Die Münze – Teil 39

Andererseits… Vor fünf Generationen erkannte einer der Angehörigen aus der Kaste der Arbeiter und Bauern ein Problem. Die Automatisierung der Nahrungsmittelproduktion stieg. Vor vielen Generationen hatten die Bauen noch mit Zugtieren die Äcker gepflügt, inzwischen hatten die Denker unter den Herrschern Motoren und Maschinen entwickelt, mit denen die Bauern die Äcker schneller pflügen konnten. Zuerst war das etwas Gutes gewesen. Es wurde viel mehr Nahrung produziert, Hungersnöte gehörten der Vergangenheit an, und auch die Kaste der Bauern hatte gut gelebt. Doch die Maschinen waren immer durchdachter, immer effizienter, immer schneller geworden. Und damit brauchte es immer weniger Menschen, um sie zu bedienen, während die Ernteerträge förmlich explodierten und die Maschinen immer komplizierter wurden. Nur die schlausten der Bauern konnten sie noch bedienen. Diejenigen, die es nicht konnten, stumpften ab und fühlten sich nutzlos. Ohne Beschäftigung verloren sie ihren Lebenssinn, viele ihren Lebensmut, und nicht wenige ließen ihre Frustration an ihren Frauen und Kindern aus. Die Suzid-Rate stieg dramatisch an.

Gleichzeitig wurden die Böden immer schlechter. Die übermäßig hohe Belastung mit künstlicher Bewässerung, künstlicher Bestrahlung und künstlicher Düngung laugte die fruchtbaren Ebenen aus. Die Kaste der Herrscher und die Denker unter ihnen interessierte das nicht. Sie lebten in Saus und Braus und ihrer Selbstherrlichkeit als Schöpfer aller Dinge. Die Welt der Bauern interessierte sie nicht. Hauptsache, sie hatten im Übermaße zu essen, und die Arbeiter und Bauern … nun, wer brauchte die auf Dauer denn eigentlich noch? Wenn die Automatisierung abgeschlossen wäre, würde Anbau und Ernte vollautomatisch ablaufen, die Maschinen würden sich selbst warten und reproduzieren, und die Arbeiter und Bauern wären nicht mehr vonnöten. Damit wäre dann auch das Ernährungsproblem gelöst.

Genau das erahnte ein ungewöhnlich heller Kopf unter den Arbeiten und Bauern aber eben auch. Warum, so dachte er, würden sich die Herrscher auf Dauer überhaupt noch die Mühe machen, die niederen Bauen noch weiter in ihrem System zu dulden? Wozu wären sie noch nütze, wenn alles, was sie brauchten, von Maschinen hergestellt würde, die viel einfacher zu kontrollieren waren? Er durchdachte alles mehrere Male und besorgte sich alles, was an veraltetem Ausbildungsmaterial über Agrartechniken und deren Geschichte zu bekommen war. Dazu gehörten auch Ernteerträge verschiedener Nutzpflanzenarten, die über mehrere Jahre nahezu exponentiell gewachsen waren um später wieder, aufgrund der ausgelaugten Böden, langsam zurück zu gehen. Auch konnte er Einsicht in die Entwicklung der beteiligten Bauern, die nötig waren, um eine bestimmte Fläche zu bestellen, gewinnen. Auf diese Art konnte er die Entwicklungen grafisch darstellen, Kurven zeichnen und prognostizieren, wann erstens die Erträge nicht mehr ausreichen würden, um alle Arbeiter und Bauern ausreichend zu versorgen und zweitens Arbeiter und Bauern womöglich auch gar nicht mehr benötigt wurden.

Interessanterweise war das sogar annähernd zum selben Zeitpunkt und in nicht allzu ferner Zukunft der Fall.

Fortsetzung folgt…

Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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