Diese haben eine deutlich geringere Reichweite als Burster, aber eine größere Punktwirkung und werden gegen mods, also die Schilde eingesetzt. Dazu stellt sich der Angreifer möglichst ins Zentrum eines Portals (oder Portalkern).


Das Video oben ist ein Werbespot der AXA-Versicherung. NIANTIC hat Ingress an AXA vermarktet, seither gibt es mit AXA-Schilden die effektivsten Portalschilde im Spiel. Der Spot ist gut gemacht, finde ich, und verwendet ein klassisches Motiv der Literatur…

Nun ist normalerweise der Einsatz von Waffen nur dann sinnvoll, wenn das Portal der gegnerischen Seite gehört, und der Einsatz von Resonatoren und Schilden nur möglich, wenn das Portal der eigenen Seite gehört. Wenn sich zwei Teams beider Seiten um ein Portal bekriegen (insbesondere, wenn sie etwa gleichstark sind), dann feuern die Offensiv-Teams dennoch permanent ihre Strikes und Burster, denn „Der Scanner lügt!“ (so unser TL). De fakto ist es so, dass die technische Infrastruktur des Spiels (Smartphones, Internet via Handynetz, Server) bei so einem Massenevent am Limit operiert, was bedeutet, nicht gerade schnell. Die Information auf dem Bildschirm, welcher Seite ein Portal gerade gehört, kann also bereits veraltet sein (bezeichnet man als „lag“), man kann sich darauf also nicht verlassen.

Ergo: Die eigentliche Spielhandlung besteht darin, stumpf während der 10 Minuten des Messpunktes auf eine Schaltfläche des Touchscreens zu hämmern, wie einst bei den Arcarde-Games der 80er den „Feuer-Knopf“. So legte es uns jedenfalls unser TL nahe, ich habe mich nicht immer daran gehalten. Gelegentlich wich ich von meiner vordefinierten Rolle ab und setzte mods, auch wenn ich eigentlich eine Offensiv-Rolle hatte, oder warf Burster, obwohl ich deployen sollte. Je nachdem, ob wir zahlenmäßig eher überlegen oder unterlegen waren (kam bei den vier Messpunkten beides vor) habe ich als Offensiv-Spieler auch die Defensive unterstützt oder umgekehrt (wir haben unsere Rollen bei jedem Messpunkt neu eingeteilt, abhängig, was für Material jeder noch hatte – denn die Resonatoren, Schilde, Burster und Strikes, die jeder Spieler einsetzt, werden ja verbraucht und fehlen dann dem Spieler, so dass man das gleichmäßig aufteilt).

Gracht in Utrecht

So schön ist Utrecht, wenn man nicht auf sein Smartphone schaut…

Wir erreichten unser Portal „Lange Smeestraat“ ca. zwanzig Minuten vor Start des ersten Messpunktes (M1). Im Auftrag des TL luscherte ich um die Ecke (das Portal lag an einer Kreuzung) und versuchte, die Gegner zu zählen. Es war nicht jeder, der ein Smartphone in der Hand hielt, klar als Schlumpf zu erkennen, aber ich erspähte ca. zehn verdächtige Gestalten und meldete zehn Gegner an unseren OP. Es stellte sich heraus, dass es wohl deutlich mehr waren. Als nämlich unser OP das supergeheime Passwort ausrief (welches übrigens „supergeheimes Passwort“ lautete) und wir unser Engagement starteten, mussten wir feststellen, dass wir offenbar unterlegen waren. Jedenfalls war das Portal während des Measurements überwiegend blau, und die späteren Ergebnisse zeigten, dass es vor allem auch am Ende vom M1 blau war, wir das Portal (und die entsprechenden Punkte) also nicht für unsere Seite verbuchen konnten. Immerhin waren wir nicht so unterlegen, dass wir das Portal nie einnehmen konnten, daher blieben wir motiviert und unverdrossen. Das Gesamtergebnis von M1 war allerdings ziemlich frustrierend: RES: 2000, ENL 300. Grund: Die Schlümpfe hatten ihre leichte, zahlenmäßige Überlegenheit insgesamt sinnvoll genutzt und fähige Linkteams eine gute Portalverlinkung, die viele Zusatzpunkte bringt aufbauen lassen.

Bei M2 hatten wir zwei Portale („Brandbel“ und „Oude Hortus Botanicu“) zu halten. Wir erreichten die Location wieder mit einem reichlichen Zeitpolster. Ich war bei M1 „Striker“ gewesen und hatte meine 200 Ultra-Strikes, mit denen ich der Materialempfehlung für die Anomalie entsprechend angereist war, fast vollständig verfeuert. Bei M2 meldete ich mich dann zum Burster-Team und platzierte mich zwischen die beiden Portale. Plötzlich leuchtete der Scanner komplett grün: Ein fähiges Froschteam hatte so ziemlich komplett Holland und damit auch die gesamte Anomalie „überdacht“ (ein großes, grünes Feld gebaut) – sogar mit mehreren Schichten („Multi-Layer“). Auf diese Art und Weise leisteten diese Fraktionskollegen einen sehr wertvollen Beitrag, ohne vor Ort zu sein. Denn erstens brachte diese Aktion Punkte für unsere Fraktion, zum anderen wurde unterbunden, dass die Schlümpfe wieder wie bei M1 linken konnten – denn innerhalb eines Feldes kann man keine Links setzen. Demzufolge war unser Team in bester Laune und bewunderte die fähigen Kollegen, die diese Aktion durchgeführt haben.

M2 begann wieder auf Startbefehl unseres TL, und ich ballerte, was das Zeug hielt. Leider hatte ich (und nicht nur ich, aber das wird dem Gegner nicht besser gegangen sein), immer Probleme damit, XM nachzuladen. Wenn ich meine Powercubes aufrief, waren diese wegen des „lags“ lange nicht verfügbar, und ohne Energie konnte ich nicht feuern, und mein temporärer Ausfall half dann dem Gegner. Gefühlt ging es etwas schneller, wenn ich Ingress neu startete. Dem Scanner nach lief es diesmal erheblich besser, die Portale waren überwiegend grün – und wie sich später zeigte, auch zum Ende von M2, so dass wir die Punkte für beide Portale für unser Team verbuchen konnten. Yippie!

Also auf zu M3. Dieser führte uns zu einer Straße auf der Rückseite des beeindruckenden Doms zu Utrecht. Es galt diesmal drei Portale zu halten, „Claustraal Huis Van Een Kanunnik Van De Dom“, „Francois Villon“ (eine Statue) und „Sol 912“. Zuerst schienen wir mit dieser Aufgabe überfordert und überlegten, uns nur auf zwei Portale zu konzentrieren. Doch dann bekamen wir unerwartet höchst willkommene Verstärkung: Ein niederländisches Enlightened-Team, das per „Fiets“ (Fahrrad) unterwegs war, stieß zu uns. Das große, grüne Feld war immer noch über dem gesamten geschehen, das Fiets-Team hatte eigentlich die Aufgabe zu linken und war nun arbeitslos (weil unter dem Feld nicht gelinkt werden konnte). Daher war es angewiesen worden, unser Cluster-Team zu unterstützten. Durch diese Verstärkung waren wir diesmal zahlenmäßig deutlich überlegen. Ich hatte noch reichlich Burster und hatte mich demzufolge zum wieder zum Burster-Team gemeldet. Auch hier sah es während des Measurements wieder sehr gut für uns aus. Das Ergebnis, welches wir viel später erst erhielten besagte, dass wir „Francois“ und „Claustraal“ gehalten hatten. „Sol 912“ war am Ende neutral geblieben, konnte also von keiner Seite als Punktgewinn verbucht werden.

Wir machten uns auf die Socken zu M4. Dazu gingen wir durch einen schönen Innenhof des Doms, aber als ich Fotos machen wollte, trieb uns der TL zur Eile, unsere Zielportale seien innerhalb der uns zur Verfügung stehenden Zeit nur mit flottem Tempo zu erreichen. Unser Weg führte uns aus der schönen Altstadt von Utrecht (dazu später mehr) in ein moderneres Viertel. Dieses war nicht so schön wie die Altstadt, aber auch nicht so hässlich wie das Bahnhofsviertel mit dem Messegelände, eine Einkaufsgegend, wie man sie in jeder größeren, westlich geprägten Stadt findet. Unsere Zielportale lagen am Rande einer großen Baustelle, wir mussten diese erst einmal umrunden, um dorthin zu gelangen. Wir fanden uns auf einer kleinen Fläche vor einem größeren Gebäude wieder, in unmittelbarer Nähe tranken Leute an Tischen draußen Kaffee. Von den Schlümpfen war zunächst nichts zu sehen. Wir nahmen die beiden Portale präventiv ein und befestigten sie mit insgesamt 8 AXA-Schilden (diese sind momentan die stärksten Schilde, die es gibt – sie tragen das Logo der AXA-Versicherung, an die NIANTIC Ingress zur Zeit vermarktet hat).

Zwei verdächtige Personen per Fiets tauchten auf. Der eine trug einen froschgrünen Hut, aber keine von den grünen Plastikkarten. Wir waren sofort (und zu Recht) skeptisch. Wir sprachen sie an, und sie versuchten gar nicht erst, uns hinter das Licht zu führen sondern outeten sich. Es waren ganz offensichtlich Aufklärer, denn kurze Zeit später tauchte ein uns zahlenmäßig deutlich überlegener Trupp Schlümpfe auf, mehr als 20 Leute. Vor Beginn des Messspunktes feuerte der Gegner nur sporadisch und entspannt auf unsere zwei Portale, wir hatten keine Mühe, unsere Resonatoren nachzuladen. Allerdings hatten mehrere Schlümpfe den Sound von Ingress laut aufgedreht, vermutlich als psychologische Kriegführung zu verstehen.

Den Sound von Ingress finde ich eigentlich sehr cool gemacht. Die ganze Zeit läuft so eine Art „Gruselsoundtrack“ im Hintergrund, der sehr geheimnisvoll klingt. Dazu kommen Soundeffekte für die verschiedenen Aktionen, und vor allem eine Sprachausgabe (weiblich, englisch), die viele Aktionen kommentiert. Schon cool gemacht, aber auf die Dauer nervig. Daher haben fast alle Ingress-Spieler den Sound normalerweise deaktiviert. Der laute Sound aus den Geräten der Schlümpfe sollte uns wohl provozieren oder demoralisieren.

M4 startete, und die Schlümpfe begannen, unsere Portale mit Strikes und Burstern einzudecken. Meine Aufgabe war diesmal „Deployer“, aber da wir deutlich unterlegen waren, schoss ich eher mit Burstern, ich hatte noch welche von M2 und M3 über. Nur zwischenzeitlich versuchte ich, zu deployen. Es war auch eher sinnlos, wir konnten gegen die Übermacht allenfalls neutrale Portale erreichen (also quasi „Unentschieden“). Es sah aber sehr schlecht aus, und wir verloren beide Portale.

Danach war es das dann mit den offiziellen Gefechten gegen die Schlümpfe – und wir konnten ein Bier trinken gehen.

to be continued…

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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