Die Münze – Teil 34

5 Jahre später
Die Münze war ganz schön herumgereicht worden. Zunächst hatte Rear Adminral Moore seinen direkten Vorgesetzten informiert, der ihn für seine „vorwitzigen Aktionismus“ gerüffelt hatte. Ein paar Tage später, als die Münze längst unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen an einen noch geheimeren Ort gebracht worden war, erhielt Moore einen Anruf vom Vorgesetzten seines Vorgesetzten, der den Rüffel revidierte und ihn ob „seiner vorbildlichen Eigeninitiative und seines beherzten Handelns“ lobte.

Nachdem die Kunde vom ungewöhnlichen Objekt sich durch die Hierarchien von Militär und Geheimdiensten hochgearbeitet hatte und verschiedene Teams von Wissenschaftlern unabhängig voneinander bestätigt hatten, dass man es hier mit etwas wirklich Einzigartigem zu tun hatte, wurde schließlich die Premierministerin vom Verteidigungsminister eingeweiht. Sie ließ sich über die möglichen Auswirkungen berichten und bestand darauf, die Münze mit eigenen Augen zu besichtigen, was sich für sie am Ende als enttäuschend unspektakulär herausstellte. Dann ordnete sie an, das Objekt unter höchster Geheimhaltung weiter von den besten Wissenschaftlern und mit dem besten Gerät des Landes zu untersuchen, insbesondere in Hinblick auf die Möglichkeit, die Materialien, aus denen die Münze bestand, irgendwie reproduzieren zu können.

Wenig später erhielt die Premierministerin einen Anruf des US-Präsidenten. Dieser informierte sie in seiner berüchtigten, wenig diplomatischen Art darüber, dass man Kenntnis von dem „Objekt nicht von dieser Welt“ hätte, und dass die „Cousins“ doch bitte ihre Erkenntnisse mit dem großen Partner auf der anderen Seite des Atlantiks zu teilen hätten. Die Staatschefin gab sich unwissend, versprach aber, sich umgehend zu informieren, ob da womöglich etwas im Busch sei. Sie kannte den Präsidenten von einigen Begegnungen und hatte sich längst ein psychologisches Profil erstellen lassen, was ihr dabei half, rethorisch und taktisch geschickt im Gespräch zu agieren. Sie konnte den mächtigsten Mann der Welt schließlich überzeugen und versprach, ihn auf dem Laufenden zu halten. Nachdem sie aufgelegt hatten, ordnete sie über gewisse, der Öffentlichkeit unbekannte, Kanäle eine umfassende Sicherheitsuntersuchung der Geheimdienste ihres Landes an, was sich zu einer soliden Affäre auswuchs und einige Beamte im Apparat veranlasste, von ihren Ämtern zurückzutreten.

Die Monate vergingen, und die besten Wissenschaftler fanden mit dem besten Gerät, welches das Vereinigte Königreich zu bieten hatte, wenig mehr über die Münze heraus. Allerdings war man sich einig, dass es niemals gelingen würde, die Materialien, aus denen die Münze bestand, jemals zu künstlich zu reproduzieren. Nachdem die eingeweihten Spitzen der Geheimdienste, des Militärs und der Regierung das Thema eine Weile erörtert hatten, verloren sie zunehmend das Interesse. Doch nachdem die Münze immer wieder als Tagesordnungspunkt auf den Sitzungsprotokollen auftauchte, ließ die Premierministerin schließlich nach einer abschließenden Präsentation aller bisherigen Erkenntnisse darüber abstimmen, ob man die absolute Geheimhaltung nicht aufgeben und eine internationale Zusammenarbeit zur weiteren, wissenschaftlichen Untersuchung anstreben solle. Durch die Überzeugung, dass die Münze ohne die Möglichkeit der Reproduktion dem Vereinigten Königreich weder wirtschaftliche, noch militärische Vorteile verschaffen würde, gab es schließlich eine Mehrheit für die internationale Zusammenarbeit.

Im Verlauf der folgenden Jahre reiste die Münze – nach wie vor unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen – um die Welt und landete auf unzähligen Labortischen. Sie wurde in Säuren und Basen getaucht, mit Strahlen und beschleunigten Elementarteilchen beschossen und den höchstmöglichen, im Labor erzeugbaren Temperaturen und Drücken ausgesetzt. Obwohl man im Vorfeld wusste, dass es aufgrund der unglaublichen Dichte des Materials kaum möglich sein würde, die Münze mit spanenden Methoden zu bearbeiten, versuchte man natürlich dennoch, mit den härtesten und besten Bohrern der Welt, winzige Bohrkerne für weitere Untersuchungen zu gewinnen. Natürlich endeten diese Versuche mit dem zweifelhaften Erfolg, ein paar sündhaft teure Bohrer ruiniert zu haben.

Schließlich gelang es der internationalen, wissenschaftlichen Elite immerhin, ein wichtiges Geheimnis der Münze aufzudecken.

Fortsetzung folgt…

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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4 Antworten zu Die Münze – Teil 34

  1. michikarl schreibt:

    Liebe Leser,
    sorry wegen der Auszeit – ich war einfach im Urlaub. Jetzt geht es aber weiter. Ich wünsche Euch viel Lesevergnügen (sofern ich dafür spannend genug schreibe). Bleibt mit gewogen 😉

  2. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Unbedingt bleibe ich Dir gewogen, Bruderherz! Was für ein Zeitsprung plötzlich! Irgendwie auch wohltuend, nach all dem Detailreichtum vorher. Eine Tempoveränderung, ein interessantes Mittel in der Gesamtkomposition! Und dann wieder ein Cliffhanger, bin gespannt!

  3. satayspiess schreibt:

    Ich bin auch noch „dran“. 🙂

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