Die Münze – Teil 33

12. August 2017, 9:00 AM, Washington DC, USA
Der US-Präsident saß im Oval Office und beendete gerade einen Tweet an die Welt da draußen, als es klopfte. Er sah auf die Uhr – natürlich, das Neun-Uhr-Briefing. Also legte er sein Smartphone auf den Schreibtisch, grunzte er ein unwilliges „Herein“, und einer seiner Mitarbeiter, eine lederne Aktenmappe in der Hand, trat ein. Mr. Deacons oder Dawkins oder so. Whatever. „Was gibt’s Neues?“, fragte der Präsident. „Nun, die Anhörung ihres Schwiegersohns steht morgen auf dem Programm.“, sagte Mr. Meyers und zog den entsprechenden Umschlag aus der Aktenmappe. „Die New York Times schreibt, dass…“ „Verschonen Sie mich bitte mit diesen Fake News. Das interessiert mich nicht!“, wehrte der Präsident ab. Täuschte er sich, oder war da ein schadenfrohes Funkeln in den Augen des Mitarbeiters, als er über diese Russen-Sache sprach? Er machte sich eine gedankliche Notiz, diesen völlig unbrauchbaren Menschen auf die Abschussliste zu setzen. Zu dumm nur, dass alle nahen Verwandten in brauchbarem Alter bereits Aufgaben in seinem Stab hatten! Zu dumm, dass sein Sohn, den er mit seiner dritten und amtierenden Ehefrau gezeugt hatte, noch nicht die Highschool abgeschlossen hatte und somit für den Posten nicht infrage kam. Hm… vielleicht ein Praktikum?

„Dann haben wir hier die neusten Berichte von Truppenbewegungen aus Nord-Korea…“, riss Mr. Meyers ihn aus seinen Gedanken. „Langweilig. Dieser dicke, schlitzäugige Möchtegern-Herrscher sitzt auf ein paar Atombomben. Da sind wir uns doch sicher, oder? Nun, wir drehen ihm den Ölhahn zu, wir drehen ihm den Geldhahn zu, und wenn er dann immer noch Ärger macht, bomben wir ihn in die Steinzeit zurück. Feierabend.“, wetterte der Präsident. „Haben Sie nicht irgendetwas Interessantes für mich, irgendetwas Inspirierendes?“ „Nun, Hurrikan Irma…“, begann der Mitarbeiter. „Ersparen Sie mir das! Ich will mir nicht schon wieder nasse Füße holen!“, seufzte der Präsident. Auf Mr. Meyers hoher Stirn hatten sich mittlerweile Schweißtröpfchen gebildet.

Fieberhaft wühlte er in seiner Aktenmappe herum. Schließlich zog er einen neuen Umschlag hervor. „Nunja, die Jungs von der National Security Agency haben da einige Informationen von ihren Kollegen bei den Cousins abgegriffen. Ist schon seltsam, wie sicher sich manchmal Leute fühlen, deren Job das ‚Besorgen‘ von Informationen ist. Obwohl die selbst wissen, was für Schwachstellen in anderer Leute Systemen sie ausnutzen können, sehen sie nicht diejenigen in ihrem eigenen Laden. Insbesondere, wenn große Teile ihrer Hard- und Software in den USA hergestellt wurden…“ „Worum geht es denn da?“, unterbrach der Präsident. „Es ist ein Objekt aufgetaucht, welches einzigartige Materialeigenschaften hat. Die Briten haben es sichergestellt, weil es einen enormen Wert hätte, wenn man es reproduzieren könnte.“, erklärte der Mitarbeiter. „Inwiefern?“, fragte der Präsident, der alleine schon aufgrund der Tatsache, dass es der NSA gelungen war, die Briten auszuspionieren, Gefallen an der Sache fand. „Nun, die Briten glauben, wenn es gelänge, dieses Material herzustellen, würde es immense Fortschritte im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik bewirken.“ „Aha. Und damit geht vermutlich auch ein potentieller, militärischer Nutzen einher.“, folgerte der Präsident messerscharf. „Richtig.“, antwortete Mr. Meyers pflichtschuldig. „Aber das Interessanteste kommt noch: Die Briten glauben, dass das Objekt womöglich nicht von diesem Planeten stammt.“

„Wie bitte? Sie meinen, die Briten glauben, dass, was immer sie da haben, käme aus dem Weltall? Womöglich von Aliens hergestellt?“, fragte der Präsident ungläubig, während er seinen roten Schlips glatt strich. „Genau das. Das Objekt ist der Meinung der Briten nach nicht natürlichem Ursprungs, sondern eindeutig hergestellt worden, und wahrscheinlich nicht auf der Erde.“, war die Antwort. „Sehr interessant. Geben Sie bitte mal her.“, sagte der Präsident und nahm das Dossier im Umschlag entgegen. Nachdem er es gelesen hatte, lehnte er sich in seinem Sessel zurück und dachte einen Moment nach. Eine Alien-Münze, so schien es, war in England gelandet. Frechheit, wenn man darüber nachdachte. Es war doch ein ungeschriebenes Gesetz, dass alles Außerirdische gefälligst in den USA zu landen hatte – ging man denn außerhalb des hiesigen Sonnensystems nie ins Kino? Der Präsident verspürte ein unbändiges Verlangen danach, einen Haufen Abfangjäger starten zu lassen, um die kleinen, grünen Männchen wieder dahin zurück zu jagen, wo sie hergekommen waren. Aber erstens war das Ding ja in England gelandet – in einem Kaff namens Portreath übrigens – und zweitens war es offenbar das einzige seiner Art, und bisher war noch nicht die geringste Aggression gemeldet worden.

Der Präsident seufzte. Das war zwar interessant, würde ihn aber nicht aus seinem aktuellen Umfragetief herausholen können. Dennoch sagte er „Nachricht an die NSA: Die sollen das weiter im Auge behalten, und ich erwarte täglichen Bericht. Nächster Tagesordnungspunkt…“

Fortsetzung folgt…

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Antworten zu Die Münze – Teil 33

  1. satayspiess schreibt:

    Ah, sehr aktuell ….

  2. michikarl schreibt:

    Hallo Leute. Ich hatte gehofft, noch etwas weiter zu kommen als bis hierher, aber die Zeit hat sich in dieser Woche nicht ergeben. Die kommende Woche bin ich definitiv indisponiert. Aber dann geht es weiter. Viele Grüße, Michi

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