Die Münze – Teil 21

Es ging noch über zwei Stunden in etwa so weiter. Einige Tests brachten offenbar keine außergewöhnlichen Materialeigenschafte zu Tage, andere aber schon. Die magnetischen Eigenschaften verblüfften den Professor ebenfalls, allerdings nicht mehr so sehr, weil er mittlerweile offenbar mit allem rechnete. Gegen 23 Uhr sagte der Physiker schließlich „So, ich denke, wir sind für heute fertig. Ich habe alle Tests gemacht, die hier durchführbar sind, abgesehen von einem Blick durchs Elektronenmikroskop. Und das, schlage ich vor, machen wir dann morgen zum Abschluss unserer Untersuchungen.“ „Gut, einverstanden.“, antwortete Andrew. Er steckte die Münze, die ihm der Professor gab, wieder in seine Umhängetasche. Der Professor setzte sich noch kurz an das Terminal des Labors, tippte einige kurze Notizen zu den Ergebnissen, schickte alles an seinen Bürorechner und loggte sich aus. Gemeinsam fuhren sie mit dem Aufzug ins Erdgeschoss. „Soll ich Sie irgendwo absetzen?“, fragte Andrew. „Nein, ich bin mit dem Fahrrad da.“, antwortete der Professor. Sie verabschiedeten sich, und Andrew fuhr zurück zum Hotel.

Als er in der Tiefgarage geparkt und mit dem Fahrstuhl zur Lobby gefahren war, erblickte der die beiden Münzexperten in der Hotelbar, die an die Lobby angrenzte. Offenbar war es nicht bei zwei Dunklen geblieben. Die beiden Herren hatten frische Biere vor sich stehen, waren offenbar bester Laune und unterhielten sich angeregt. Andrew setzte sich zu ihnen an den Tisch. „Ah, Mr. Summers, willkommen in unserer beschaulichen Runde!“, trompetete Mr. Miles, „Garçon! Noch ein großes Dunkles, bitte!“ „Dankeschön.“, beeilte sich Andrew zu sagen, „Ich denke, das kann ich jetzt vertragen.“ „Nun, wie ist es ihnen noch ergangen mit unserem Professor?“, fragte Mr. Jameson. Andrew erzählte von den weiteren Versuchen, die MacIntyre durchgeführt hatte und ließ auch die außergewöhnlichen Ergebnisse nicht aus. Er unterbrach seine Ausführungen kurz, als der Kellner sein Getränk brachte. Als er geendet hatte, war auch sein Glas schon leer – das Bier hatte sehr gut geschmeckt, und er war auch durstig gewesen. Sofort bestellte Mr. Miles eine neue Runde. Sie diskutierten angeregt über die seltsamen Ergebnisse: Das ungewöhnliche Gewicht bzw. die hohe Dichte der Münze, das seltsame Bild und die nicht zu entschlüsselnde Legende, die einzigartigen elektrischen und magnetischen Eigenschaften.

Andrew hatte sein zweites Pint schon halb geleert, als Mr. Miles plötzlich unverblümt fragte: „Kommen Sie, Andrew, wo haben Sie die Münze nun wirklich her? Kollege Jameson mir hat erzählt, Sie hätten sie einfach so bei sich zuhause gefunden, aber ich würde mich wundern, wenn das schon die ganze Geschichte wäre…“ Andrew nahm einen Schluck aus seinem Glas. „Was soll’s?“, dachte er, und erzählte den beiden aufmerksam zuhörenden Numismatikern, dass die Münze buchstäblich vom Himmel gefallen war, sein Dach durchschlagen hatte und im Treppenpfosten stecken geblieben war. Das Detail mit dem Brand ließ er aus. „Aber, ich bitte Sie, meine Herren… ich betrachte Sie jetzt quasi als den kleinen Zirkel der Eingeweihten. Auch den Professor werde ich morgen einweihen, aber dabei soll es erst einmal bleiben.“, beschwor er Mr. Miles und Mr. Jameson. „So phantastisch es auch klingt, aber der Gedanke, dass meine Münze, oder ‚das Objekt‘, wie Sie es gerne nennen, nicht irdischen Ursprungs ist, klingt doch recht plausibel, wenn man die außergewöhnlichen Materialeigenschaften kennt. Und ich habe wenig Verlangen danach, dass übermorgen hunderte von UFO-Gläubigen durch meinen beschaulichen Vorgarten pilgern!“ Die beiden Eingeweihten versprachen, alles geheim zu halten – unter der Bedingung, weiter über alles, was Andrew noch herausfinden würde, eingeweiht zu werden. „Deal!“, sagte Andrew feierlich, und drei Pintgläser klirrten aneinander.

Fortsetung folgt…

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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