Die Münze – Nachwort

So, noch ein paar Worte zu meiner 44-teiligen Geschichte. Erst einmal vielen Dank allen, die mir bis hierher gefolgt sind. Viele sind es sicherlich nicht, aber Teile meiner Familie und vielleicht ein paar andere haben wacker durchgehalten, trotz langatmiger Beschreibung numismatischer, technischer oder physikalischer Zusammenhänge. Dankeschön, auch für Eure Kommentare hier im Blog oder anderswo. ACHTUNG: Ab hier kommen Spoiler! Wer die Geschichte noch lesen oder zuende lesen möchte, sollte ab hier nicht weiterlesen!

Ich hatte einen Traum, ich war mit Freunden irgendwo in einem fremden Haus, und auf einmal steckte aus heiterem Himmel eine heisse Münze in einem Holzbalken. Viel mehr weiß ich nicht, nur, dass ich zuvor noch einen viel abgefahrenen Traum hatte, ein unglaublicher Thriller und ich wachte auch und dachte nur „WOW! Davon ein Drehbuch und ein Film.“ Nur leider wusste ich fast sofort nichts mehr davon.

Nun, auf dem Fahrrad auf dem Weg in die Firma dachte ich mir das Szenario mit dem Geschoss von einem misslungenen Attentatsversuch vor langer Zeit auf einem weitentfernten Planeten aus. Mir war klar, dass ich damit nicht das Rad neu erfinden würden; aber das tun die „richtigen“ Autoren auch nicht immer. Ursprünglich hatte ich geplant, dass der Attentatsversuch fehlschlagen sollte, also dass es keinen „Backup-Attentäter“ gab, aber während des Schreibens legte mir der nahezu perfekte „Mehrgenerationen-Plan“ irgendwie nahe, dass es beim zweiten Versuch klappen sollte – auch weil das Ende für die Leser vielleicht befriedigender ausfallen würde.

Zum Schreiben an sich: Ursprünglich dachte ich, es würde die Länge einer Kurzgeschichte werden. Stattdessen ist es eher ein Kurzroman geworden. Die Geschichte entwickelte schnell sehr viel Eigenleben, es entstanden Wendungen, die mir einfach plausibel erschienen. Zum Beispiel die Sache mit der Radioaktivität, die ich ja seitenweise beschrieben habe, und die dann doch im Sande verlief. Sicherlich bezüglich des Unterhaltungswertes nicht so toll, aber mir erschien das einfach plausibel, anzunehmen, ein so schweres Material könne radioaktiv sein. Personen wie die Studenten oder der Rear Admiral entstanden quasi „on the fly“, im Prozess. Aus der Geschichte mit den Studenten hätte man sicherlich mehr machen können.

Natürlich war es gewissermaßen ein Experiment, eine Fortsetzungsgeschichte zu schreiben, das brachte mich auch in Zugzwang, regelmäßig zu liefern. Das war manchmal auch anstrengend, ich hatte nicht immer Lust zum Schreiben und tat es doch. Außerdem führte es dazu, dass niemand vor der Veröffentlichung hier einmal drübergeschaut hätte. Vieles wäre sicherlich besser geworden, wenn es jemand korrekturgelesen hätte, damit meine ich durchaus auch inhaltlich. Mindestens ein logischer Fehler ist mir schon bewusst geworden: Als der – übrigens absolut fiktive – US-Präsident vorkommt wird der Hurrikan „Irma“ erwähnt, den es zu dem Zeitpunkt (es steht ja ein Datum dran) noch gar nicht gab. Ich fürchte, es gibt noch einige solcher Pannen mehr, und vieles bewegt sich mindestens am Rande der Plausibilität, beispielsweise die Sache mit der Altersbestimmung der Münze.

Ich habe schon einige Stunden im Internet recherchiert: Über Portreath (ich habe auf Google Maps an der Küste gesucht, und mir gefiel der Name, und dass eine alte RAF-Basis in der Nähe ist, was aber Zufall war), über Cambridge (naja, DER Ort der Lehre in Großbritannien), über das Cavendish-Laboratory (nun, ich suchte nach Physik in Cambridge, und landete dort, wo Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde), über Numismatik, über den Untergang der HMS Sheffield und der HMS Coventry im Falklandkrieg und so einiges mehr. „Richtige“ Autoren recherchieren länger, nicht nur im Internet und haben teilweise extra noch Leute dafür. Dennoch fand ich es interessant, wie ich die Geschichte durch reale Orte und Dinge etwas autentischer gestalten konnte. Den „Lighthouse Hill“ und die anderen Straßen in Port Reath gibt es wirklich, das Cavendish Laboratory hat wirklich ein Elektronenmikroskop des erwähnten Typs von Hitachi und auch bei den Geigerzählern habe ich mich an realen Vorbildern orientiert.

Übrigens: Eine Sache habe ich, zumindest halbwegs, geklaut: Die Sache mit dem Biomonitor der Herrscher und dem daran gekoppelten Wohlbefinden der Krieger-Clans. In dem Buch „Der Regenbogen des Mars“ von Robert L. Forward gibt es einen Herrscher (ich glaube, auf der Erde), der neben einem globalen Überwachungssystem des kompletten Planeten auch eine globale Waffe hat bauen lassen, die mit seinem Biomonitor gekoppelt ist. Sein Tod würde den Weltuntergang bedeuten. Am Ende ist seine Gesundheit schlecht, aber man findet einen Weg, mithilfe einer Art genitischen Zwillings den Biomonitor auf einen gesunden Menschen zu übertragen und so den Weltuntergang zu verhindern. Ich habe den Grundgedanken geklaut und abgewandelt.

Wie auch immer, ich habe jedenfalls gelernt, dass eine Geschichte, die ich schreibe, ein ziemliches Eigenleben entwickeln kann, und dass das Schreiben ganz schön anstrengend ist. Mir wurde bewusst, dass ich Teil B hätte viel ausführlicher und wahrscheinlich auch lebendiger hätte gestalten können, wenn ich das weniger rückblickend als Geschichte sondern in der Gegenwart und als Erlebnisse der Personen (z.B. der tapferen Agentinnen, die die Krieger- und die Herrscher-Kaste unterwandert haben) geschrieben hätte. Aber erstens hatte ich keine Lust, mir außerirdische Namen auszudenken, und zweitens wollte ich nach Teil A irgendwann einmal fertig sein, um mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Und Teil B war von Anfang an nie aufwändiger geplant gewesen.

So, das war’s von mir. Wer weiß, vielleicht gibt es doch eines Tages ein Sequel (oder ein Prequel), oder ich erzähle die Geschichte doch noch einmal aus der Perspektive der Helden aus der Arbeiter- und Bauern-Kaste (hihi klingt nach DDR). Aber bis auf weiteres bin ich fertig. Nochmals lieben Dank fürs lesen und jetzt würde ich mich sehr über abschließendes Feedback in den Kommentaren freuen, und zwar sowohl über positives als auch über kritische Töne. Schreibt gerne auch das auf, was Euch nicht so gefallen hat.

Liebe Grüße,
der Michi

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Über michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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Eine Antwort zu Die Münze – Nachwort

  1. Elisabeth van Nguyen schreibt:

    Lieber Michi, also, erst mal vielen Dank für Deine Geschichte, die uns nun eine ganze Zeit begleitet hat. Hier im Haus war die Freude immer groß, wenn ein neuer Teil draußen war. Und jetzt ist es ein wenig traurig, Abschied zu nehmen. Schnüff… Insgesamt spannend und interessant! Die Knackpunkte, die ich hätte, hast Du ja schon selbst genannt: Für meinen, nicht so naturwissenschaflich-technisch orientierten Geschmack manchmal zu viele Details auf diesem Gebiet, über die ich dann einfach ähnlich schnell hinweggelesen habe wie über die Beschreibung etwa der Air and Space Museums in Deinem Reise-Blog. Aber im ersten Teil gab es andererseits viele gute Orts- und Charakterbeschreibungen, das hat mir gut gefallen! Die gab es im zweiten Teil nicht, das hast Du ja auch begründet. Letzterer war mir insgesamt zu sehr SciFi (obwohl ja eigentlich Vergangenheit), aber das ist dann halt auch wieder mein persönlicher Lesegeschmack. Am Ende war es dann aber doch spannend, besonders auch mit dem retardierenden Moment des gescheiterten Attentats. Toll, dass Du es durchgehalten hast, immer wieder weiterzuschreiben. Vielen Dank für dieses Geschenk!

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