Astonishing – Part One

Okay, los geht’s. Gerade bin ich in Osnabrück in den Zug gestiegen, der immerhin schon mal pünktlich losgefahren ist. Das ist schon viel wert, die Umsteigezeit in Dortmund beträgt nur 4 Minuten, und mir ist echt mulmig zumute. Ich muss diesen Anschluss kriegen, sonst ist die Reise wahrscheinlich umsonst. Und ich wäre über 100 Euro und eine Menge Zeit ohne Gegenleistung ärmer…

Worum geht es eigentlich? „The Astonishing“, ein Dream-Theater-Konzert, heute, 20.00 Uhr in Bochum. Mitte Februar erfuhr ich zufällig, dass meine Lieblingsband Ende Januar ein neues Album herausgebracht hat. Ich hörte ein anderes Album der Band über die Amazon-Cloud und wurde daraf hingewiesen. Okayyyy… Ich erfuhr per whatsapp, dass ein sauberer Herr jüngerer Neffen schon seit einiger Zeit davon wusste und mir nicht Bescheid gesagt hat. Grrrr. Ein paar Tage später meldete sich der Herr älterer Neffe per Whatsapp: „Ey, krass, Dream Theater hat ein neues Album draußen, wusstest Du das?“ Ähm. Soviel zum Thema Glashäuser und Steine werfen.

Natürlich bemühte ich sofort Google und Wikipedia, um nähere Informationen zu bekommen. Es handelt sich bei „The Astonishing“ nicht einfach nur um „irgendein“ Album, „episches Werk“ trifft es wohl eher. Ca. 2 Stunden und 10 Minuten (2 CDs), bombastischer Prog-Metal mit Chor und Orchester, lange Hintergrundgeschichte, in den USA das erste Dream-Theater-Album auf Platz 1 der Album-Charts, in Deutschland und diverse anderen eropäischen Ländern ebenfalls in den Top 10. Bei den Konzerten dazu (vier davon in Deutschland) würde das gesamte Album gespielt werden, wobei auf Videowänden die Geschichte, die die 34 Titel erzählen, in Form eines eigens produzierten Animationsfilmes gezeigt würde. Wow. Einige Mausklicks später hatte ich das Album erworben und über die Cloud sofort verfügbar, die CDs kamen einige Tage später. Ich musste das Werk einige Male durchhören, um Musik und Handlung voll zu erfassen.

Der offizielle Astonishing-Trailer

Und die Geschichte geht – in meinen eigenen Worten, etwa so:

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit ein sehr talentierter Prog-Metal-Gitarrist, der hieß John Petrucci. Und dachte bei sich: „Ei was gibt es doch für gar feine Erzählungen auf dieser Welt über Jedi-Ritter und Ring-Träger und Thron-Spieler. Ich will auch eine gar feine Geschichte schreiben und meine wackeren Bandkollegen fragen, ob sie mir nicht helfen, diese in ein musikalisches Epos einzubetten.“ Und so geschah es. Der Barde James LaBrie, Keyboard-Zauberer Jordan Rudess, Bass-Ninja John Myung und Schlagzeug-Geist Mike Magini willigten ein. Und so schrieb John Petrucci seine Geschichte.

Und diese Geschichte geht – in meinen eigenen Worten, etwa so:

Es wird einmal sein in nicht allzu ferner Zukunft ein Land, das wird „The Great Northern Empire Of The Americas“ heißen. Dort wird einmal gewesen sein … ach… kacke. Das wird mir zu anstrengend, das alles im Futur zu schreiben, das bekommen ich eh nicht konsequent geregelt. Also schreibe ich, als wäre es schon passiert, das müsst Ihr dann selber klarkriegen…

Wo war ich? Achja. Das „Great Northern Empire of the Americas“ wurde von einem gierigen Herrscher, Lord Nafayius, mit eiserner Hand regiert. Während er mit seiner Famile in einem komfortablen 27-Zimmer-Küche-Bad-Bowlingbahn-Palast in Saus und Braus residierte, lebten seine Untertanen im Lande in ärmlichsten Verhältnissen. Über den Landen schwebten, alles sehend, die NOMACS (noise machines), überwachten die Untertanen und verdrängten mit ihren elektronischen Missklängen jegliches Aufkommen von Musik und Kultur.

Doch wie immer in solchen Geschichten von Unterdrückung durch allmächtige Herrscher gibt es sowas wie ein kleines gallisches Dorf, in diesem Falle mit dem klingenden Namen „Ravenskill“, in dem sich der Widerstand gegen die Unterdrückung formierte. In Ravenskill lebte ein junger Barde, der (im Gegensatz zu seinem Pendant aus dem kleinen, gallischen Dorf) vortrefflich zu musizieren und zu singen verstand. Die Dorfbewohner hingen an seinen Lippen und priesen ihn als kommenden Retter. Besonders sein älterer Bruder Aryths vertrat diese Meinung und sammelte wehrhafte Männer um sich, um das Einläuten der neuen Zeit durch seinen Bruder Gabriel notfalls mit Gewalt zu flankieren. Aryths hatte seiner Frau Evangeline einst auf dem Sterbebett versprochen, dass ihr gemeinsamer Sohn Xander es einst einmal besser haben würde…

Inzwischen fragte sich Lord Nafaryus in der fernen Hauptstadt: „Was dringet denn hier seit einiger Zeit so ein penetrantes, wenngleich irgendwie melodisches Geräusch an mein hochherrschaftliches Ohr? Wer wagt es, an meinem Throne zu sägen?“ Die Gerüchte über den Retter und seine Musik hatten sich mittlerweile bis in die Hauptstadt herumgesprochen. Unsicher, ob sei Regentschaft wirklich in Gefahr wäre, beschloss der Lord, sich persönlich ins ferne Ravenskill aufzumachen, um sich selbst ein Bild zu machen. Zusammen mit seiner Frau Arabelle, Sohn Daryus und Tochter Faithe, umgeben von seiner Palastwache, machte er sich also auf die Reise um einmal auf richtig dicke Hose zu machen.

In Ravenskill hatte man sich auch dem Dorfplatz versammelt, um Gabriels Musik zu lauschen, als plötzlich mit machtigem Getöse der königliche Tross in die dörfliche Idylle platze. „Höre nicht meinetwegen auf, Deine Musik zu machen“, bat der Lord Gabriel in die einsetzende Stille. „Tu, wie mein Vater sagt, lass ihn nicht noch mal fragen!“, fügte Prinz Daryus mies gelaunt hinzu. Die folgende Performance war dann jedoch so überwältigend, dass es der gesamten, königliche Familie die Tränen in die Augen trieb.

Als wäre das nicht bemerkenswert genug, so genügte der erste Blickkontakt zwischen Retter Gabriel und Prinzessin Faithe für sofortige, erotisch-romantische Hochspannung zwischen diesen beiden…

Dies entging jedoch Nafaryus nicht. Nach der gelungenen und vielbeklatschten Performance Gabriels auf dem Dorfplatz wischte sich der große Imperator die Tränen aus den Augen und verkündete, Gabriel solle sich gefälligst von seinem Thron auf die Erde hinabbemühen, und man solle sich allerseits darüber klarwerden, dass er, Nafaryus, hier der Boss sei. Und damit das auch so bliebe, habe man Gabriel innerhalb von drei Tagen gut verschnürt per UPS ihm, dem König, zuzustellen, äh, auszuliefern. Andernfalls würde er Ravenskill dem Erdboden gleichmachen, jawoll! Mit diesen Worten traten Lord Nafaryus und sein Tross den Heimweg an.

Aryths schwor seinem Bruder indes mit reichlich Pathos, dass er ihn niemals ausliefern würde, man würde gemeinsam kämpfen.

Zurück im heimischen Palast in der fernen Hauptstadt haderte inzwischen Faithe mit ihrem Dasein. Nicht nur Gabriels Lied, auch die Ärmlichkeit der Dorfbewohner, aber auch die Hoffnung und der Mut, den sie in deren Augen sah, hatten sie tief bewegt. Und nicht zuletzt natürlich auch die ebenso spontan wie heftig aufgeflammte Liebe auf den ersten Blick zu Gabriel. Das Konzept der Musik war ihr übrigens nicht fremd – als Kind hatte sie vor Jahren bei Streifzügen durch die geheimen Hallen des Palastes einen vergessenen Music-Player entdeckt, fortan ihr größter Schatz und ihr „privates Paradies“. Und so beschloss sie, dass die Zeit reif sei für einen Wechsel, dass die Musik nicht privat bleiben dürfe, und überhaupt, dass sie auch Gabriel unbedingt wiedersehen müsse. Ergo schlüpfte sie schnell in eine Verkleidung, um heimlich und inkognito nach Ravenskill zurückzukehren und nach Gabriel zu suchen.

Jedoch entging dies ihrer Mutter Arabelle nicht, und in Sorge um ihre Tochter im feindlichen Ravenskill beauftragte sie Kronprinz Daryus, ihr heimlich zu folgen und sie zu beschützen. Damit ihr dort kein Lied geschehe. Pardon. Kein Leid geschehe. Daryus willigte ein, allerdings mit seinen eigenen Hintergedanken… Denn ihm ging mächtig auf den Keks, dass sein Vater seine Schwester ihm immer vorzog, da hatte er sich mittlweile einen mächtigen Komplex aufgebaut. Er würde sich schon einen Namen machen!

Zurück in Ravenskill suchte Faithe, unbemerkt verfolgt von ihrem Bruder Daryus mithilfe einer Zeichnung nach Aryths. Aber die Dorfbewohner halfen ihr nicht weiter. Kurz davor, aufzugeben, sah sie plötzlich Xander, Daryus‘ Sohn und bat diesen, sie zu seinem Vater zu bringen. Ohne Argwohn, die Güte in den Augen der Fremden erkennend, führte Xander Faithe (und somit unbewusst auch Daryus) in die heimische Sozialbauwohnung. Dort wurde Faithe von Aryths umgehend erkannt und bekam ersteinmal einen gehörigen Anschiss, wie sie es wagen könne, in seiner Hütte aufzutauchen, sie als Angehörige der imperialen Unterdrückung! Es gelang Faithe jedoch, sich zu erklären, und bald tauchte auch Gabriel auf, und die beiden begannen sofort ohne weitere Knutscherei, Pläne für die neue Welt zu schmieden. Gabriel war nicht entgangen, dass er auch den Imperator mit seinem Lied bewegt hatte, man würde ihn gemeinsam umstimmen, mit Musik und Liebe im Gepäck würde das ganz sicher klappen. Und so machten sich die beiden auf den Weg in die Hauptstadt.

Inzwischen war der kleine Kevin Xander allein zuhaus. Vater Aryths war beim Schwerttraining, beim Arbeitsamt, in einer Selbsthilfegruppe für künftig aufgabenlose Rebellenanführer oder wo auch immer. Dies nutzte der hinterlistige Kronprinz Daryus und klingelte an der Tür, die alsbald vom nach wie vor arglosen Xander geöffnet wurde. Daryus stellte schnell klar, dass Xander nun sein Gefangener sei, man würde nun auf Papa warten, damit er, der Kronprinz, einen Deal vorschlage könne.

Als Daryus dann heimkam und Daryus und dessen Schwert an der Kehle seines Sohnes entdeckte, wurde er entsprechend unwillig, wie könne Daryus es wagen.. (wie schon zuvor bei dessen Schwester Faithe). Alle Apelle an den Kindesentführer Daryus prallten jedoch an diesem ab, dieser unterbreitete stattdessen sein Angebot: Freiheit plus Harvard-Stipendium und Bausparvertrag für Xander gegen Auslieferung Gabriels, auf dass er, Daryus, aus dem dunklen Schatten seiner Schwester hervortreten und seinem Vater einmal zeigen könne, was für ein Hecht er sei.

Schwere Entscheidung für Daryus, hatte er doch seiner Frau verprochen, „X“ würde es einmal besser haben. Aber seinem Bruder andererseits ja auch, ihn zu beschützen, und was würde nun aus seinen revolutionären Plänen? Schweren Herzens entschied er sich schließlich für seinen Sohn.

Inzwischen wieder in der Hauptstadt, versuchte Faithe, ihren Vater zu überzeugen, seinen eisernen Griff um sein Königreich aufzugeben, Musik wieder zuzulassen und ihre Beziehung zu Gabriel zu akzeptieren. Diese Diskussion wogte ein wenig hin und her, bis Faithe schließlich ihre Mutter Arabelle bat, ihr doch zu helfen. Worauf diese ihren Gatten erinnerte, dass dieser einst genauso fühlte wie einst Faithe und dabei enthüllte, dass Faithes Music-Player einst ihrem Vater gehört hatte. Von seinen zwei Frauen schließlich halb überzeugt (die er heimlich unter seiner harten Schale mehr liebte als seine Herrschaft) willigte Lord Nafaryus schließlich ein, sich mit Garbiel im alten Amphitheater „Heaven’s Cove“ zu treffen, um ihn erneut musizieren zu hören. Eine Chance für einen Neubeginn.

Aryths, der von dem Plan Gabriels, sich mit Lord Nafaryus in Heaven’s Cove zu treffen, wusste, verriet diesen Plan an Daryus, worauf dieser hier einen Hinterhalt ersann. Dort, im alten, verlassenen Amphitheater würde kommende Nacht der große Showdown steigen!

Und so, als die Sterne über Heaven’s Cove aufgingen, tauchte Gabriel als vermeintlich Erster dort auf – unwissend über den Verrat seines Bruders und dessen sowie Daryus Anwesenheit. Als Aryths jedoch seinen Bruder erblickte, änderte er schlagartig seine Meinung – er würde ihn nicht um seines Sohnes willen verraten! Von Aryths Stimmungswandel nicht gerade begeistert, stellte sich Daryus gegen Arayths, und es kam zum Schwertkampf zwischen den beiden. Schließlich unterlag Aryths, tödlich verwundet, Daryus. Unbemerkt war Xander seinem Vater und Daryus gefolgt und war so zum Zeugen des Todes seines Vater geworden. Übrigens ein wenig unlogisch, warum hat das Gör als Daryus‘ Faustpfand frei im Vergnügungsviertel herumzulaufen, geschweige denn unbegleitet nach 22 Uhr in seinem Alter in einer fremden Stadt, aber naja. Ist ja kein Dokumentarfilm.

Ebenso unverständlich ist, dass sich auch Faithe, wieder verhüllt, auf den Weg zu Heaven’s Cove gemacht hat, und sich dann so ihrem Bruder näherte. Diesem troff nach dem erfolgreichen Schwertkampf gegen Aryths noch ein gefährlicher Testosteron- und Adrenalin-Mix aus allen Poren, und er hielt die sich ihm nähernde, schattenhafte Gestalt fälschlicherweise für Gabriel. Und so wurde er erst, nachdem er die verhüllte Figur seinen Stahl hatte schmecken lassen, gewahr, dass es seine Schwester war, die nun um ihr Leben ringend und blutend vor ihm zusammensank.

Für Gabriel war es indes nicht unbedingt so der Bringer, im Minutentakt geliebte Menschen Opfer von Daryus‘ Klinge werden zu sehen. So stürzte er herbei, um die Hand seiner Faithe im Augenblick ihres Todes zu halten und diesen auch musikalisch zu untermalen. Nach ihrem letzten Atemzug beendete er sein Requiem mit einem lauten Schrei der Verzweiflung.

Mittlerweile waren auch Lord Nafaryus und seine Frau Arabelle am Tatort erschienen und beweinten den Tod ihrer Tochter. Der Imperator, tief traurig und bar aller Herrschaft im Angesicht des Dahinscheidens seiner geliebten Faithe, bat Gabriel, seine Tochter durch die Gabe seines Gesangs (in der er offenbar auch heilsame Kräfte vermutete, auch wenn das nie zuvor erwähnt wurde) zu retten. Doch der hatte seine Stimme durch den letzten Schrei verloren und war dazu tragischerweise nicht mehr fähig, so dass alle Hoffnung dahin war.

Nein, doch nicht! Denn durch den Schrei angerührt, erschienen nun, nach und nach, immer mehr singende Menschen in Heaven’s Cove, um Gabriel in dieser schweren Stunde beizustehen. Wiederum durch den Gesang der Menschenmenge angerührt (und durch den Willen des Autors John Petrucci), fand Gabriel wundersamerweise nun ebenfalls seine Stimme wieder, und so stimmte er in die mächtige „Hymne der 1.000 Stimmen“ mit ein – und diese weckte Faithe nun doch von den Toten wieder auf! Hurra!

Epilog: Der mächtige Imperator legte einen Schalter um und somit die bösen NOMACS für immer still, Daryus wurden seine Taten großmütig vergeben (eigenartigerweise von Arabelle, dabei waren ja Xander und Gabriel eher diejenigen, die etwas zu vergeben hatten), die Musik und die Freiheit kehrten ins Land zurück. Faithe und Gabriel adoptierten den Vollwaisen Xander und gründeten so eine Instant-Familie. Alles tutti.

ENDE

Frei nach den Songtexten und der Synopsis auf Wikipedia.com, siehe
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Astonishing

Es folgt der Konzertbericht…

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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